Der letzte Agent von Jacques Berndorf

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1993 bei Bastei Lübbe.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Eifel, 1990 - 2009.
Folge 4 der Siggi-Baumeister-Serie.

  • Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 1993. 280 Seiten.
  • Hillesheim: KBV, 2005. 280 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2011. ISBN: 978-3-596-19343-1. 288 Seiten.
  • [Hörbuch] Daun: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch, 2006. Gesprochen von Georg Jungermann. ISBN: 978-3866672048. 8 CDs.

'Der letzte Agent' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Der Journalist Siggi Baumeister hat alle Hände voll zu tun. Nicht nur mit der gräßlich zugerichteten Leiche, die er im Eifelwald findet, gewis-sermaßen fast vor seiner Haustür. Auch eine resolute alte Dame aus Berlin tritt plötzlich auf den Plan und stellt sich als seine Tante Anni vor. Baumeister hat noch nie von ihr gehört. Und schließlich entpuppt sie sich als eine mit allen Wassern gewaschene Frau vom Fach, eine pensionierte Kripo-Kommissarin. Baumeister kann jede Hilfe gebrauchen, denn die Fährte, die er verfolgt, führt ihn direkt zu einem alten Stasi-Komplott, das man erschreckend wendig der neuen politischen Situation angepasst hat. Nur eines hat man beim alten belassen: die Entschlossenheit, lästige Störenfriede gnadenlos zu liquidieren …

Das meint Krimi-Couch.de: »Außer für Berndorf-Fans absolut entbehrlich« 65°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Ich wollte, ich wäre Siggi Baumeister. Überall hätte ich Freunde, von denen ich alles haben kann. Autos leihen, kein Problem. Wenn das erste von Kugeln zersiebt zurückbleibt, borge ich mir eben den Wagen vom nächsten Freund. Eine warme Mahlzeit ist auch überall drin. Natürlich wäre auch mein Besitz Allgemeingut. Ob da meine Tante Anni käme, von der ich noch nie zuvor etwas gehört habe oder eine hübsche Mordverdächtige, bei der sich meine Beschützerinstinkte rührten, für jeden wäre bei mir ein Platz frei.

Auch wenn Jacques Berndorfs Baumeister-Romane autobiographische Züge tragen, so ab und an trägt er schon sehr dick auf. Der Journalist Siggi Baumeister ist es auch im dem wieder neu aufgelegten Altwerk aus dem Jahr 1993, der spätestens alle fünfzig Seiten über eine neue Leiche stolpert. Zwar spielt die Story bereits ein Jahr nach dem Mauerfall, doch tut dies der Tatsache keinen Abbruch, dass DDR-Spione fleißig weiter spionieren und es so scheint, als ob sie nicht mitgekriegt hätten, dass das Land, für das sie im Einsatz waren, nicht mehr existiert.

Irgendwie ist es verständlich, dass das Buch bei seinem ersten Erscheinen flopte, denn von seiner Glaubwürdigkeit rangiert »Der letzte Agent« zusammen mit »Eifel-Feuer« am unteren Ende der Baumeister-Krimis. Auch hier sind BKA, MAD, BND etc. in den Fall verwickelt, ermitteln planlos so vor sich hin, doch Siggi Baumeister darf schalten und walten wie er will, ist immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort, zieht die nicht immer nachvollziehbaren logischen Schlüsse und kommt so nach und nach auf des Rätsels Lösung, die für den unbedarften Leser dagegen alles andere als logisch, sondern eher als mühsam konstruiert erscheint.

Wenn man dies alles aber nicht so tierisch ernst nimmt, hat man mit der Story viel Spaß und spannende Unterhaltung. Angefangen hat alles mit einem Waldspaziergang, den Baumeister mit seiner Katze unternommen hat. Dabei stolperte er mal wieder – wie so oft – über eine Leiche. Diese Leiche jedoch sah schon ziemlich ungewöhnlich aus, denn deren riesiger aufgeblähter Bauch bestand aus rosafarbenem Kunststoff.

Originelle Todesarten in Kriminalromanen können mich noch immer faszinieren, und diese Art zu töten war für mich neu. Eine Schaumstoffmasse wurde auf die Größe einer Patrone zusammengepresst und mit einer Art Lack überzogen. Wird diese Kugel abgeschossen und prallt auf, so reißt der Lack und die Schaumstoffmasse quillt im Sekundenbruchteil auf. Egal wo die Kugel trifft, sie wirkt tödlich, denn das getroffene Gewebe zerreißt sofort. Klingt fies und ist es mit Sicherheit auch.

Ansonsten bleibt für Berndorf-Kenner nicht viel zu sagen übrig. Baumeisters väterlicher Freund Rodenstock fehlt leider in dieser Geschichte völlig. Man vermisst ihn schon ein wenig. Dafür aber taucht Tante Anni aus Berlin zum ersten Mal auf. Ein Wiedersehen gab/gibt es im zeitlich späteren Band Eifel-Liebe. Hier allerdings wirkt Tante Anni noch ziemlich blaß und bleibt mehr als ältliches Wesen mit mütterlicher Fürsorge in Erinnerung, die Siggi immer wieder Essen aufdrängt.

Abschließend bleibt zu sagen: Für Berndorf-Fans ist »Der letzte Agent« Pflichtlektüre, für alle anderen absolut entbehrlich.

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Jo zu »Jacques Berndorf: Der letzte Agent« 17.08.2010
Dieses Buch passt sehr gut in die Eifel Krimi Reihe. Allerdings wird mir hier Siggi langsam zu sehr zu einem Helden a la USA Krimis, dem die Gewehrkugeln um die Ohren fliegen und der immer noch da steht und kämpft. Etwas stark aufgetragen. Aber dennoch ein spannendes Buch, dass man in einem durchlesen kann
WelpeMax zu »Jacques Berndorf: Der letzte Agent« 20.07.2008
Sehe es ähnlich wie der Rezensent ... für mich war es eine Pflichtlektüre und für andere Eifel - Fans wird es das ebenfalls sein, kommt für mich auch in die Kategorie von Eifel Feuer, gut aber nicht umwerfend, einige Fehler, aber durchaus kurzweilig und lesbar, gut für eine Autofahrt oder Flug !
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sonja100 zu »Jacques Berndorf: Der letzte Agent« 20.06.2008
Langsam fühle ich mich in der Eifel wohl. Hier ist die Handlung vielleicht ein bisschen weit her geholt. Aber Baumeister wird immer sympathischer. Und die Eifel rückt immer näher. Es ist zwar nicht unbedingt der bester Eifel-Krimi für mich gewesen, aber spannend und flüssig zu lesen. Hat mir sehr gut gefallen.
K.-G.Beck-Ewe zu »Jacques Berndorf: Der letzte Agent« 01.05.2007
Ein dicht erzählter Kriminalroman mit überaus interessanten Figuren, die das Lesen an sich schon interessant machen und eine insgesamt sehr nachvollziehbare Geschichte, die nicht einen Moment langweilig oder absurd aufgeregt erscheint. Einer der besten Berndorf-Romane, die ich bisher gelesen habe.
Ruebe zu »Jacques Berndorf: Der letzte Agent« 07.10.2005
Das Buch ist eigentlich ziemlich schlecht. Welcher Journalist hat schon die Zeit und das Geld, eigenständig eine so umfangreiche Recherche durchzuführen? Das funktioniert eigentlich nur dann, wenn eine Tante wie Anni im Hintergrund steht und den Journalisten finanziell unterstützt. Und sind unsere deutschen Polizisten wirklich so blöde wie im Buch beschrieben? Würde mich doch wirklich mal interessieren, was ein richtiger Polizist von einem solchen Buch hält.
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Kenny Lynn zu »Jacques Berndorf: Der letzte Agent« 14.09.2005
Keine Ahnung warum dieser Roman bei der Erstauflage nicht gelaufen ist. Meines erachtens der beste Berndorf den ich bisher gelesen habe. Handlung mit Überraschungen, flüssig mit Herz und Action und deutscher Bürokratie. Anmerkung zu Peter Krümmel: Zu dieser Zeit war Rodenstock noch kein Pensionär und hatte keine Zeit!
Gruß Kenny Lynn
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Angelika zu »Jacques Berndorf: Der letzte Agent« 07.07.2005
Eifel-Krimis müssen sofort in einem durchgelesen werden.Auch wenn ich im schönen Bergischen Land wohne,so lese ich diese Bücher sehr gerne.Sie sind sehr spannend und mit genuss zu lesen.Mein Auto würde ich Baumeister keinesfalls ausleihen.Bei sovielen Löchern häte ich immerzu Durchzug.Wo nur immer die unbekannte Verwandtschaft herkommt:-)
Rolf zu »Jacques Berndorf: Der letzte Agent« 11.05.2005
Ich habe die ganze Eifel Serie
gefressen, nicht gelesen
Als Mosel-Fan habe ich beim
stöbern im Supermarkt in
Piesport zufällig den Eifel-Blues
in die Hände bekommen und
danach zurück in Düsseldorf
auch alle anderen gekauft und
gelesen. Von der Mosel aus
bin ich immer öfter auch in
Richtung Eifel aufgebrochen um
Land und Leute so zu finden wie
Preute sie beschreibt. Das Lesen eines Eifel Krimis ersetzt
mit glatt den Erholungswert von
3 Wochen Sommerurlaub
Ulrich zu »Jacques Berndorf: Der letzte Agent« 27.04.2005
Immer wenn ich einen dieser Eifel-Krimis lese, muss ich an die karge Landschaft denken, die ich als Jugendlicher damals erlebt habe: nur Äcker mit viel Steinen und Wälder. Trist und menschenleer, haben die Menschen einen entsprechenden Charakter. Diese Stimmung und auch die Art dieser Leute zu beschreiben, gelingt Berndorf richtig gut. Dass dort, am Ende der Welt überhaupt etwas passiert - außer einer Schlägerei von Dorflümmeln - macht die Bücher besonders interessant. Und wenn dann auch noch beschrieben wird, wie Siggi Baumeister lebt, möchte ich am liebsten 'raus hier aus Berlin. Dies Fernweh ist doch schon das Lesen wert!
gudrun schmidt zu »Jacques Berndorf: Der letzte Agent« 12.03.2005
es ist nicht nur dieses buch was mir gefällt,es sind alle. die eifelkrimis und die raffkes sind mit das beste,was ich bisher gelesen habe,es macht süchtig und ich hätte gern mehr gelesen,aber man kann ja leider nicht alles haben...wirklich schade
schöne grüße aus thüringen
ihre gudrun schmidt
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