Ehrenwort von Ingrid Noll

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 bei Diogenes.

  • Zürich: Diogenes, 2010. ISBN: 978-3-257-06760-6. 336 Seiten.
  • Zürich: Diogenes, 2012. ISBN: 978-3-257-24095-5. 336 Seiten.
  • [Hörbuch] Zürich: Diogenes, 2010. Gesprochen von Peter Fricke. ISBN: 978-3-257-80298-6. 6 CDs.

'Ehrenwort' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Ein halsbrecherischer Sturz bringt den fast 90jährigen Willy Knobel ins Krankenhaus. Die Prognosen stehen schlecht, die Ärzte rechnen mit ein paar wenigen Wochen. Trotz der lauten Proteste seines Sohnes Harald setzt dessen Frau Petra es durch, dass der Alte bei ihnen zu Hause gepflegt wird. Dass Enkel Max es mit seiner Vanille-Pudding-Kur schaffen würde, den Großvater wieder auf Vordermann zu bringen, hätte keiner gedacht. Je besser sich der Umsorgte fühlt, desto mehr beginnt das Leben von Harald und Petra aus den Fugen zu geraten. Während sich die beiden den Kopf darüber zerbrechen, wie sie den Störenfried ohne Aufsehen loswerden, bandelt Max mit der Pflegerin Jenny an, die aber auch ein Geheimnis hütet.

Das meint Krimi-Couch.de: »Gekonnte Leichtigkeit trifft nostalgischen Charmet« 75°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Im gewohnt altmodisch angehauchten Stil präsentiert Diogenes eine ganz und gar nicht altmodische Geschichte aus der Feder von Ingrid Noll. Ehrenwort beschreibt auf 336 Seiten, dass in der durchschnittlichen deutschen Familie alles andere als Ehrenwort und gute Sitten herrschen, vor allem dann, wenn es ums Erben geht.

Und da erhoffen sich die Angehörigen des 90 Jahre alten Willy Knobel doch ein erkleckliches Sümmchen, denn nach einem Sturz liegt der Alte in der Klinik und zeigt überhaupt keinen Lebenswillen mehr. Sein Geist ist schon ein wenig verwirrt, so dass er das Ableben seiner geliebten Frau Ilse zeitweise nicht verkraftet und die einzige Bezugsperson, die sich um den alten Mann kümmert, ist sein Enkel Max. Allerdings sorgt er nicht ganz uneigennützig für den Großvater, denn zwischendurch kann er seine dringenden Geldnöte aus Opas Barschaft auffrischen.

Der Sohn Harald will mit dem Gebrechlichen möglichst wenig zu tun haben, umso erzürnter ist er, als seine Frau den Schwiegervater zur Pflege in die eheliche Wohnung verlegt. Natürlich hat auch sie einen Grund, sich mit Willy gut zu stellen. Und Harald, der auf Grund seines Berufes im Städtischen Bauamt auf gelegentliche Zuwendungen nicht verzichtet, hat keinerlei Skrupel das Ableben seines Vaters ein wenig zu beschleunigen.

Willy aber denkt gar nicht daran, vorzeitig den Löffel abzugeben, denn Max und seine hübsche Pflegerin Penny bringen ihn, allen Unkenrufen zum Trotz, wieder ordentlich auf Vordermann. Und dann beweist das alte Schlitzohr was noch alles in ihm steckt, wenn man ihn nur ordentlich betreut …

Ingrid Nolls Roman Ehrenwort zeigt, wie viel kriminelle Energie im Alltagsleben einer Familie stecken kann. Mit Augenzwinkern hält sie dem Spießbürger den Spiegel vor, aber von einem richtigen Krimi ist sie dabei doch weit entfernt. Dass die bösen Buben und Mädel in diesem Lesespaß kein leichtes Standbein haben, dafür sorgen ihre fein karikierten Alltagstypen aus der Vorstadtsiedlung.

Locker und leicht erzählt Frau Noll über die ganz und gar nicht einfachen Verhältnisse dreier Generationen, die weniger miteinander als nebeneinander leben. Dabei bleibt die Spannung ein wenig auf der Strecke, aber die Hauptpersonen werden trotz ihrer Macken immer sympathischer und selbst die mörderischen Absichten sind so harmlos ins Geschehen integriert, dass man den möglichen Erben dabei nicht böse sein kann.

Und deswegen braucht dieses Buch trotz der kleinen Boshaftigkeiten auch sein Happy End. So nostalgisch, wie das Cover mit dem Bild aus dem 17. Jahrhundert ist, so nostalgisch gestaltet sich die Handlung. Der ältliche Charme der fünfundsiebzigjährigen Autorin beherrscht das Ehrenwort in einer Weise, das man das Buch am Ende mit Bedauern zur Seite legt. Diese gekonnte Leichtigkeit im Schreibstil lässt die Geschichte ohne jegliche Schnörkel ablaufen. Und bei diesem flotten Lesevergnügen vergisst man auch, ständig nach der Plausibilität zu fragen. Es ist, wie es ist … und es macht Spaß. Ehrenwort!

Wolfgang Weninger, Januar 2011

Ihre Meinung zu »Ingrid Noll: Ehrenwort«

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dr kildare zu »Ingrid Noll: Ehrenwort« 11.08.2012
Das Buc beweist einmal mehr was Frau Noll am besten kann. Sehr gut und feinsinnig beobachten. Sie versteht es vorzüglich das zusammenleben in einer Familie zu beschreinen und das ganze mit viel schwarzen Humor zu versehen.
Ich kann diesen Buch nur jedem empfehlen. nur wer einen klassischen Krimi erwartet wird etwas entäuscht werden.
Ingelore Rauhut zu »Ingrid Noll: Ehrenwort« 30.04.2012
Das "Familienleben" dieser Leute ist herrlich geschildert und mit treffenden Worten, sehr stimmigen Zwischentönen beschrieben. Dahinter steckt auch sehr gute Beobachtungsgabe und Insiderwissen der Autorin.
Freute mich jeden Abend nach getaner Arbeit auf einige Seiten Lektüre. Es ist auch an vielen Stellen hinter die Kullissen geschaut. Vom flüssigen Stil her auch gut geschrieben. (Ist mein 4. Buch von der Autorin). Gibt es bald weiteren Lesestoff? - Hoffentlich!
DianeW zu »Ingrid Noll: Ehrenwort« 26.01.2012
Ich habe zwar etwas mehr als 3 Stunden gebraucht für das Buch, aber ich fand es auch wirklich super! Habe mich köstlich amüsiert und sehr viel geschmunzelt. Mein Vater ist zwar noch keine 90 bedarf aber auch viel Pflege und so sehr wir ihn lieben, manchmal könnten wir ihn auch ...
Der Humor von Frau Noll ist einfach legendär und natürlich muss man ihn mögen, aber es ist immer wieder interessant wie zufällig man zum Mörder werden kann oder auch nicht.
tedesca zu »Ingrid Noll: Ehrenwort« 11.03.2011
Meine Rezension bezieht sich auf das Hörbuch, das ich nur deshalb fertiggehört habe, weil Peter Fricke so gut liest.

Das war ja eine fade Angelegenheit! Ein paar Tote machen halt eine Geschichte auch noch nicht spannend, und den berühmten schwarzen Humor konnte ich beim besten Willen nicht entdecken. Nur, weil eine Familie den alten Opa gern loswerden möchte, ist das noch lang nicht lustig, und wen bitte interessieren die Ehegeschichten eines ganz durchschnittlichen Paares, das den Hochzeitstag in einem Wellnesshotel verbringt, wo absolut nichts passiert, ausser dass die Frau sich einen neuen Pyjama kauft?

Noll hält ihre Leser auch für dumm oder fantasielos, sonst würde sie nicht alles und jedes bis ins Absurde hin erklären und beschreiben. So im Stile von "Der Alte wachte auf. Er war vorher eingeschlafen". no na net, sagt der Wiener da genervt.

Ich mochte Nolls erste Bücher schon nicht, und leider hat sie sich für mein Empfinden in den vielen Jahren keinen Deut weiterentwickelt. Zeitveschwendung, würd ich sagen!
Weber Sammy zu »Ingrid Noll: Ehrenwort« 23.02.2011
Ich hab das buch in 3 Stunden gelesen, es ist einfach genial! Wie immer ist der schwarze Humor von Ingrid Noll super vorhanden. Nur der Schluss hat mir ein wenig zu denken gegeben, als der Grossvater in Frieden eingeschlafen ist nach dem er mit seiner "Ilse" gesprochen hat und sie sich das Ehrenwort gegeben haben, habe ich vermisst, dass eigentlich nie aufgeklärt wurde mit den 3 Morden. Also man weiss eigentlich nicht wie es mit Pit Bull ausging ob die Polizei die Morde sich erklärt oder ob sie es überhaupt mitbekommt. Aber trotzdem ich wollte das Buch nicht zur seite legen
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