Schuld währt ewig von Inge Löhnig

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2011 bei Ullstein.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland, 1990 - 2009.
Folge 4 der Konstantin-Dühnfort-Serie.

  • Berlin: Ullstein, 2011. ISBN: 978-3-548-61069-6. 432 Seiten.

'Schuld währt ewig' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Eine einzige Sekunde hat Susannes Leben für immer verändert. Ein Kind ist tot. Für die junge Frau ein Alptraum, der nie endet, eine Suche nach Sühne, die vergebens ist. Dann sterben zwei Menschen. Sie wurden ermordet. Auch in ihrer Vergangenheit gibt es ein düsteres Geheimnis, eine Schuld, die für immer bleibt. Kommissar Dühnfort verfolgt einen Täter, der auf grausame Weise für seine Vorstellung von Gerechtigkeit sorgt. Ein Rächer, der Gleiches mit Gleichem vergilt und keine Gnade kennt.

Das meint Krimi-Couch.de: »Menschliche Dramen unter der Oberfläche« 75°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Ein junger Architekt kommt nach Feierabend aus seinem Büro, tritt mit dem Handy am Ohr auf die Straße und wird brutal überfahren – von einem Auto, das offensichtlich auf ihn gewartet hat. Zwei Zeugen haben den Mord beobachtet, können aber keine Einzelheiten nennen. Einzig Frührentner Eugen Voigt hat Fotos von dem Vorfall, was er der Polizei jedoch verschweigt. Der verbitterte Mann, der täglich mit seiner Spiegelreflexkamera auf verkehrliche Verfehlungen seiner Nachbarn und Mitbürger lauert, will Geld aus der Sache rausholen. Als dann eine junge Frau in einem flachen Teich ertränkt wird, ahnen Kommissar Tino Dühnfort und seine Kollegen zunächst nicht, dass es Zusammenhänge zwischen den beiden Morden gibt. Voigt, der nochmals befragt werden soll, bleibt verschwunden, und die fieberhaften Ermittlungen bringen nur stückweise neue Erkenntnisse. Als sich zeigt, dass hier ein Täter unterwegs ist, der seine Opfer gezielt umbringt, ist das nächste Ziel des Killers bereits ausgewählt worden. Es geht offenbar um Menschen, die schuldlos am Tot anderer Personen beteiligt waren – und auf die gleiche Weise werden sie ihrerseits umgebracht. Bis zum gnadenlos Showdown müssen Leser und Ermittler noch einiges überstehen.

Schuld währt ewig ist bereits Inge Löhnigs vierter Fall mit Tino Dühnfort und seinem Team. Dabei ist es auch für Neueinsteiger kein Problem, in die Reihe hinein zu kommen. Es wird so gut wie kein Wissen aus den Vorgänger-Bänden voraus gesetzt, wenn man nach einigen Seiten die Akteure sortiert hat, ist die Geschichte überaus flüssig zu lesen. Inge Löhnig verzichtet auf überlange Satzgebilde, die Dialoge sind prägnant und pfiffig. Das neue Buch der Autorin ist zudem ungemein fesselnd, sie baut von Beginn an einen guten Spannungsbogen auf, der erst im ebenso dramatischen wie überraschenden Finale aufgelöst wird. Kommissar Dühnfort ist dabei ein akribischer Ermittler, der von seinem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn getrieben wird. Daneben muss er sich ständig Gedanken wegen der privaten Beziehung zu seiner Kollegin Gina machen, wodurch die Arbeit in der Mordkommission immer wieder belastet wird. Die Autorin schildert diese Aspekte ihrer Geschichte in angenehmem Plauderton, und baut geschickt einen Vorfall ein, der auch für den Fortgang der Ermittlungen wichtig ist.

Neben dem Kommissar und seinem Team gibt es einige auffallende, ja sogar skurrile Figuren. Da ist der von seinen Nachbarn »Knöllchen-Eugen« genannte Frührentner Voigt. Eine wirklich abstruse Figur, die es in ähnlicher Ausprägung wohl in vielen Wohnsiedlungen und Nachbarschaften geben dürfte. Und es gibt im Harz tatsächlich so einen Menschen, im Januar 2012 wurde bundesweit in den Medien darüber berichtet – er hat sogar 30.000 Anzeigen auf den Weg gebracht. Die Roman-Figur Eugen ist wegen einer Früh-Verrentung äußerst verbittert, und findet Befriedigung darin, Nachbarn oder auch unbekannte Passanten bei Gesetzesverstößen zu fotografieren und anschließend anzuzeigen. Das Verhalten ist extrem überzeichnet, aber in seiner piefigen Kleinbürgerlichkeit wiederum typisch und eben auch amüsant. Zudem spielt »Knöllchen-Eugen« in dem Fall eine wichtige Rolle.

Eine diffizile Figur ist Susanne – eine Art Aussteigerin, die ihr Leben nach einem dramatischen Zwischenfall, bei dem ein Kind ums Leben kam, völlig umgekrempelt hat. Sie macht sich ständig Selbstvorwürfe, hat nahezu täglich Alpträume – und passt so bestens in das Opferprofil des Killers. Susanne steht als Typ für die Personen, um die es dem Mörder geht. Alle haben psychische Probleme, suchen in Selbsthilfegruppen einen Weg aus ihrer Misere. Inge Löhnig greift hier ein Problem auf, dass in der Gesellschaft relativ unbekannt sein dürfte. Wie kommen Menschen damit zurecht, dass sie am Tod eines anderen beteiligt waren, ohne wirklich Schuld daran zu haben? Bei den potenziellen und tatsächlichen Mordopfern spielen sich menschliche Dramen ab, sie sind latent Suizid-gefährdet – das Thema ist ein wirklich heißes Eisen. Man fragt sich unwillkürlich, wie viele solche Menschen unauffällig unter uns leben?

Der sympathische Ermittler Dühnfort wird als Figur gut weiter entwickelt, bei dem Mordversuch durch einen entlassenen Gewalttäter zeigt er Gefühle, was ihn für den Leser als Menschen noch begreifbarer macht. Eine große Stärke des Romans ist die enorme Spannung, die von der Autorin in kleinen Häppchen gesteigert wird. Zuweilen ist das schon fast quälend, weil man wissen will, wie es denn nun weitergehen wird. Es gibt viele falsche Fährten, mehrfach glaubt man den Mörder identifiziert zu haben, nur um wieder zu sehen, dass es doch anders ist. Ermittler und Leser werden bis zum dramatischen Finale in Atem gehalten – ein wirklich spannendes und lesenswertes Buch.

Andreas Kurth, Januar 2012

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rolandreis zu »Inge Löhnig: Schuld währt ewig« 11.05.2016
Kommissar Dühnfort ermittelt in seinem vierten Fall. Schnell gibt es mehrere Leichen und die Münchner Kripo erkennt eine Verbindung. Dabei gelingt es der Autorin Inge Löhnig den Leser sofort mitzunehmen. Gemeinsam mit Gina, Dühnfort's Mitarbeiterin und heimliche Geliebte, ermitteln sie in Kreisen der Hinterbliebenen und früheren Unglücksfällen, in denen die Opfer verwickelt waren. Doch nicht alles verläuft reibungslos im Team. So fühlt sich Alois, ein weiterer Mitarbeiter von Dühnfort, gegenüber Gina benachteiligt. Er ermittelt auf eigene Faust und vermutet auch mehr bei Gina und Dühnfort. Doch dies gerade rettet Dühnfort dann das Leben. Inge Löhing ist hier eine sehr gute Verflechtung der privaten Seite der Ermittler, sowie der Story rund um die Mordfälle gelungen, ebenso wie sie geschickt eine gute Lösung für diese Zwickmühlen einbaute. Hier kann man auf den Fortgang in den nächsten Bänden neugierig sein. Ich selbst legte mich schon sehr früh auf den Täter fest, wurde aber am Ende von der Autorin eines Besseren belehrt. Solche Wendungen liebe ich und zeigt mir auch den geschickten Spannungsbogen des Buches auf. In Summe hat mir der vierte Fall von Kommissar Dühnfort sehr gut gefallen und ich greife sicherlich zu den Folgebänden.
Edith Sprunck zu »Inge Löhnig: Schuld währt ewig« 10.01.2015
Der Krimi ruht in sich. Mir kam es so vor, als sei ich zu einem Abend mit Erzählungen aus dem spannenden Leben eines Kommissars eingeladen, wobei im Detail seine Ermittlertätigkeit wieder gegeben wird. Nicht zu vergessen das Flair um sein Team. Das Thema "schuldlos schuldig" ist mal etwas anderes und wird gut nachfühlbar dargestellt. Die Sprache ist insgesamt ausdrucksstark. Ermittlerpersönlichkeiten sowie sonstige Akteure werden so treffend durch ihre Handlungen, Gedanken und Gefühle geschildert, dass ich sie mir lebhaft und lebendig vorstellen kann. Alles in allem ein ruhiger und trotzdem spannender Krimi. Was mich allerdings langsam nervt - eine Kleinigkeit zwar - ist die Haarsträhne, die Gina sich alle paar Seiten hinter ihr Ohr streift.
PMelittaM zu »Inge Löhnig: Schuld währt ewig« 19.02.2012
Mehrere Menschen fallen Morden zum Opfer, bei denen sie so sterben wie diejenigen, in deren Todesfälle sie verwickelt waren, aber von jeder Schuld frei gesprochen wurden. Ist der Täter ein ehemaliges „Opfer“? Für Kommissar Dühnfort und sein Team ist der Fall nicht leicht zu lösen, weitere Menschen kommen um und beinahe machen sie einen großen Fehler.

Auch Dühnforts Privatleben ist nicht ganz einfach, er und seine Kollegin Gina stehen sowohl vor einer beruflichen als auch vor einer privaten Entscheidung. Und die könnte die Dynamik der weiteren Romane stark verändern.

Für mich immer am wichtigsten: Kommt der Kriminalroman zu einem logischen, nachvollziehbaren Ende? Dieser hier tut es, auch wenn ich am Ende doch überrascht war, ich hatte jemand anderes in Verdacht (wahrscheinlich von Inge Löhnig klug so vorbereitet). Und auch der Weg dorthin war logisch und nachvollziehbar und hat wieder viel Spaß gemacht. Leider habe ich Inge Löhnigs Bücher immer sehr schnell ausgelesen, ich kann sie kaum aus den Händen legen. Das Thema „schuldlos schuldig“ ist im Übrigen sehr interessant, sicher gibt es viele Menschen, die (wie Sanne) sich ewig Vorwürfe machen ohne wirklich die Möglichkeit gehabt zu haben, anders handeln zu können.

Ich liebe Kriminalromane, bei denen auch die Ermittler ein Privatleben haben und ich liebe es noch mehr, wenn deren Fälle dann in Serie gehen, so dass man ihre Entwicklungen miterleben kann. Erstens wachsen einem die Protagonisten sehr ans Herz und zweitens lernt man sie so gut kennen, dass man auch ihre Fälle mit ganz anderen Augen sieht. Dühnfort ist weder eine einfache noch eine geradlinige Person, er tut sich mit manchem schwer, gerade im Zwischenmenschlichen und gerade das macht ihn so sympathisch. Auch Gina ist eine interessante Persönlichkeit und sogar Alois wird menschlicher. Ich bin sehr gespannt, wie Dühnfort und Gina sich entscheiden und wie ihre Entscheidung sich auf ihr Leben und auf uns, die Leser, auswirkt. Und auch bei Alois bin ich gespannt, wie sein Leben weitergeht.

Auch dieser (vierte) Kriminalroman um Dühnfort ist wieder uneingeschränkt empfehlenswert. Ich freue mich schon sehr auf den nächsten, der gerade entsteht.
Krimitante zu »Inge Löhnig: Schuld währt ewig« 12.02.2012
das vierte buch um kommissar dühnfort und sein team ist, meiner meinung nach, das beste dieser reihe. der fall schlüssig und ohne lücken, in einem spannenden showdown aufgelöst. obwohl i.löhnig auch diesmal mit der ihr, und in vielen krimis, typischen schreibweise vorgeht: kurze kapitel, einblick in die gedankengänge der protagonisten, eine person, die "geschüttelt vom schicksal" zum opfer werden soll (und sich nicht machen lässt!), einblick in das privatleben der handelnden, um ihnen einen charakter zu geben. wie immer wird viel getrunken (diesmal unmengen von expresso), gegessen, es werden gedicht- und literaturzitate verwendet, es gibt (mindestens) eine katze und eine person wohnt in einem alten haus auf dem land (meistens die vom "schicksal gebeutelte", ins geschehen verstrickte, etwas einsame frau, die das nächste opfer sein soll.) hört sich nach "immer gleich" an, ist es aber nicht. da die autorin ein vermag daraus immer etwas neues zu machen. wie bei der von dühnfort bevorzugten kochweise: aus etwas einfachem, simplen etwas wohlschmeckendes machen. und diesmal hat es besonders gut geschmeckt!
Thomas Rongen zu »Inge Löhnig: Schuld währt ewig« 29.01.2012
Auch in diesem vierten Fall für Tino Dühnfort und seinem Team war von der ersten bis zur letzten Seite Spannung geboten und ich habe das Buch verschlungen.

Ich freue mich schon auf den fünften Band zu diesem Ermittlerteam. Besonders gespannt sein darf man dann, wie Tino und Gina ihren gemeinsamen Weg weitergehen.
Antje Schmalzbauer zu »Inge Löhnig: Schuld währt ewig« 04.01.2012
Ein Mann wird in der Dämmerung überfahren, eigentlich kein Fall für Tino Dühnfort und sein Team, doch irgendetwas ist seltsam. Zeugenaussagen und Ungereimtheiten deuten eventuell doch auf ein Tötungsdelikt hin.
Und es folgen noch weitere Todesfälle, die zu Anfang in keinem Zusammenhang zu stehen scheinen. Und sogar ein Richter gerät ins Visier der Ermittler.

Es gibt viele Handlungsstränge in diesem Krimi, doch den Überblick verliert man nicht. Zum einen trifft man auf Sanne, die die Einsamkeit in ihrer Künstlerwerkstatt sucht. Sie ist schuldlos schuldig am Tod eines Kindes. Sie hat zwei Freunde, Herrn Kater, der ihr zugelaufen ist und Thorsten vom Kriseninterventionsdienst.
Zum anderen lernt man Eugen kennen, ein Witwer, dessen Lebensinhalt darin besteht, kleine Verkehrssünden seiner Mitmenschen zu dokumentieren. Eigentlich ist der der perfekte Zeuge, doch dann zieht er es vor die Seiten zu wechseln.
Auch Helmbichler ist wieder da, den hat Dühnfort in den Knast gebracht. Und Helmbichler hat Rache geschworen.

In diesem Buch erfährt man mehr über das Privatleben der Ermittler. Vor allem Alois steht diesmal im Mittelpunkt, der ja in den vorherigen Büchern eher im Hintergrund blieb. Sein Groll gegen Tino, dem er anscheinend nichts recht machen kann und der ihm mangelnde Teamarbeit vorwirft. Seine Frauengeschichten, die ihn aber in letzter Zeit eher unzufrieden machen. In diesem Fall macht er eine immens positive Entwicklung durch und wird dadurch sympathischer. Von Tino und Gina sind Entscheidungen gefordert, denn ihre Beziehung können sie, als Kollegen der gleichen Abteilung, so nicht weiterführen. Tino versucht sich ein wenig zu öffnen und weniger grüblerisch und eigenbrötlerisch zu sein.

Ein Fall bei dem Schuld und Unschuld nah beieinander liegen. Wie gehen „Täter“ und Opfer oder Angehörige der Opfer damit um wenn es keine strafrechtliche Verurteilung gibt? Wenn der „Täter“ schuldlos schuldig ist? Wer würde soweit gehen und Selbstjustiz als Weg der Verurteilung wählen?

Inge Löhnig hat wieder einen Krimi mit facettenreichen Protagonisten, lebendigen Szenarien und intelligentem Humor geschrieben.
Leider war das Buch nach zwei Tagen schon zu Ende gelesen. Schade, denn wieder lässt Inge Löhnig mich ungeduldig wartend auf den nächsten Dühnfort zurück.
Mel.E zu »Inge Löhnig: Schuld währt ewig« 28.12.2011
Dieser Roman ist der 4. Teil um Kommissar Dühnford und sein Team, wobei ich gestehen muss, obwohl ich mittlerweile alle 4 Teile in meinem Bücherregal stehen habe, habe ich bisher nur die Bände 3 + 4 gelesen. Mir ist aufgefallen, daß die ersten 3 Romane im Ullstein Verlag erschienen sind und der 4. Band im List Verlag, daher passen die Bücher leider optisch nicht mehr zusammen. Das Cover des 4. Bandes ist zwar auch sehr schön gemacht, mit dem Schmetterling auf dem Messer, in dem er sich spiegelt, aber die vorherigen haben mich ehrlich gesagt mehr beeindruckt. Ich war tatsächlich baff, als ich das Buch zu den anderen stellte und den Unterschied sah. Vielleicht muss man als Autorin den Verlag wechseln, wenn die Dinge nicht mehr passen? Aber davon habe ich natürlich keine Ahnung und deshalb lasse ich das jetzt hier einfach so stehen. Vom Schreibstil hat sich natürlich nichts verändert und der Fall ist wirklich schonungslos und nimmt uns mit in einiges an Spannung, Gewalt, Hass und eben Schuld. Schuld ist etwas, was einen innerlich zerfressen kann, so geschieht es zumindest bei Susanne, die schuld daran ist, daß der kleine Ludwig gestorben ist. Wieso? Weshalb? Warum? Das wird erst hinterher aufgeklärt und ob Susanne wirklich "unschuldig schuldig" ist, klärt sich auch erst dann, vorher quält se sich allerdings mit ihrer Schuld und ist an manchen Tagen unfähig die einfachsten Dinge zu erledigen, was mir auf eine schwere Depression hindeutet .Als ich vor einigen Monaten einen Leseeindruck zu dem Buch verfasst habe (natürlich auf Vorablesen.de), war ich der Meinung, daß Susanne die Mutter von Ludwig ist und war jetzt doch sehr erstaunt, daß keine Blutsbande vorhanden sind. Susanne hat lediglich auf ihn aufgepasst, aber scheinbar nicht gut genug, denn Ludwig ist tot und Susanne wird damit nicht fertig und plagt sich mit Schuldvorwürfen extremster Art. Sie untersagt sich alle Lebensfreuden, ihre Beziehung geht kaputt und sie ändert vieles in ihrem Leben um sich ihrem eigenen Leid völlig hinzugeben. Dann geschieht etwas furchtbares, ein Mitglied der Selbsthilfegruppe wird überfahren und scheinbar war es ein geplanter Mord und kein Unfall. Die Kommissare kommen sehr ins Schwitzen als noch weitere Morde geschehen und ein wichtiger Zeuge verschwindet. Mehr zur Handlung will ich nicht preisgeben, sondern nur als gegeben hinstellen, daß der Autorin hier ein wirklich super Krimi gelungen, der von Anfang an bestehen kann und seinen Leser in den Bann zu ziehen versteht. Von mir eine eindeutige Leseempfehlung!Natürlich geht es hier nicht nur um den aktuellen Fall, sondern auch um Tinos und Ginas Liebesgeschichte, die im dritten Teil ihren Anfang nahm. Im Team des Komissar Dühnford brilliert Alois, der sich oft eigenmächtig auf die Suche macht und entscheidende Spuren findet, die zur Aufklärung des Falls führen werden. Dadurch, daß man das Team besser kennen lernt wirkt das Geschehen sehr authentisch und die Polizeiarbeit ist teilweise haarsträubend, ekelerregend und dennoch sehr faszinierend, was aus einem kleinen Stückchen Stoff oder einem Haar alles zu lesen möglich ist. Die Polizei kommt dem Täter leider viel zu langsam auf die Schliche, aber das wird wahrscheinlich benötigt um uns dazu zu zwingen um uns bis zum Ende hin die Spannung zu erhalten. Für mich war bis zum Schluss nicht klar, warum der Täter oder war es sogar eine Täterin so handelte und Rache übt an Menschen, die "unschuldig schuldig" wurden. Stell dir vor, dir läuft ein Kind vor das Auto und du kannst nicht bremsen. Leb mal mit dieser Schuld, auch wenn du tatsächlich keine Schuld am Tod des Kindes trägst. Vielleicht suchst du dir Hilfe in einer Selbsthilfegruppe, in der Menschen zusammen kommen, denen ähnliches widerfahren ist oder da du es nicht erträgst, nimmst du dir das Leben, damit die Vorwürfe ein Ende nehmen. Schon krass der Gedanke, oder? Denn immer wieder gibt es Begebenheiten die dich an deine Schuld erinnern, die dich schier zu zerfressen sucht innerlich und am Todestag von Ludwig z.B trauerst du immer noch. Es ist ein hartes Leben, denn nichts ist mehr wie zuvor, denn du veränderst dich, du zeihst dich zurück, brichst alle alten Kontakte ab und wenn du nicht mehr kannst, setzt du dich in deinen Porsche (falls du denn einen hast) und bretterst über die Autobahn. Ganz egal, ob du dich dabei in Lebensgefahr begibst, denn dir ist alles egal und dein Leben nur noch einen Pfifferling wert. Ich denke schon, daß man teilweise sehr bestürzt reagiert, wenn man diese ganzen Lebensgeschichten liest, denn es könnte genauso gewesen sein und jemand maßt sich an, die leidenden Menschen zu bestrafen und sie so zu töten, wie sie sich schuldig gemacht haben. Ich fand die Story gelungen und werde mir nun auch die anderen Bücher zu Gemüte führen, obwohl viele Stimmen sagen, daß dieser Krimi der beste bisher von Inge Löhnig ist. Ich bin echt gespannt und werde nun langsam mal beginnen meinen SUB abzuarbeiten, der sich im Laufe der letzten Monate angesammelt hat. Dazu gehört natürlich Inge Löhnig und vielleicht werdet ihr ja noch den einen oder anderen Buchbericht von mir zu Lesen bekommen?Aber mal ganz ehrlich, wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein! Ich denke jede/r von uns trägt das eine oder andere Päckchen mit sich herum. Vielleicht ist durch unsere Schuld noch niemand zu Tode gekommen, aber die eine oder andere Lüge und wenn sie nur dem Selbstschutz dient, ist sicherlich schon dem einen oder anderen entfleucht und konnte nicht zurückgenommen werden. Hier geht es komplett um Schuld, die sich durch das ganze Buch zieht und uns tatsächlich oftmals den Atem anhalten lässt! Wenn sich dann auch noch Menschen an unsere Seite stellen, die sich in unserer Schuld suhlen, wird es uns nie gelingen zu vergessen und unser normales Leben wieder aufzunehmen. Gut, daß Susanne irgendwann den Mut fasst sich ihrem Schicksal zu stellen und das führt zu einem Wendepunkt in ihrem Leben. "Endlich" denken wir und ab da geht es dann bergab! Aber liest am besten selbst! Vielleicht habe ich es ja tatsächlich geschafft euch neugierig zu machen?Wünsche euch alles, alles Gute und ende mit einer Leseempfehlung für das Buch "Schuld währt ewig!"Ganz liebe Grüße,Mel
Tigo zu »Inge Löhnig: Schuld währt ewig« 12.12.2011
Ein spannendes und sehr komplexes Thema hat sich Inge Löhnig für den vierten Band ihrer Dühnfort-Reihe ausgesucht. Wie gehen Menschen damit um, am Tod anderer beteiligt gewesen zu sein, auch wenn sie strafrechtlich für nicht schuldig befunden wurden? Kann man dieses Erlebnis verarbeiten? Kann man sich selbst verzeihen, oder werden die Selbstvorwürfe ewig andauern? "Schuld währt ewig" gewährt dem Leser einen kleinen Einblick in das Leben verschiedener betroffener Personen sowie in die Arbeit eines Kriseninterventionsteams.

Während wir von der Autorin noch mit den Dämonen von Sanne, einer Betroffenen und Hauptfigur des Buches, bekannt gemacht werden, wird ein Mensch auf offener Straße überfahren - gezielt oder versehentlich? Auftritt Dühnfort und Team!

Was auf den ersten 30-50 Seiten so rasant anfängt, gerät dann leider ein wenig ins Stocken. Vielleicht auch der Vielzahl an Erzählsträngen geschuldet, die für mich gerade so noch am Rande der machbaren Kapazität lagen. Die Anzahl an Namen, Geschichten und Schicksalen, mit denen der Leser konfrontiert wird, ist immens und ein wenig ermüdend. Ich habe häufiger nochmals zurückblättern müssen, um den Überblick über freigesprochene Unfallbeteiligte und Hinterbliebene nicht zu verlieren. Der dann auch noch in Dühnforts Dunstkreis auftauchende und auf Rache sinnende Ex-Sträfling wäre m. E. nach völlig verzichtbar gewesen.

Insgesamt habe ich ein Problem mit dem "neuen Dühnfort", der vom grüblerischen Gefühls-Eremiten nun zum empathischen Mr. Lover-Lover mit Familiensinn geworden sein soll. Ich erkenne den Versuch, den Hauptakteur menschlicher zu gestalten, allerdings nehme ich ihm diese Mutation nicht so richtig ab. Jetzt ist er irgendwie nicht Fisch und nicht Fleisch.

In einigen Punkten konnte ich der Logik des Buches nicht folgen, so z. B. wieso einerseits die Beziehung zwischen Dühnfort und seiner neuen Freundin auf deren Wunsch hin noch geheim bleiben soll, auf der anderen Seite will sie aber mit ihm zusammenziehen. Wenn jetzt an dieser Stelle der ein oder andere Mann etwas von "Typische Frauenlogik" murmelt, weise ich das empört zurück!

Ebenfalls hatte ich ein Verständnisproblem damit, dass ein Unfallbeteiligter nicht über die Gründe informiert wird, warum das Verfahren eingestellt wurde. Liegen eindeutige Beweise für die Unschuld vor, so sollte man davon ausgehen dürfen, dass demjenigen diese auch übermittelt werden, und das nicht erst Jahre später bei erneuter Akteneinsicht.

Auch Sannes Exzesse mit dem Porsche bleiben mir unklar, ihre persönliche Highlandersaga war mir ein bisschen "too much".

Um nicht zu viel zu verraten, bleibe ich auch mit der folgenden Kritik mal vage:
Es erschließt sich mir nicht, weshalb Autoren gern dazu neigen, Tiere sterben zu lassen, um die absolute Brutalität/Boshaftigkeit/Skrupellosigkeit des Täters noch einmal zu unterstreichen. Das sollte die Geschichte immer so hergeben, ohne dass der Leser quasi mit der Nase in die Tierleiche gestupst werden muss. "Siehst Du, WIE böse der ist?".

Nein, so richtig rund fand ich den 4. Dühnfort nicht. Was dem guten Schreibstil von Inge Löhnig, ihrer Fähigkeit farbenprächtige Charaktere zu schaffen, Szenen vor dem Leserauge lebendig werden zu lassen und mit intelligentem Wortwitz zu unterhalten jedoch keinen Abbruch tut. Und ich denke, dass eine Reihe wie diese auch mal schwächere Bände ertragen können muss.

Trotz der ganzen Kritik hoffe ich, dass Dühnforts 5. Auftritt wieder mehr Schmiss hat und mir den Nachtschlaf rauben wird!
subechto zu »Inge Löhnig: Schuld währt ewig« 06.12.2011
Denn niemand ist ohne Schuld

Schuld, Sühne & Tod sind die Zutaten für Inge Löhnigs Kriminalromane. „Schuld währt ewig“ ist bereits Kommissar Dühnforts vierter Fall. Doch worum geht es?

Zwei Kapitel, zwei Handlungsstränge:

- Durch ein tragisches Unglück kam vor sechs Jahren, in der Obhut von Babysitterin Susanne, der kleine Ludwig zu Tode. Doch noch immer gibt sie sich die Schuld dafür.

- Eugen Voigt fotografiert, wie der Architekt Jens Flade vor seiner Haustür überfahren wird. War es ein Unfall oder gar Mord? Wenn ja, warum?

Kommissar Konstantin Dühnfort will mit seiner neuen Freundin und Kollegin Gina ein neues Bett kaufen, als sie zum Tatort gerufen werden. Nebenbei versäumt die Autorin nicht, das Personal vorzustellen, falls jemand die bisherigen Bände nicht gelesen hat.

Nach der Leseprobe hatte ich mir von der Geschichte mehr versprochen, wurde jedoch enttäuscht: als nämlich kurz darauf auch noch eine junge Frau in einem See ertränkt wird, war mir eigentlich klar, dass die beiden Morde zusammenhängen und der Täter nur ein "einsamer Rächer" sein kann... Auge um Auge... Kommissar Dühnfort erkennt das aber erst wesentlich später.

Inge Löhnig hat ihren neuen Kriminalroman wieder routiniert in Szene gesetzt. Ihre bildhafte Sprache gefällt mir gut, auch wenn der Erzählstil ziemlich schlicht und einfach ist. Alle Handlungsstränge laufen am Schluss immerhin zusammen, wirken aber zum Teil etwas künstlich, wenn nicht gar kitschig, so z.B. die Sache mit Sanne und ihrem „Highländer“.

Beim Täter lag ich zwar knapp daneben, aber die Auflösung bzw. das Motiv des tatsächlichen Täters konnte mich nicht wirklich überzeugen. Ich habe das Buch eigentlich nur zu Ende gelesen, um zu erfahren, ob es Sanne auch noch erwischt oder Dühnfort dies rechtzeitig verhindern kann.

Spannend ist anders... Dass Dühnfort ständig „Merde“ sagt, hat mich gestört. Auch Susanne fand ich ziemlich unsympathisch: einerseits traumatisiert, an Ludwigs Tod Schuld zu sein, andererseits mit ihrem Porsche nachts über die Autobahn zu rasen, das passt für mich nicht zusammen.

Dennoch bin ich schon gespannt, wie es mit Gina und Tino weitergeht...

Fazit: Solide deutsche Krimikost, nicht nur für eingefleischte Dühnfort-Fans. Dafür gibt’s von mir 3 von 5* bzw. 60°.
brenda_wolf zu »Inge Löhnig: Schuld währt ewig« 04.12.2011
Mein erster Krimi der Autorin Inge Löhnig, jedoch der vierte in der Reihe um Kommissar Dühnfort und seinem Team. Trotzdem bin ich mühelos in die Geschichte reingekommen. Man kann den Krimi also auch gut unabhängig von den ersten drei Bänden lesen .Das Thema ist Schuld und schuldig werden. Der Leser wird durch verschiedenen Handlungssträngen in das Geschehen eingeführt.

Sanne lebt zurückgezogen auf dem Lande. Vor sechs Jahren war sie in einen Unglücksfall verwickelt, in dem ein kleiner Junge zu Tode kam. Sie trägt schwer an diesem Ereignis, zumal in ihrer Erinnerung einige entscheidende Sekunden fehlen. Das nagt an ihr. Nun jährt sich der Todestag und diese Zeit ist es für sie immer am Schlimmsten.

Der Frührentner Eugen Voit hat ein ausgesprochen merkwürdiges Hobby. Er überwacht Falschparker und Verkehrssünder von seinem Fensterplatz aus und zeigt sie an. So beobachtet mit seiner Kamera eines Abends wie ein unbeleuchteter dunkler Geländewagen aus einer Parklücke ausschert und den Architekten Flade überrollt. Der Fahrer fährt weiter, ohne sich um das Opfer zu kümmern. War es Unfallflucht? Oder doch ein Mordanschlag?

Ein weiteres Opfer wird an einem See aufgefunden. Es stellt sich heraus: Die junge Frau wurde ertränkt. Karten, mit einem geheimnisvollen Text, werden bei den Opfern gefunden. Was und wer steckt dahinter? Eine Schlüsselrolle spielt die Gruppe “Schuldlos schuldig.” Ist hier der Täter zu suchen?

Aber auch Kommissar Tino Dühnfort hat Probleme. Vor sieben Jahren hatte Helmbichler ihm Rache geschworen. Er ist seit kurzem entlassen. Während Helmbichler einsass hatte sich seine Frau von ihm scheiden lassen, sein Geschäft ist in Konkurs gegangen und sein Haus wurde versteigert. Das macht das Rachepotential nicht unbedingt geringer. Und auch sonst ist die berufliche Lage kompliziert. Für Dühnfort und Gina wird es immer schwieriger ihre Beziehung vor den Kollegen geheim zu halten. Alois scheint was zu ahnen.

Der Krimi ist flüssig zu lesen. Inge Löhnig hat ihre Protagonisten glaubhaft gezeichnet. Mein persönlicher Favorit war der Frührentner Eugen Voit. Solche kranke Typen gibt es leider wirklich, die sich für alles interessieren, was in der Nachbarschaft abläuft. Als positiv empfand ich es, dass es beim Ermittlerteam menschelt. Das bringt Farbe in den Krimi. Die Autorin hat für den Leser geschickt falsche Spuren ausgelegt. Aber mir war das zu offensichtlich und ich war gespannt, wer nun wirklich der Täter ist. Das Ende hat mich dann doch überrascht. Die Idee vom unschuldig schuldig werden hat mich nachdenklich gestimmt und noch lange beschäftigt. Jeder kann in so eine schreckliche Lage kommen. Man wird angefeindet und hat doch keine Schuld

Nun ja, so ganz zufrieden war ich nicht. Es war wie bei einem guten Essen, bei dem man feststellt, hm, schmeckt lecker, aber das berühmte Quäntchen fehlt. So ist es mir leider ergangen. Irgendetwas hat gefehlt, aber ich kann nicht sagen, was es war.

Mein Fazit:
Ein gut zu lesender Krimi für ein gemütliches Wochenende.

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