Der freie Mann von Jac. Toes

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2003 unter dem Titel De vrije man, deutsche Ausgabe erstmals 2005 bei Grafit.
Ort & Zeit der Handlung: Niederlande, 1990 - 2009.

  • Amsterdam: Veen, 2003 unter dem Titel De vrije man. 253 Seiten.
  • Dortmund: Grafit, 2005. Übersetzt von Stefanie Schäfer. ISBN: 3-89425-545-5. 348 Seiten.

'Der freie Mann' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Kaum drei Monate verheiratet, verliebt sich Harold Daver Hals über Kopf in die atemberaubende Schönheit Isabelle Valdo. Überzeugt, dass seine Zuneigung erwidert wird, beschließt Harold, fortan nur noch für die Argentinierin und ihre gemeinsame Leidenschaft, den Tango, zu leben. Doch sein neues Leben beginnt mit einer Katastrophe: Seine Ehefrau Francien, Expertin für Steuerdelikte, wird brutal ermordet, er selbst als Hauptverdächtiger festgenommen. Als er wenig später aus Mangel an Beweisen freigelassen wird, muss er feststellen, dass in der Zwischenzeit in sein Haus eingebrochen und in Franciens Arbeitszimmer sämtliche Computerdateien und Disketten gelöscht wurden. Auch Isabelle hat ein Problem: Für ihre Verwandten in Argentinien soll sie einen Mann namens Zacharias ausfindig machen, der den familieneigenen Fleischhandel um die Erlöse geprellt hat. Die Suche erweist sich schwieriger als erwartet. Währenddessen stößt Harold durch Zufall auf die Akte zu Franciens letztem Fall. Dies löst eine Kette von Ereignissen aus: Denn in den Unterlagen über die internationale Fleischhandelsmafia tauchen immer wieder zwei Namen auf – der von Zacharias und der von Isabelle …

Das meint Krimi-Couch.de: »Salud, Amor y Dinero!« 74°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Gesundheit, Liebe und Geld. Mit dieser Überschrift eines Kapitels hat Jac. Toes wunderbar seine Protagonisten im Tango-Roman Der freie Mann beschrieben. Tango-Roman deshalb, weil die Kriminalgeschichte in diesem Werk nur eine untergeordnete Rolle, eine Art Zweckerfüllung spielt. Leidenschaftlich beschreibt der Autor die Regeln der Welt des Tango und ordnet diese dem Psychogramm eines Mannes in einer Mid-Life-Crisis zu, der endlich sein Leben in eigene Hände nehmen, sich von den Zwängen des Alltags und der Vergangenheit lösen will.

Harold Daver hat nach zwölf Jahren endlich seine Lebensgefährtin Francien geheiratet. Aber schon nach drei Monaten ist die Ehe gescheitert, denn der Physiotherapeut hat sich in seine Patientin Isabelle Valdo, eine argentinische Tangotänzerin verliebt. Und nachdem die mehrwöchige Behandlung beendet ist und die beiden erstmals Tango tanzen, wird Francien brutal ermordet in ihrem Haus gefunden. Die merkwürdige private Situation Harolds macht ihn natürlich sofort zum Hauptverdächtigen. Zwar ist ihm nichts nachzuweisen, seine Patienten jedoch sagen reihenweise Termine ab und auch die Kollegen aus der Gemeinschaftspraxis sehen sich unverhofft vor finanzielle Probleme gestellt. Einziger Ausweg: Harold scheidet aus dem Kreis der Partner aus und geht fortan seinen eigenen Weg. Unversehens ist er das, was er so gerne sein wollte: ein freier Mann.

Eine verhängnisvolle Affäre

Zwar lässt es den Mediziner nicht unberührt, dass seine Frau umgebracht und ihr Mörder noch nicht gefasst wurde, Harold kämpft innerlich aber auch noch an anderen Fronten. Zum einen ist da Isabelle, die seine Begierde geweckt hat. Zum anderen versucht er zusammen mit der ehemaligen Praxiskollegin und Psychotherapeutin Luisa den Tod seiner ersten Freundin Alice endlich zu bewältigen, die dummer Weise auch noch die Zwillingsschwester von Francien war. Durch sie wurde einst seine Liebe zum Tango Argentino geweckt, somit ist sie auch der Ursprung seiner Leidenschaft für die rassige Argentinierin. Die ist allerdings nicht allein nach Europa gekommen, sondern hat ihre Brüder Alfonso und Carlito mitgebracht, die anscheinend immer nur ihre Geschäfte im Sinn haben – und zugegebener Maßen etwas ruppigere Umgangsformen als Isabelle besitzen. Unversehens ist Harold mitten in den Bemühungen der Brüder, auf nicht ganz saubere Art und Weise Geld von Schuldnern einzutreiben.

Kompliment an Jac. Toes, wie er immer wieder die Faszination des Tangos einfängt und seine Philosophie auch einem Laien eindringlich erklären kann. Immer wieder zieht es Harold auf die »Pista«, wie Tangotänzer die Tanzfläche nennen. Das Zusammenspiel zwischen Mann und Frau und die knisternde Eleganz begnadeter Tanzpaare versteht er in einfache Worte zu fassen. Ein Glossar liefert zudem kurz und knapp die Erklärung der wesentlichen Fachausdrücke. Schließlich reist Harold als »freier Mann« seinem Schwarm Isabelle in das Tango-Mekka Buenos Aires (wo er bezeichnender Weise im Hotel Libertador – einem Stundenhotel – unterkommt) hinterher und findet die Zusammenhänge hinter den Ereignissen der vergangenen Wochen.

Krimihandlung nicht im Vordergrund

Während sich der Autor intensiv mit dem Aufbau einer Handlung rund um den Tango beschäftigt und von seinem Protagonisten ein wasserdichtes Psychogramm entwirft, mag der ein oder andere Leser die äußerst dosierte Verwendung von Spannung und Action bemängeln. Der Mordfall bleibt ein Ereignis im Hintergrund, dass Harold zwar zu Verstehen sucht, dass ihm letztlich aber auch die Flucht aus den Fesseln des Alltags als einzigen und dankbar angenommenen Ausweg erscheinen lässt. Immer wieder zieht es ihn an den Ort, wo er glaubt sein Leben »führen« zu können: die Tanzfläche. Dass er auch hier allein für das Wohlgefühl der Frau führt, bemerkt er zu spät. Die Klärung der Hintergrunde der Bluttat kann sich der Leser mühsam zusammen reimen, Harold scheint es erst sehr spät ernsthaft zu interessieren.

Ein offenes Ende ist die logische Konsequenz eines Krimis rund um und über den Tango. Der eine Tanz rund um Liebe, Sehnsucht, Tod und Freiheit ist beendet und es herrscht Ruhe im Orchester. Wie der nächste Tanz weiter gehen wird, weiß niemand zu diesem Zeitpunkt. Für die Tangofreunde unter den Krimilesern ist dieses Buch ein Muss ähnlich wie Fleischhauers »Drei Minuten mit der Wirklichkeit«, allerdings ohne ähnlich zu verkitschen. Wer dem leidenschaftlichen Tanz und der typischen Musik nichts abgewinnen kann, dem wird auch die Faszination dieses Buches verborgen bleiben.

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Georg zu »Jac. Toes: Der freie Mann« 12.09.2005
Kann mich "Ulrich" Meinung nur anschließen. Für einen Krimi zu langweilig und zu langatmig, für ein Drama zu flach. Habe bis jetzt alle Romane des Autor gelesen, aber Toes läßt deutlich nach, sein schwächster Roman
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Ulrich zu »Jac. Toes: Der freie Mann« 25.08.2005
Jetzt habe ich die Hälfte des Buches durch und frage mich, was daran ein Krimi sein soll. Keine Handlung, viel Gerede von Tango, was noch lange keine Atmosphäre schafft. Dass seine Frau ermordet worden ist, kümmert den Mann wenig, es war ja keine glückliche Ehe...Also ist der Täter wurscht. Wo soll denn da dann eine Spannung her?
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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