Hochzeitsflug von Ilkka Remes

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2001 unter dem Titel Uhrilento , deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei dtv.

  • Helsinki: WSOY, 2001 unter dem Titel Uhrilento . 438 Seiten.
  • München: dtv, 2009. Übersetzt von Stefan Moster. ISBN: 978-3423211178. 464 Seiten.

'Hochzeitsflug' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Ein Flugzeug verschwindet nach dem Start in Frankfurt auf mysteriöse Weise. Teile des Wracks werden an der Küste von Montenegro gefunden, doch von den Passagieren fehlt jede Spur. Unter ihnen befand sich Tina, die zukünftige Frau von Christian Brück, einem Gehirnforscher, der für einen Pharmakonzern in Südfrankreich arbeitet. Sie war auf dem Weg zu ihrer Hochzeit, als das Flugzeug abstürzt. Eine Videokassette wird in den Trümmern gefunden. Sie liefert den Hinweis auf ein ungeheuerliches Geschehen … Die Jagd auf Christian Brück ist eröffnet: Jemand will die Kassette um jeden Preis in seinen Besitz bringen – um sie zu vernichten. Wenn Christian sein Leben lieb ist, muss er die Wahrheit über das Flugzeugunglück, über seine Braut und über sich selbst ans Licht bringen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein Frühwerk des Autors, dass dessen Potentail bereits erkennen lässt« 65°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Nach seiner Trennung von Sara hat sich der deutsche Hirnforscher Christian Brück vor einigen Monaten in Tina Carabella verliebt. Daher passt es Christian gar nicht, dass Tina aus beruflichen Gründen einen Tag vor ihm von Frankfurt nach Nizza fliegen möchte, wo die beiden heiraten wollen. Aber es kommt alles ganz anders, denn Tinas Flugzeug stürzt an der Küste Montenegros ins Meer und als wäre dies nicht tragisch genug, fehlt von den Passagieren jede Spur. Eine Abteilung der US-Luftwaffe übernimmt vor Ort die Ermittlungen, doch diese sind alles andere als aufschlussreich. Vielmehr entsteht der Eindruck, dass die Hintergründe verschleiert werden sollen. Selbst seltsame Himmelserscheinungen werden als mögliche Ursache ins Spiel gebracht.

Gemeinsam mit Rebecca, deren Mann ebenfalls in der Maschine saß, fliegt Christian kurzerhand nach Montenegro, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Als ihm ein Mann ein Video aus dem Flugzeug kurz vor dem Absturz anbietet, greift Christian zu, muss aber seinen Pass als Pfand zurück lassen, da er nicht den geforderten Geldbetrag bei sich hat. Am nächsten Tag will Christian das Geld übergeben, findet den Einheimischen allerdings nur noch mit einer Schusswunde in der Stirn in dessen Wohnung auf. Als er wenig später am vereinbarten Treffpunkt auch Rebecca auf die gleiche Weise ermordet auffindet, ahnt Christian, dass die Videokassette brisante Informationen enthält. Nicht weniger brisant sind die Ergebnisse, die Sara währenddessen in Tinas Wohnung findet. Demnach war Tina in einer Sekte namens Der Neue Morgen und auch sonst nicht die Person, die Christian zu kennen glaubte …

 

Schon früher hatte Remes ein feines Gespür für hohes Tempo.

Ilkka Remes gehört inzwischen zu den Topautoren des Thrillergenres und so geschieht was nahezu immer geschieht. Die Computer werden durchleuchtet, ob sich vielleicht auf irgendeiner verstaubten Festplatte ein Manuskript des Autors befindet, dass sich – mit einigen Jahren Verspätung – vielleicht doch noch vermarkten lässt. Dazu nehme man den Standardaufkleber »Tipp des Monats« und ein flottes Zitat auf dem Cover: »Dieses Buch ist das Ereignis des Jahres!«. Dies meint(e?) zumindest die Aamulehti, Finnlands zweitgrößte Tageszeitung.

Sieht man darüber hinweg, dass die Geschichte im Jahr 2000 spielt, das Mobiltelefon noch weitgehend unbekannt ist und zudem (u. a.) mit der guten alten Deutschen Mark bezahlt wird, dann erhält man einen Thriller, der dem üblichen Mainstream des Genres durchaus gewachsen ist. Ilkka Remes lässt hier bereits erkennen, dass er ein feines Gespür für hohes Erzähltempo hat. Ständig wechselt das Szenario, neue Figuren werden im Akkord eingefügt und dank sehr kurzer Kapitel wird es nie langweilig. Nur einzelne Passagen sorgen für eine wohltuende Unterbrechung des mitunter mörderischen Tempos. Dies natürlich im doppelten Wortsinn, denn die Bösen gehen ja bekanntlich über Leichen.

Eine gefährliche Sekte oder (doch nur wieder) die Amis?

Aber wer sind die Bösen überhaupt, fragt sich Christian, der mit zunehmender Handlung immer weniger weis, wer denn die Frau war, die er heiraten wollte? Die Leser wissen zwar ein ganz kleines bisschen mehr, doch sorgt Ilkka Remes für reichlich Verwirrung. Die Handlung spielt zunächst an zahlreichen Orten (Frankreich, Deutschland, Montenegro und den USA), bevor sich später dann alles nach und nach zusammen fügt. Viel später.

Alles wie gehabt: Kurze Kapitel, hohes Tempo und jede Menge Klischees.

Den »Vorteilen« (kurze Kapitel, hohes Tempo, viel Gemetzel und noch mehr Verfolgungsjagden) stehen die altbekannten Genreschwächen gegenüber. Gut und Böse sind klischeehaft-stereotype Figuren, die nie greifbar sind. Normale Menschen wie beispielsweise der Protagonist, im eigentlichen Leben Wissenschaftler, scheuen keinerlei Risiken, wenngleich Remes sich Mühe gibt, dies zumindest ein wenig zu kaschieren. Allerdings nur oberflächlich. Mehrmals gerät Christian in die Hände der Bösen oder verletzt sich (wirkt dadurch also nicht gänzlich unangreifbar), um dann doch immer wieder erfolgreich fliehen zu können. Notfalls tauchen (so nicht nur am Schluss) aus heiterem Himmel unerwartete Helfer auf. Über die mehr als merkwürdige Arbeitsauffassung der Polizei in Montenegro, aber insbesondere auch der in Frankreich, hüllen wir hier den Mantel des Schweigens und erwähnen zudem nur beiläufig, dass nicht jeder Erzählstrang sauber zu Ende geführt wird.

Man mag solche Romane lieben oder nicht. Wer sich für derartiges 08/15-Rumgebolze erwärmen kann, der wird sich kurzweilig unterhalten, wenngleich die Auflösung das ständige Konstruieren der Handlung auf die Spitze treibt. Remes überspannt den Bogen beim Finale deutlich, lässt aber – wie erwähnt – bereits in diesem frühen Werk sein Potential erkennen.

Jörg Kijanski, März 2009

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Bio-Fan zu »Ilkka Remes: Hochzeitsflug« 09.03.2009
"Ganz schön flott dieser Finne". Was Tempo und Spannung angeht, ist der "Hochzeitsflug" allererste Sahne. Dafür muß man aber in Sachen Plausibilität einige Abstriche hinnehmen- so gegen Ende- beim Showdown in der Zitadelle- scheint der Autor selbst den Überblick verloren zu haben.
Wie für Remes typisch werden erstmal die Handlungsfäden ausgelegt - Personen und Ereignisse, die keinerlei Verbindung zu einander zu haben scheinen, verknüpfen sich später zu einem Großenganzen.
Zum Inhalt wurde in der Rezension ja schon ausführlich berichtet.
Selbst wenn man, wie ich, kein Freund von Cliffhangern ist, so wie Remes das hier zelebriert, hat mich beeindruckt, da liest man vor lauter Tempo über die eine oder andere Ungereimtheit hinweg.

Nicht nur für Remes-Fans, sondern für alle, die einen europäischen Agententhriller mit Format zu schätzen wissen, eine Empfehlung. 85 Grad
Herr Lazaro zu »Ilkka Remes: Hochzeitsflug« 16.02.2009
Der bisher mit Abstand schwächste Remes liegt hier mit Hochzeitsflug vor. Das hat wohl auch der Verlag so gesehen und den Band nicht wie bisher alle deutschen Remes Titel in der teuren dtv-Premium Reihe sondern als normales Taschenbuch veröffentlicht.

Die Geschichte, obwohl durchaus mit Schwung erzählt, ist leider recht unglaubwürdig bzw, wirkt an wenig an den Haaren herbeigezogen, das Ende wirkt wirr, schon weil in der Schlusssequenz mehrfach mal die "guten" mal die "bösen" im Vorteil sind bzw. die jeweiligen Gegner in der Gewalt haben, ohne dass der Leser erfährt, wie es dau kam. Am Ende wird nicht einmal richtig klar, welche der handelnden Personen das ganze überleben.

Stilistisch arbeitet Remes hier vorwiegend mit kurzen Kapiteln, die mehrheitlich mit einem Cliffhanger abschliessen. Man muss das mögen, mich hat es genervt.

Hochzeitsflug, obwohl erst im 2009 in deutsch erschienen, gehört zu den frühen Werken des Autors und ist in Finnlad bereits 2001 auf den Markt gekommen, macht beim Lesen aber den Eindruck, noch älter zu sein, denn schon das noch etwas früher erschienene "Blutglocke" zeigt einen deutlich besseren und reiferen Autor.

Fazit: Für Remes-Fans sicher Pflicht, alle anderen könne sich den Titel getrost sparen
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