Die makellose Täuschung von Iain Pears

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2000 unter dem Titel The Immaculate Deception, deutsche Ausgabe erstmals 2004 bei Droemer Knaur.
Ort & Zeit der Handlung: Rom, 1990 - 2009.

  • New York: Scribner, 2000 unter dem Titel The Immaculate Deception. 221 Seiten.
  • London: HarperCollins, 2000. 282 Seiten.
  • München: Droemer Knaur, 2004. Übersetzt von Klaus Fröba. ISBN: 3-426-61969-5. 330 Seiten.
  • München: Knaur, 2006 Diabolische Täuschung. Übersetzt von Klaus Fröba. Vollst. Taschenbuch-Neuausgausgabe. ISBN: 978-3-426-63426-4. 330 Seiten.

'Die makellose Täuschung' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Aus einer Ausstellung in Rom wird ein Landschaftsgemälde entwendet, eine wertvolle französische Leihgabe. Der Fall ist politisch prekär, und Flavia di Stefano, Dezernentin für Kunstraub, soll ihn lösen, ohne Aufsehen zu erregen. Ihr alter Mentor General Bottando, an den sie sich hilfesuchend wendet, warnt sie vor unheilvollen Konsequenzen, verspricht aber zu helfen – über die Herkunft eines Gemäldes der Unbefleckten Empfängnis an der Wand seines Wohnzimmers will er jedoch keine Auskunft geben …

Das meint Krimi-Couch.de: »Typischer Italien-Krimi eines Engländers« 65°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Flavia di Stefano, die das Dezernat für Kunstkriminalität leitet, wird zum Ministerpräsidenten zitiert, was sie sehr nervös macht. Denn ihr alter Mentor Bottando sagt, »eine Begegnung mit einem Politiker kann einem den ganzen Tag versauen, eine Begegnung mit einem Minister die ganze Woche und eine Begegnung mit einem Ministerpräsidenten sogar das ganze Leben.«

Der Auftrag, den Flavia vom Ministerpräsidenten erhält, versetzt sie in ein Dilemma. Aus der staatlichen Kunstgalerie wurde am hellichten Tag ein Gemälde gestohlen. Mit einer Spielzeugpistole zwang der Dieb die Mitarbeiter des Museums zur Herausgabe des Bildes und hinterlies als Markenzeichen eine Schachtel belgischer Pralinen. Da es sich bei dem Gemälde um eine Leihgabe aus Frankreich handelt, muß unbedingt Stillschweigen gewahrt werden, das Verbrechen darf nicht an die Öffentlichkeit gelangen. Dem Staat ist es verboten, ein Lösegeld zu zahlen und so steckt Flavia in einer Klemme.

Anhand der Pralinen kann Bottando, den man kurz vor seiner Pensionierung auf ein Abstellgleis die Treppe hoch befördert hat, den Täter als Maurizio Sabbatini identifizieren. Der Verbrecher meldet sich schließlich und verlangt 3 Millionen Euro für die Herausgabe des Bildes. Wie durch ein Wunder erhält Flavia sofort ein Paket, in dem sich genau 3 Millionen Euro befinden. Wer es ihr zugespielt hat, damit wird sie sich später befassen. Flavia und Bottando fahren gemeinsam zur Geldübergabe, Bottando möchte jedoch gerne das Lösegeld selber übergeben, um Flavia nicht in Gefahr zu bringen.

Wenig später wird der mutmaßliche Erpresser tot aufgefunden, als er bei einer künstlerischen Performace in seinem eigenen Gips erstickt. Groß ist Flavias Überraschung, als die Autopsie ergibt, dass der Täter zum Zeitpunkt der Lösegeldübergabe bereits tot gewesen sein muß.

Flavias Ehemann Jonathan Argyll ist derweil damit beschäftigt, Erkundigungen über ein unbekanntes Bild einzuziehen, das Bottando in seinem Wohnzimmer hängen hat. Als Geschenk zu dessen bevorstehender Pensionierung möchte er ihm eine Ausarbeitung über Herkunft und Geschichte des Gemäldes überreichen.

Der Engländer Iain Pears schreibt ebenso Italien-typische Kriminalromane wie die Amerikanerin Donna Leon oder auch der Deutsche Veit Heinichen. Korrupte Politiker, Vertuschung von Skandalen und die Unmöglichkeit, die Großen und die Reichen für ihre Verbrechen belangen zu können, diese Themen belasten nicht nur Commissario Brunetti, sondern auch Pears’ Protagonistin Flavia di Stefano. Und ebenso wie bei Brunetti und seiner Frau Paola führen auch Jonathan Argyll und Flavia eine harmonische Ehe und bereichern mit dem Sprachwitz ihrer Dialoge das Geschehen.

Die Belange des Ehepaars in diesem Buch sind unterschiedlich, und so wechselt Ort und Handlung dss Geschehens auch kapitelweise ab. Mal dürfen wir Jonathan beobachten, dann begleiten wir wieder Flavia. Daß jedoch die beiden voneinander unabhängigen Handlungsstränge keine gemeinsame Verbindung haben, glaubt wohl nur ein Krimi-Greenhorn.

Pears hat einen flüssigen gut lesbaren Schreibstil und schafft durch gute Beschreibung der Schauplätze eine angenehme Atmosphäre. Thematisch befindet er sich mit Kunstkriminalität etwas abseits vom Mainstream, was für ein wenig Abwechslung sorgt. Leider lässt Pears dabei die Spannung ziemlich vermissen.

Die Lösung des Falles führt weit in die Vergangenheit und ergibt sich weniger aus logischen Schlussfolgerungen als aus Intuition. »Die makellose Täuschung« ist zwar nicht unbedigt der große Knaller, doch Iain Pears allemal eine gute Alternative für Fans von Leon oder Nabb.

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