Eifel-Kreuz von Jacques Berndorf

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 bei Grafit.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Eifel, 1990 - 2009.
Folge 16 der Siggi-Baumeister-Serie.

  • Dortmund: Grafit, 2006. ISBN: 978-3-89425-650-0. 320 Seiten.
  • Dortmund: Grafit, 2008. ISBN: 978-3-89425-345-5. 315 Seiten.
  • [Hörbuch] Daun: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch, 2006. Gesprochen von Jacques Berndorf. ISBN: 978-3866677029. 8 CDs.

'Eifel-Kreuz' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

So eine Leiche haben selbst Siggi Baumeister und seine Freunde Rodenstock und Emma in der Realität noch nicht gesehen: Der 18-jährige Sven Dillinger wurde gekreuzigt und öffentlich zur Schau gestellt. Zeitgleich wird noch eine Tote gefunden, eine junge Frau, abgelegt auf einem Waldweg. Bald ist klar, die beiden kannten sich. Doch erst als sich ein katholischer Pastoralreferent das Leben nimmt, wird ein möglicher Hintergrund für die Taten sichtbar: Die Fäden laufen in einer Clique von jungen Leuten zusammen, die an der katholischen Kirche in der Eifel zweifeln und auch verzweifeln. Einer Kirche, die sich zunehmend aus der Öffentlichkeit zurückzieht, soziale Institutionen schließt und verunsicherte Menschen zurücklässt, die es seit Generationen gewohnt sind, dass ihnen der Pfarrer den rechten Weg weist. Aber wer kreuzigt einen 18-Jährigen? Hatte er gegen heilige Regeln verstoßen? Wollten Fanatiker ein Exempel statuieren? Baumeister begibt sich in eine ›heile Welt‹, die niemals heil gewesen ist …

Das meint krimi-couch.de: »Eifel fast wie immer« 75°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Ein neuer Eifel-Krimi von Jacques Berndorf, im Grafit-Verlag mittlerweile der dreizehnte aus der Reihe um den Journalisten Siggi Baumeister, da kann man sich auf Vertrautes und Bewährtes einstellen – doch halt! Was ist das? Ein Augabe im Hardcover-Format. Gut, der Eindruck ist gediegener. Sollte das auch für den Inhalt zutreffen? Die Sammler zumindest werden wenig begeistert sein, wenn neben ihren 12 Taschenbüchern nun plötzlich ein gebundenes Exemplar Platz nehmen muß – vom Geldbeutel ganz zu schweigen.

Gleich zwei Morde auf einmal trägt Kriminalrat a.D. Rodenstock dieses Mal an seinen Freund Siggi heran. Für diesen genau das Richtige, um wieder aus seinem bereits wochenlang andauernden tranigen Zustand zu erwachsen und den Freundeskreis wieder mit seiner Anwesenheit zu beglücken.

Für Eifel-Krimi-Neulinge (falls es solche immer noch geben sollte): Dieser Freundeskreis von Siggi Baumeister, der Kommissar Kischkewitz halboffiziell bei der Aufklärung von Verbrechen unterstützt, besteht zur Zeit neben dem bereits erwähnten Rodenstock aus dessen Frau Emma sowie Tante Anni, die zwar bereits über achtzig, aber außer ein paar kleineren Leiden noch fit wie ein Turnschuh ist. Alle drei sind ehemalige Kriminalisten. Gemeinsam führen sie ihre Ermittlungen, indem sie andere Ansatzpunkte als die Polizei suchen, und natürlich sind sie damit auch erfolgreicher als diese.

Neben diesen bereits erwähnten Personen sammeln sich im Verlauf der Handlung weitere Leute an, die zur Aufklärung beitragen können – darunter meist eine attraktive Frau, mit der Siggi eine mehr oder weniger komlizierte Beziehung eingeht – und so sitzt man bis zum Ende des Buches dann oft in immer größer werdender Runde – meist in Siggis Haus – zusammen, bis nach ein paar hektischen Tagen mit wenig Schlaf schließlich wieder Ruhe in der Eifel einkehren kann. Leider kommt Siggi meist körperlich nicht ganz ungeschoren aus einem solchen Abenteuer heraus, da er seine Nase natürlich manches Mal zu tief in Angelegenheiten steckt, die sich als nicht ganz ungefährlich herausstellen.

Das Schweigen in der Eifel

In einem verlassenen Gebäude wird der 18-jährige Sven Dillinger gefunden, erst erschossen, dann gekreuzigt. Nur wenige Kilometer entfernt liegt die Leiche der ebenfalls erschossenen Gabriele Sikorski. Zunächst ist nicht klar, ob die beiden Morde etwas miteinander zu tun haben. Dies ändert sich jedoch, als festgestellt wird, daß die Tatwaffe in beiden Fällen die gleiche war. Doch was die beiden Toten miteinander zu tun hatten, das bleibt weiter unklar.

Sven Dillinger war Schüler einer streng katholischen Eliteschule. Doch er war als unangepasst verrufen und bekannt als Aufwiegler gegen dort herrschende Sitten und Gepflogenheiten. Die Mitglieder der Clique, mit der Sven seine Freizeit verbrachte, halten sich mit Auskünften sehr zurück und auch andere Informationen erhält Siggi quasi nur hinter vorgehaltener Hand. Mit einem der Lehrer, Pater Rufus, hatte sich Sven wohl angelegt, doch an diesen Lehrer ist nicht heranzukommen, da er zufälligerweise (?) nach diesen Geschehnissen versetzt wurde. Svens Vater, ein reicher Anwalt, scheint über seinen Sohn gar nichts zu wissen. Svens Lehrer Thomas Steil erhängt sich kurz nachdem Siggi mit ihm gesprochen hat. Steil wurde entlassen, da sein Lebenswandel – er lebte von seiner Frau getrennt und hatte eine Freundin – nicht mit der katholischen Kirche vereinbar war.

Gabriele Sikorski dagegen war in der Eifel ein unbeschriebenes Blatt. Sie kam aus Bonn, ebenfalls aus reichem Elternhaus, doch über ihre Beziehung zu Sven herrscht weiter Unklarheit, bis eine Radaraufnahme aus der Nähe der polnischen Grenze auftaucht, die Sven und Gabriele gemeinsam im Auto zeigt.

Ein gewagter Plot

Natürlich wird es für einen Serienautor von Mal zu Mal schwerer, sich wieder eine spannende Story zusammen zu basteln, und so fällt der Plot schon ziemlich gewagt aus. Berndorf hat sich für das Eifel-Kreuz ein heikles Thema ausgesucht und spart nicht mit Kritik an der katholischen Kirche, erwähnt pädophile Priester, bringt Verbindungen ins Rotlicht-Milieu ins Spiel, Menschenhandel, Geldwäsche in Millionenhöhe und sorgt schließlich dafür, daß irgendwo zwischen polnischen Killern und einer geheimnisvollen jugendlichen Clique auch die zwar in sich stimmige, aber trotzdem nicht ganz so plausible Lösung des aktuellen Falles zu finden ist. Erfreulich bei der ganzen Geschichte, daß Siggi Baumeister mal ohne körperliche Blessuren aus der Sache heraus kommt.

Besonders gut zum Thema passend sind auch die privaten Dinge, mit denen Siggi konfrontiert wird. Seine Tochter stellt fest, daß sie homosexuell ist. Eine Tatsache, mit der einige nicht so ganz klar kommen, doch Siggi hat Verständnis.

Bleibt festzuhalten: Wer sich bisher mit den Eifel-Krimis nicht anfreunden konnte, der sollte auch von diesem die Finger lassen. Wer gerne mal einen Eifel-Krimi liest, der kann hier nichts falsch machen: Eifel-Kreuz zählt für mich zu den besseren Werken der Serie. Und der wahre Eifel-Krimi-Fan lässt sich sowieso nicht von dem beeinflussen, was ich hier von mir gebe.

Ihre Meinung zu »Jacques Berndorf: Eifel-Kreuz«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Mdyhm zu »Jacques Berndorf: Eifel-Kreuz« 16.07.2012
Beim lesen dieses Krimis habe ich mich immer wieder gefragt"warum heißt das Eifel Krimi" Nur wegen der paar Ortsnamen und der Handlung des Geschehens in Verbindung mit Aldi Prüm oder Birresborn. Meines Erachtens hätte dieser Roman auch in einem Dorf in Frankreich oder Spanien geschrieben werden können. Ich finde es sehr schwach einen Roman unter Eifelkrimi einzustufen ohne den richtigen Charakter der Menschen, die Landschaft an sich oder etwas noch typischeres der Eifel, das Gefühl dieser Menschen (ich bin echter Eifeler) zum Ausdruck zu bringen.
Mdyhm zu »Jacques Berndorf: Eifel-Kreuz« 15.07.2012
Für mich war die kein Krimi, sonder eine geschickt verpackte an der katholischen kirche. Es ist wohl im Augenblick aktuell und modern so zu schreiben. Dabei sollte man eins nicht tun. Gott ausser acht lassen. Krimi sollte Krimi sein. Kritik an der Kirche bitte in anderer Form verbreiten. Aber es wird wohl bald auch mehr Mosleme in der Eifel geben.
detno zu »Jacques Berndorf: Eifel-Kreuz« 15.12.2010
"Findest du? Ich sehe das vollkommen anders!!!"

Jürg, das ist dein gutes Recht, aber es wäre hilfreich für alle Leser hier an dieser Stelle, wenn du etwas ausführlicher zu dem Krimi Stellung nehmen würdest.

Deine Meinung ist gefragt, also schreibe doch ein paar Zeilen, warum du EIFEL-KREUZ besser fandest.
Jürg zu »Jacques Berndorf: Eifel-Kreuz« 15.12.2010
"Eifelfeuer" ist mit Abstand der unglaubwürdigste, geschwätzigste und leider auch langweiliste Krimi den ich je "nicht zu Ende gelesen" habe. Alle Zeugen können gar nicht schnell genug dem lieben Siggi alles erzählen -einfach so, weil der Siggi fragt. Es lebe das Klischee und die Werbung - die Kaffeewirtschaft in Koblenz wäre gut beraten, sich von dem Buch zu distanzieren:-)
-

Findest du? Ich sehe das vollkommen anders!!!
guido zu »Jacques Berndorf: Eifel-Kreuz« 09.10.2010
das ist mein 2. berndorf ("der meisterschüler"), und mein 1. eifel-krimi.

ich mag berndorfs schreibe, auch wenn es häufig arg menschelt über weite strecken, und sich teilweise die aktionen so dermaßen überschlagen im laufe der handlung, dass man sich nur verwundert die augen reiben kann. nichtsdestotrotz wird man auf vielerlei weise entschädigt, denn die athmosphäre ist weitestgehend dicht aufgebaut und man bekommt gefälliges lokalkolorit und dazu geschickt verpackte sozialkritik geliefert.

manchmal klappert es beim personal, denn irgendwo geht bei der ganzen quarzerei dann doch die psychologische tiefe und auch die logik in den aktionen der figuren abhanden. dabei legt berndorf viel wert auf das beziehungsgeflecht - es gibt ein ständiges kommen und gehen neuer, alter figuren - und dennoch, so manches wird einfach zu hastig abgehandelt und die aktionen der figuren wirken dann seltsam blutleer und unangemessen, ob der ungeheuerlichkeiten, die sich einstellen. das fällt besonders etwa in der mitte des krimis auf.

mir hat der krimi dennoch im großen und ganzen gefallen, vielleicht etwas dick aufgetragen mitunter, aber ausgesprochen unterhaltsam – nicht zuletzt wegen seiner aktualität (siehe sozialkritik…). solide 74%
Anonym zu »Jacques Berndorf: Eifel-Kreuz« 08.08.2010
Meine Meinung es gibt den Menschenhandel auch in der Realität und nicht nur in einem Buch . Ist Ihnen der Ort Gamlen in der Eifel ein Begriff das ist kein scherz das ist die Wahrheit man wird hier erst Seelisch und Moralisch und Körperlisch fertig gemacht und dann anirgend so ein Schwein einfach verkauft das ist der wahre Alltag leider darf man über die Namen nichts sagen
edna zu »Jacques Berndorf: Eifel-Kreuz« 06.08.2010
"Eifelfeuer" ist mit Abstand der unglaubwürdigste, geschwätzigste und leider auch langweiliste Krimi den ich je "nicht zu Ende gelesen" habe. Alle Zeugen können gar nicht schnell genug dem lieben Siggi alles erzählen -einfach so, weil der Siggi fragt. Es lebe das Klischee und die Werbung - die Kaffeewirtschaft in Koblenz wäre gut beraten, sich von dem Buch zu distanzieren:-)
Ralph Conway zu »Jacques Berndorf: Eifel-Kreuz« 04.08.2009
Ich finde Eifel-Kreuz ziemlich gelungen.
Einer der besseren Romane der Serie.
Die Kritik an der katolischen Kirche ist angebracht, auch wenn die und "Betroffene" das nicht hören wollen.
Das Zölibat ist so weltfremd, wie diese Kirche und die resultierenden Auswüchse offenbaren sie als das, was sie immer war und ist. Korrupt, kriminell, Menschenverachtend. Um so mehr gefällt mir gerade die unerwartete Auflösung des Falls, die mit der Kirche nichts zu tun hat.

Jaques :-)
Danke.
Gerd zu »Jacques Berndorf: Eifel-Kreuz« 01.02.2009
Wieder ein Eifelkrimi mit Siggi, der einfach nur überzeugt.
Wobei er sich diesmal die Katholische Kirche sehr stark vornimmt. Jedoch ist und bleibt es immer wieder eine Freude mit Baumeister durch die Eifel zu "Reisen".
Jetzt fehlen nur noch die Baumeister-Krimis vom anderen Verlag. Leider bin ich dann durch ...
Lissi zu »Jacques Berndorf: Eifel-Kreuz« 12.01.2009
Mich hat das Buch auch total überzeugt (war mein erster Eifel-Roman!!), aber ich kann verstehen wenn es Leute gibt die das Buch nicht so toll finden. Die meisten davon werden wohl damit ein Problem haben das die Realiät der Katholichen Kirche mal wieder ans Tageslicht kommt.
Ich ziehe einfach nur meinen Hut.

Dies sind nur die ersten 10 Kommentare von insgesamt 28.
» alle Kommentare anzeigen

Ihr Kommentar zu Eifel-Kreuz

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: