Blutglocke von Ilkka Remes

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2000 unter dem Titel Ruttokellot, deutsche Ausgabe erstmals 2007 bei dtv.
Ort & Zeit der Handlung: Finnland, 1990 - 2009.

  • Helsinki: WSOY, 2000 unter dem Titel Ruttokellot. 488 Seiten.
  • München: dtv, 2007. Übersetzt von Stefan Moster. ISBN: 978-3423246057. 540 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Hoffmann & Campe, Peter Kaempfe. Gesprochen von Stefan Moster. gekürzt. ISBN: 3-455-30543-1. 2 CDs.

'Blutglocke' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Während eines EU-Gipfels in Finnland wird der deutsche Innenminister ermordet. In einem Wald findet man seine Leiche, nackt und auffallend weiß: jemand hat ihr das gesamte Blut abgezapft. Kommissarin Johanna Vahtera kommt auf die Spur von Rem Granow, dem Sohn eines russischen Mafiabosses. Dieser will Macht über einen echten Staat. Und er will den Tod seiner Mutter rächen. Auf eine ganz besondere Weise …

Das meint Krimi-Couch.de: »Kurzweilig und beklemmend« 80°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Während eines Treffens der EU-Innenminister in Finnland wird der Sohn des deutschen Innenministers Klein entführt. Entgegen allen Sicherheitswarnungen entschließt sich Klein, sich mit den Kidnappern zu treffen. Wenig später ist sein Sohn frei und der Minister tot. Seine Leiche wird in einem kleinen Waldstück gefunden. Aus seinem Brustkorb ragt ein Katheder, mit dessen Hilfe ihm das Blut aus der Aorta genommen wurde. Johanna Vahtera, Kommissarin des zentralen Kriminalamtes KRP, übernimmt die Ermittlungen, doch die Zusammenarbeit mit dem deutschen BKA ist nicht frei von Hindernissen.

Johanna glaubt recht bald eine erste Spur gefunden zu haben, denn auf Weisung des Innenministers Klein wurde vor einigen Wochen im Zusammenhang mit einer Drogenfahndung das Anwesen des russischen Mafiapaten Eduard Granow von einer Spezialeinheit gestürmt. Dabei starben dessen Frau und ein Leibwächter. Sollte es sich um einen Racheakt handeln? Wie Johanna weiter ermittelt, starb Granow kurz nach dem Mord an Klein; sein Sohn Rem soll daran nicht unschuldig gewesen sein.

Rem liebte seine Mutter abgöttisch und sehnt nach Rache. Sein bescheidenes Ziel: Er will die Macht über Deutschland! Hierzu will er das Land in eine Notstandssituation versetzen und sich einiger mächtiger Politiker, Bundeskanzler sowie wichtige Ressortschefs, entledigen. In dieser Krisensituation soll sich Umweltminister Erwin Beck zum starken Mann aufspielen und anschließend als Bundeskanzler gewählt werden. Aus Eduard Granows früheren Zeiten beim KGB besitzt Rem noch Akten über Beck, der damals für den KGB tätig war …

Russischer Mafia-Boss will die Macht über Deutschland

In geheimen Laboratorien entwickeln russische Experten weiterhin biologische Waffen. Rem Granow gelingt es über Mittelsmänner eine junge Mitarbeiterin des berühmt-berüchtigten »Instituts Nr. 19« dazu zu bringen, hochgefährliche bakterielle Stoffe zu besorgen. Mit einem Flugzeug wie es bei der Landwirtschaft zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt wird, sollen über Berlin entsprechende Erreger verbreitet werden. Durch die einsetzenden Krankheitssymptome bei der Bevölkerung erhofft sich Granow eine Massenhysterie, so dass es in der Folge zu einem Ausnahmezustand kommt. Während führende Kabinettsmitglieder durch die Bakterien gezielt getötet werden sollen, erhält Umweltminister Beck zuvor eine Schutzimpfung. Es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, denn Johanna Vahtera kommt Granow bedrohlich nahe.

Nach Höllensturz ist Blutglocke bereits der zweite Thriller von Bestseller-Autor Ilkka Remes, in dem die junge Kommissarin Vahtera die Hauptrolle spielt. Der Held früherer Romane, Timo Nortamo von der TERA, spielt im vorliegenden Roman nur eine unbedeutende Nebenrolle. Dies hat zur Folge, dass hier kein Geheimdienstthriller entsteht, bei dem sich alle möglichen geheimsten Geheimorganisationen gegenüber stehen, sondern ein durchaus realistisches Szenario aufgebaut wird. Der Griff nach der Macht über Deutschland über einen Strohmann in der Politik könnte sich tatsächlich so zutragen, denn wenn nach einem denkbaren Bio-Angriff (z. B. mit Milzbranderregern) eine Massenpanik einsetzen würde, ginge damit einher der Ruf nach einem starken Mann, der der Situation gewachsen ist. Wenn zudem gleichzeitig noch führende Mitglieder der Regierung unauffällig eleminiert würden, liefe es fast zwangsläufig auf einen vorher bestimmbaren Kandidaten, hier den Umweltminister, hinaus.

Ilkka Remes beeindruckt in seinem neuen Roman einmal mehr über das weitreichende Spektrum seiner vorausgegangenen Recherchen. Wer allerdings mit zahllosen Akteuren und ständig wechselnden Schauplätzen in Deutschland, Finnland und Russland sowie den damit einhergehenden unterschiedlichen Handlungssträngen Probleme hat, der könnte zumindest anfangs sehr leicht den Überblick verlieren. Doch Remes beherrscht sein Handwerk perfekt und führt die Ereignise immer wieder nachvollziehbar zusammen und liefert somit einmal mehr einen Bestseller, der aufgrund der Thematik besonders die deutschen Leserinnen und Leser begeistern bzw. erschrecken dürfte.

Die Figuren sind, wie so oft bei derartigen Storys, recht eindimensional dargestellt. Ein Mitleiden beispielsweise mit der Protagonistin Johanna ist fast ausgeschlossen, da ihre Figur nicht genügend herausgearbeitet wird. Auch ist befremdlich, dass trotz eines drohenden Angriffes auf den Staat Deutschland das einheimische BKA nur gelegentlich und der deutsche Geheimdienst gar nicht in Erscheinung tritt. Ansonsten bietet Blutglocke, dessen zunächst merkwürdig erscheinender Titel ausführlich erklärt wird (es hat übrigens etwas mit der im Mittelalter bekannten Pestglocke zu tun) erneut kurzweilige, mitunter beklemmende Unterhaltung. Zum Finale gibt es obendrauf noch einen kleinen Aha-Effekt als Zugabe.

Jörg Kijanski, Juli 2007

Ihre Meinung zu »Ilkka Remes: Blutglocke«

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mylo zu »Ilkka Remes: Blutglocke« 11.04.2010
Nun das war mein erstes Buch von Remes. Ich habe versehendlich mit der Blutglocke begonnen, obwohl ewige Nacht wohl früher rauskam, werde ich dann anschließend lesen.
Nun insgesamt finde ich die Story sehr überspannt und etwas unrealistisch. Ob es wirklich gelingen würde die nahezu gesamte Bundesregierung auf diese Art und Weise auszuschalten? Na ja dafür hat mir die Idee mit der Allmacht der Nachrichten sehr gut gefallen und die ist wiederum sehr realistisch dargestellt und absolut überzeugend. Zu farblos sind mir die Personen des Romans, die nicht ganz an mich herankamen, mag auch an den teils kurzen Kapitel und den damit verbunden schnellen Wechsel der Plots liegen. Eine gewisse Spannung kann man dem Buch nicht abschreiben. Fängt spannend mit der Entführung des Sohnes an flacht dann etwas ab um sich dann nach gut der Hälfte bis zum Schluss kontinuierlich steigert. Aber für mich nur guter Durchschnitt, nicht mehr, kein herausragender Roman. Der bekommt von mir 75 Punkte und der Autor mit „Ewige Nacht“ eine 2. Chance von mir.
Jan Prygoda zu »Ilkka Remes: Blutglocke« 30.05.2009
Ich habe die deutsche Übersetzung gekauft weil ich mit Hilfe der Übersetzung das finnische Orginal besser lesen wollte. Dies Buch ist keine Übersetzung von Ruttokellot aber ein ganz anderes Buch. Ich bestelle nie mehr etwas von Ilkka Remes / Stefan Moster. Eine Übersetzung muß eine Übersetzung sein.
Bio-Fan zu »Ilkka Remes: Blutglocke« 29.09.2008
In Sachen Polit-Thriller nach europäischer Prägung macht keiner dem Finnen Ilkka Remes was vor. Nach "Das Hiroshima -Tor" und "Ewige Nacht" ist "Blutglocke" mein dritter Roman von Remes und ich muß sagen, daß er in Bezug auf Ideenreichtum und Spannung den anderen nicht nachsteht. Ich hatte nicht den Eindruck, daß da was "fix überarbeitet" und "schnell nachgeschoben" wurde. Wie wir vom Übersetzer erfahren haben, hat Remes sich die Mühe gemacht, den Hauptteil der Geschichte nach Deutschland zu transferieren, was sicher mit jeder Menge Recherche verbunden war.
"Blutglocke" startet an vielen Orten in Europa und alle Fäden laufen in Berlin zusammen, wo es dann zum großen Showdown kommt. Je mehr sich die Geschehnisse zuspitzen, desto schneller wechseln auch die Schauplätze - das sorgt für Dynamik und Spannung. Remes versteht es immer wieder geschickt, bis zum Ende alles offen zu halten. Scheitern die Pläne des Russen? Wer wird überleben?
Das Chaos am Schluß hätte für meinen Geschmack etwas größer sein können und insgesamt hätte ich mir bei den Akteuren mehr Emotionen gewünscht.
mase zu »Ilkka Remes: Blutglocke« 05.03.2008
Das Buch ähnelt vom Stil her nicht den typischen skandinavischen Krimis. Hätte ich es nicht besser gewusst, hätte ich auf einen deutschen Autor getippt.

Selten ist ein Absatz länger als zwei Seiten und jeder Absatz erzählt abwechselnd einen der vielen Handlungsstränge oder eine neue Perspektive der Story. Dadurch bleibt der Plot immer abwechslungsreich und überraschend. Auf der anderen Seite bewirkt dieses Switchen jedoch, dass der Leser weder eine Beziehung zu den Personen aufbauen kann, noch eine bestimmte Atmosphäre aufkommen kann, da alle zwei Seiten das Tempo, der Ort und die Personen wechseln. Der Leser nimmt dadurch die Geschehnisse wie in einer Nachrichtensendung war. Eigentlich ist dieses Buch schon fast eine detailliert Zusammenfassung, da weder auf die Ermittlungsarbeit, noch auf die Bösen konkret eingegangen wird. Für mich war auch neu, dass der Autor keinen Hehl daraus macht, wie die einzelnen Stränge zusammenpassen.

Wenn sich diese Beschreibung bis jetzt negativ liest, dann muss ich sagen, dass genau diese Art und Weise den Reiz des Buches ausmacht.

Zu Beginn noch sehr gewöhnungsbedürftig, hatte ich ungefähr ab der Hälfte des Buches richtigen Spass damit. Ob es daran lag, dass die Geschichte Fahrt aufnimmt, oder ob ich solange brauchte mich an den Stil des Gelesenen zu gewöhnen ist schwierig zu sagen.

Die Macht der Medien als Waffe einzusetzen, um das Volk zu beeinflussen, ist ein reizvolles Thema, die leider auch tatsächlich benutzt wird.

Blutglocke ist ein ganz besonderes Buch, das sich alleine schon aufgrund der Erzählweise vom Wettbewerb abhebt.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
polina zu »Ilkka Remes: Blutglocke« 19.09.2007
Ich habe bis jetzt alle auf deutsch erschienenen Werke von Remes gelesen, mir hat dieses wie auch seine Vorgänger extrem gut gefallen! Die etwas kontourlose Ermittlerin Johanna stört kein bisschen, es gibt genügend andere Charaktere die das Buch deutlich mehr prägen. Fazit: Superspannend, packend und auch beängstigend - LESEN!!!
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Kurt Maifeld zu »Ilkka Remes: Blutglocke« 18.07.2007
Kritiker zu kritisieren, das ist ja eigentlich ein fruchtloses Unterfangen. Gewiss, das Buch ist ein recht spannender Schmöker, aber der Plot ist - bei allem Respekt - ziemlicher Unfug und voller Löcher. Er reicht bei weitem nicht an Remes' vorzüglichen und vielschichtigen Krimi "Ewige Nacht" heran, der zuerst in Deutschland erschein. Und mit ein wenig Nachdenken sowie der Lektüre des Impressums hätte dem Rezensenten auffallen können, dass das mitnichten ein neuer Roman des Finnen ist, sondern schlicht ein älteres Werk, dass er fix für den deutschen Markt überarbeitet hat, um schneller Nachschub liefern zu können. Und so liest es sich leider auch.
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