Schwarzlicht von Horst Eckert

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2013 bei Wunderlich.
Folge 1 der Vincent-Veih-Serie.

  • Reinbek bei Hamburg: Wunderlich, 2013. ISBN: 978-3805250573. 384 Seiten.

'Schwarzlicht' ist erschienen als Hardcover

In Kürze:

Walter Castorp ist tot. Der Ministerpräsident von NRW, ertrunken in seinem Swimming-Pool. Sechs Tage vor der Wahl. Vincent Veih leitet die Ermittlungen. Der Hauptkommissar ist gerade erst zum Leiter des KK11 ernannt worden. Nicht alle Kollegen sind davon begeistert. Auch seine Mutter nicht. Die Ex-Terroristin hat den Großteil ihres Lebens in Haft verbracht. Sein Großvater hingegen wäre stolz auf ihn gewesen  doch das ist eine andere Geschichte & Als alle Spuren auf einen Mord deuten, gerät Vincent auch unter politischen Druck. Doch er ermittelt gegen alle Widerstände. Denn Gerechtigkeit geht Vincent über alles. Auch wenn es bedeutet, dass er sich seiner eigenen Vergangenheit stellen muss.

Das meint Krimi-Couch.de: »Hoher Druck bringt Diamanten hervor« 88°Treffer

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Vincent Che Veih ist Leiter des Kriminalkommissariats 1. Allerdings zunächst nur auf Probe  und nun bekommt er einen brisanten Fall übertragen. Sechs Tage vor der Landtagswahl ist Walter Castorp, der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, in der Wohnung eines befreundeten Unternehmers von einer Raumpflegerin tot aufgefunden worden. Der Landesvater hatte schon einige Skandale hinter sich, jüngst wurde ihm vorgeworfen, die Bespitzelung der Opposition veranlasst zu haben. Jede Menge politische Sprengkraft wartet auf den Ermittler und seine Kollegen. Veih findet heraus, dass Castorp mit seiner aktuellen Geliebten in der Schweiz war, und von dort mit zwei schwarzen Aktenkoffern zurückgekommen ist. Das Interesse an dem Fall reicht bis in höchste politische Kreise  sogar das Bundeskanzleramt bietet seine Hilfe bei der Aufklärung des Falles an. Der politischen Führung wäre es am liebsten, den Fall als Selbstmord zu den Akten zu legen. Veih ermittelt jedoch unerschrocken, und gerät immer stärker unter Druck  auch wegen seiner Mutter, einer ehemaligen RAF-Terroristin.

Mit Schwarzer Schwan hat der Politikwissenschaftler und Autor Horst Eckert vor zwei Jahren einen Wirtschafts- und Polit-Thriller vorgelegt, der große Beachtung bei Lesern und Kritikern fand. Schwarzlicht liegt zwar in der Qualität um kleine Nuancen darunter, ist aber dennoch ein mehr als lesenswerter Roman, der  wie im Titel angedeutet  ein grelles Schlaglicht auf die politische Landschaft in Deutschland wirft. Ich werde an dieser Stelle keinesfalls verraten, welche Politikerinnen und Politiker man in den Protagonisten des Romans wiedererkennt. Aber so viel sei gesagt: Es macht enorm Spaß, vertraute Phrasendrescher oder sympathische Akteure – auch die soll es geben  hier zu entdecken.

Gewohnt kenntnisreich hat Horst Eckert ein Szenario entwickelt, das den Leser von Beginn an fesselt. Eine zentrale Rolle spielt dabei der ungewöhnliche Kommissar. Vincent Che Veih ist ein spezieller Protagonist aus der Feder von Horst Eckert. Sein Großvater diente während des zweiten Weltkriegs in einem Polizeibataillon, das in Polen an der Ermordung zahlreicher Juden mitgewirkt hat. Seine Mutter rebellierte wie so viele Kinder von Nazis oder Kriegsverbrechern gegen ihren Vater, und wählte dabei gleich die ganz radikale Variante. Sie sympathisierte mit der RAF und schloss sich sogar der Terror-Truppe an. Nach abgesessener Gefängnisstrafe sorgt sie nun mit ihrem Verhalten wieder dafür, dass ihr Sohn Probleme mit seinen Vorgesetzten bekommt.

Vincent Che Veih entschied sich  völlig gegen das Weltbild seiner Mutter  für den Beruf des Polizisten. Damit trat er zumindest bei der Berufswahl in die Fußstapfen seines Großvaters, der ihn auch erzogen hat, nachdem die Mutter in den Untergrund abtauchte. Der kommissarische Leiter des KK 1 wurde durch diese Zeit im Hause des Großvaters durchaus geprägt, teilt aber mitnichten dessen politische Ansichten. Innerlich hat er sich von seiner Familie gelöst, wird aber ständig von seiner Vita wieder eingeholt. Mit dem Druck aus Staatskanzlei, Bundeskanzleramt, Polizeipräsidium und dem Kreis der neidischen Kollegen geht Vincent nicht unbedingt souverän, aber doch angemessen um. Und das ist gut so, denn unter hohem Druck entstehen Diamanten  oder eben gute Ermittler. Nicht jede Intrige ist hier gleich für den Leser zu durchschauen, aber das ist vom Autor wohl so gewollt  erhöht es doch den Nervenkitzel und die Spannung.

Ob Horst Eckert hier den Bogen überspannt, und wie realistisch  oder wenigstens realitätsnah – die Geschichte am Ende ist, hat schon beim Schwarzen Schwan die Gemüter von Kritikern und Lesern arg beschäftigt. Manche Dialoge und Nebenhandlungen sind nicht ganz so perfekt gelungen wie beim Vorläufer-Buch, aber ich fürchte, in Sachen Realitätsnähe ist Horst Eckert hier noch etwas dichter an der Wahrheit dran. Mischt sich das Kanzleramt in derartige Ermittlungen ein? Spricht eine Oppositionsführerin inoffiziell mit der Polizei? Gibt es ein Verhalten von Politikern, wie es der Autor hier einem Ministerpräsidenten andichtet?

Die Geschichte der Bundesrepublik ist bunt genug, um alle Fragen, die sich sonst noch so stellen, die ich hier aber aus dramaturgischen Gründen nicht nennen darf, durchaus positiv zu bescheiden. Horst Eckert hat eine hervorragend recherchierte Geschichte in seiner typischen Art erzählt. Lesenswert, überaus spannend und unterhaltend – und auch nachdenklich machend. Wieder einmal ein Polit-Thriller, den man ruhig zweimal lesen sollte. Das erhöht das Verständnis der Feinheiten, und auch den Genuss.

Andreas Kurth, September 2013

Ihre Meinung zu »Horst Eckert: Schwarzlicht«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

trafik zu »Horst Eckert: Schwarzlicht« 27.07.2017
Es war mein erstes Buch das ich von Horst Eckert gelesen habe und ich fand dieses Weltklasse!
Kann mich daher meinem Vorredner überhaupt nicht anschließen. Die Handlung ist ganz großartig gelungen. Spannend und vorallem ein Thriller mit einer Handlung. Die meisten Krimis sind schon so übertrieben, daß es schon extrem anstrengend ist manche Bücher zu lesen. Es soll doch unterhalten und nicht den Eindruck geben, jeder Autor muß was neues erfinden. Deshalb wirklich großeß Kompliment dem Autor um so einen Krimi.
Weiter so!
M. Cappel zu »Horst Eckert: Schwarzlicht« 28.07.2015
Nahezu unerträglich platte Geschichte, die, aus Fetzen der bundesrepublikanischen Geschichte zusammengenäht, schon nach wenigen Seiten durch Vorhersehbarkeit der Dialoge und Handlungen , nicht zu übertreffender Naivität des Protagonisten und haarsträubend konstruierte Sachverhalte auf die Nerven geht. Das, was an der Ermittlung um den eigentlichen Fall, den Mord(?) an einem Ministerpräsidenten, fehlt (hier sei symptomatisch erwähnt, dass keine Sonderkommission gebildet wird, sondern die Ermittlungen auch noch von dem eh schon unter Personalmangel - weil Sparzwang - stehenden K1 ohne Verstärkung durchgeführt werden), wird der armen Hauptperson aufgeladen. Nazi-Großvater, RAF-Mutter, kein Vater, Beziehung kaputt, dafür super aussehend und extrem sportlich. Opa und Mutter im Fokus der Öffentlichkeit, mürrische, offensichtlich inkompetente Vorgesetzte ohne Rückgrat, und einen Freundeskreis wie er klischeehafter nicht sein kann. (Wie sind die Kollegen, die früher bei der Sitte waren? Natürlich ludenhaft.)
Nach 250 Seiten ist die Handlung noch kaum einen Schritt weiter als zu Beginn, dafür weiß man, dass sich ehemalige RAF-Terroristen nach ihrer Haft genauso verhalten, wie erwartet. Und, dass sich die Regierung in Berlin um die Kanzlerin bemüßigt fühlt, sich mit einem Kommissar A11 direkt auseinander zu setzen, der weder bisher was geleistet oder erreicht hat.
Sorry, aus meiner Sicht ist das Buch reine Zeitverschwändung.
unclethom zu »Horst Eckert: Schwarzlicht« 18.10.2013
Ein großartiger Thriller, von dem es wie man vom Autor erfahren konnte, eine Fortsetzung bekommen wir um den Smarten Ermittler Vincent Veih.
Horst Eckert schreibt so plastisch, dass man mitten im Buch steht, anstatt nur dabei. Eine Story wie sie im wahren Leben geschehen könnte. Könnte? Es erscheint mehr wie eine Story die an die Wirklichkeit erinnert, die mich in ihren Bann gezogen hat als wäre dies die Realität.
Er erzählt so plastisch, dass ich mich im Ermittlerteam zugehörig fühlte. Ich beobachtete wie er von den Kollegen hintergangen wurde. Ich sah wie die große Politik immer mehr in den Fall Eingriff. Ich las einen großartigen Roman, den ich, hochverdient mit 5 von 5 Sternen bewerte, sowie einer Leseempfehlung.
Pascal Wagener zu »Horst Eckert: Schwarzlicht« 07.10.2013
Keine Frage, "Schwarzlicht" ist wieder ein gut gemachter Krimi von Horst Eckert, der erneut einen Roman im Umfeld der NRW-Landespolitik geliefert hat. Welche realen politischen Akteure hier gemeint sind, ist schnell erkennbar. Der Spannungsbogen stimmt, der Thriller ist sehr gut lesbar.Enttäuscht hat mich hingegen der eigentliche Ausgangspunkt, hier hätte ich mir mehr Innovation gewünscht: NRW-Ministerpräsiden Castorp, der nach einer Spähattacke auf die Landtagsopposition kurz vor der Landtagswahl unter Druck steht, liegt ertrunken in einem Swimming-Pool in einer Wohnung im Düsseldorfer Medienhafen. Da muss man sofort an den ehemaligen Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein, Uwe Barschel, denken, der im Oktober 1987 tot in einer Badewanne in einem Genfer Hotel aufgefunden wurde. Auch hier war ein politischer Skandal (u.a. Spähattacke auf den damaligen SPD-Spitzenkandidaten Björn Engholm) vorausgegangen, der schließlich zum Rücktritt des damaligen CDU-Ministerpräsidenten Barschel kurz nach der Landtagswahl geführt hatte.Im weiteren Handlungsverlauf zeichnet sich schließlich der eigentliche Hintergrund des Geschehens ab, auch hier bedient sich Horst Eckert wieder realen Ereignissen.Wie gesagt, wieder ein sehr gut lesbarer und spannender Eckert, dessen Ausgangspunkt und Hintergrund der Ereignisse jedoch wenig "spritzig" erscheinen. Aber das mögen Leserinnen und Leser, die sich nicht an Barschel oder an eine gewisse CDU-Affäre erinnern, völlig anders beurteilen. Sollten sie auch, denn lesenswert ist "Schwarzlicht" auf jeden Fall.
Marius zu »Horst Eckert: Schwarzlicht« 01.10.2013
Im Herzen der Macht

Der Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens liegt tot in seinem Swimmingpool – war es Mord oder ein Unfall? Vor seinem Verschwinden hatte er noch in einem Spähskandal eine Ehrenwort-Erklärung abzugeben – und die Wahl in NRW kurz bevor …
Das Setting kommt Ihnen merkwürdig bekannt vor? Das darf es auch, schließlich spielt Horst Eckert -einer der wohl besten deutschen Krimiautoren - gekonnt mit Chiffren und Anspielungen und verhüllt auch die Vorbilder zu seinem fiktiven Ministerpräsidenten Castorp nicht. Von Uwe Barschel bis Christian Wulff sind einige wichtige Politiker in die Figur des Ermordeten eingeflossen und geben dem Roman „Schwarzlicht“ eine besondere Brisanz.

Die Qualität von Horst Eckerts Roman ist es nun, sich nicht auf der bloßen Beschreibung des Wulff/Barschel/Öttinger/etc.-Ministerpräsidenten auszuruhen, sondern diese Figur in einen großen Krimi einzubetten, der weit mehr als eine schiere Ermittlung im Falle des toten Ministerpräsidenten ist. Bauspekulation und Korruption sind genauso Themen wie die Identitätsfindung des ermittelnden Kommissars Vincent Veihs.
Dieser Vincent Veih ist das Gegenstück zu all den anderen blassen Kommissaren, Ermittlern, Gerichtsmedizinern und Privatdetektiven, die allzu oft die Kriminalprosa bevölkern. Der junge Kommissar wirkt alles andere als antistatisch und am Reißbrett gezeichnet – viel zu interessant ist seine Biographie: Großvater Nazi, Mutter RAF-Terroristin und der Sohn? Dieser spannende Konflikt gibt „Schwarzlicht“ eine zusätzliche interessante Note, der unweigerlich zu dem Wunsch führt, mehr von Vincent und seiner Entwicklung zu erfahren.

Die anderen Protagonisten kennen Eckert-Leser schon aus den anderen Büchern des Düsseldorfers und wie stets hat man das Gefühl, bei der Lektüre dem Leben eines eigenen Organismus beizuwohnen. Es wird intrigiert, vertuscht und um Posten geschachtert, dass es nicht mehr feierlich ist. Und gerade dieses Gefühl des In-Der-Realität-geerdet-Seins gibt dem Roman seine unvergleichliche Authenzität und hebt „Schwarzlicht“ aus dem Sumpf des platten und konstruierten Mainstream-Einheitsbreis heraus.

Dieses Buch zählt zu den besten (nicht nur deutschsprachigen) Kriminalromanen dieses Jahres und ist so viel besser als das, was ansonsten in Regalmeter die Regale des Spannungssegments in Bibliotheken und Buchhandlungen verstopft. Für mich der beste Beweis, dass Deutschland durchaus zur Produktion anständiger Spannungsliteratur mit Köpfchen in der Lage ist!
fridolin2702 zu »Horst Eckert: Schwarzlicht« 21.09.2013
Ich könnte einfach nur sagen: Politthriller erster Güte, aber damit würde ich nicht genug zum Ausdruck bringen, wie sehr mir das Buch gefallen hat! Spannung bis zur letzten Seite mit einer TOP-Handlung!
Der Autor hat in diesem Thriller einen neuen Protagonisten gewählt: Vincent Veih, Ermittler bei der Mordkommission Düsseldorf, jedoch ist dieser Wechsel nicht abrupt erfolgt (von einem Buch zum anderen), sondern die „alte“ Kommissarin Ela Bach übergibt quasi ihren Arbeitsplatz an Veih und taucht auch ab und an mal auf, also wie im richtigen Leben und das hat mir sehr gut gefallen. Vincent Veih wird nun kommissarischer Leiter, tauschen möchte man nicht mit ihm, nicht nur das er stets und ständig gegen Windmühlen im eigenen Hause kämpfen muß, sondern die hohen Herren (und eine Dame…..) der Landes- und Bundespolitik wollen seine Ermittlungsarbeit bestimmen, Rückendeckung von seinem obersten Chef fehl am Platze, schließlich geht es ja um die Aufklärung des Mordes am Landesvater und Landtagswahlen stehen vor der Tür, da will man schon mal gerne den Ball flach halten und den Herren Politikern nicht auf die Füße steigen.
In diesem Krimi geht es nicht nur um den Mord, sondern auch um alte Seilschaften, Korruption, Verstrickung mit der Wirtschaft (sehr lukratives Jobangebot an Vincent um ihn kalt zu stellen…..), Vertuschung (nein, die CDU hat doch keine Schwatzgeldkasse……) etc. und man bekommt beim lesen öfters den Gedanken, daß sich das in der realen Welt wirklich so abspielt…….
Die private und menschliche Seite von Vincent hat mir auch sehr gut gefallen: Trennung von der langjährigen Freundin (wahrscheinlich durch einen Haufen Missverständnisse), eigene Mutter frühere RAF-Terroristin (macht den Polizeidienst nicht gerade leichter), Vater unbekannt, Großvater ein alter Nazi; Fazit: Freunde kann man sich aussuchen, die eigene Familie nicht und mit denen muß man sich irgendwie arrangieren…….
Ihr Kommentar zu Schwarzlicht

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: