Der diskrete Mr. Flint von Ian Rankin

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1988 unter dem Titel Watchman, deutsche Ausgabe erstmals 2006 bei Manhattan.

  • London: Bodley Head, 1988 unter dem Titel Watchman. 192 Seiten.
  • New York: Doubleday, 1991. 175 Seiten.
  • München: Manhattan, 2006. Übersetzt von Claus Varrelmann. ISBN: 978-3-442-54623-7. 352 Seiten.
  • München: Goldmann, 2008. Übersetzt von Claus Varrelmann. ISBN: 978-3-442-46147-9. 349 Seiten.
  • [Hörbuch] Köln: Random House Audio, 2006. Gesprochen von Heikko Deutschmann. 6 CDs.
  • [Hörbuch] Köln: Random House Audio, 2010. Gesprochen von Heikko Deutschmann. ISBN: 3837104451. 6 CDs.

'Der diskrete Mr. Flint' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Miles Flint arbeitet für den britischen Geheimdienst MI5. Sein Job besteht darin, Menschen zu observieren, ihnen unauffällig zuzuhören und dann Bericht zu erstatten. Miles liebt diese Arbeit, die ihm Einblick in die privatesten Momente seiner Opfer gewährt. Doch nun sind ihm kurz hintereinander zwei Fehler unterlaufen, einer sogar mit tödlichen Folgen, und seine Vorgesetzten verlieren langsam die Geduld. Miles bekommt noch eine letzte Chance, sich zu rehabilitieren: In Belfast soll er die Verhaftung mehrerer IRA-Terroristen begleiten – eine scheinbar harmlose Operation, die sich jedoch als Falle entpuppt. In letzter Sekunde kann Miles entkommen und kämpft ab jetzt nicht nur um sein Leben, sondern auch darum, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Die Spur führt zu Verrat in den eigenen Reihen, zu einem Auftragsmord, der bereits viele Jahre zurückliegt, zu Erpressung und blutiger Rache. Und der bislang unsichtbare Mann im Hintergrund muss endlich handeln, wenn er überleben will …

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein Wurm krümmt sich und wird zur Giftschlange« 80°

Krimi-Rezension von Michael Drewniok

Miles Flint ist wahrlich ein diskreter Mann. Privat lebt mit seiner Gattin zurückgezogen und begeistert sich für Käfer, beruflich ist er in London für das Außenministerium tätig. Letzteres ist aber eine Lüge, denn tatsächlich arbeitet Flint für den Geheimdienst MI5. Auch hier hat er eine ruhige Nische gefunden und beobachtet potenzielle Staatsfeinde, wenn ihm dies aufgetragen wird. Gefährlich ist das kaum, denn allzu wichtige Aufträge werden Flint nicht übertragen. Dennoch liebt er seinen Job, der ihm Einblicke in das Leben fremder Menschen ermöglicht.

Die träge Routine wird unterbrochen, als ein möglicher Terrorist aus dem Nahen Osten erst einer Observation entwischt und später mit abgetrenntem Haupt aufgefunden wird. Flint war verantwortlich und wird von seinen Vorgesetzten heftig kritisiert. Er will sich rehabilitieren und beginnt zu argwöhnen, dass seine Abteilung von einem »Maulwurf«, der für den Feind arbeitet, infiltriert ist. Offenbar will ihm jemand schaden und dadurch von eigenen Aktivitäten ablenken.

Der Verdacht bestätigt sich, als Flint erneut versagt: Man manipuliert ihn. Der in die Enge getriebene Agent erwacht aus seiner Lethargie und verstärkt seine Nachforschungen. Seine Gegner sitzen in der Tat im eigenen Haus, und dort in hohen Positionen. Deshalb sitzt Flint eines schlechten Tages sitzt Flint in einem Flugzeug nach Nordirland. Dort soll er als »Beobachter« an einem geheimen englisches Unternehmen gegen die IRA teilnehmen. Dass man ihn auf ein Himmelfahrtskommando geschickt hat, wird ihm spätestens dann klar, als seine »Kameraden« ihn zusammen mit den »Terroristen« umlegen wollen. Flint kann in letzter Sekunde entkommen und beschließt zurückzuschlagen, direkt in die Höhle des Löwen zu stürmen und sich an denen zu rächen, die ihn als Sündenbock missbrauchen wollten …

Spionagethriller mit vielen Klischees …

In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre war Ian Rankin noch weit von jeglichem schriftstellerischen Ruhm entfernt. Wie er selbst in einem interessanten Nachwort (entstanden zur Neuausgabe von Mr. Flint im Jahre 2003) beschreibt, setzte ihn sein Verleger sogar vor die Tür, als sich Watchman als ziemlicher Ladenhüter erwies.

Rankin hatte sich offenbar für allzu ausgefahrene Geleise entschieden. Er schrieb eine Geschichte, die dort im Geheimdienstmilieu spielte, wo es ganz besonders schmutzig war. Inspiriert hatten ihn die Meister dieses Genres, über denen Landsmann John le Carré bekanntlich damals wie heute turmhoch thront. Vielleicht hatte sich Rankin übernommen, denn solche Agentenränken wollen sehr sorgfältig komponiert sein. Gesprächsduelle auf mehreren Ebenen – Spione denken stets um mindestens eine Ecke – führt auch Der diskrete Mr. Flint, doch raffiniert kann man sie nicht nennen.

Viele Aspekte, die Rankin dem Geheimdienstalltag unterstellt, waren auch 1988 schon zum Klischee geronnen. Paranoia regiert, wobei die eigenen Kollegen gefährlicher oder heimtückischer sind als der »Feind«. Jeder bespitzelt jeden, Doppel- und Dreifachagenten treiben ihre verräterischen Spielchen, innerhalb des Geheimdienstes gibt es geheime Zirkel, vor lauter Intrigen kommt man kaum zum Spionieren, Macht wird primär zum eigenen Vorteil eingesetzt, und immer kommt der Moment, in dem sich Freund und Feind, Agent und Terrorist nicht mehr voneinander unterscheiden lassen.

 …und einigen guten Einfällen

Besagter Feind lauert hier nicht in Moskau (Mr. Flint spielt vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion), sondern im – scheinbar – eigenen Land; Rankin legt schon zu diesem frühen Zeitpunkt seiner Karriere gern den Finger in Wunden, die von einem rechtlich wie moralisch verrottenden Regierungs- und Justizapparat gerissen werden. Der brutale Bürgerkrieg in Nordirland erlebte Ende der 1980er Jahre einen neuen Höhepunkt, der die Gewalt bis ins ferne London trug, wo die IRA eine Reihe verheerender Bombenanschläge verübte. Aus Rankins Sicht ist der Kampf zwischen Regierung und Rebellen längst zu einer sich selbst in Gang haltenden Blutfehde entartet, die auf die völlige Vernichtung des jeweiligen Gegners zielt. Diesen Punkt vermag er überzeugend in Worte zu fassen. Loben muss man ihn außerdem für die Auflösung seines Plots: Wer noch an hehre Motive der Beteiligten gehofft haben sollte, wird endgültig desillusioniert. Spione sind nicht nur Menschen, sondern können ganz simple Kriminelle sein.

Die Plotmaschine mag manchmal etwas stottern, aber Mr. Flint besitzt Qualitäten, die dies ausgleichen. Der junge Ian Rankin mag es nicht langsam angehen. Er setzt zügig ein und steigert das Tempo ständig. Actionszenen kommen ab dem zweiten Großkapitel – insgesamt gliedert sich das Buch in drei Abschnitte, die in London, Nordirland und wieder in London spielen – hinzu: Schießereien, Verfolgungsjagden, die große Schlussabrechnung. Auf dieser Ebene bietet Mr. Flint den Lesespaß eines straffen, schnörkellosen Thrillers. Als es dann zurück nach London geht, irritiert die Leichtigkeit, mit der Einzelkämpfer Flint die kunstvoll gesponnenen Fäden zerreißt, die ihn zuvor schier rettungslos banden. Aber inzwischen hat man es begriffen: Der diskrete Mr. Flint mag zwar von John le Carré oder Graham Greene inspiriert sein, ist aber kein im realen Spionagemilieu geerdeter Roman, sondern wurzelt eher im Film, zu dem das absolut unrealistische Happy-End perfekt passt.

Ein Einfaltspinsel kommt auf Touren

Der diskrete Mr. Flint ist sowohl ein Agententhriller als auch eine »Coming-of-Age«-Story. Sie erzählt nicht vom Erwachsenwerden des Miles Flint, sondern vom Erwachen eines träge gewordenen Mannes, der seinem wenig glamourösen Job nachgeht, über eine Beförderung längst nicht mehr nachdenkt und als »Beobachter« vor allem seinen heimlichen Drang zum Voyeurismus auslebt. Auch privat herrscht Totenstille; die Ehe ist zur Routine geworden, die Gattin langweilt sich, weil Miles Elan höchstens noch als Käfersammler entwickelt. (Sie hat ihm eine Zoo-Patenschaft für einen Mistkäfer geschenkt – der trockene Rankin-Humor funktioniert schon prächtig; in seinen John-Rebus-Romanen wird er ihn perfektionieren.)

Wie sich das ändert und Miles Flint sich vom hilflosen Sündenbock zum Rächer in eigener Sache entwickelt, bildet neben der eigentlichen Agentengeschichte eine zweite Handlungsebene. Das Konzept ist klar, aber es wird vom Verfasser wiederum ein wenig ungeschickt umgesetzt. Aus Miles, dem Weichei, wird gar zu abrupt Flint, der Vorstadt-James-Bond. Die Veränderung erscheint dem Leser nicht logisch und kann schwer nachvollzogen werden, obwohl Rankin durchaus nicht mit Hinweisen spart, die schon früh andeuten, dass mehr an diesem Miles Flint sein könnte, als seine Kollegen, Vorgesetzten und die Leser ahnen.

Miles Flint, der Ehemann und Vater, soll der Figur Tiefe und »Seele« verleihen. Diese Rechnung geht nur bedingt auf; was sich im Privatleben des gejagten Agenten abspielt, schmeckt zu deutlich nach Seifenoper. In den Rebus-Romanen der späteren Jahre zeigt Rankin, wie sich Privates und Berufliches perfekt in eine integrale Handlung einfließen können.

Freund und Feind als doppelter Gegner

Die »Kollegen« von Miles Flint im MI5 werden unter Rankins Feder zu Gegnern, die man seinem ärgsten Feind nicht wünscht. Sie wurden in der Regel direkt von der Universität in den Geheimdienst gelockt. Welche Folgen ihre Tätigkeiten in der realen Welt zeitigen, wissen sie nicht, und es interessiert sie auch nicht. An ihren sicheren Schreibtischen hecken sie Pläne aus, die an der »Front«, die sie nie sehen, Menschenleben kosten. Auch für Flint ist der Job lange ein »Spiel«, das ihm die Möglichkeit gibt, Mitmenschen zu belauschen, zu beobachten, zu bespitzeln: Als Agenten sind ansonsten kleine Geister wie Götter, die auf Ameisen herabschauen. Daran berauschen sie sich, und bald fühlen sie sich den Gesetzen, die nur für »normale« Menschen gelten, entrückt.

Was sie als Rädchen im Getriebe des Geheimdienst-Maschinerie anrichten, erfährt Miles Flint erst, als er in Irland Will Collin kennenlernt. Dieser kennt beide Seiten und hat keinerlei Illusionen mehr: Sowohl die Engländer als auch die Iren haben ihn als Mörder missbraucht. Auch Flint bildet keine Ausnahme. Als er seine Chance erkennt, baut er Collin eiskalt in seine Pläne ein. So bereitet Rankin auch seinen zynischen Schlussgag vor: Als Collin, der nur noch aussteigen will, von Flint verlassen seinen Tod erwartet, »rettet« ihn eine neue Gruppe im »Großen Spiel« der Spione, die ihn zu neuen Gräueltaten zwingen wird. Ein glückliches Ende gibt es nur für Flint, doch auch der muss sich fragen, ob man sich eines Tages an ihn erinnern und ihn eliminieren lassen wird: Den Geheimdienst verlässt man ebensowenig wie die Mafia. Das hat Miles Flint endlich begriffen, und der Leser glaubt es ihm.

Exkurs: Zwischen Himmel und Erde – das Paperback

Niemand braucht es, niemand liebt es, doch die Verlage setzen diesen Zwitter aus gebundenem und Taschenbuch gern ein, denn er signalisiert äußere und suggeriert innere Größe und verleitet dadurch womöglich jene Leser zum Kauf, denen ersteres zu kostspielig und letzteres nicht seriös genug erscheint. Seltsames Denken, denn auch Der diskrete Mr. Flint zeigt in seiner deutschen Erstauflage ganz offen das Paperback als faulen Kompromiss. Obwohl Ian Rankin inzwischen auch in Deutschland seinen festen Leserstamm hat und seine beliebten Romane um John Rebus zunächst gebunden erscheinen, wagte man dies mit dem unbekannten Der diskrete Mr. Flint offensichtlich nicht. Ein schnödes Taschenbuch sollte es aber auch nicht werden, denn sicherlich würden besagte Leser neugierig einige Euro mehr zahlen – fünf oder sechs Euro übrigens, wenn man mit den Taschenbuchausgaben der Rebus-Romane vergleicht. Mr. Flint ist freilich – Rankin spricht es in seinem Nachwort selbst an – ein recht kurzer Roman, der eigentlich kein Paperback füllen kann. Also »bläst« man ihn auf, verwendet eine Schriftgröße, die auch die Kurzsichtigen unter uns ohne Brille lesen können, und lässt zwischen den Zeilen so viel Raum, dass auch größere Exemplare der von Miles Flint so geliebten Käfer zwischen ihnen krabbeln könnten, ohne mit Kopf oder Bauch anzustoßen. 350 Seiten Papier mit erstaunlich geringem Druckerschwärzegehalt ergibt das; die Rechnung zahlt der Leser, und der ärgert sich über solche Beutelschneiderei. (Es sei denn, er oder sie bringen die Geduld auf,  Mr. Flint als Taschenbuch zu erwarten.)

P.S.: Ausführlich diskutieren ließe sich natürlich die Frage, wieso ein zwar unterhaltsames aber sicherlich nicht bemerkenswertes Frühwerk wie Der diskrete Mr. Flint so pompös auf den deutschen Buchmarkt geworfen wird, während nach wie vor richtig gute Romane zugunsten normierter Möchtegern-Krimileins aus Skandinavien oder kitschiger »Lady-Thriller« aus England ignoriert werden. Aber das ist eine andere, traurige Geschichte …

Michael Drewniok, Februar 2007

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Marv zu »Ian Rankin: Der diskrete Mr. Flint« 26.04.2010
Wollte man "Der diskrete Mr. Flint" mit einem Wort beschreiben, dann dürfte 'Paranoia' der Schlüsselbegriff sein. Jeder verdächtigt jeden ein Doppelagent zu sein, überall wird eine Intrige gesehen, an jedem Ort werden Wanzen vermutet. Dementsprechend ist wohl auch die Hauptfigur ein Käferliebhaber.
Der Roman soll das 'echte' Agentenleben beschreiben, dennoch mutet er eher als Seifenoper an. Dies betrifft sowohl die private Seite von Flint als auch seinen Wandel vom grauen unsichtbaren 'Beschatter' zum aktiven Manipulator, der alle Fäden in den Händen hält.
Dennoch ist das Ganze kurzweilig geschrieben und stellenweise durchaus spannend. Dennoch kein grosser Wurf und gegenüber der Rebus-Reihe ein eher schwächerer Roman.
Ulli-und-keine-5-Tage zu »Ian Rankin: Der diskrete Mr. Flint« 22.10.2008
Man muß sich beim Lesen darüber klar sein, daß dies ein früher Rankin ist und man somit keinen Rebus und erst recht keinen Rebus, wie man ihn heute kennt, erwarten kann.Läßt man also diesen Balast bei Seite, flutscht man durch die Seiten. Das Buch ist kurzweilig geschrieben, mal etwas lakonisch, meist einfach nur spannend.Kein Buch, das die Masse überragt, aber immer noch besser als vieles andere auf dem Markt.
tieftag88 zu »Ian Rankin: Der diskrete Mr. Flint« 01.07.2007
Wer John Rebus mag, der kommt an diesem Frühwerk von Ian Rankin nicht vorbei, dachte ich, wie viele andere auch.
Trotz geringerer Erwartungen war ich von dem Thema und der fehlenden Spannung etwas enttäuscht.
Wie vom Vorgänger schon bemerkt, es ist das Geld kaum wert, unbedingt gebraucht kaufen und möglichst wieder verkaufen.

Im Gegensatz zu John Rebus, alle Bände stehen iaufgereiht und wurden schon mehrfach wieder gelesen.
beowulf zu »Ian Rankin: Der diskrete Mr. Flint« 26.08.2006
Ich schreibe meine Rezensionen im allgemeinen recht direkt nach dem Lesen, im Eindruck des Buches als Stimmungsbericht. Hier habe ich richtig zu kauen.

Eigentlich würde ich dieses Buch jetzt gerne loben und empfehlen, auf der anderen Seite fühle ich mich abgezockt. Broschiert kostet das Buch 14.95 €, 10 € sind in solchen Aufmachungen üblich, ich habe auch schon mal 12 € bezahlt und bei 10 € hätte ich mir diesen Vorspruch gespart, ber 50% für den Autorennamen eines wiederaufgelegten Buches aus dem letzten Jahrtausend (Erstveröffentlichung in GB 1988 ) fast 50% Aufschlag zu bezahlen - das war es einfach nicht wert.

Das Zitat am Anfang des Covertextes "ein bisher unveröffentlichter Roman" stimmt für Deutschland wenigstenst, da die Times dahinter als Quelle angegeben wird, wird dem unkundigen Leser zunächst, wenn er nicht den hinteren Klappentext liest, suggeriert er halte tatsächlich ein unveröffentlichtes Werk in der Hand.

Also mal das Fazit vorweg: Kauft dieses Buch gebraucht, leiht es aus, lest es irgendwie ohne dem Verlag Geld zukommen zu lassen- aber lest es!

Zum Buch:

Ian Rankin´s zweites Buch aus dem Jahre 1988 wurde 2003 in GB wiederveröffentlicht und erschien jetzt auch auf Deutsch. Es handelt sich eindeutig um ein Frühwerk, man bemerkt bereits alle Fähigkeiten des Autors, die die John Rebus Krimis heute für Fans so lesenswert machen. Die Atmosphäre ist dicht, die Personen sind stimmig und hervorragend ausgearbeitet, besonders der Entwicklung seiner Figuren in der Geschichte widmet sich Rankin hervorragend. Der Hauptort ist London, der Showdown spielt aber doch wieder in Edinburgh, Rankin´s schottischer Heimat. Der Protagonist ist verdrängter Schotte. Alles dies bietet uns Rankin bereits in guten Ansätzen, wie ein noch nicht geschliffener Diamant, deshalb hat die Story an manchen Stellen halt Haken, werden Stränge nicht logisch zusammengeführt, Der Spannungsbogen wird ordentlich und langsam aufgebaut und führt auf einen Höhepunkt mit letztlich offenem Ende zu. Gut, aber nicht hervorragend gemacht.

Allzuviel mehr als den Covertext sollte man über den Inhalt nicht verraten. Ein desillusionierter (Rebus lässt grüssen), an Eheproblemen leidender Beobachter- Spion des britischen Geheimdienstes MI5 wird durch Umstände, die er nicht durchschaut, sondern erlebt und auf der Suche nach dem "Warum geschieht das mit mir?" gezwungen vom unsichtbaren Beobachter zum aktiven Ermittler zu werden und sich zu exponieren und sich zu entscheiden, wo stehe ich eigentlich. Der 1986 (als das Buch geschreiben wurde) sehr aktuelle Nordirland IRA Terror spielt eine Rolle und wie Ian Rankin in seinem Nachwort sagt, wirkt das Buch heute wirklich schon ein bischen wie ein historischer Roman " niemand hat ein Handy und Miles hat nicht mal einen Computer".

In seinem Nachwort erklärt Rankin auch die Entstehungsgeschichte (witzigerweise hat er dieses Buch über einen Helden mit Eheproblemen in den FLitterwochen geschrieben) und dabei wird man dann doch erneut ärgerlich, es ist kaum glaubhaft, dass ein Autor schreibt sein erstes Buch (auf Deutsch: Verborgene Muster), das vor diesem Buch bereits erschienen war, handele von einem desillusionierten Dedektivinspector, dieses von einem desillusionierten Spion. Es sind mittlerweile 15 Romane mit der Figur des John Rebus erschienen, im ersten Band war der spätere nie beförderte DI noch Detektive Constable.

Fazit erneut: Ein spannendes und lesenswertes Frühwerk, für des man John Rebus nicht kennen muß, aber keine 15 € dafür ausgeben!

aus meiner Rezi bei den Büchereulen, hier bewertet mit 70 Punkten
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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