Jacques Futrelle

John Heath Futrell wurde 1875 in Pike County im US-Südstaat Georgia als Sohn eines Lehrers geboren. Er wuchs mit vielen Büchern auf, die seine Eltern ihn zu lesen ermunterten. Vielleicht wäre Futrell als Literat ins Berufsleben gestartet, doch seine finanzielle Situation zwang ihn zu einer »vernünftigen« Planung. Schon in seiner Schulzeit half er in einer Druckerei aus und absolvierte später eine Druckerlehre. Mit 18 Jahren ging Futrell zum »Atlanta Journal«, wo er u. a. die erste Sportseite aus der Taufe hob.

1895 heiratete Futrell Lillie May Peel; das Paar zog nach New York um, wo Jacques als Telegraf für den »New York Herald« tätig wurde. Ende des 19. Jahrhunderts verließ Futrell für einige Zeit die Zeitung und übernahm zwei Jahre in Virginia als Direktor ein Theater, dessen Stücke er nicht selten selbst schrieb, inszenierte und spielte. Inzwischen gab er vor französischer Herkunft zu sein und änderte seinen Namen in »Jacques Futrelle«. 1904 rief ihn William Randolph Hearst nach Cambridge, Massachusetts, wo er für dessen neue Zeitung, den »Boston American«, arbeitete. Hier erschienen auch die ersten Kurzgeschichten um Professor Augustus Van Dusen, die »Denkmaschine«. Sein Erfolg als Schriftsteller ermöglichte es Futrelle sich ab 1906 als hauptberuflicher Schriftsteller zu etablieren; nunmehr blieb ihm auch die Zeit für das Verfassen von Romanen, deren erster noch in diesem Jahr veröffentlicht wurde.

Jacques Futrelle wurde auch auf der anderen Seite des Atlantiks populär. Im Frühjahr 1912 begab er sich mit seiner Gattin May auf eine Reise nach England, wo er Verleger traf, Geschichten verkaufte und mit Agenten Strategien besprach, auch auf dem europäischen Kontinent Fuß zu fassen. Die Verhandlungen waren ebenso hart wie erfolgreich, so dass die Futrelles beschlossen sich für die Heimreise etwas zu gönnen, zumal sich eine einmalige Gelegenheit bot: Sie buchten eine Passage auf dem größten und prächtigsten Passagierschiff ihrer Zeit, der brandneuen und unsinkbaren »Titanic« …

Das Drama im Nordatlantik überlebte in der Nacht vom 14. auf den 15. April 1912 nur May; ihr Ehemann hatte noch dafür gesorgt, dass sie einen Platz in einem der raren Rettungsboote bekam – sie überlebte ihn um 55 Jahre -, und war an Bord geblieben. Er versank mit der »Titanic« in den Fluten, seine Leiche wurde niemals gefunden. Am Grabstein von seiner Mutter, die kurze Zeit nach der Katastrophe vor Gram starb, wurde eine Gedenkplakette für Jacques Futrelle angebracht. Als Schöpfer der »Denkmaschine« ging er in die Geschichte des Kriminalromans ein und gehört zu jenen frühen Vertretern, die das Genre formten und ihm entscheidende Impulse gaben.

Während Jacques Futrelle im angelsächsischen Sprachraum längst für Augustus van Dusen als wichtiger und prägender Vertreter des frühen Kriminalromans gewürdigt wird, blieb er in Deutschland lange unbemerkt. Als der Durchbruch dann kam, erfolgte er erstaunlicherweise nicht im Buch, sondern im Radio. Zwischen 1978 und 1999 schreibt der Rundfunk-Journalist und Autor Michael Koser für den RIAS Berlin (ab 1993 DeutschlandRadio Berlin) insgesamt 79 Hörspiele um van Dusen und Hutchinson Hatch, die meist vom Verfasser neu erfunden wurden. Im Druck ist hierzulande nur knapp die Hälfte der originalen van Dusen-Storys erschienen.

Über Jacques Futrelle informiert die Website www.futrelle.com. Sehr informativ ist die deutsche Site profvandusen.com geraten, die sich außerdem mit der deutschen Hörspielserie um Van Dusen beschäftigt.

Krimis von Jacques Futrelle:

  • Augustus S. F. X. van Dusen:
    • (1906) The Chase of the Golden Plate
    • (1907) The Thinking Machine
    • (1908) The Thinking Machine on the Case
    • (1918) The Problem of Cell 13 (Neuauflage von »The Thinking Machine«)
    • (2003) The Thinking Machine Omnibus (hg. von George A. Vanderburgh)
  • Weitere Werke:
    • (1908) The Simple Case of Susan
    • (1909) The Diamond Master
    • (1909) Elusive Isabel/The Lady in the Case
    • (1911) The High Hand/The Master Hand
    • (1912) My Lady’s Garter
    • (1914) Blind Man’s Buff
    • (1915) Lieutenant What’s-His-Name (von May Futrelle erweiterte Buchfassung von »The Simple Case of Susan«)

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