Die Sünden der Gerechten von Ian Rankin

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2011 unter dem Titel The impossible dead, deutsche Ausgabe erstmals 2011 bei Manhattan.
Ort & Zeit der Handlung: Großbritannien / Schottland, 2010 - heute.

  • London: Orion, 2011 unter dem Titel The impossible dead. 384 Seiten.
  • München: Manhattan, 2011. Übersetzt von Conny Lösch. ISBN: 978-3-442-54652-7. 511 Seiten.
  • [Hörbuch] München: Der Hörverlag, 2011. Gesprochen von Boris Aljinovic. ISBN: 3867178267. 6 CDs.

'Die Sünden der Gerechten' ist erschienen als Hardcover HörbuchE-Book

In Kürze:

Ihr jüngster Einsatz führt Malcolm Fox und sein Team von der »Abteilung für interne Ermittlungen« auf die Halbinsel Fife in das Küstenstädtchen Kirkcaldy. Dort wurde gerade der Polizist Paul Carter der Korruption schuldig gesprochen. Eine Routineuntersuchung soll nun den Ruf seiner Dienststelle wieder herstellen – ein Drahtseilakt für die internen Ermittler, die sich auf fremdem Terrain bewegen. Und dann wird der Mann, der das Verfahren gegen Paul Carter ins Rollen brachte, tot aufgefunden. Es ist Carters eigener Onkel. Als sich sein Freitod als Mord entpuppt, verübt mit einer Waffe, die es gar nicht geben dürfte, nimmt der Fall eine dramatische Wendung. Und plötzlich steht weit mehr auf dem Spiel als bloß der Ruf der Polizei. Malcolm Fox ermittelt im schottischen Hinterland. Wo man die Dinge im Stillen regelt und die Toten tief begraben liegen.

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Herr Lazaro zu »Ian Rankin: Die Sünden der Gerechten« 07.01.2012
Nun ist es also eine Serie. Man hat es ja schon im ersten Band "The Complaints" (dt. Ein reines Gewissen) geahnt, dass Rankin mit Malcolm Fox eine Nachfolger für John Rebus aufbaut. Nun hat er also seine zweiten Fall.Hierbei geht es um eine Überprüfung in fremdem Zuständigkeitsbereichen, denn die Polizeidirektion des Bezirks Fife hat die Kollegen von Lothian & Borders aus Edinburgh gebeten eine interne Ermittlung zu führen. Deshalb pendeln Fox und sein Team nun täglich von Edinburgh nach Kirkaldy. Hier gibt es nun die zu erwartenden Streitereien und das übliche Kompetenzgerangel, denn natürlich sind die Beamten der Beschwerdeabteilung bei den Kollegen in den Revieen vor Ort alles andere als beliebt und besonders die aus der Hauptstadt.
Und so füllt Rankin annähernd einhundert Seiten, ohne das etwas entscheidendes passiert, ja, es gibt noch nicht einmal einen richtigen Fall (im Sinne der Dramaturgie eines Kriminalromans) inn dem ermittelt würde.
So gesehen beginnt der Roman aüßerst zähflüssig, Spannung entsteht zumindest im ersten Drittel des Buches kaum.
Dafür nutzt Rankin den Platz, um die Figur Malcolm Fox dem Leser näher zu bringen und ihn ein wenig aus der Ecke "Rebus-Kopie" heraus zu holen. Dazu nutzt Rankin diverse Begegnungen mit sowohl der Schwester als dem Vater von Fox, ebenso wie Foxens Introspektive während er nach einer völlig aus dem Ruder gelaufenen Zeugenbefragung zu Fuß über die Firth of Forth Straßenbrücke läuft. Rankin treibt einigen Aufwand, die Figur Fox dem Leser näher zu bringen. Anscheinend hat er noch einiges mit Fox vor.
Der Fall selbst beginnt mit einem Todesfall, der von allen außer Fox als Selbstmord angesehen wird. Ein ehemaliger Polizeibeamter und jetziger Inhaber eines Sicherheitsdienstes wird erschossen mit der Waffe in der Hand in seinem Haus in der Nähe von Kirkaldy aufgefunden.
Aber Fox hatte am Tag vorher mit dem Mann gesprochen und ihm war der jetzt Tote keineswegs depressiv oder selbstmordgefährdet vorgekommen. Es gelingt Fox zu erfahren, woran der Tote zuletzt gearbeitet hatte, nämlich die Umstände eines ebenfalls fragwürdigen Selbstmords eines Anwalts und Aktivisten schottischer Separatisten vor zwölf Jahren. Während sein Team weiter an der Beschwerdesache arbeitet, seilt Fox sich zunehmend von dieser Arbeit ab und gräbt stattdessen nach weiteren Spuren in dem zwölf Jahre alten Todesfall und kann schließlich eine Zusammenhang zwischen diesem und dem aktuellen angeblichen Selbstmotd herstellen.
Der Roman entwickelt also durchaus im weiteren Verlauf eine gewisse Spannung, gleichwohl wirkt die ganze Geschicht doch sehr konstruiert und an einigen Stellen nicht unbedingt überzeugend. Rankin bleibt m.E. mit diesem Roman unter seinem gewohnten Standard.
Interessanter als die Beurteilung des Romans ist allerdings die Beobachtung, dass wohl auch Rankin selbst inzwischen gemerkt hat, dass sein Serienplot, nämlich die Hauptperson als Politei in der Polizei gegen die eigenen Kollegen ermitteln zu lassen, nicht für ein ganze Serie trägt. Schon in diesem zweiten Fall kümmert sich Fox kaum noch um seine eigentlichen Aufgaben, stattdessen macht er fast normale Polizeiarbeit, nur dass Fall in dem er ermittelt, nämlich der Selbstmord vor zwölt Jahren, gar kein Fall ist und Fox überhaupt keinen Auftrag für derartige Ermittlungen hat (inwieweit der Leser es glaubwürdig findet, dass Fox so weitgehende Ermittlungen in einem nicht existierenden Fall unternehmen kann, sei dahin gestellt).
Und so wird in Gesprächen am Rande der Handlung immer mal wieder eingeschoben, ob der Dienst bei den "Complaints" eigentlich "lebenslänglich" ist, oder Fox irgendwann wieder in den normalen Polizeidienst wechseln wird, und wie es ihm dann dort wohl ergehen wird. Wir dürfen also durchaus damit rechnen, dass, sollte Rankin an der Figur Malcolm Fox festhalten, dieser spätestens im übernächsten Roman wieder in regulären Dienst normale Verbrecher jagen wird.
Zusammengefasst: Ein durchaus guter und in der zweiten Hälfte spannender Kriminalroman, der aber nicht das gewohnte Niveau des Autors erreicht und auch deutliche Schwächen im Plot der ganzen Serie aufzeigt.
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