Ein amerikanischer Thriller von James Ellroy

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1995 unter dem Titel American Tabloid, deutsche Ausgabe erstmals 1996 bei Hoffmann & Campe. 637 Seiten. ISBN-10: 3-548-25487-X, ISBN-13: 978-3-548-25487-6. Übersetzt von Stephen Tree.

'Ein amerikanischer Thriller' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Macht, Milliarden und Mord im Amerika der Kennedys. James Ellroy erzählt von der Kehrseite des Mythos jener Jahre. Es ist auch die Geschichte eine vielfachen Verrats und einer Männerfreundschaft zwischen zwei ungleichen FBI-Agenten, deren erbittertster Widersacher im Solde des Multimillionärs Howard Hughes steht.

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Djan zu »James Ellroy: Ein amerikanischer Thriller« 25.11.2009
Schonungslos, authentisch und unabhängig von "political correctness"...eine der besten romane die ich bisher gelesen habe! auf englisch bestimmt noch besser aber trotzdem ein großes lob an die übersetzer!
leider wird der kompromisslose erzählstil aus der sicht der protagonisten oft als falscher rassismuss von seiten ellroy's missverstanden. pete b. und konsorten sind aber nun mal von intolleranz und rassismus geprägt was auf die gesamte athmosphäre in der amerikanischen gesellschaft zu dieser zeit zu übertragen ist.
ellroy at his best! 95%
Kallisto73 zu »James Ellroy: Ein amerikanischer Thriller« 07.05.2008
Dieses Buch habe ich vor mehreren Jahren gelesen. Ich muß gestehen, daß es ein relativ schwer zu lesendes Buch ist, sehr viele Personen werden eingeführt, in Beziehung zueinander gestellt, und verschwinden dann plötzlich wieder, nur um wieder aus dem Nichts aufzutauchen. Nicht für jedermann. ABER: Wenn man sich darauf einläßt, erlebt man einen der spannendsten Politkrimis, die je geschrieben wurden: 96%
bernd zu »James Ellroy: Ein amerikanischer Thriller« 17.02.2005
Erzählt wird die Geschichte dreier Männer zur Zeit des Aufstiegs und Falls J.F.Kennedys. Alle drei verfolgen Ihre eigenen Interessen, teils miteinander teils gegeneinander. Littel Ward sucht sein Seelenheil, Kemper Boyd sucht Prestige und Peter Bondurant sucht gar nichts. Ellroy beschreibt wie die Drei als scheinbar aktive Spieler aber im Grunde als Spielbälle von Mächtigeren die amerikanische Geschichte, von der Kandidatur Kennedys, über das Fiasco an der Schweinebucht bis zum Tode J.F.K mit beeinflussen. Seine Komplexität gewinnt der Plot des Buches durch die unterschiedlichen Gruppen und Organisationen welche die in wechselnden Konstellationen auftreten. Mafia, CIA, Edgar Hoover, Howard Hughes, Ku-Klux-Klan, Jimmy Hoffa, Kubanische Kämpfer für und gegen Castro und der Kennedy-Clan.

De Geschichte ist handwerklich wunderbar aufgebaut, von einer grandiosen Balance zwischen den Charakteren und mit großer Dynamik vorgetragen. Ständig ergeben sich wechselnde Konstellationen. Niederschmetternd die mitleidslose Sicht mit der Ellroy seine Personen beschreibt und handeln lässt: Da ist nichts romantisch nett warm freundliches, keine Liebesgeschichte zum Plaisier des Lesers, hier treiben die Protogonisten ihrem eigenen Schicksal entgegen – so was mag man nicht immer lesen, aber es ist groß.

Man kann sich fragen weswegen Ellroy eine semiwahre Geschichte schreibt, schließlich gab es ja einen guten Teil der Ereignisse wirklich. Ellroy setzt aus bekannten Fakten eine neue, eigenen „Wirklichkeit“ zusammen. Ihm geht es dabei ums große Ganze. Amerika hat nie seine Unschuld verloren (schreibt er im Vorwort), es hat nie eine besessen: „Amerika wurde auf dem Fundament von Rassismus, Sklaverei, Landraub und Vernichtung der Eingeborenen gegründet – sagt er in einem Interview. Und in dieser Tradition stehen die handelnden Personen.

Es ist von daher viel mehr als ein simpler whodunnit, wenn es denn überhaupt noch ein Krimi/Thriller ist. Es ist ein Roman mit profunden Persönlichkeitsdarstellungen, deren Entwicklungen man nachspüren mag, wie einem Tropfen guten Weins auf der Zunge. Die Welt dieses Buches ist weiß, brutal, männlich. Es ist eine große Darstellung der Zeit in der es spielt und doch ragt es – wie jeder große Roman – darüber hinaus: Wenn J.F.K als erste Amtshandlung sich „Weiber“ ins Weiße Haus bringen lässt, fühlt man sich an Clinton erinnert, wenn der Vater von J.F.K als Mafiavertrauter dargestellt wird, denkt man an diese Ölclique die mit Busch jun. die USA führt. Und wenn J.F.K. den Angriff auf Kuba – gegen den Rat seiner CIA-Berater - halbherzig verkümmern lässt, denkt man daran, dass einer der Hauptvorwürfe an die Gegenwartpolitik der ist, dass sie die Entscheidungen nur noch von Berufsbeamten und Fachleuten, nicht von gewählten Politikern getroffen werden.

Am Ende wird diesen selfmade brutalen, rücksichtslosen Typen die meinen die ganze Welt manipulieren zu können, der Bankrott erklärt. Jeder der drei kommt am Ende ganz eoanders an.

Wunderbar auch die sprachliche Meisterschaft Ellroys. Kurz und knackige Sätze gestalten tiefgehende Darstellungen. Interessant auch die Darstellung unterschiedlicher Dialekte; ob tatsächlich die Mafia ihr Idiom durch Anleihen aus dem Jiddischen bereichert hat ? Ich kann mir kaum vorstellen, dass das übersetzbar ist.
3 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Joachim Galonska zu »James Ellroy: Ein amerikanischer Thriller« 09.01.2004
"Ein Amerikanischer Thriller" ist einer der faszinierendsten und fesselnsten Romane von Ellroy. Es ist ein geniales im typischen Ellroystil erzähltes Gesellschaftsportrait der Kennedyzeit. Ellroy auf dem Höhepunkt seines Schaffens
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Lars Mielke zu »James Ellroy: Ein amerikanischer Thriller« 15.10.2002
In diesem Roman verläßt Ellroy einmal seine üblichen Gefilde und versucht sich an der "großen Politik". Ob man es hier auch gleich mit einem Gesellschaftspoträt zu tun hat, wie es das Buch in der Kurzbeschreibung verspricht, mag dahingestellt bleiben. Auf jeden Fall gibt es aber Stimmungen der damaligen Zeit wieder. Natürlich mit der Ellroyschen Übertreibung. Der Mythos jener Jahre wird von Ellroy ganz eigen erklärt und interpretiert: Die Präsidentschaft Kennedys als ein Konglomerat von billigen Wahlfälschungstricks, illegalen Familiengeschäften und einer gehörigen Portion Selbstinszenierung. J.F.K ist quasi die Vorwegnahme des heutigen Medienkanzlers Schröder. Nur mit dem Unterschied, daß es damals diesen Begriff noch nicht gegeben haben dürfte - die Mechanismen schon.
Das Buch ist sehr einfach gestrickt. Die Charaktere sind typisch für Ellroy. Der elegante, smarte und skrupellose Karrierebulle Boyd, sein idealistischer und windelweicher Partner bzw. Schützling Littell, der pragmatische Schläger in Howard Hughes Diensten, Pete Bondurant. Der ganze Roman dreht sich eigentlich um das Beziehungsgefüge zwischen diesen drei unterschiedlichen Figuren. Wie sie mal miteinander arbeiten, mal gegeneinander. Wie man sich ausrechnen kann, ist bei drei Personen die maximale Anzahl der Grüppchenbildung nicht gerade berauschend. So sind die wechselnden Konstellationen in dem Buch auch vorhersehbar. Die Nummern sind alt, aber nicht schlecht gebracht. Vor allem, da Ellroy viel mit seinem Einfallsreichtumg und dem flüssigen Schreibstil wettmacht. Mit "Ein amerikanischer Thriller" perfektioniert er seinen unnachahmlichen Stakkato Stil. Selten hat Ellroy geschichtliche Ereignisse so durch den Dreck gezogen. Die CIA Aktivitäten innerhalb der Exilkubanergemeinde, die sich auf Drogenhandel und Kungeleien mit der Mafia stützen und desaströs im Schweinebuchtfiasko enden. Die irreal anmutende Kommunistenparanoia, die von Despoten wie dem F.B.I. Boss Hoover immer wieder angeschürt und ausgenutzt wird. Oder der Präsident, zwar mit einer tollen Frisur gesegnet, aber nur auf "Mösen fixiert" und nicht wirklich zum Präsidenten geeignet. Der Vorsitzende der Transportarbeitergewerkschaft, James Riddle Hoffa - ein jähzorniger und korrupter Mafiascherge. Der Reihe nach zerlegt Ellroy seine Protagonisten bis er ihre Schwachstelle aufdeckt und sie dann daran zugrunde gehen lässt. Boyd wird Opfer seiner Arroganz und Selbstüberschätzung, Littell scheitert an seiner Weltfremdheit und der Ohnmacht gegenüber dem Verbrechen, Bondurant tötet ein paar Menschen zuviel. Alles gipfelt in dem Hass auf Kennedy. Kennedy, der jedem einen Gefallen schuldig ist, aber nicht bezahlen will. Somit ist es absehbar, daß die Leute, die ihn einst mehr oder weniger öffentlich inthronisiert haben, ihn bezahlen lassen. An jenem denkwürdigen Tag im Herbst 1963..
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