Neonregen von James Lee Burke

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1987 unter dem Titel The Neon Rain, deutsche Ausgabe erstmals 1991 bei Ullstein.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Louisiana, 1970 - 1989.
Folge 1 der Dave-Robicheaux-Serie.

  • New York: Henry Holt, 1987 unter dem Titel The Neon Rain. 248 Seiten.
  • London: Mysterious Press, 1989. 299 Seiten.
  • Frankfurt am Main; Berlin: Ullstein, 1991. Übersetzt von Hans H. Harbort. ISBN: 3-548-10670-6. 299 Seiten.
  • Frankfurt am Main; Berlin: Ullstein, 1992. Übersetzt von Hans H. Harbort. ISBN: 3-548-10717-6. 299 Seiten.

'Neonregen' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Die Warnung kommt aus der Todeszelle. »Passen Sie auf«, sagt kurz vor seiner Exekution ein Mafia-Killer dem Polizisten Dave Robicheaux von der Mordkommission in New Orleans, »die Kolumbianer wollen Ihren Kopf.« Und prompt muß Robicheaux wieder an das tote Negermädchen denken, das er jüngst aus einem Tümpel gezogen hat.

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Stefan83 zu »James Lee Burke: Neonregen« 23.08.2009
Lange hat es gedauert, bis ich "Neonregen", den ersten Band aus der Reihe um Detective Lieutenant Dave Robicheaux, zu einem einigermaßen akzeptablen Preis ergattern konnte. Da mittlerweile alle Bände vergriffen sind und unverständlicherweise die neuesten Titel aus James Lee Burkes Feder nicht mehr ins Deutsche übersetzt werden, wird leider vielen der heutigen Leser der Name des Autors kein Begriff mehr sein.

Das ist nicht nur schade, sondern schon eine Schande, denn Burke, der mehrfach mit dem Edgar Award ausgezeichnet und sogar für den Pulitzer-Preis (als Krimiautor!) nominiert worden ist, überzeugt mit einer Sprachgewalt und einer bildreichen Schilderung, die ich so bei noch keinem anderen Schriftsteller des Hardboiled-Genres vorgefunden habe. Und er zeigt schon in "Neonregen" warum er zum Vorbild vieler ihm nacheifernder Kollegen geworden ist.

Die Geschichte dürfte irgendwann in den Achtzigern im Süden Louisianas spielen. Genauer gesagt in New Orleans. Dave Robicheaux, trockener Alkoholiker und knallharter Cop, besucht in der Todeszelle den Mafiosi Johnny Massina, der noch am selben Tag auf dem elektrischen Stuhl gegrillt werden soll. Dieser lässt "Streak", wie Robicheaux aufgrund seiner weißen Haarsträhne von Kollegen und Freunden gerufen wird, noch vorher eine Warnung zukommen. Die Kolumbianer wollen seinen Kopf und haben bereits Leute auf ihn angesetzt. Robicheaux kann sich anfangs keinen Reim auf den Zorn der "Schmalzlocken" machen, bis ihm die Leiche eines toten schwarzen Mädchens in Erinnerung kommt, die er vor kurzem beim Angeln aus dem Sumpf gezogen hat. Seine Neugier ist geweckt und als er bei seinen Untersuchungen in dem fraglichen Bezirk sogar von Streifenpolizisten in die Mangel genommen wird, weiß er, dass mehr hinter der Sache stecken muss. Gemeinsam mit seinem Partner Clete fängt er an, die kriminellen Bäume abzuschütteln und sieht sich bald darauf mit mehr Aufmerksamkeit konfrontiert, als ihm lieb sein kann...

Na, das ist doch keine neue Story, wird der ein oder andere dazu wohl sagen. Worauf man ihn darüber aufklären sollte, dass es James Lee Burke war, der die Weichen für diese Art von Kriminalliteratur gestellt hat, damit heute Züge namens John Connolly und Nick Stone darauf fahren können. Und so sehr diese auch in der Art ihrer Schreibe an ihn heranreichen, die Klasse Burkes wird ihnen wohl auf ewig verschlossen bleiben. Auf eine unvergleichliche Art und Weise schafft dieser eine Atmosphäre, die den Leser automatisch in den mückenverseuchten Süden der USA katapultiert und ihn bis zum Ende des Buches gefangen nimmt. Burke schreibt derart detailliert und bildreich, dass man die schwüle Hitze zu fühlen, das Spanische Moos an den Bäumen zu sehen und die Poor-Boy-Sandwichs zu schmecken glaubt. Egal ob man schon in New Orleans war oder nicht. Die Stimmung, das Flair, die Seele der Stadt, werden dermaßen grandios auf Papier gebracht, dass man sich auf der Stelle selbst dorthin wünscht. Und das obwohl Burke ein durchaus düsteres Bild der Umgebung zeichnet.

Korruption herrscht allerorten, Gangs beherrschen die Stadt, Nutten bevölkern die Straßen. Hinter der Fassade des French Quarter zeigt sie ihr dreckiges Gesicht, weshalb natürlich auch die Bullen entsprechend tough sein müssen: Robicheaux, mit einer kaputten Vergangenheit samt Einsatz in Vietnam, nimmt es mit den Regeln nicht genau und setzt auch gern mal etwas mehr Gewalt ein. Das sorgt nicht nur für spannungsgeladene Momente, sondern zwischendurch auch immer wieder mal für drastische, patronengeschwängerte Action. Im großen Ganzen bleibt Burkes Erzählstil aber erstaunlich ruhig, in seinen Landschafts- und Wetterbeschreibungen kommt er sogar sehr poetisch daher. Möglicherweise ist es dieser gelungene Spagat, der mich letztlich so begeistert hat. Fakt ist:

Insgesamt gehört "Neonregen" mit zum Besten was ich in dieser Richtung gelesen habe und macht unheimlich Lust auf mehr. Man kann nur hoffen, dass irgendeinem Verlagsleiter mal endlich ein Lichtlein aufgeht und wir auch in den Genuss der neueren Burke-Werke kommen.
11 von 13 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
TM zu »James Lee Burke: Neonregen« 06.07.2009
Nachdem ich einige der neueren Romane gelesen habe, habe ich nun endlich mal auch den ersten zu einem akzeptablen Preis ergattern können damit ich mal chronologisch vorgehen kann.
Leider bin ich schon nach 45 Seiten ins Stocken gekommen und zwar über die Frage ob bei der Beschreibung der Szene in der Dave von den 2 Deputies kontrolliert wird nicht ein ganz grober Schnitzer steckt: Wie kann die Dame die ihn mitnimmt beim Rückwärtsfahren erst Daves Wagen treffen wo der Streifenwagen sich doch vor ihn gesetzt hat? Irgendwie klemmt da der "Film im Kopf" - oder wo liegt da mein Vorstellungsfehler?
Carline zu »James Lee Burke: Neonregen« 19.02.2008
Wodurch fasziniert dieser Roman?
Liegt es an der bildhaften Beschreibung der unvergleichlichen Atmosphäre im amerikanischen Süden? Oder ist es dieser kaputte Charakter Dave Robicheaux, ein unverwechselbarer Typ mit cojones aus Edelstahl, ein unverbesserlicher Idealist, der an eine Welt glaubt, wie sie sein sollte? Die Krimihandlung an sich? Vermutlich ist es das perfekte Zusammenspiel von allem.
Egal. Bei dieser schwülen Hitze wünscht man sich ins Straßencafé, um ein kühles Jax-Bier und ein Poor-Boy-Sandwich zu ordern.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Tom Colfax zu »James Lee Burke: Neonregen« 20.08.2005
Burke gelingt es, ein düsteres und rasantes Bild von New Orleans zu zeichen. Ganz im Sinne der Hard-boiled Schule bahnt sich der aufrichtige Robicheaux den Weg durch die Unterwelt.
Nachdem er am Selbstmord einer jungen Prostituierten zweifelt und von einem Mord ausgeht, bringt er die Machtgefüge der Gangsterbosse gehörig durcheinander. Als sich dann das FBI einschaltet, ist Robicheaux sich nicht mehr klar, wie tief er in der Klemme steckt.
Wegen der gelungenen Atmosphäre, die Burke aufbaut; wegen der sehr genauen und treffenden Beschreibung von New Orleans ; und weil Robicheaux zwar mit viel Witz, aber nicht immer mit klarem Kopf auftritt, ist das Buch sehr empfehlenswert. Liegt ein bißchen zwischen Mankell und Rankin.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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