Der Mackenzie Coup von Ian Rankin

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel Doors Open, deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei Manhattan.

  • London: Orion, 2008 unter dem Titel Doors Open. ISBN: 978-0752890708. 260 Seiten.
  • München: Manhattan, 2009. Übersetzt von Giovanni Bandini & Ditte Bandini. 352 Seiten.
  • München: Goldmann, 2010. Übersetzt von Giovanni & Ditte Bandini. 384 Seiten.
  • [Hörbuch] Berlin: Der Audio Verlag, 2009. Gesprochen von Heikko Deutschmann. 4 CDs.

'Der Mackenzie Coup' ist erschienen als Hardcover HörbuchE-Book

In Kürze:

Der smarte Enddreißiger Mike Mackenzie langweilt sich. Als Software-Designer hat er ein Vermögen gemacht, das so enorm ist, dass keines seiner kostspieligen Hobbys auch nur im Geringsten ins Gewicht fällt. Nun ist er auf der Suche nach neuen Zerstreuungen und findet sie in der Welt der Kunst. Doch wenn man sich fast jedes Werk problemlos leisten kann, verliert das Sammeln rasch seinen Reiz – es sei denn, man wechselt die Seiten …Und so wird eines Whisky-seligen Abends eine Idee geboren, die endlich wieder für Nervenkitzel in Mikes Leben sorgt: In einem einzigartigen Coup soll die schottische National Gallery um einige ihrer wertvollsten Gemälde erleichtert werden. Mit von der Partie sind Allan Cruikshank, ein frustrierter Bankangestellter, der endlich einmal etwas Verrücktes tun möchte, und Robert Gissing, ein desillusionierter Kunstprofessor kurz vor der Pensionierung. Der Plan der drei Gentleman-Gauner geht tatsächlich auf – und doch geht alles schief. Denn einer der Herren hat ganz eigene Pläne …

Das meint Krimi-Couch.de: »Kunstraub als Freiheitskampf« 78°

Krimi-Rezension von Thorsten Sauer

Nach zwanzig Jahren wurde der einzigartige schottische Detective Inspector Rebus mit Ein Rest von Schuld in den (vorläufigen?) Ruhestand geschickt und die inzwischen beträchtliche Fangemeinde stellte sich die bange Frage: Was kommt jetzt? Diverse Presse-Meldungen verwirrten: Rankin sattelt um auf Comics (Hellblazer) oder er versucht sich an einer Oper (Libretto zu einer 15-Minuten-Operette gemeinsam mit anderen Autoren). Ist der Mann verzweifelt? Sicher nicht – aber möglicherweise gelangweilt vom eigenen Erfolg und auf der Suche nach dem künstlerischen Kick. Das zumindest wäre eine plausible Erklärung für das Sujet zu Der Mackenzie Coup. Diese gewagte These soll hier jedoch nicht weiter vertieft werden, daher die guten Nachrichten vorweg: Rankin bleibt dem Krimi treu und das Schreiben hat er – bei allen kritischen Tönen – noch nicht verlernt.

Der Coup als Kick

Auch das sind die Folgen der New-Economy-Blase: Da sitzt ein Mitdreißiger auf einem Vermögen, das er als spitzfindiger Software-Designer gemacht hat und was tut er? Er langweilt sich! Anstatt um den Globus zu jetten, und seine Kohle zu verschleudern, wie der ehemalige Mitstreiter, sitzt er in Edinburgh und kauft – ohne allzu große Leidenschaft – teure Gemälde. Es fehlt der Nervenkitzel, das Adrenalin, das die Dot-Com-Zeit ausgemacht hat.

Unverhofft steht da plötzlich die buchstäbliche Schnapsidee (in Schottland müsste es standesgemäß eigentlich Whisky-Idee heißen) seines alten Kumpels Professor Gissing im Raum, man solle die unzähligen eingelagerten Gemälde der Schottischen National Gallery, die nie die Chance auf eine ordentliche Ausstellung hätten, »befreien«. Kunstraub als Robin-Hood-Tat sozusagen. Mackenzie und sogar der dritte im Bunde, der eher zögerliche Banker Allan Cruickshank sind begeistert vom vermeintlichen Gedankenspiel des kurz vor der Pensionierung stehenden Kunst-Professors. Doch schnell wird klar, dass der alte Professor nicht nur eine Idee, sondern auch einen ausgefeilten Plan samt dem nötigen Insiderwissen mitbringt. Das setzt eine Spirale in Gang, an deren Ende Yuppies zu Kunsträubern, gescheiterte Kunststudenten zu Meisterfälschern und ein gestandener Mafiaboss zum Lehrmeister in Sachen organisiertes Verbrechen werden.

Es gibt ein Leben nach John Rebus …

...aber es ist lange nicht so glänzend wie die gute alte Edinburgher Zeit. Zu sehr spürt man beim Lesen des ersten Werks der »Post-Rebus-Phase« das Vakuum, das die fehlenden Stammfiguren um Rebus und Clarke verursachen, und das Rankin noch nicht wieder vollständig auffüllen konnte.

Trotzdem, die alten Stärken sind erhalten geblieben: verschrobene Charaktere, denen Rankin clevere Dialoge in den Mund legt, kombiniert mit einer einfallsreichen Story. Nur bleibt er in allem ein wenig hinter dem gewohnten Niveau zurück. Die schmutzige Authentizität der Edinburgher Großstand, die intelligenten Dialoge und die teilweise bizarr verstrickte Story finden sich in Der Mackenzie Coup nur in Ansätzen.

Rankin hat sich für eine leichte Gaunergroteske entschieden, die über weite Strecken an Ocean´s Eleven erinnert. Doch die Atmosphäre von Der Mackenzie Coup hat mit Ocean´s Eleven so viel zu tun, wie die glitzernde Spielerstadt Las Vegas mit dem schmutzigen Charme der schottischen Großstadt. Rankins Gauner sind nicht schön, smart und »ehrbar«, sondern hinterhältig, feige und stets auf den eigenen Vorteil bedacht. Leider sind sie aber auch eine Spur zu schusselig geraten, um wirklich glaubhaft zu wirken. Die Amateur-Kunsträuber verplappern sich bei nahezu jeder sich bietenden Gelegenheit und der große Mafiaboss gibt ein derart dankbares Beschattungsziel für die Ermittler ab, dass sich John Rebus ungeniert durch sämtlich Bars der Stadt hätte saufen können, ohne die Spur des Gangsters zu verlieren. Doch offensichtlich hat die Edinburgher Polizei ein echtes Nachwuchsproblem und so kann der bunt zusammengewürfelte Kunsträuber-Haufen bis zum Showdown munter die haarsträubendsten Anfängerfehler begehen.

Der Wandel der drei zentralen Figuren von unbescholtenen aber gelangweilten Durchschnittstypen zu Kunsträubern ist interessant und, soweit es die Dialoge betrifft, gut geschrieben und von daher unterhaltsam. Die Entwicklung der Figuren ist Rankin dagegen etwas zu schwach geraten. Viel zu schnell wird aus dem schottischen »Rat-Pack« ein Nervenbündel und aus dem Jahrhundert-Coup ein Fiasko. Hart an der Grenze zur Persiflage wandelt Rankin da, ohne sich wirklich zu einer Satire auf Ocean´s Eleven durchringen zu können. Übrig bleibt eine leichte, unterhaltsame Geschichte mit spannenden und teilweise humorigen Wendungen, deren Komplexität jedoch bei weitem nicht an das heran reicht, was Fans aus den vergangenen zwanzig Jahren gewohnt sind.

Es geht auch ohne Rebus und ein durchschnittlicher Rankin ist immer noch lesbar, aber Der Mackenzie Coup ist eben kein Souvenir des Mörders.

Thorsten Sauer, August 2009

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Eva zu »Ian Rankin: Der Mackenzie Coup« 31.08.2017
Kann man lesen - muss man aber nicht. 50 Grad. Das Buch braucht lange, bis es wirklich in Schwung kommt. Stellenweise ist es wirklich unterhaltsam. Allerdings ist es voll mit Widersprüchen. Und auch das Ende ist komplett offen. Das war mein erster Rankin und ich bin mir wirklich nicht sicher, ob ich noch einen lesen muss.
Aeneas zu »Ian Rankin: Der Mackenzie Coup« 20.01.2015
Für meinen Geschmack bewertet der Autor seinen eigenen Plot etwas zu häufig als genial (wenn auch in den Dialogen der Protagonisten). Ich möchte selbst beurteilen, ob ich den Coup genial finde - und ich finde ihn eher an den Haaren herbeigezogen. Ich bin auch nicht sicher, ob es Absicht oder Planungsmängel sind, wenn lange Zeit nicht klar wird, wie der Coup eigentlich durchgezogen werden soll.
Und wenn sich die chemischen Eigenschaften von Ölfarben seit meiner Studienzeit nicht radikal geändert haben, dann dürfte man kaum ein 24-Stunden-frisches Ölgemälde als alt ausgeben... und alle Beteiligten dürften frische Farbspuren an den Fingern haben!
Insofern stimme ich meinen Vorrednern zu: unterhaltsam, aber nicht brillant; zu wenig überzeichnet, um wirklich komisch zu sein, aber auch zu absurd, um ernst genommen zu werden.
mezzebill zu »Ian Rankin: Der Mackenzie Coup« 04.09.2009
Für mich eine gelungene Gaunerkomödie - wenn man/frau sie "unvoreingenommen" lesen kann. All diese Schusseligkeit (bei den Gentlemen und bei den Gaunern) - für mich nicht überzeichnet, denn wie ist es sonst zu erklären, dass so viele "Täter" überführt werden.
Ein ganz anderer Rankin - aber sehr lesbar.
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