Die Minuten vor dem Tod von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel Requiem, deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei Bastei Lübbe.
- Bath: Windsor, 2008 unter dem Titel Requiem. 291 Seiten.
-
Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 2009.
Übersetzt von Karin Meddekis.
ISBN:
978-3-404-16300-7. 349 Seiten.
'Die Minuten vor dem Tod' ist erschienen als
![]()
In Kürze:
William Craig ist ein verurteilter Mörder. Er hat den Vergewaltiger seiner Enkelin kaltblütig erstochen – den Sohn eines US-Senators. Doch es ging um mehr als Rache. Craig kennt ein Geheimnis, das Washington erschüttern kann. Hinter Gittern war er zum Schweigen verurteilt. Seine letzte Chance ist die junge Journalistin Deborah Jones. Sie will die Wahrheit an die Öffentlichkeit bringen. Die Zeit läuft. In fünf Wochen ist William Craig ein toter Mann.
Das meint Krimi-Couch.de: »Kurzweiliges Debüt mit etlichen Schwachstellen«
Krimi-Rezension von Jörg Kijanski überspringen
Im Juli 1990 vergewaltigte Joe O’Neill, einziger Sohn des US-Senators Jack O’Neill, die Enkelin von William Craig. Der anschließende Prozess gegen Joe war eine Farce, da unter anderem plötzlich Beweismittel verschwanden. Nach seinem Freispruch kehrte Joe in die Partyszene Miamis zurück als sei nichts geschehen. Zudem belästigte und verhöhnte er Craigs Enkelin. Wenig später platzte Craig der Kragen und er erstach Joe.
Seit über elf Jahren sitzt Craig, mittlerweile 82 Jahre alt, nun im Gefängnis Raiford und wartet dort auf seine Hinrichtung, die in fünf Wochen erfolgen soll. Da wittert die junge Journalistin Deborah Jones vom Miami Herald ihre große Chance und bittet ihren Chefredakteur Sam Goldberg um ein Interview mit Craig. Goldberg hat ein Gespür für Talente und willigt ein, nicht wissend, dass Jones selbst Opfer einer Vergewaltigung war. Ihr eigener Vater war jedoch ausschließlich um den Ruf seiner Familie bemüht anstatt ihr zur Seite zu stehen und so bewundert Deborah den alten Craig für seine Tat.
Bei ihren Recherchen stellt Deborah schnell fest, dass sie in ein wahres Wespennest gestochen hat, denn Joe O’Neill hat nicht nur Craigs Enkelin vergewaltigt, sondern war ein sexueller Serientäter. Dass der Senator zudem über sehr enge Beziehungen zu Floridas Mafia verfügt und auf diesem Weg immer wieder schützend seine Hand über seinen Sohn halten konnte, erhöht das mediale Interesse. Dabei übersehen Deborah und ihr Chef jedoch, dass die Mafia für derartige Berichte keinerlei Verständnis hat und auch bei der Einschüchterung oder gar Beseitigung von Zeugen nur wenig Skrupel kennt …
Hilfe!
Fangen wir die Rezension mal etwas ungewöhnlich an. So lautet etwa Zeile 5 auf Seite 44: »Ich bin hier, um Ihnen zu helfen.« Kommen wir jetzt zu Zeile 5 (!) auf Seite 46: »Ich bin hier, um Ihnen zu helfen.« Ist Ihnen etwas aufgefallen? Dazu passen folgende Sätze »Ich möchte versuchen, Ihnen zu helfen, Mr. Craig.« (S. 42), »Ich möchte Ihnen helfen.« (noch mal Seite 46, dieses Mal weiter unten), »Ich will Ihnen helfen, Mr. Craig.« (Seite 48) und »Aber ich will Ihnen auch helfen.« (S. 49).
Also mal unter uns. Hilfe braucht hier an erster Stelle der Autor! In diesem Sinn sei ein kleiner Gruß an die Übersetzerin Karin Meddekis und den herausgebenden Bastei Lübbe Verlag erlaubt. Ein bekannter Fußballlehrer würde sagen »Was erlauben...?«
Das »Geschmäckle« mit der Selbstjustiz.
Neben dem sehr einfach gehaltenen Schreibstil drängt sich ein zweiter Kritikpunkt förmlich auf. Natürlich ist es nachvollziehbar, dass eine junge Frau, die selber Opfer einer brutalen Vergewaltigung wurde, einen Mann bewundert, der einen Serienvergewaltiger umbringt. Dass sie sich mit Hilfe ihrer Zeitung jedoch für dessen Freilassung einsetzt, ist zumindest »Geschmackssache«, so wie jeder Roman, der um Verständnis für Selbstjustiz wirbt.
Schwarz und Weiß, wie lieb ich Dich.
Die Figurenzeichnung hätte ebenfalls etwas gelungener ausfallen können. Die selten naive Deborah, die trotz aller sichtbaren Gefahren blindlings voranschreitet, um Craig die Todesstrafe zu ersparen. Der von der Mafia korrumpierte Senator, der mit den Methoden des organisierten Verbrechens nichts zu tun haben will und dennoch dem örtlichen Mafiaboss freie Hand lässt. Der weiße Gefängnisdirektor, der im Süden Floridas natürlich immer noch ein blühender Rassist ist. Und so weiter, immer heiter.
Als Unterhaltungslektüre für zwischendurch ist Die Minuten vor dem Tod dennoch durchaus akzeptabel. Man muss ja nicht so genau hinschauen wie der Verfasser dieser Zeilen. Dann findet man (oder Frau) einen kurzweiligen Thriller mit den üblichen Elementen und fühlt sich schließlich an die alten James Bond Filme erinnert. Schön bunt, viel Action und fünf Minuten nach Ende des Films schon wieder vergessen.
Wen also die Problematik mit der Selbstjustiz nicht stört, der darf diesem Debütroman durchaus eine Chance geben. Dass aber laut Daily Record ein »perfektes Buch« gelungen ist oder laut The Telegraph der Roman »in einer Liga mit Bestsellerautoren wie Michael Conelly und Harlan Coben« spielt, entbehrt nun wirklich jeder Grundlage.
Jörg Kijanski, September 2009
Ihre Meinung zu »Jack Ross: Die Minuten vor dem Tod«
Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!
