Hamburg - Varna und zurück von Inga Deor

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2004 bei Books on Demand.
Ort & Zeit der Handlung: Bulgarien, 1990 - 2009.

  • Norderstedt: Books on Demand, 2004. ISBN: 3833414936. 327 Seiten.
  • Varna: Slavena, 2006. 287 Seiten.

'Hamburg - Varna und zurück' ist erschienen als Taschenbuch

Das meint Krimi-Couch.de: »Geschichte, Politik, Philosophie und bulgarische Küche ersticken den Krimi« 35°

Krimi-Rezension von Ines Dietzsch

Die in Deutschland geborene Autorin Inga Deor macht kein Geheimnis daraus, in das südosteuropäische Land Bulgarien verliebt zu sein. Auf die Frage eines Hotelbetreibers an der Schwarzmeerküste, warum Inga Deor für sich und ihren Hauptprotagonisten Thomas Jeromin Bulgarien zur Wahlheimat erklärte, antwortete die Autorin: »Immer wenn ich in Deutschland ein Flugzeug am Himmel sah, wünschte ich mir sehr oft, in diesem Flugzeug zu sitzen und an den Ort meiner Sehnsucht gebracht zu werden. Wenn ich in Varna ein Flugzeug am Himmel sehe, sehe ich immer nur ein Flugzeug.« Der vorliegende Roman ist ihre Liebeserklärung an das Land im Osten Europas und seine Bewohner.

Ein Nastrawe! auf die deutsch-bulgarische Freundschaft

In einem Hamburger Nobelhotel werden zwei tote Männer aufgefunden. Nach Angaben des Hotelpersonals handelt es sich um bulgarische Staatsbürger. Alle Indizien deuten auf Mafia-Morde, doch warum wurde die Leiche von Manolo Atanassov in einer solch obszönen und entwürdigenden Stellung exponiert?
Thomas Jeromin, gut situierter Kommissar aus der Hansestadt wird von seinem Chef in das dreitausend Kilometer entfernte Land entsandt. Jeromin hatte sich für ein Austauschprojekt zur Verfügung gestellt, bei dem die osteuropäischen Ermittler vom westlichen Know-how profitieren sollen. Was liegt näher, als eine gemeinschaftliche Untersuchung der Morde mit der bulgarischen Polizei? Sein deutsch sprechender Kollege Ivan nimmt ihn bei sich und seiner Schwester Darina im Haus auf. Ivan und Thomas müssen auf dem Weg bis zur Aufklärung der Verbrechen eine Menge Vorurteile ausräumen und die Umsetzung des Projektes bei den bulgarischen Kollegen gelingt nur mit Ivans Unterstützung. Heiße Diskussionen und ein paar Gläser Selbstgebrannter lassen die beiden zu Freunden werden.

Eine wirklich gute Idee, Chef

Inga Deor ist es ein Bedürfnis die Leute auf ihr geliebtes, »vergessenes« Land aufmerksam zu machen, ihnen Sprache und Kultur der Balkanbewohner näher zu bringen. Ganz spielerisch, wie nebenbei, verpackt in einen Kriminalroman. Sie verabreicht dem interessierten Krimileser ein paar Häppchen zur Geschichte, zur politischen und wirtschaftlichen Lage und blickt in die bulgarische Seele. Es werden bulgarische Witze erzählt und die Wege Kommissar Jeromins kreuzen alle nennenswerten Sehenswürdigkeiten der Hafenstadt Varna. Man schlemmt sich durch sämtliche kulinarische Spezialitäten, mit denen die bulgarische Küche aufwartet. Das Rundum-sorglos-Paket komplettieren die wichtigsten Vokabeln der bulgarischen Sprache. Man muss halt mal ein paar Fussnoten (90!) nachschlagen, dafür kann man sich fundamentale Redewendungen wie»ideata e tschudesna, chefe, wjarno« aneignen, was »eine wirklich gute Idee, Chef« heißt. Könnte man ja mal brauchen

Hamburg – Varna und zurück ist ein sehr freundlicher Roman und Inga Deor blickt ein wenig romantisch verklärt auf das heutige Bulgarien. Im Focus stehen liebenswürdige Menschen und eine beispiellose Gastfreundlichkeit. Deor lässt es charmant wirken, wenn die Polizisten mit Trabbi, Lada & Co über Buckelpisten von A nach B fahren, Taschendiebstähle vereiteln die Kollegen aus dem Osten en passant. Und die bulgarischen Frauen sind alle anbetungswürdig. Immerhin fließen einige kritische Gedanken über die weit verbreitete Korruption und das Versagen der Justiz ein. Die Autorin weiß eine Menge zu erzählen über das bulgarische Volk, sprengt aber leider damit den Rahmen des Kriminalromans. Aus diesem Grund kann ich das Buch nur als Reiselektüre für Urlauber empfehlen, die an den Goldstrand reisen und an mehr Informationen über ihr Ferienziel interessiert sind, als es die Beschreibungen des Reiseveranstalters hergeben.

Ines Dietzsch, Mai 2009

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