Die Sünden der Väter von Ian Rankin

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1998 unter dem Titel The Hanging Garden, deutsche Ausgabe erstmals 2006 bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: Großbritannien / Schottland / Edinburgh, 1990 - 2009.
Folge 9 der John-Rebus-Serie.

  • London: Orion, 1998 unter dem Titel The Hanging Garden. 416 Seiten.
  • München: Goldmann, 2006. Übersetzt von Giovanni & Ditte Bandini. ISBN: 978-3-442-45429-7. 416 Seiten.

'Die Sünden der Väter' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Ein alter Mann wird eines Naziverbrechens bezichtigt und wenig später tot auf einem Friedhof aufgefunden. Eine junge Frau schweigt sich über die Männer aus, die sie zur Prostitution zwingen, und wird trotz Polizeischutz entführt. Scheinbar haben beide Fälle nichts miteinander zu tun, doch während seiner Untersuchungen stößt Inspector John Rebus immer wieder auf einen Namen: Tommy Telford, ein Neuling in der Edinburgher Unterwelt. Als Rebus sich Telford vornimmt, geschieht kurz darauf das Unfassbare: Rebus’ Tochter Sammy wird von einem Auto angefahren und liegt seither im Koma. Ein unglücklicher Unfall oder eine gezielte Warnung? Rebus hat nur noch einen Gedanken, nämlich den Fahrer des Wagens zu stellen …

Das meint Krimi-Couch.de: »Thriller-Traktat über den ewigen Kampf um die Menschenrechte« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Michael Drewniok

AIn ihrem Bemühen den lästigen Untergebenen endlich aus seinem Job zu ekeln haben sich Detective Inspector John Rebus’ Vorgesetzte etwas Neues einfallen lassen. Sie beauftragen ihn gegen den alten Gelehrten Joseph Lintz zu ermitteln. Der steht im Verdacht, in jungen Jahren als Mitglied von Hitlers SS in Frankreich aktiv an unerhörten Kriegsgräueln teilgenommen zu haben. Lintz streitet dies ab und erweist sich als Meister der ausweichenden Auskunft – oder als Unschuldiger.

Viel lieber würde Rebus bei den Ermittlungen gegen Tommy Telford mittun. Der junge, charismatische Gangsterboss plant sich zum Führer der Edinburgher Unterwelt aufzuschwingen. Jede kriminelle Machenschaft ist ihm dabei Recht. Er legt sich sogar mit dem bisherigen Alleinherrscher »Big Ger« Cafferty an, der zwar in die Jahre gekommen aber keineswegs willig ist die Macht zu teilen. Ein Bandenkrieg droht; erste Opfer sind bereits zu beklagen.

Die Polizei steht dem mehr oder weniger hilflos gegenüber. Sowohl Cafferty als auch Telford haben ihre Truppen gut im Griff. »Gesungen« wird nicht, Beschattungen fliegen regelmäßig auf. Rebus schleicht sich trotzdem gern zu den Beamten der Scottish Crime Squad, einer Sondereinheit, der auch Siobhan Clarke, Rebus’ Ex-Kollegin und gute Freundin, inzwischen angehört. Für ihn ist dieser Fall persönlich geworden: Ein Autofahrer hat Sammy, seine Tochter, angefahren und schwer verletzt. Rebus, der sich als Vater in der Vergangenheit viele Fehler geleistet hat, wird von seinem Gewissen und von Wut übermannt. Er will den Unglücksfahrer, er will Rache. Um sie zu bekommen, verbündet er sich sogar mit seinem Erzfeind Cafferty, der einwilligt ihm den Schuldigen zu liefern. Dafür soll: Rebus Telford hinter Gitter bringen.

Altes Unrecht lebt wieder auf

Derweil findet sich Lintz’ Leiche. Man hat den alten Mann an einem Friedhofsbaum aufgeknüpft – offenbar ein Mord mit Hinrichtungscharakter. Wer ist es, der das Recht in die eigene Hand genommen hat? Notgedrungen bleibt Rebus am Ball und entdeckt Verbindungen zwischen Lintz und Telford. Der hat sich außerdem mit dem tschetschenischen Mafiaboss Jake Tarawicz eingelassen, welcher sich in Edinburgh als Menschenhändler und Dealer etablieren möchte. Schließlich werden sogar hochrangige Mitglieder der Yakuza gesichtet, die stets eine Möglichkeit suchen außerhalb Japans scheinbare legale Unternehmen als Geldwaschanlagen zu erwerben.

Rebus will sie in seinem Zorn alle drankriegen. Dass er sich dabei übernommen hat dämmert ihm spätestens, als er sich auf einen Stuhl gefesselt und mit einem Stromkabel malträtiert wieder findet …

Von Väter & Töchtern, Nazis & Opfern

Wie üblich setzt Ian Rankin seinen Inspektor Rebus erneut einem Trommelfeuer kriminalistischer Herausforderungen und privater Schicksalsschläge aus. Insgesamt zerfällt »Die Sünden der Väter« in zwei Handlungsstränge. Da haben wir einerseits Rebus’ Kampf gegen die Unterwelt von Edinburgh und andererseits seine Ermittlungen gegen einen möglichen Kriegsverbrecher. Beide Stränge werden verklammert durch Rebus’ Bangen um das Leben seiner im Koma liegenden Tochter bzw. sein Versagen als Familienvater: Der »Sünden der Väter«, auf die der deutsche Titel anspielt, haben sich sowohl Joseph Lintz als auch John Rebus jeder auf ihre Weise schuldig gemacht. Mehrfach blendet Rankin Episoden ein, in denen sich Rebus daran erinnert, wie er seine Familie enttäuscht hat.

»Die Sünden der Väter« ist gleichzeitig ein neues Kapitel im spannenden Duell zwischen Rebus und »Big Ger« Cafferty. Der Polizist und der Gangster sind Todfeinde und sich – Rebus’ Kollegen beobachten es mit Misstrauen – als solche näher als manche Freunde. Sie kennen sich seit Jahren, wissen um ihre Geheimnisse, nutzen einander aus und versuchen dem Gegenüber stets mindestens einen Schritt voraus zu sein. Rankin nutzt diesen Zweikampf als Aufhänger, um Edinburghs »Fortschritte« auf dem Weg zur Verbrechermetropole des 21. Jahrhunderts zu beschreiben. Die kriminelle Szene ist zum Spiegelbild einer zunehmend globalisierten Welt geworden: Syndikate überspringen Meere und Kontinente, breiten sich aus, erobern neue Territorien, in denen sie zentral möglichst alle illegalen Aktivitäten kontrollieren und steuern. Der Kontakt zum politischen und wirtschaftlichen Establishment wird gesucht und gefunden, an die Gesetze hat sich nur der Steuerzahler als von oben und unten geschorenes Schaf zu halten.

Gipfeltreffen des Weltgangstertums in Schottland

Die Polizei ist entweder machtlos oder bereits Teil des Filzes. Im Vergleich zu ihren Gegnern sind die Beamten hoffnungslos unterbesetzt, schlecht ausgerüstet und entsprechend motivationsarm. Rebus hat es mit oft halblegalen Tricks, aus langer Berufslaufbahn erwachsener Erfahrung und kriminalistischem Dickkopf geschafft Erfolge zu erzielen. Mit der Unterwelt in ihrer Gesamtheit legt er sich erst an, als er sich persönlich angegriffen fühlt. Die Handlung wird rau, während die Spannung steigt, denn selten hat sich Rebus so viele Feinde gemacht, derer er sich nun gleichzeitig erwehren muss. Das gelingt ihm mit dem üblichen Einfallsreichtum aber er muss harte Schläge einstecken.

Dabei stellt sich – nicht zum ersten Mal – die Frage, ob es Rankin nicht ein wenig übertreibt. Zwei Gangsterbanden im Krieg: Das genügt ihm nicht. Er lässt auch noch die russische Mafia und die Yakuza mitmischen. Sicherlich ist das ein wenig zuviel des Schlechten. Allerdings muss man bewundert, wie Rankin seinen Rebus geschickt die verschiedenen Parteien gegeneinander ausspielen lässt. Am Ende siegt die Gerechtigkeit aber Rankin wäre nicht Rankin, würde er den Triumph nicht sogleich wieder relativieren: Die Macht kennt kein Vakuum, so lässt er Rebus sehr richtig sinnieren; dort wo sie verschwindet, strömt sie sogleich von außen nach. Obwohl die meisten Gangster letztlich auf der Strecke bleiben, wird Edinburgh dasselbe kriminelle Pflaster wie bisher bleiben.

Eindeutig überflüssig wirkt mit dem Fortschreiten der Geschichte der Handlungsstrang um Joseph Lintz. Rankin legt hier eine falsche Fährte, die ihm viel Raum für moralische Exkurse zum Thema Schuld und Sühne bietet. Gleichzeitig geht es um die Schuld derjenigen Regierungen, die einst zum Kampf gegen den Nationalsozialismus und seine Vertreter angetreten sind, aber später die »nützlichen« Nazis vor einer Bestrafung bewahrten, sie mit Geld und einer weißen Weste ausstatteten und beschützten – ein düsteres Kapitel, das noch heute sorgfältig unter den Teppich gekehrt bleibt. Dieses Thema böte Stoff für einen eigenen Roman. Hier wird es verheizt bzw. wirkt wie eine dieser peinlichen Gedenkaktionen, die sich bußfertige Gutmenschen gern ausdenken, ohne die eigentlich Betroffenen vorher zu fragen, ob ihnen dies Recht ist.

Flucht in die Abrechnung

Rebus als Rächer: Mit »Die Sünden der Väter« schlägt Verfasser Ian Rankin einen weiten Bogen zurück zum ersten Band der Serie. »Verschlüsselte Wahrheit« zeigte einen Rebus, dessen Dienstzeit in einer militärischen Spezialeinheit ihn psychisch schwer gezeichnet hatte. Wir erfuhren, dass Rebus in »schmutzigen« Guerillataktiken und zum Kampf gegen Terroristen ausgebildet wurde. Er versteht es also seinen Gegnern eine ungemütliche Zeit zu bereiten. Zu viele Zigaretten und noch mehr Alkohol haben Rebus’ körperliche Fitness zwar untergraben. An seiner Entschlossenheit selbst unter starkem Stress einen »Auftrag« durchzuziehen, konnte dies jedoch nichts ändern.

Dieses Mal ist Rebus sogar doppelt motiviert: Seine Polizeiarbeit ist ihm heilig, auch wenn er sie auf seine Weise erledigt und sich wenig um die Dienstvorschriften schert. Ganz besonders hasst er das organisierte Verbrechen in »seiner« Stadt. Mit »Big Ger« Cafferty hat er schon lange mehr als eine Rechung offen; die beiden liefern sich ein Katz-und-Maus-Spiel, das Rebus nie gewinnen konnte. Tommy Telford ist ebenfalls ein gefährlicher Verbrecher, den Rebus gern ausgeschaltet sähe. In dieser Verfassung kommt es ihm dann nicht mehr darauf an, sich auch mit der russischen Mafia und der Yakuza anzulegen.

In die Wut flüchtet sich Rebus vor allem deshalb, weil sein schlechtes Gewissen ihm zu schaffen macht. Sammy ist das Kind einer unglücklichen Ehe. Rebus und seine Frau waren zerstritten, er war zweifellos ein nachlässiger Vater, dessen Gedanken meist um den aktuellen Fall und kaum um seine Familie kreisten. Erst in jüngster Zeit bemüht sich Rebus seiner Tochter näher zu kommen. Jetzt droht sie zu sterben. Rebus projiziert das eigene Versagen auf Cafferty, Telford & Co. Außerdem sucht er sich eine »Ersatztochter«: Die junge bosnische Einwanderin Dunja wurde von Telford zur Prostitution gezwungen. Rebus nimmt sich ihrer an. Sie will er »retten«, was ihm bei Sammy misslungen ist. Selbstverständlich ist er hier auch nicht erfolgreicher.

Manche Leichen leben noch

Eher lästig ist Rebus dagegen die Beschäftigung mit dem Fall Joseph Lintz. Der Polizist repräsentiert hier die Mehrheit seiner Zeitgenossen, für die Ende des 20. Jahrhunderts die Nazis nur mehr Schauergestalten aus Geschichtsbüchern und Filmen sind. Rebus liest die Berichte über die Ermordung einer ganzen Dorfbevölkerung, an der Lintz sich beteiligt haben soll, aber das in Erfahrung Gebrachte berührt ihn zunächst nicht: Zu viel Zeit ist vergangen, Zeitzeugen gibt es kaum noch. Diese Haltung ist es, die für Lintz den besten Schutz bedeuteten: So lange er sich in seinem zweiten Leben nichts zuschulden kommen ließ, interessierte sich niemand für das erste. Darüber hinaus ist Lintz ein vornehmer, gebildeter Herr, der für sich einnimmt und mit dem Mörder von Einst nichts mehr gemein hat.

Aber einige Opfer der Nazis haben eben doch überlebt. Sie vergessen und vergeben nicht, weil sie das allgemeine Vergessen fürchten. Deshalb fordern auch Jahrzehnte nach dem Ende des Nazi-Terrors Gerechtigkeit. Nur widerwillig laufen die Mühlen des Gesetzes an; es gibt mehr als genug aktuelle Verbrechen, um die es sich zu kümmern gilt. Auch Rebus muss erst lernen, dass diese Vergangenheit nicht tot ist, weil sich die Sünden der Väter auf die Nachkommen der Täter und Opfer vererben können. Ob Lintz ein Schlächter war oder nicht, bleibt im Grunde Nebensache. Rankin lässt diese Frage daher offen.

Für Rebus erweist sich vor allem Dunja als Bindeglied zwischen den alten und neuen Schrecken. Auch die junge Frau ist ein Kriegsopfer: als bosnische Muslimin wurde sie während des Balkankriegs von »ethnischen Reinigungstruppen« – Mordkommandos – verfolgt. Auch nach dem Ende des Kriegs wagt sie nicht heimzukehren. Die Mörder sind weiterhin unter ihren Landsleuten. So wie Dunja erging es im nazideutsch terrorisierten Europa unzähligen Menschen. Ihr Schicksal ist zeitlos. Es führt Rebus vor Augen, was die Lintzes dieser Welt tatsächlich verbrochen haben. Zumindest in diesem Punkt »funktioniert« Rankins Lintz-Episode. Sie muss ihm wichtig gewesen sein, denn sie gab dem Buch seinen Originaltitel: »In a hanging garden / change the past / In a hanging garden / wearing furs and masks«, singen »The Cure« auf ihrem Album »Pornography« von 1982. Doch was geschehen ist bleibt geschehen und wird Teil der Gegenwart. Gleichgültig wie gut es getarnt wird: Irgendwann kommt es unbewältigt und mit ungebrochener Wucht wieder zum Vorschein.

 

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Pazuzu zu »Ian Rankin: Die Sünden der Väter« 19.11.2009
oops:

Unten steht:

"Man fühlt sich erinnert an Raymond Chandlers [i]Red Harvest[/i]."

Das muss natürlich lauten:

"Man fühlt sich erinnert an Dashiell Hammetts [i]Red Harvest[/i]."

Eine Korrekturfunktion habe ich noch nicht gefunden, sorry. Das merke ich auch an, damit ich auf mindestens 300 Zeichen komme.
Pazuzu zu »Ian Rankin: Die Sünden der Väter« 29.07.2009
Eigentlich soll Detective Inspector John Rebus nur einen emeritierten Germanistikprofessor überprüfen, der ein Naziverbrecher gewesen und mithilfe der Rattenlinie ein neues Leben angefangen haben soll. Doch dann rettet er der Zwangsprostituierten Candice alias Dunja aus Sarajewo das Leben und wird dadurch auf den Gangster Tommy Telford aufmerksam, der nach der Inhaftierung von Gangsterboss Cafferty mit seiner Gang in das Machtvakuum von Edinburgh vorgestoßen ist und mit Mädchen, Drogen, Glücksspiel und dem Verleih von Bodyguards sein Geld verdient. Rebus nervt Telford auf die ihm eigene Art, kurz darauf wird seine Tochter Sammy angefahren und fällt ins Koma. Ein Unfall oder eine Warnung? Rebus setzt alles daran, den Fahrer aufzuspüren und schließt einen gefährlichen Pakt mit Cafferty. Die Leichen auf Telfords und Caffertys Seite häufen sich, ein Bandenkrieg tobt. Man fühlt sich erinnert an Raymond Chandlers [i]Red Harvest[/i]. Aber Rankin zieht die Schraube weiter an, wirft noch zwei große Haie in den Teich, einen tschetschenischen (oder russischen?) Gangsterboss aus Newcastle und die Yakuza, die japanische Mafia. Der Germanistikprofessor hängt eines Tages tot an einem Baum auf dem Friedhof und Candice wird entführt. Alles scheint irgendwie mit allem zusammenzuhängen und doch wieder nicht.
Spannend und intelligent konstruierter Thriller mit überraschendem und erschreckendem Ende und doch mehr als ein bloßer Kriminalroman, denn Rankin versteht es, lebendige Charaktere zu schaffen und ihre Aktionen und Reaktionen in aktuellen gesellschaftlichen Verhältnisse zu verorten. Seine Hauptfigur, der einzelgängerische, zynische Rebus, gewährt einen tiefen Einblick in seine Abgründe, Defizite und neurotischen Manöver, um seine Ziele zu erreichen und Bedürfnisse zu befriedigen. Überzeugend zeigt er, dass Lüge, Täuschung und Irreführung kein Privileg der Kriminellen sind, sondern sich als Banalität durch den Alltag aller seiner Figuren zieht. Ein Rebus-Roman, der mir gut gefallen hat, weil Rankin mehr zu erzählen hat als eine bloße Kriminalgeschichte.
Kallisto73 zu »Ian Rankin: Die Sünden der Väter« 20.07.2008
Der Meinung von Jürgen L. kann ich mich nicht anschließen. Ich habe zwar die deutsche Ausgabe nicht gelesen, kann also zum deutschen Nachwort nichts sagen, aber man muß sich bewußt machen, daß Rankin auf Englisch für einen britischen Markt schreibt. Und in GB ist der 2.WK nicht präsent. Informationen darüber (bzw. alles, was über die Battle of Britain hinausgeht), werden in der Schule leider nicht wirklich behandelt. Das Wissen um Naziverbrechen ist mit "oh, there were concentration camps" meist schon erschöpft (ich lebte in GB jetzt in Irland, weiß also, wovon ich spreche).
Rankin versucht ja auch nicht, ein Buch über Naziverbrechen zu schreiben, sondern einen Vergleich über die zyklisch immer wieder auftretenden Kriegsverbrechen zu ziehen (2.WK, Balkankrieg, schließlich entstand das Werk in den 90igern). Die "rat line", die Menschenschmuggler und letztlich die japanische Yakuza, die alle in Schottland zusammenlaufen, soll einfach zeigen, daß Verbrechen schon immer pan- und transnational war.
JuergenL zu »Ian Rankin: Die Sünden der Väter« 17.05.2008
Der Klappentext macht richtig Lust auf dieses Buch. Die Enntäuschung kommt erst, wenn man sich durch die Inhalt kämpft. Die Naziverbrechen, spielen nur eine untergeordnete Rolle, haben mit dem Komplott überhaupt nichts zu tun. Dann meint der Autor auch noch im Nachwort, den Leser über den zweiten Weltkrieg aufkären zu müssen. Das ist so überflüssig, zumal das Buch ja sowieso sich nicht darum dreht.
Es geht nur um die Ganoven, die sich in Großbritannien breit schlagen wollen. Da haben wir die Russen, die japanische Mafia, Gangster 1: Telford, Gansgter 2: Mr. Pink Eyes: Gangster 3: Cafferty.
Ein Gangster schlägt den nächsten.
Eigentlich ist dies ein Gangster-Epos, sonst nichts.
Ich habe noch nie erlebt, dass ein Autor seinen Lesern, so viele Namen in einem Buch um die Ohren haut. Man hat als Leser, wenn man die vorhergehenden Krimis nicht gelesen hat, kaum eine Chance mitzukommen.und das ist schlecht! Herr Rebus hat mindestens 10 Menschen in seinem Arbeitsumfeld, die nicht näher beschrieben werden, sich dadurch dem neuen Leser auch nicht einprägen und somit für Verwirrung sorgen.
Zur Spannung: Das Ende ist nun wirklich alles andere als spannend. Rebus´ Theorie, die uns schon weit 100 Seiten vorher offenbart wird, bestätigt sich dann. Tolles Kino!!
Krimi-Blitz des Jahres hat dieses Buch in meinem Augen keinesfalls verdient.
Aber, Meinungen sind ja verschieden...

Liebe Grüsse
Heinrich zu »Ian Rankin: Die Sünden der Väter« 04.03.2007
Rebus mal nüchtern und Rankin in Hochform - ein hervorragendes Buch, das aber nur 100prozentig "funktioniert", wenn man die Vorgeschichte(n) der Figuren kennt
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
michaela zu »Ian Rankin: Die Sünden der Väter« 12.08.2006
Typischer Rankin. Super spannend und niemals langweilig. Aber sollten sie versuchen, das Buch einem Nichtleser in 20 min vorzustellen, werden sie scheitern. Die Figuren sind so kompliziert ineinander und in Handlungen verstrickt, dass es Stunden dauert, diese logisch zu erklären.
Andreas Theune zu »Ian Rankin: Die Sünden der Väter« 25.02.2006
Für mich ist "Die Sünden der Väter" der bisher beste Rebus Krimi den ich gelesen habe (und ich lese Rebus chronologisch). Wie immergelingt es Rankin wunderbar seinen Protagonisten interessant zu halten, indem ständig neue Katastrophen in seinem Privatleben auftreten. Rebus ist und bleibt mir einfach sympathisch und die selbstzweifel in seiner Vaterrolle werden toll thematisiert.

Diesmal stimmt aber auch der Spannungsbogen und der Fall. Was haben ein augenscheinlich harmloser Mann, der ein Altnazi sein soll und ein junger Gangsterboss gemeinsam? Anstatt wie in früheren Büchern viel zu konstruieren, bleibt die Zusammenführung der Fälle diesmal logisch und weiß zu gefallen.

Gesellschaftlich wird der Umgang mit Naziverbrechern nach dem 2. Weltkrieg in Schottland thematisiert. Auch das ist gelungen und wirkt nie aufgesetzt.
Rebus bleibt sich selbst treu, muss aber am Ende feststellen, dass Rache nicht immer der richtige Weg ist. Auch diese Auflösung gefällt mir sehr.

Ein ganz starker Roman, den ich jedem Rebus Fan und jedem der es werden möchte ans Herz legen möchte.
Ulli zu »Ian Rankin: Die Sünden der Väter« 22.02.2006
Irgendwie geht es nicht mehr ohne ihn, jeder Rebus-Krimi ist mittlerweile ein Nachhausekommen. Mag die Handlung noch so konstruiert klingen, sie geht doch immer in sich schlüssig auf und eigentlich geht es doch gar nicht mehr um den Krimi an sich, sondern einfach nur um Rebus. Jeder neue Krimi erzählt zu allererst von ihm, da könnte die Handlung auch weniger spannend sein. Was sie aber seltsamerweise nie ist.
Man müßte dieses gelegentlich politisch unkorrekte, taktlose Wesen namens Rebus eigentlich nervig finden, ähnlich den Menschen, die mit ihm in den Büchern zu tun haben, aber irgendetwas ist an ihm, daß man jeden Mucks von ihm mitbekommen möchte.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Mario zu »Ian Rankin: Die Sünden der Väter« 18.02.2006
Mit jedem Buch von Ian Rankin, welches ich lese, warte ich auf eine unterschwellige Langeweile, Ermüdung der Figur seines Hauptprotagonisten John Rebus oder einfach auf den Augenblick, in dem ich das Buch zur Seite lege und mir denke, jetzt reichts. Nichts davon tritt ein!!! Und jeder, der bisher (auch vergeblich) versucht hat, wenigstens einen passablen Krimi zu schreiben, weiß, wie schwer ein zweiter ist.
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