Interview mit Ursula Poznanski

»Gegen Slaughter und Hayder bin ich ein Waisenkind.«

Geocaching ist eine Art elektronische Schatzsuche. Die Verstecke werden anhand geografischer Koordinaten veröffentlicht und können mit Hilfe eines GPS-Empfängers gesucht werden. Ein Geocache ist in der Regel ein wasserdichter Behälter, in dem sich ein Logbuch sowie verschiedene kleine Tauschgegenstände befinden, in Ursula Poznanskis Fünf sind dies allerdings Leichenteile. Wir trafen die Autorin in Salzburg zum »Cachen« und Plaudern.

    Krimi-Couch: Kinderbücher, Jugendbücher, nun der erste Thriller für Erwachsene – betrachtest Du das als Weiterentwicklung Deiner Schriftstellerkarriere?

    Ursula Poznanski: In der Wertigkeit mache ich da keine großen Unterschiede. Ich finde, ein gutes Kinderbuch ist nicht sehr viel einfacher zu schreiben als ein guter Erwachsenen-Thriller. Für Jugendliche und Erwachsene zu schreiben ist rein von der Textlänge her vielleicht eine größere Herausforderung als ein Kinderbuch mit vierzig Seiten, aber ich würde die verschiedenen Genres in ihrer Bedeutung nicht unterschiedlich gewichten wollen.

    »Ich mag Geschichten, die ein Geheimnis in sich tragen.«

    Krimi-Couch: Zumindest zeugt das, was Du bisher geschrieben hast, von Deiner Vielseitigkeit. Welche anderen Genre könntest Du Dir denn sonst noch vorstellen?

    Ursula Poznanski: Ursprünglich wollte ich ja Fantasy schreiben. Gute Fantasy ist etwas, das ich gerne lese und Fantasy war das erste Genre, zu dem es mich schreibend hingezogen hat. Dass ich jetzt trotzdem Thriller schreibe, hat mich anfangs selbst überrascht. Aber man kann die eigenen Buchideen nicht immer steuern. Ich mag Geschichten, die ein Geheimnis in sich tragen. Das trifft bei Fantasy oft zu, und beim Thriller noch öfter. Es macht mir großen Spaß, die Dinge zu verstecken, zu verschleiern und später aufzudecken.

    Krimi-Couch: In Deinem Thriller »Fünf« geht es um Geocaching – ein Hobby von Dir, mit dem viele (noch) nichts anfangen können. Soll das Buch auch ein wenig Werbung für diese Freizeitbeschäftigung sein?

    Ursula Poznanski

    Ursula Poznanski studierte sich einmal quer durch das Angebot der Wiener Universität – darunter Japanologie, Publizistik, Rechtswissenschaften, Theaterwissenschaften -, bevor sie nach zehn Jahren die Hoffnung auf einen Abschluss begrub und sich als Medizinjournalistin dem Ernst des Lebens stellte. Nach der Geburt ihres Sohnes begann sie Kinderbücher zu schreiben. Mit ihrer Familie lebt sie im Süden von Wien.

    Ursula Poznanski: (lacht) Die Frage ist, ob man nach dem Lesen noch so große Lust drauf hat. Ich weiß nicht. Aber ich könnte mir vorstellen, dass das Buch den einen oder anderen Leser, der noch gar nichts vom Geocachen gehört hat, zumindest mal neugierig macht.

    Krimi-Couch: Befürchtest Du nicht, dass Du durch die negative Darstellung im Buch das Gegenteil erreichst?

    Ursula Poznanski: Naja, den einen oder anderen wird die Vorstellung von Leichenteilen in Plastikbehältern vielleicht abschrecken. Aber ich bin sicher, dass die meisten Leser zwischen Realität und Fiktion unterscheiden werden. Ich fand es spannend, das Thema Schatzsuche auf moderne Weise aufzugreifen, es war ja früher in Abenteuerromanen sehr verbreitet. Es jetzt in einen modernen Thriller zu setzen, fand ich reizvoll.

    Krimi-Couch: Du bist ja keine Full-Time-Autorin. Wie verteilt sich denn Deine Zeit zwischen Beruf, Schreiben, Familie und Hobbies?

    Ursula Poznanski: Mittlerweile bin ich eigentlich doch schon Full-Time-Autorin. Ich betreibe immer noch ein bisschen Journalismus, aber es ist im Vergleich zu früher viel weniger geworden. Ich würde sagen, momentan steht das Verhältnis 90% zu 10%. Die Zeit verteilt sich so, dass ich versuche, am Vormittag zu schreiben, wenn mein Sohn in der Schule ist, aber ich mache dann oft noch am späteren Nachmittag oder in den Abendstunden weiter, gerade wenn es gut läuft. Und Hobbies finden dann statt, wenn die Zeit es erlaubt. In den intensiven Schreibphasen also praktisch gar nicht.

    »Es gibt einfach Stressphasen, in denen man nicht weiß, wo man anfangen oder wie man fertig werden soll und diese eigenen Erfahrungen habe ich sicher ein wenig mit eingebracht.«

    Krimi-Couch: Deine Protagonistin Beatrice Kaspary hat vor lauter Arbeit kaum noch Zeit für ihre Familie. Steckt in der Figur ein wenig von Dir drin oder fürchtest Du, dass es bei Dir auch so weit kommen könnte?

    Ursula Poznanski: Bei mir ist es so, dass es Phasen gibt, in denen alles gemütlich vor sich hin plätschert, und Phasen, in denen sich die Arbeitsberge plötzlich auftürmen. Ich glaube, das geht fast jedem so, besonders den Freiberuflern. Es gibt einfach Stressphasen, in denen man nicht weiß, wo man anfangen oder wie man fertig werden soll und diese eigenen Erfahrungen habe ich sicher ein wenig mit eingebracht. Aber bei mir sind die Umstände nicht so extrem. Da geht´s nicht um Leben und Tod und nicht darum, Mörder finden oder weitere Opfer vermeiden zu müssen, sondern um wesentlich weniger dramatische Dinge.

    Krimi-Couch: Fünf ist sicher nichts für Zartbesaitete. Ich habe den Eindruck, gerade bei weiblichen Thriller-Autoren wie Slaughter und Hayder muss es immer immer blutiger werden. Ist Brutalität für Dich notwendig, um Spannung zu erzeugen?

    Ursula Poznanski: (lacht) Also ich finde, gegen Slaughter und Hayder bin ich ein Waisenkind. Es gibt in Fünf einige heftigere Szenen, die sind aber für den Plot wichtig. Also schreibe ich sie hinein, wenn ich denke, dass sie für die Geschichte wichtig sind, um ihr das richtige Gewicht zu verleihen. Ich tue es aber nicht, weil ich mir sage, oh da ist ja viel zu wenig Blut in dem Buch, das müssen wir ändern.

    Krimi-Couch: Wie lange hat es bei Fünf gedauert von der Idee bis zum fertigen Buch?

    Ursula Poznanski: Das ist immer schwierig zu sagen, weil meine Ideen lange Zeit unterschwellig vor sich hinköcheln, auch wenn ich gar nicht aktiv dran arbeite. Ich bin meist noch mit einem anderen Buch beschäftigt und parallel dazu entwickelt sich ein neuer Plot, fast ohne dass ich es merke. Grob geschätzt würde ich sagen: 1 ½ Jahre. Aber wirklich dran gearbeitet hab ich ein bisschen weniger als ein Jahr.

    »Die Ermittler werden zumindest jetzt noch einen Roman lang miteinander weiter arbeiten und was danach passiert, werden wir sehen.«

    Krimi-Couch: Der Roman Fünf schreit ja geradezu nach einer Serien-Fortsetzung. Wie sieht es damit aus? Ist etwas in Planung oder sogar schon in Arbeit?

    Ursula Poznanski: Ja. Ein zweiter Roman ist in Planung, aber noch nicht in Arbeit. Die Ermittler werden zumindest jetzt noch einen Roman lang miteinander weiter arbeiten und was danach passiert, werden wir sehen.

    Krimi-Couch: Vielleicht können die Leser schon mal spekulieren, um was es gehen wird. Welche Hobbies hast Du denn noch außer Geocaching?

    Ursula Poznanski: (lacht) Also mit meinen eigenen Hobbies ist es jetzt mal bald vorbei. Es wird auf jeden Fall wieder ein eher modernes Thema sein, aber kein Geocaching. Ich stecke aber noch zu sehr in der Planungsphase, als dass ich viel darüber erzählen könnte.

    Krimi-Couch: Ich bedanke mich für das Interview.

    Das Interview führte Peter Kümmel im Januar 2011 in Salzburg.

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