Die Raffkes von Jacques Berndorf

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2003 bei Grafit. 320 Seiten. ISBN-10: 3-89425-283-9, ISBN-13: 978-3-89425-283-0.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Berlin, 1990 - 2009.

'Die Raffkes' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Scheinbar zufällig wird der junge Staatsanwalt Jochen Mann Zeuge eines Bombenanschlags auf ein italienisches Restaurant. Am Schauplatz der Katastrophe lernt er Kriminalrat Ziemann kennen, der Mann gegenüber merkwürdige Anmerkungen macht. Wenig später ist Ziemann tot: Selbstmord. Mann geht Ziemanns Andeutungen nach – und merkt nicht, dass er in ein Geflecht aus Bankgeschäften und Politik eingedrungen ist, in einen Sumpf aus Korruption, Betrug, Erpressung und Mord.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein Hauptstadt-Krimi« 70°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Endlich mal kein Siggi Baumeister. Endlich mal keine Verschwörungen und Skandale in der Provinz. Jacques Berndorf hat sich zum zweiten mal einen Krimi auf das Terrain der Hauptstadt Berlin gewagt und hat in dem Immobilienskandal, der die Berliner Bankgesellschaft und somit indirekt das Land Berlin in eine tiefgreifende Finanzkrise gezogen hat, einen authentischen Background gewählt. Ein junger Staatsanwalt namens Mann, der sich eigentlich um Jugendkriminalität kümmert, sich aber urplötzlich mit den krummen Machenschaften in der Berliner Wirtschaft konfrontiert sieht, steht dabei im Mittelpunkt.

Jener Jochen Mann wird von seiner Tante überredet, sich mit einem bekannten Anwalt zu treffen. Als er an dem Restaurant eintrifft, wo das Treffen stattfinden soll, ist dort kurz zuvor eine Bombe explodiert. Jochen lernt Kommissar Ziemann kennen, der ihn unversehens bittet, am Tatort zu assistieren und Beweise zu sichern. Ziemlich schnell erkennen die beiden, dass der Anschlag nicht dem israelischen Botschafter galt, der in dem Restaurant mit seiner Familie speiste, sondern wohl vielmehr jenem Anwalt, mit dem sich Mann treffen wollte. Zufällig ein Anwalt der hohen Herren der Bankgesellschaft. Was wollte er von Mann?

Hunderte von Aktenordnern

Ziemann zieht Mann erstaunlich weit ins Vertrauen, lässt ihn wichtige Zeugen selbst vernehmen und erzählt ihm von krummen Geschäften, mit denen die Bankgesellschaft ihren Anlegern das Geld aus den Taschen zieht. Er zeigt ihm sogar sein Archiv, in dem er in hunderten von Aktenordnern alle Nachrichten über die Bankgesellschaft gesammelt hat. Mann verliebt sich bei einer Vernehmung in Marion, die Sekretärin des Vorstandsvorsitzenden der Bank, die sich zufällig auch am Ort der Bombenexplosion befand. Auch ihr Vertrauen gewinnt er und erfährt von weiteren ungeheuerlichen Machenschaften und Schiebereien.

Und es gibt noch mehr Quellen für solche Geschichten. Seine Tante zum Beispiel, die als Besitzerin zahlreicher Häuser zum Berliner Geldadel zählt. Plötzlich stirbt Ziehvater Ziemann eines gewaltsamen Todes. Selbstmord ist die offizielle Version, Mann glaubt jedoch an Mord. Und als Marion eines heiteren Tages verschwindet, spürt Mann erst recht, in welcher Gefahr er sich befindet.

Zwischen BND, CIA, Mossad und Provinzposse

An Berndorf scheiden sich die Geister. Ohne Zweifel ist er gegenwärtig der erfolgreichste deutsche Kriminalautor. Aber während die einen bei seinen Eifel-Krimis die Mischung von ländlichem Idyll und Geheimdienstarbeit lieben, sehen die anderen in dem Zusammenwirken von BND, CIA, Mossad und Agenten anderer Nationen in der Abgeschiedenheit der Eifeldörfer nichts anderes als eine Provinzposse. Viel authentischer könnte er die Agentenarbeit in der deutschen Hauptstadt ansiedeln, wonach es anfangs bei den Raffkes auch aussieht.

Dann jedoch kommt er davon plötzlich völlig ab. Da pfuscht dem Ermittler niemand dazwischen, da gibt es keine Interessenkollisionen und das den Beamten wirksam Hindernisse in den Weg gelegt würden, kann man auch nicht behaupten. Mann ermittelt hauptsächlich aus eigener Neugier mit einer Gruppe Polizisten, die für die Ermittlungen gegen die Bankgesellschaft seit Jahren ihren Feierabend opfern, rein aus Liebe zu ihrer Stadt. Wenn das nicht absolute Integrität ist …

Faszinierend, aber monoton

Der Aufbau der Kapitel bleibt über lange Strecken erstaunlich eintönig: Mann begegnet irgendjemandem, das Gespräch kommt irgendwie auf die Bankgesellschaft und Manns Gesprächspartner weiß zufällig irgendetwas spannendes und dreistes aus dem reichen Fundus von möglichen Betrügereien, die bei der Bankgesellschaft so oder so ähnlich gelaufen sein könnten, zu berichten. So hat zwar jedes Kapitel seine ganz eigene Faszination, aber die doch recht monotone Form, in der über die Bankgesellschaft doziert wird, weckt doch einiges an Argwohn. Mann wirkt ein wenig naiv und absolut unbedarft, wenn ihm all die unglaublichen Betrügereien aufgetischt werden. Erstaunlich ist auch, wie schnell er von allen Seiten ins Vertrauen gezogen wird. Sogar Schwerkriminelle scheinen den jungen Staatsanwalt bei seinen Nachforschungen zu unterstützen.

Nachdem dann alle Geschichten erzählt sind, werden nach dem Bombenanschlag zu Beginn auch am Ende noch mal routiniert zwei Action-Sequenzen eingefügt und zumindest die Schuldigen für die Verbrechen, die tatsächlich während der Handlung des Romans geschehen, können gestellt werden. Da bleibt dann doch ein leicht zwiespältiges Gefühl im Magen zurück. Einerseits nämlich lässt sich der Roman sehr flott und zügig lesen, andererseits hat man das Gefühl, eigentlich zwei Bücher gelesen zu haben: sachlich erzählte und solide recherchierte Berichte über Wirtschaftskriminalität sowie einen dann doch relativ flachen eigentlichen Krimi. Die Fans von Berndorf werden sich bestimmt wieder auf den nächsten Eifel-Krimi freuen.

Ihre Meinung zu »Jacques Berndorf: Die Raffkes«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Sandra zu »Jacques Berndorf: Die Raffkes« 18.12.2010
Zunächst einmal möchte ich sagen, dass mir das Buch eigentlich sehr gut gefallen hat.Ich stimme den Kommentatoren vor mir allerdings zu, was die Unglaubwürdigkeit des Protagonisten Mann angeht, der vom rührigen Staatsanwalt zum einsamen Rächer der Entrechteten wird und das innerhalb weniger Tage. Genaugenommen verstehe ich die Wahl des Autors nicht, ausgerechnet Mann zum Protagonisten seiner Geschichte zu machen - selbst dessen unglückseliges Sorgenkind Kemal hätte diese Geschichte überzeugender 'tragen' können, sowohl was die Glaubwürdigkeit der Actionelemente angeht, als auch die Nachvollziehbarkeit der eingewebten Lovestory (welche meiner Ansicht nach zu den schwächsten Momenten des ganzen Buchs zählt).Ein anderer Kommentator pries die Dialoge - dem kann ich nicht zustimmen. Insbesondere die Gespräche mit Marion ließen mich schaudern, aber auch einige der anderen Dialoge waren für mich unglaubwürdig und unrealistisch.Trotzalledem habe ich es genossen, dieses Buch zu lesen und konnte es praktisch nicht wieder aus der Hand legen, es war flüssig und packend geschrieben und die schiere Erklärung, wie derartige 'Schwindeleien" in der Hochfinanz überhaupt funktionieren könn(t)en war mehr als erhellend.
John67 zu »Jacques Berndorf: Die Raffkes« 15.10.2009
Es ist schon viel Wahres gesagt worden und so stehe ich mit meiner Rezension auch nicht alleine.
Zunächst eine spannende Story, die sich entwickelt und bis zu einem bestimmten Zeitpunkt auch noch glaubwürdig bleibt, aber dann leider kippt.
Aus einem langweiligen und durchschnittlichen Staatsanwalt wird ein James Bond des Jahres 2003, der es mit den stärksten Kerlen aufnimmt. Keine Waffe ist ihm fremd, kein Hieb geht daneben.Unglaubwürdig, oder?
Am Ende wird auch noch eine Lösung, die ich natürlich nicht verrate, aus dem Hut gezaubert: schade um die gute Krimiidee!!
vifu zu »Jacques Berndorf: Die Raffkes« 27.02.2009
Ich schließe mich Claude weitestgehendst an. Am Anfang fand ich die Story reizvoll und auch spannend, aber nach etlichen Wendungen reflektiert man/frau doch die Realität und dann verliert vor allem die Hauptperson Mann. Die Randfiguren entsprechen so ziemlich jedem Klischee und auch die naturalisierenden Idyllen sind "nur" eifelhaft. Für ein Tatortdrehbuch vielleicht ausreichend, aber ansonsten nur unteres Mittelmaß.
Claude zu »Jacques Berndorf: Die Raffkes« 11.03.2007
Dieser Krimi ist als Krimi nicht sehr gut gelungen. Die Psychologie der einzelnen Protagonisten ist recht oberflächlich, Spannung taucht nur selten auf, der Schluß ist wie so oft bei Berndorf ein wenig kurzatmig, als würde er merken: Huch, ich habe nur noch 30 Seiten, ich muß zum Ende kommen! Die Betroffenheit des Autors über den Berliner Bankenskandal ist deutlich anzumerken, wirkt aber auf mich bei all den Skandalen die sich in diesem unseren Lande häufen und uns auch leider ein wenig gleichgültig bis frustriert zurücklassen, ein wenig antiquiert.
Ich frage mich andauernd, was den guten Staatsanwalt treibt, sich so zu verhalten, wie er es tut. Es ist einfach nicht nachvollziehbar, es bleibt alles etwas flach. Berlin ist eine dermaßen kaputte Stadt, da könnte man spannendere Krimis erwarten.
Was mir bei den Eifel-Krimis gut gefallen hat, rettet eigentlich ein wenig die Story: Berndorf hat einen guten Blick für Details und schreibt zeitweilig sehr gute Dialoge. Aber das kann er noch deutlich besser, wenn seine Figuren psychisch authentischer sind als in diesem Krimi.
Ansonsten teile ich überwiegend die Kritik von Thomas Kürten.
P.S.: Da er in dieser Geschichte seinen Pfeifen-Tick nicht unterbringen konnte (was ja meinetwegen noch als liebenswerte Marotte von Baumeister durchgehen kann) promotet er mal wieder den guten Herrn Willisohn, seinen Freund am Klavier. Das finde ich etwas peinlich
K.-G.Beck-Ewe zu »Jacques Berndorf: Die Raffkes« 31.12.2005
Ein fabelhafter Thriller, der zeigt, dass sich Jacques Berndorf in Berlin eigentlich noch besser und überzeugender bewegt, als er dies schon in der Eifel tut.

Die auftretenden Charaktere sind insgesamt sehr glaubwürdig, obwohl der väterliche russische Gangesterkönig sicherlich schon ein wenig klischeehaft wirkt, aber daneben sind sehr viele andere Figuren eingeführt, die sehr plastisch daher kommen und so der Erzählung ein gutes authentisches Gefühl geben.

BErndorf selbnst bemerkt gegen Ende des Bandes, dass die hier beschrieben Verknüpfungen nur für das Buch eine wirkliche Rolle spielen, aber jeder wird sich denken: "Wenn es schon nicht wahr ist, so ist es doch gut erfunden."

Ein Muss für jeden Thrillerfan und auch Freunde des eher nachdenklichen Agentengenres á la LeCarre werden an diesem Roman ihre helle Freude haben.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Michael P. Stark zu »Jacques Berndorf: Die Raffkes« 25.01.2005
Wie schon die Eifelkrimis sind auch die Raffkes ein Buch, das den Leser fesselt, sodass er es nicht aus der Hand legen möchte und gierig Kapitel um Kapitel verschlingt. Aber während ich die Personen und Handlungen in der Eifel als authentisch wahrgenommen habe, mußte ich bei den Schilderungen aus den großstädtischen Berliner Polizei- und Justizkreisen ungläubig den Kopf schütteln. Nein, so kann es nicht sein, so ist es einfach nicht. Zu weit entfernt sind die Handelnden von den Niederungen des Beamtenalltags. Zu gelassen setzen sie sich über eigene Karriereinteressen und Dienstvorschriften hinweg, schreiten ruhigen Schrittes von einer Untunlichkeit zur Nächsten. Was ich dem melancholischen Sonderling Baumeister aus der Abgeschiedenheit des Eifeldorfes (in Kenntnis des dortigen Menschenschlages, der Landschaft und Mentalität) abnehme, kann ich, als in einer Metropole praktizierender Rechtsanwalt, dem Staatsanwalt Mann nicht glauben. Aber das ist vielleicht mein ganz persönliches Handicap und hat die Freude beim Lesen der Raffkes nur unwesentlich gemindert.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Nicola Weitz zu »Jacques Berndorf: Die Raffkes« 22.06.2004
Ich liebe die Geschichten um "Siggi" aber auch dieses Buch fand ich sehr gut und spannend geschrieben. Freue mich auf die neuen Bücher.
M. Peuß zu »Jacques Berndorf: Die Raffkes« 02.05.2004
Ich war überglücklich, endlich wieder ein Berndorf!! Auch bei diesem Buch gelang es mir nicht, es wieder aus der Hand zu legen, bevor es zu Ende war. Ich hoffe jetzt wieder auf den nächsten Eifel-Krimi und das Berndorf der Stoff nicht ausgeht.!!
Stephan zu »Jacques Berndorf: Die Raffkes« 13.02.2004
ich habe schon alle kriminalromane von Jacques Berndorf mit freude gelesen.ich freue mich schon auf den 12.Siggi Baumeister eifel krimi der im herbst 2004 heraus kommt.jacques berndorf ist ein super klasse autor.
winfred worniak zu »Jacques Berndorf: Die Raffkes« 29.01.2004
nach den eilel-krimis die klasse sind, bin ich von raffkes nicht so angetan.
das ein kriminalbeamter die nähe eines staatsanwaltes sucht, war mir ja verständlich. aber der kumpelton mit allen und jedem, war etwas zu dürftig. und nach dem sturm nach rambo art auf ein einsame kate, war es mir dann doch zu viel. aber der einblick den der krimi einem in die berliner gesellschaft gibt, waren eine klasse für sich.
2 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.

Dies sind nur die ersten 10 Kommentare von insgesamt 12.
» alle Kommentare anzeigen

Ihr Kommentar zu Die Raffkes

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: