Eifel-Bullen von Jacques Berndorf

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2012 bei KBV.
Folge 20 der Siggi-Baumeister-Serie.

  • Hillesheim: KBV, 2012. ISBN: 978-3942446617. 349 Seiten.
  • [Hörbuch] Hillesheim: KBV, 2012. Gesprochen von Jacques Berndorf. ISBN: 3942446723.

'Eifel-Bullen' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Zwei tote Polizisten liegen neben ihrem Streifenwagen auf dem Waldweg. Gaby Schirmer und Horst Walbusch wurden mitten in der Nacht erschossen, und niemand kann sich vorstellen, wer das getan haben könnte. Das größte Rätsel aber stellt der Tatort dar, der nicht in ihrem Revier, sondern viele Kilometer entfernt vom Einsatzort liegt. Das ehemalige Jagdschloss, ein riesenhaftes, geheimnisvolles Gebäude aus rotem Sandstein, bildet die gespenstische Kulisse für den Doppelmord.Polizeirat Kischkewitz ergreift eine ungewöhnlichen Maßnahme: Er lässt den Tatort einfrieren , das heißt, Mordkommission und Spurensicherung erhalten mehrere Stunden lang keinen Zutritt zum Geschehen. Dafür holt er Kriminaloberrat a. D. Rodenstock mit ins Boot, der die Lage analysieren soll.Rodenstock steigt ein, und mit ihm der Journalist Siggi Baumeister, der eigentlich keine Zeit für Morde gleich welcher Art hat, weil es gerade mit seinem alten Weggefährten, dem Kater Satchmo, zu Ende geht. Gemeinsam versuchen sie hinter das Geheimnis der toten Polizisten zu kommen. Folgten die Beamten einer Spur? Bekamen sie einen Tipp? Gab es einen Menschen, den sie treffen wollten? Der Beamte, der in der Nacht ihren Einsatz per Funk steuerte, kann nur sagen, dass irgendwann die Verbindung abriss.

Das meint Krimi-Couch.de: »Kollegen-Mord verstört die Polizei« 70°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Siggi Baumeister ist noch nicht mal richtig wach, da wird er von seinem alten Kumpel Rodenstock an den Schauplatz eines Verbrechens beordert. Eine Polizistin und ihr männlicher Kollege sind im Wald neben ihrem Fahrzeug erschossen worden. Bevor Baumeister jedoch an den Tatort darf, soll er zunächst zwei fragliche Alibis überprüfen. Ohne langes Nachdenken macht sich der Journalist auf den Weg quer durch die Eifel. Am Ort des Doppelmordes sieht dann alles nach einer Hinrichtung aus. Die Ermittler der Polizei sind in heller Aufregung, der zuständige Kriminalrat Kischkewitz und Pensionär Rodenstock stehen richtig unter Stress. Ein Landtagsabgeordneter taucht am Tatort auf, will Druck machen, und wird von Kischkewitz barsch abgewiesen. Es gibt zunächst kaum Ansatzpunkte, die beiden Polizisten waren außerhalb ihres Landkreises unterwegs, und auch sonst sind die Ermittler ziemlich ratlos. Baumeister und seine Freunde beginnen mit ihren üblichen routinierten Recherchen, die schnell ins kriminelle Milieu führen. Bis zur komplizierten Lösung des Falles müssen aber noch etliche Rätsel geknackt werden.

Altmeister Michael Preute ist ein überaus routinierter Autor, und so verwundert es kaum, dass er aus seinem »ewigen« Protagonisten Siggi Baumeister immer noch mal etwas Neues heraus kitzeln kann. Seine Fans sind es durchaus gewohnt, dass in den Romanen der Reihe auch immer viel Trubel im Umfeld des ermittelnden Journalisten herrscht. Und da wird wieder einiges geboten. Kater Satchmo ist kurz vor dem Ableben, was Baumeister eine zeitweise melancholische Stimmung beschert. Und mit seinem alten Kumpel Rodenstock liegt er bei diesem Fall öfter über Kreuz, als man es aus vergangenen Romanen ohnehin schon gewohnt war. Ach ja, und Preute gönnt seinem Spezial-Helden auch noch eine neue Freundin, ein ganz ungewohnter Zug, jedenfalls für mich.

Man merkt dem Roman an, dass Jacques Berndorf hier in großer Fabulierlust schwelgt, vor allem die Sorgen von Siggi Baumeister wegen der Krankheit seines Katers werden überaus eingehend ausgewalzt. Der Protagonist wird dadurch sympathischer, wobei er mir als Pfeife rauchender Kollege ohnehin schon ziemlich nahe steht. Baumeister könnte auch Privatdetektiv sein, aber es wirkt authentisch, dass er sich ab und zu mal an den Computer setzen muss, um auch mal eine Story abzusetzen. Berndorf stellt sein »alter ego« als Meister des Gesprächs dar, der auch aus verfahrenen Dialogen noch Informationen abzuzapfen versteht. Daneben wird in diesem Roman mal wieder die gute alte Polizeiarbeit geboten. Routinierte Ermittlungen, Sackgassen, nette Zufälle – der Leser kann herrlich miträtseln und spekulieren.

Man könnte natürlich als Kritik einwenden, dass Berndorf im Grunde nicht viel Neues bietet. Da ist schon etwas dran, aber ich finde, dass gute und spannende Unterhaltung schon fast mehr ist, als man von Durchschnittsautoren geboten bekommt. Berndorf hat es immerhin noch drauf, in seiner gefällig und routiniert erzählten Geschichte auch aktuelle Entwicklungen einzubauen. Und seinen geliebten Siggi Baumeister lässt er auch nicht in Schablonen oder Routine erstarren, sondern es gibt eben neue Entwicklungen. Eine wirklich kesse Figur ist dabei die – möglicherweise – neue Frau im Leben des Eifel-Schnüfflers. Mit ihrer frechen Schnauze passt sie wirklich in die Entourage von Baumeister, die ja nicht gerade dafür bekannt ist, maulfaul zu sein.

Insgesamt bietet Eifel-Bullen gute und kurzweilige Unterhaltung. Die eigentliche Leistung des Autors besteht dabei darin, diese bereits betagte Figur immer noch facettenreicher zu gestalten. Man darf gespannt sein, wie lange Berndorf das noch auf diesem höchst akzeptablen Niveau gelingt.

Andreas Kurth, März 2013

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jonny zu »Jacques Berndorf: Eifel-Bullen« 25.12.2013
Irgendwie an den Haaren herbeigezogen. Alle wissen etwas, aber weder Polizei noch Staatsanwaltschaft oder gar die Medien bringen es ans Tageslicht. Bis Super-Siggi die Zungen löst.
Auch die obligatorische ledige Frau in den besten Jahren, die sich für den Supermann interessiert, fehlt nicht.
Langsam übertreibt der Autor mit seinem Helden. Berndorf scheinen die Ideen auszugehen.
iWitz zu »Jacques Berndorf: Eifel-Bullen« 29.06.2013
In Jacques Berndorfs Eifelkrimis geht es immer auch um Tiere. Dieses Mal um ein männliches Rind, das zur Zucht eingesetzt wird. Baumeister, des Autoren Icherzähler, diskutiert mit dem Bullenbesitzer die Frage, ob der Bulle zum Besamen einen optischen Reiz benötigt, oder ob ein abstraktes Gestell zum Aufspringen ausreicht. Die Frage wird am Ende des Buches glücklicher Weise geklärt. Das Buch handelt auch von Satchmo, Baumeisters übriggebliebenem Kater. Die anderen, in den vielen Bänden vorgestellten Katzen, und den Hund Cismo gibt es längst nicht mehr. Und dieses Mal geht es mit dem Kater zu Ende. Er ist alt und krank, der Tierarzt rät zum Einschläfern.

Berndorf wäre kein Krimiautor, würde der Titel nicht auch auf jene Berufsgruppe verweisen, die gemeinhin mit dem Ausdruck für das männliche Rind bezeichnet wird. Und die kommt sofort und dramatisch ins Spiel: Baumeister wird an einen Tatort im malerischen Eisenschmitt gerufen. Zwei Polizisten wurden erschossen: Horst und Gaby, Mann und Frau, jung, gut aussehend, er verheirateter Vater, sie ledig. Man findet keine Anzeichen von Gegenwehr. In Verdacht gerät die Frau des Opfers, sowie ein Mann namens Bludenz, der dem Sohn des Polizisten Rauschgift gegeben haben soll. Journalist Baumeister und die Polizeipensionäre Rodenstock und Emma werden, wie immer, an den Ermittlungen beteiligt, weil Kischkewitz, der Leiter der Mordkommission, zu wenig Leute hat. Wie immer also.

Sie befragen das Umfeld der Opfer, Freunde, Familie. Es exisitert das Gerücht, beide Opfer seien ein Paar gewesen. Das will zunächst niemand bestätigen, obwohl die Ehefrau zugibt, dass es mit der Ehe zu Ende gewesen sei und der Mann seine freie Zeit nicht zu Hause verbracht habe. seine Hartnäckigkeit und die einfühlsame Art, mit Betroffenen zu sprechen, führen Baumeister schließlich in die geheime Wohnung, die beide Polizisten bei einer Verwandten bewohnten.

Zwischenzeitlich gibt es einen dritten Toten. Ein Imbissbudenbesitzer aus Daun namens Samba. Er wurde auf dem fahrenden Motorrad erschossen. Und Samba war ein Freund der toten Polizistin Gaby. Durch Sambas Freundin finden sie heraus, dass der als Geldkurier tätig gewesen sein muss. Doch für wen?

Diesmal wird Rodenstocks und Emmas Haus zur Kommandozentrale, in der sich auch die Polizisten zum Beraten und Essen versammeln. Neu im Spiel ist eine Staatsanwältin aus Trier, gutaussehend, die Emma sogleich mit Baumeister zu verkuppeln versucht. Aber Baumeister, der beziehungsgeschädigte Einzelgänger, bleibt stur.

Die Ermittlung kommt nicht voran, die Hinweise erscheinen als nicht verwertbar. Man findet heraus, dass beide unabhängig voneinander alleine an unterschiedlichen Fällen ermittelt haben. Beide wollten zur Kriminalpolizei wechseln. Über den Bruder des Toten, der in Frankfurt im Milieu arbeitet, erfahren sie, dass Horst sich für neu aufgekommene Modedrogen interessierte. Und er habe einen Verdacht geäußert. Sie erfahren weiterhin, dass Gaby eine Schwester gehabt hatte, die vor zehn Jahren gestorben sei, vermutlich Selbtmord, vermutlich, weil sie schwanger war. Gaby habe einer Freundin gesagt, sie sei kurz davor, den Kindsvater aufzuspüren.

Und wieder führt eine Spur zu Bludenz, dem Rauschgiftverteiler. Der ist mit einem großen BMW unterwegs, das Auto gehört einem reichen Holzhändler namens Straubing. Auch Samba hatte einen BMW, der gehörte zuvor ebenfalls Straubing. Die Nachforschungen ergeben, dass dieser Straubing ein Selfmademillionär mit ziemlichen Macken ist, unter anderem einem Hang zu Gewalt, aber auch einem Sicherheitstick. Er beschäftigt Bodyguards und hat kugelsichere Scheiben im Haus. Er gilt als unberechenbar und gefährlich. Gaby, die tote Polizistin, hatte in einem Fall von Autoschieberei ermittelt. In diesem Kontext taucht der Name eines Tschechen namens Mirko Slavic auf.

Baumeister wird zu Straubing geschickt. Im Laufe des Gesprächs konfrontiert er ihn mit einem im Internet recherchierten Foto, das Straubing zusammen mit Mirko Slavic zeigt. Darauf hin rastet Straubing völlig aus. Und der Fall gerät in Bewegung, bis hin zum Showdown.

Sehr viel komplexe Handlung auf knapp 280 Seiten - noch viel mehr Personen und Seitenstränge der Handlung, als hier zusammengefasst. Wie den Ermittlern fehlt auch dem Leser der Durchblick, er teilt den Frust, dass sich die Aufklärung so lange hinzieht, und freut sich, wenn es endlich einmal zur Sache geht. Obwohl: sehr schön sind die kleinen Sequenzen, in denen sich Baumeister rauszieht. Wenn er mitten in der Einsamkeit der Eifel anhält, um eine Pfeife zu rauchen, wenn er sich verdrückt, um einem Jazzkonzert zuzuhören, wenn er die Katzen auf seinem Grundstück beobachtet.

Was machen Menschen aus ihrem Leben? Baumeister sieht sich als jemand, der sich treiben lässt, kaum sein Alter absichern kann und nichts vorzuweisen hat, außer Brüche im Leben.. Rodenstocks Thema - in allen Büchern - ist das Alter und der Tod, woran auch seine quirlige Frau nichts ändern kann. In diesem Band werden wieder einmal neue Lebensentwürfe vorgestellt: die beiden Polizisten, die sich um eine Karriere bei der Kriminalpolizei bemühen und gemeinsam neu starten wollen; der durchgeknallte Millionär, ein Opfer seines Vaters, für den das Leben auf Macht und Geld zusammengeschrumpft ist; Sambas Freundin, die mit dessen Hilfe aus einer Drogenkarriere ausgestiegen ist und erneut vor dem Nichts steht. Die für Berndorf typischen Eifeler Alten, die in den kleinen und großen Gesprächen von der Weisheit und Nüchternheit ihres einfachen und schwierigen Lebens sprechen. Diese Beschreibungen menschlicher Existenzen sind es, die Berndorfs Bücher ausmachen. Das ist die wahre Eifel - Synonym für das schlichte, sorgenreiche Leben und die Versuche, es zu bewältigen. Für diese Beschreibungen nimmt man gerne auch eine konstruierte Kriminalgeschichte in Kauf.
fridolinie zu »Jacques Berndorf: Eifel-Bullen« 17.12.2012
Wie immer eine sehr schöne Sprache, dieses Mal erfreulich weniger Beschreibung, welche Strasse er wann und in welcher Richtung entlang fuhr. Auch die Anzahl der gestopften Pfeifen von Edelherstellern hält sich in Grenzen. Zum für mich ersten Mal sehr expliziter Bezug zum Zeitgeschehen - er liest "der Hundertjährige.", zum Beispiel. So weit, so gut. Ansonsten das Übliche, alle möglichen Leute sind natüüürlich bereit, mit Siggi und nur mit Siggi zu sprechen, eine Frau taucht auf, die ihn natürlich attraktiv findet - der Mann hat einen Schlag bei Frauen, das ist ungeheuer. DasVerbrechen an sich bleibt eher ein wenig nebelhaft. Fazit: liest sich nett, muss aber nicht unbedingt sein.
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