Fein gesponnen ist die Lüge von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2001
unter dem Titel Hjärta av is,
deutsche Ausgabe erstmals 2004
bei Droemer.
Ort & Zeit der Handlung: Schweden / Südschweden, 1990 - 2009.
- Stockholm: Prisma, 2001 unter dem Titel Hjärta av is. 261 Seiten.
-
München: Droemer, 2004.
Übersetzt von Marie-Sophie Kasten.
ISBN:
3-426-66157-8. 348 Seiten. -
München: Knaur, 2006.
Übersetzt von Marie-Sophie Kasten.
ISBN:
978-3-426-62690-0. 393 Seiten.
'Fein gesponnen ist die Lüge' ist erschienen als
![]()
![]()
In Kürze:
Mari ist Krankenschwester und lebt mit ihrem kleinen Sohn Anton in dem Dorf Sundsby in Südschweden. Eines Tages macht sie einen Hausbesuch bei der bettlägerigen Vera und findet im Badezimmer deren Sohn Bengt – erstochen. Als kurz darauf Bengts Freund Janne überfahren wird, gerät die kleine Dorfgemeinschaft in Unruhe.Viele im Dorf wollen es nicht wahrhaben, aber Mari sieht einen Zusammenhang. Außerdem hat Mari das ungute Gefühl, dass Janne etwas über Bengts Tod wusste. Sie ermittelt auf eigene Faust, und plötzlich beginnen überall um sie herum die Fassaden zu bröckeln. Mari stößt in ein Gespinst aus Lügen. Jeder, mit dem sie spricht, scheint die sprichwörtliche Leiche im Keller zu haben …
Das meint Krimi-Couch.de: »Schreibe über das, was du kennst«
Krimi-Rezension von Sabine Reiss überspringen
Ingrid Kampås, nebenberuflich als Krankenschwester tätig, handelt getreu dem Motto: Schreibe über das, was du kennst. Und so ist die Hauptfigur ihres Erstlingswerks ebenfalls Krankenschwester.
Mari ist beim Sozialen Dienst in dem kleinen Ort Sundsby tätig. Sie ist verwitwet, hat einen kleinen Sohn und lebt bei ihren Schwiegereltern auf dem Hof. Eines Morgens erhält sie einen Anruf von einer Frau im Rollstuhl, die sie hin und wieder betreut. Deren Sohn Bengt scheint nicht nach Hause gekommen zu sein und so bittet sie Mari, in seiner Wohnung im oberen Stockwerk des Hauses nachzusehen. Es kommt, wie es kommen muss, die erste Leiche, also eben dieser Bengt, liegt erstochen im Badezimmer. Da er drogenabhängig war und auch ansonsten wohl kein astreines Leben geführt hat, beunruhigt der Mord zunächst nur wenige Leute im Ort.
Kurze Zeit danach findet sich allerdings schon das zweite Opfer. In der Nähe von Maris Wohnung wird Janne, Bengts Dealer, tot aufgefunden. Die beiden kannten sich schon seit ihrer Jugendzeit, ebenso wie Mari, Maris Chef Lars, der Polizist Åke, die Friseurin des Ortes und einige andere. Der Verdacht, dass das Motiv für die beiden Morde in der Vergangenheit liegt, erhärtet sich, als es zu einem dritten Todesfall kommt.
Alles wird gut!
Amateurdetektive sind bestimmt nichts Außergewöhnliches, doch im vorliegenden Buch kommt mir die Konstellation komisch vor. Natürlich kommt die Protagonistin als Krankenschwester viel herum und erfährt damit so einiges und zudem verbindet sie mit Åke, dem Polizisten, im Laufe der Geschichte auch mehr als nur Freundschaft, aber rechtfertigt die, dass der leitende Polizeibeamte Mari bereitwillig Auskunft gibt und sie sehr einbezieht? Abgehakt.
Was viel störender ist, ist die Art des Umgangs miteinander, das ganze Buch scheint voller Plattitüden zu sein. Ingrid Kampås versucht scheinbar verzweifelt, die psychologische Seite der Geschichte zu betonen und kürt Mari zu einer Frau, die voller Verständnis für alle und jeden ist. Sie ist zu gut für diese Welt und ist so mitfühlend: »Das ist ja schrecklich, wie furchtbar«, so geht es in einem fort.
»Marita! Åke meint es nicht böse. Es war seine Idee, hierher zu fahren. Er hat sich Sorgen um dich gemacht …Jetzt machen wir es so«, sagt Mari. »Åke ruft den netten Kommissar Svensson an, den mochtest Du doch? Dann kann Åke erzählen, was du gesagt hast, und anschließend darf Tomas genau erklären, wie sich alles zugetragen hat.« (S. 211 f.)
Alles wird gut und das ist mir zuviel des Guten. Zuviel sind auch die zahlreichen Nebensächlichkeiten, die sehr detailliert geschildert werden: die Jagd, die Schlachtung eines Schweins, die Schicksale von Kranken, die Mari besucht etc.
Warum Frau Kampås zu allem Überfluss auch noch im Präsens schreibt, kann ich mir nicht erklären. Man stolpert anfangs über diese ungewohnte Form und alles in allem wird das Erzähltempo noch mehr verlangsamt. Die Erzählweise wirkt in Kombination mit der Detailverliebtheit fast betulich.
»Fein gesponnen ist die Lüge« mangelt es zwar nicht direkt an Spannung, aber an Highlights. Noch nicht einmal die Charaktere sprechen dafür, den Nachfolgeroman zu lesen, der wohl schon in Arbeit ist.
Ihre Meinung zu »Ingrid Kampås: Fein gesponnen ist die Lüge«
Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

