Zwei Tote im Fluss von Iain McDowall

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 unter dem Titel Killing for England, deutsche Ausgabe erstmals 2007 bei dtv.
Folge 4 der Jacobson-und-Kerr-Serie.

  • London: Piatkus, 2005 unter dem Titel Killing for England. 384 Seiten.
  • München: dtv, 2007. Übersetzt von Werner Löcher-Lawrence. ISBN: 978-3423210041. 384 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Hoffmann & Campe, 2008. Gesprochen von Herbert Schäfer. ISBN: 3-455-30612-8. 2 CDs.

'Zwei Tote im Fluss' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Als der junge Schwarze am Neujahrstag tot aus dem Fluss gefischt wurde, waren Chief Inspector Jacobson und Detective Sergeant Kerr gerade im Urlaub. Das Urteil war eindeutig: Tod durch Ertrinken, wahrscheinlich Selbstmord. Umso unwilliger ist Jacobson, als ihn vier Monate später ein prominenter Journalist beim Feierabend-Bier anspricht, und ihm erklärt: »Der Mann ist ermordet worden, von weißen Rassisten.« Zwei Tage später liegt der Journalist selbst tot im Fluss. Gibt es wirklich eine Verschwörung in Crowby, diesem unscheinbaren Provinznest in England?

Das meint Krimi-Couch.de: »Auf den zweiten Blick erfrischend und überraschend«

Krimi-Rezension von Sabine Reiss

Auf den ersten Blick geht es recht konventionell zu: Wenn ein Chief Inspector einen Fall neu aufrollen muss, den sein Vorgesetzter eventuell verbockt hat, ist man geneigt, eine bestimmte Schublade in seinem Kopf zu öffnen, und das Buch dort hinein zu stecken, denn man fühlt sich an immer wiederkehrende Situationen erinnert, die Autoren ihren Helden zuschreiben. Iain McDowall beweist uns, dass wir vorurteilsfrei an unsere Lektüre herangehen sollten …

Als Detective Chief Inspector Jacobson in seinem Stammlokal von einem ihm unbekannten Journalisten auf einen bereits zu den Akten gelegten Fall angesprochen wird, wiegelt er zunächst ab. Paul Shaw glaubt, über Beweise zu verfügen, dass sein Cousin Darren McGee das Opfer von Rassisten wurde, die den jungen Schwarzen in den Fluss geworfen haben. Da Darren laut mehreren ärztlichen Diagnosen unter Schizophrenie litt, wurde sein Tod seiner Meinung nach vorschnell von Jacobsons Vorgesetztem Greg Salter als Selbstmord eingestuft. Dieser untersuchte den Fall selbst, da Jacobson zu Beginn des Jahres in Urlaub war. Allerdings meint auch der neue Gerichtsmediziner, dass Wasserleichen zu den schwierigsten Kandidaten gehören, wenn es um die Bestimmung der Todesursache geht.

Killing for England

Da gerade nicht so viel zu tun ist, unternimmt Jacobson trotz seiner Skepsis einige Nachforschungen. Diese werden allerdings hochoffiziell, als es zu einem weiteren Todesfall kommt. Die Leiche des Journalisten Paul Shaw wird genau an derselben Stelle wie die seines Cousins aus dem Fluss gefischt. Und da Shaw geistig und körperlich kerngesund war, vermutet niemand, dass er aus Trauer um Darren ebenfalls Selbstmord beging. Die nun folgenden polizeilichen Untersuchungen bedürfen jedoch an Fingerspitzengefühl. Schließlich darf Jacobson seinen Chef nicht als schlampigen Polizeibeamten dastehen lassen. Parallel dazu ermittelt einer seiner Mitarbeiter in einem Fall von rassistischen Drohungen gegen einen indischen Restaurantbesitzer.

Die deutsche Übersetzung des Titels Zwei Tote im Fluss ist relativ nichtssagend, während der Originaltitel den Nagel auf den Kopf trifft: Killing for England spielt genau darauf an, was als Motiv für den/die Morde gehalten wird, dies wird also nicht lange im Dunkeln gehalten. Abgesehen davon erfährt der Leser recht schnell, dass im (fiktiven) Ort Crowby tatsächlich rechtsextreme Treffen stattfinden. Immer wieder präsentiert der Autor Einschübe, die nach und nach offenlegen, dass sich gerade eine Organisation formiert, deren Namen man zwar nicht erfährt, die sich aber auf ihren großen Auftritt in der Öffentlichkeit als Partei vorbereitet.

Der Autor geht noch einen Schritt weiter

Iain McDowall hat seine Figuren erfreulicherweise zum größten Teil mehrdimensional angelegt. Die Polizisten werden nicht nur als Gutmenschen dargestellt, so betrügt z.B. Detective Sergeant Ian Kerr seine Frau schon seit langem und Jacobson scheint nicht beziehungsfähig zu sein – er ist wie viele Romanfiguren geschieden. Auch Darren McGee war nicht nur Opfer, sondern fügte seiner früheren Freundin Vicky großes Leid zu. Auch von ihr zeigt der Autor zum Ende hin eine Seite, die man ihr zunächst nicht zugetraut hätte.

Die Handlung von Zwei Tote im Fluss ist zwar über weite Teile voraussehbar, aber dennoch nicht langweilig angelegt. Mit seinem düsteren, unkonventionellen Ende gelingt McDowall dagegen eine Überraschung. Er hört nicht wie so viele andere Autoren an dem Punkt auf, wo der Fall geklärt ist und stimmt den Leser damit überaus nachdenklich.

Sabine Reiss, September 2007

Ihre Meinung zu »Iain McDowall: Zwei Tote im Fluss«

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vifu zu »Iain McDowall: Zwei Tote im Fluss« 13.07.2010
Dies war mein zweiter Band mit Chief Inspektor Jacobson und DS Kerr. Mir gefiel der Plot sehr, da frau sich ja nicht mit dem täglichen Rassismus der englischen Gesellschaft befasst. Gruselig wie der Bodensatz für Übergriffe bereitet wird.
Das Ermittlerteam ist wie schon vorher unaufgeregt und glaubwürdig durch die Marotten. Gute, spannende Unterhaltung mit anregenden Denkanstößen!
Enya zu »Iain McDowall: Zwei Tote im Fluss« 07.12.2009
"Zwei Tote im Fluss" behandelt das Thema Rassenhass in England. Rechtsextremismus findet in diesem Buch viel Raum. Sogar Zitate aus dem Naziregime Hitlers fallen.
Starkes Thema, doch leider schwach umgesetzt.
Der Krimi ist vorhersehbar.
Spannung kommt keine auf.
Auch das Ende bringt keine Überraschung, die dem Ganzen eine nachhaltige Würze gegeben hätte.
Das Buch war für mich eine Enttäuschung.
Realsatire zu »Iain McDowall: Zwei Tote im Fluss« 16.10.2008
Stilistisch und sprachlich vermag das Buch zu überzeugen. Auch die einzelnen, prägenden Rollen sind gut besetztt. Was die Handlung angeht gilt dies m.E. aber nicht. Zu vorhersehbar liest man einen Roman runter, der zwar ein ernstes Thema behandelt, allerdings keine Höhen bietet. Wenn man einmal von der Doppelrolle des Professors absieht.

Nicht wirklich lanweilig, aber ein fesselnder Plot sieht anders aus.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
ingrida zu »Iain McDowall: Zwei Tote im Fluss« 17.10.2007
Tatsächlich kann dieser Krimi nicht "schubladisiert" werden, erst recht nicht in der Hinsicht: Schublade auf, Buch gelesen, Schublade zu, vergraben. So ernste Themen wie Rechtsextremismus, Rassismus und Nationalsozialismus sind zwar Mittelpunkt der Ermittlungen. Der Autor versteht es aber erstklassig, verschiedene Erzählungen der Romanfiguren mit feinsinniger Ironie zu "pfeffern": "Paul Shaw lächelte wie einer, dem gerade die Katze gestorben war oder dessen Frau ihn wegen der Nachbarin verlassen hatte." Oder auch: "... wie ein Banker, der das Hohelied des Kommunismus sang." Und da gibt es noch so viele Beispiele. Ich würde gern mehr davon lesen.
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