Tödlicher Sog von Ilkka Remes

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel Pyörre, deutsche Ausgabe erstmals 2010 bei dtv.
Ort & Zeit der Handlung: Finnland, 1990 - 2009.

  • Helsinki: WSOY, 2008 unter dem Titel Pyörre. 460 Seiten.
  • München: dtv, 2010. Übersetzt von Stefan Moster. ISBN: 978-3423247603. 457 Seiten.

'Tödlicher Sog' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Was geschah wirklich auf der ESTONIA? Der grausame Mord an einer Schülerin. Ein mysteriöses Bankschließfach in Lausanne. »Ja, er hatte sie im Streit ein bisschen gewürgt. Aber war Julia wirklich tot, als Roni in Panik davonrannte?« Wer war der Fremde, der sich plötzlich über sie beugte, als Roni sich noch einmal zu ihr umgedreht hatte? Während der junge Rennfahrer Roni Airas verzweifelt versucht, den Mann zu finden, den er für Julias Mörder hält, wird er von einem Unbekannten erpresst: Roni soll ihm den Code zu einem Bankschließfach in Lausanne besorgen – und dessen Inhalt. In dem Schließfach befinden sich mysteriöse Zahlungsbelege und eine Videokassette: Taucher schwimmen mit Scheinwerfern um ein Schiff swrack herum. Das Wrack trägt den Namen ESTONIA …

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Herr Lazaro zu »Ilkka Remes: Tödlicher Sog« 31.01.2010
"Was geschah wirklich auf der ESTONIA?" fragt KC in der Kurzbeschreibung. Auch nach der Lektüre von "Tödlicher Sog" weiss es der Leser nicht. Die Ereignisse auf der gesunkenen Estonia sind ebensowenig Thema des Buches wie der internationale Handel mit Sterioden, wie der Klappentext behauptet.
Stattdessen haben wir es mit einer genre-typischen Gute-und-Böse-jagen-einander-Geschichte zu tun. Wobei die Guten nicht uneingeschränkt gut sind, und bei den Bösen weiss man auch am Ende nur selten, warum sie böse sind (einige sind Russen, da ist es ja wohl klar ...), aber immerhin sind sie verlässlich böse, das ist ja schon mal etwas.
Der Mord an der Schülerin Julia ist nur eine Nebenhandlung, die zu nichts weiter dient, als im ersten Drittel der Geschichte die Verstrickung des Protagonistenpaares Vater und Sohn Airto in die weiteren Ereignisse zu konstruieren.
Dieser Teil des Romans, in dem die Airtos versuchen durch Tricks, Lügen und Täuschungsmanöver die Polizei von der Mitschuld des Sohnes Reno Airto am Tod Julias abzulenken, und sich dabei immer tiefer in ein Gebäude von Lügen verstricken, erpressbar werden und schliesslich auch erpresst werden, ist der deutlich beste Teile der Geschichte. Hier stimmt die Psychologi, die handelnden Figuren werden vielschichtig und glaubwürdig dargestellt.
Leider bleibt das nicht so. Ab Teil 2 verflacht die Geschichte zusehends, die Ermittlungen im Mordfall Julia stellen spätestens ab Teil 3 überhaupt keine Rolle mehr, was den Mord um so konstruierter erscheinen lässt. Die Story verkommt zu einer reinen Verfolgungsjagd mit etliche Stationen aber immer stereotypischer agierenden Personen. Dazu kommen dann noch ein paar Dunkelmänner verschiedener schwedischer und finnischer staatlicher Dienste, die ihre schmutzigen Machenschaften um jeden Preis vertuschen wollen, und fertig ist ein weiterer Thriller nach Rezept, wie man ihn von anderen Autoren schon häufig serviert bekommen hat. Schade, denn von Remes war man bisher bessres gewohnt.
Einzig die offenbar gut recherchierten Informationen (sueh die Beleg im Anhang des Romans) zu den Ermittlungen bzw. der Vertuschung der Ursachen des Untergangs der Estonia, die eine Nebenlinie des Romans bilden, lassen "Tödlicher Sog" etwas aus dem Einheutsbrei zeitgenössischer Thrillerproduktion herausragen.
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