Schattenboxer von Horst Eckert

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2015 bei Wunderlich.
Ort & Zeit der Handlung: , 2010 - heute.
Folge 2 der Vincent-Veih-Serie.

  • Reinbek bei Hamburg: Wunderlich, 2015. ISBN: 978-3805250795. 400 Seiten.
  • [Hörbuch] Lampertheim: Kuebler, 2015. Gesprochen von Dietmar Wunder. ungekürzte Lesung. 8 CDs.

'Schattenboxer' ist erschienen als Hardcover HörbuchE-Book

In Kürze:

Dein Gegner ist mächtig. Er zeigt sich nicht. Du kämpfst gegen Schatten. Erst gestern stand Vincent Che Veih von der Düsseldorfer Kripo vor diesem Grab: Pia, die 17-jährige Nichte eines Kollegen, hat sich das Leben genommen und wurde hier beigesetzt. Jetzt liegt eine zweite junge Frau inmitten der Blumen und Trauerkränze. Entstellt von zahllosen Verletzungen, Spuren eines tagelangen Martyriums. Abgelegt am Ende einer stürmischen Nacht. Warum ausgerechnet hier? Pia und die ermordete Alina kannten einander nicht, und doch glaubt Vincent an eine Verbindung. Er beginnt, einen alten Mordfall aufzurollen und stößt auf ein Komplott, in dem seine eigene Mutter, eine bekannte RAF-Terroristin, eine Rolle spielt. Dann verschwindet eine weitere junge Frau …

Das meint Krimi-Couch.de: »Terroristen, Gutmenschen und ein hartnäckiger Ermittler« 80°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Vincent Che Veih muss sich die Akten eines abgeschlossenen Falls vornehmen, bei dem angeblich ein junger Mann von seinem Freund erschossen wurde, denn es droht ein Wiederaufnahmeverfahren, und seine Vorgesetzten machen Druck. Ausgerechnet jetzt, wo sich die damalige Belastungszeugin das Leben genommen hat und beerdigt wird. Auf dem frischen Grab wird kurz darauf die Leiche eines weiteren jungen Mädchens gefunden, und nun tappen die Ermittler völlig im Dunkeln. Veih stößt bei seinen Recherchen tatsächlich auf etliche Unstimmigkeiten in den Akten und Protokollen. Die Spur führt zu einem Kollegen, was bei Veih keinesfalls zu irgendeiner Form von Zurückhaltung führt. Zu allem Überfluss gerät seine Mutter – eine verurteilte RAF-Terroristin, die ihre Strafe abgesessen hat – auch mal wieder in das Fadenkreuz der Ermittler. Vincent Che Veih deckt plötzlich Verbindungen und Seilschaften auf, die viele Jahre in die Vergangenheit zurück reichen, aber für einige Behörden offenbar immer noch höchste Brisanz beinhalten. Mehrfach droht er den Überblick zu verlieren – um im dynamischen Finale doch noch zu höchst überraschenden Erkenntnissen zu kommen.

Eine wirklich gelungene Mischung

Horst Eckerts neuer Roman Schattenboxer ist eine wirklich gelungene Mischung aus Polit-Thriller und klassischem Kriminalroman. Geschickt hat der Autor darin mehrere Fälle ineinander verwoben, die Verbindungen bleiben dem Leser lange unklar, was die ohnehin schon enorme Spannung noch weiter ansteigen lässt. Eckerts Wahlheimat Düsseldorf ist einmal mehr der Schauplatz, wobei die Landespolitik in diesem Roman keine Rolle spielt, sehr wohl aber die Innenpolitik auf Bundesebene – speziell die Rolle der verschiedenen geheimen Dienste. Die Geschichte der Roten Armee Fraktion (RAF) ist hierzulande noch lange nicht aufgearbeitet, und deshalb gefällt es mir ausgezeichnet, dass Horst Eckert durch die Mutter seines Protagonisten immer wieder auf dieses Thema eingeht. In Schattenboxer spielt der Terrorismus der jüngeren deutschen Vergangenheit sogar eine der zentralen Rollen – perfekt eingebettet in eine insgesamt faszinierende Geschichte.

Thriller mit mehreren Themenkomplexen

Suizid, Mord, Rassismus, Terrorismus, geheimdienstliche Verschwörungen – Eckert hat hier einiges an Themenkomplexen angepackt, um daraus seinen Thriller zu formen. Wie gewohnt versteht es der Autor, seine Leser mit überraschenden Richtungswechseln in den Ermittlungen zu verwirren. Eckert – Politik-Wissenschaftler und Journalist – legt bekanntermaßen großen Wert auf intensive und detailgenaue Recherche. Den Mord an Treuhand-Chef Detlef Karsten Rohwedder – im Roman heißt der in der linken Szene verhasste Manager Rolf-Werner Winneken – bildet den Ausgangspunkt für die verschlungene Geschichte. Der Tod der beiden jungen Mädchen führt Leser und Ermittler dann jedoch zunächst in eine ganz andere Richtung. Die Realitätsbezüge sind ebenso geschickt wie eindrucksvoll gewählt. Eckert zeigt in seinem Roman, dass unaufgeklärte Terror-Morde die Menschen aus vielerlei Gründen noch lange beschäftigen. Aktuelles Beispiel in der jüngeren Vergangenheit war der Buback-Mord, bei dem ebenfalls bis heute nicht feststeht, wer die tödlichen Schüsse abgegeben hat.

Horst Eckert arbeitete zur Zeit der Rohwedder-Ermordung bei einem Düsseldorfer Fernsehsender, und schilderte den Mord absolut realitätsnah. Dabei stand damals ein Handtuch im Mittelpunkt, auf dem die DNA des RAF-Terroristen Wolfgang Grams gefunden wurde. Hier setzt der Autor an und baut darauf seine Geschichte auf. Kompliziert und faszinierend zugleich wird es, als der BND ins Spiel gebracht wird. Ermittler Vincent Che Veih muss in seinem zweiten Fall gegen Kollegen aus den eigenen Reihen ermitteln. Hier – und bei der Verwicklung des Geheimdienstes – ist auch der Ursprung des Titels zu sehen – denn die Ermittler boxen gegen verschiedene Schatten. Veih muss also nicht nur den alten Fall des erschossenen jungen Mannes und den mit neuen Leiche auf dem Grab lösen, sondern wird auch noch in die alten RAF-Geschichten hinein gezogen. Ganz schön viel für einen Roman, aber ich finde, Horst Eckert löst diese verwickelte Geschichte gut auf – so weit er sie auflöst. Am Ende bleiben nämlich einige Fragen offen und bieten Potenzial für den nächsten Roman mit diesem ungewöhnlichen Kommissar, der Eckert offenbar ans Herz gewachsen ist. Auf jeden Fall wird er ihn noch länger ermitteln lassen – und darauf freue ich mich schon.

Andreas Kurth, März 2015

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PMelittaM zu »Horst Eckert: Schattenboxer« 06.12.2017
Hauptkommissar Vincent Che Veih bekommt es mit mehreren Fällen zu tun. Ein Mordfall wird neu aufgerollt, da eine Entlastungszeugin des verurteilten Mörders auftaucht, nahezu parallel wird auf dem Grab Pia Zieglers, Augenzeugin des Mordes und damals schwer verwundet, eine Leiche gefunden.Rückblicke führen den Leser in das Jahr 1991 zum Mord an einem Treuhandchef, für den die RAF verantwortlich gemacht wurde.Ob und wenn ja, wie das alles miteinander zu tun hat, erfährt der Leser im Laufe der Lektüre des Romans, der immer wieder mit neuen Informationen und überraschenden Wendungen aufwartet, und dem Leser eine Menge Spannung bietet.„Schattenboxer“ ist der zweite Fall mit Vincent Veih, der nicht nur mittlerweile Leiter des Düsseldorfer KK 11, sondern auch der Sohn einer RAF-Terroristin ist. Mit seiner Mutter, inzwischen aus der Haft entlassen und mit verschiedenen Projekten auch weiterhin bekannt, will er möglichst wenig zu tun haben, was allerdings nicht immer gelingt, wie auch sein aktueller Fall wieder zeigt.Auch für mich war es der zweite Band mit Vincent Veih, allerdings las ich von hinten nach vorne (der erste Band wird demnächst folgen). Horst Eckert gelingt es überzeugend, deutsche Vergangenheit, Politik und fiktiven Kriminalfall zu einem komplexen und spannenden Roman zu verbinden. Als Leser, vor allem als nicht mehr ganz junger, wird eine ganze Reihe Erinnerungen geweckt, die RAF und die deutsche Wiedervereinigung sind u. a. Themen dieses Romans. Jedem Kapitel ist eine Rückblende vorangestellt, die zunehmend mehr Informationen liefert und es dem Leser ermöglicht, sich über das Geschehen und die Kriminalfälle seine eigenen Gedanken zu machen. Die Ermittlungsergebnisse des aktuellen Falls ergänzen diese perfekt, so dass es dem Leser ermöglicht wird, die Rätsel schon vor dem Ermittler lösen zu können, ohne ihm die Spannung zu nehmen.Die Charaktere wirken authentisch, vor allem Vincent Veih gefällt mir gut. Die Lösung des aktuellen Kriminalfalls ist womöglich etwas zu abgehoben, aber nicht völlig unrealistisch, die Lösungen der älteren Fälle dagegen überzeugen sofort. Der Leser kann, wenn er will, recherchieren, inwiefern vor allem die Rückblenden fiktiv sind bzw. auf welchen historischen Ereignissen oder Persönlichkeiten der Autor hier aufsattelt. Schade finde ich, dass der Roman kein Nachwort Horst Eckerts enthält, in dem er zur Thematik Stellung nimmt bzw. von seinen Recherchen erzählt.Mir hat der Roman sehr gut gefallen, ich bin durch die Seiten geflogen, habe mich über das Geschehen und manche Charaktere geärgert, mit anderen gebangt und den Roman am Ende zufrieden zugeklappt. 85° und eine Leseempfehlung, für jene, die gerne spannende Kriminalromane und Thriller lesen und vor politischen Hintergründen nicht zurückschrecken.
KlausChrist zu »Horst Eckert: Schattenboxer« 25.05.2015
Von Horst Eckert habe ich die meisten (wohl alle, weiß ich jetzt nicht mehr genau) Thriller gelesen und finde sie alle gut bis sehr gut, das gilt auch für diesen: interessant, spannend, sehr gute Verknüpfung von Krimi-Handlung und brisanten politischen Themen: lesenswert! Der von seiner RAF-Mami vernachlässigte und von seinem Nazi-Opa sozialisierte Mordermittler Vincent Che Veih ist eine klasse konstruierte Figur. Wie der sich in einem teilweise korrumpierten Polizeiapparat "durchschlängeln" muss. meine Hochachtung!
Allerdings muss (es ist mir ein echtes Bedürfnis) ich an dieser Stelle auf den ersten Roman von Wolfgang Schorlau "Die blaue Liste" (2003) hinweisen: Hier wurde der Komplex RAF / Rohwedder-Meuchelmord / Geheimdienste usw. meines Erachtens besser verarbeitet. Wessen Interesse durch Herrn Eckert für diese Thematik geweckt wurde, sollte sich den Schorlau beschaffen!
Janosch79 zu »Horst Eckert: Schattenboxer« 26.03.2015
Diesen Polizei-/Politik-Thriller von Horst Eckert muss man sich unbedingt merken.
Die knapp 400 Seiten haben mich mehr als gefesselt.
Im Mittelpunkt des Thrillers steht der Kriminalhauptkommissar Vincent Che Veih.
Zwei Fälle beschäftigen den Ermittler: Ein Verbrechen aus der Vergangenheit sowie der Selbstmord der 17jährigen Pia. Als wären diese beiden Fälle nicht schon genug, liegt einen Tag nach Pias Beerdigung ein weiteres Mädchen zwischen den Trauerkränzen auf dem Grab.
Beide Opfer scheinen auf den ersten Blick keinerlei Verbindung zu haben.

Die Hauptfigur, Vincent Che Veih, hat mir direkt gefallen. Aus einem schwierigen Elternhaus stammend (Mutter war RAF-Terroristin), erweist er sich als ein Mensch, der nicht einfach in eine Schublade gesteckt werden kann.
Zu beachten sei auch sein Zweitname Che, der wohl auf den marxistischen Revolutionär Che Guevara hindeuten soll. Sozusagen wohl ein bleibendes Vermächtnis seiner Mutter, die mit linken Extremisten gegen den deutschen Staat vorging.
Damit trifft dieser Thriller auch gleichzeitig den derzeitigen politischen Status Quo, da das linke Spektrum momentan auch wieder sehr stark im Kommen ist. Die schweren Randale bei der Eröffnung der Europäischen Zentralbank in Frankfurt sind da nur ein Beispiel.

Geschickt verwebt Horst Eckert alte und neue Geschehnisse in kurzen Kapiteln und lässt die Spannung stetig ansteigen.
Sehr positiv fiel mir ebenfalls auf, dass der Autor, ähnlich wie die skandinavischen Krimischriftsteller, einen guten Einblick in das Privatleben von Vincent Veih gibt.
Auch der Kriminalhauptkommissar scheint Angst vor festen Bindungen zu haben und scheut sich mit seiner Freundin eine gemeinsame Wohnung zu beziehen.
Vielleicht aber auch ein Ablenkungsmannöver, um mit seiner alten Liebe Nina wieder eine Wiedervereinigung zu erleben.
Im Gegensatz zu den Skandinaviern verzichtet Horst Eckert bei Vincent Veih auf die Einbindung von starken Abhängigkeiten zu Rauschgift oder Alkohol. Ein Stilmittel, das in dortigen Büchern gerne genommen wird.
Was ich für mein Kopfkino besonders reizvoll fand, waren die Örtlichkeiten, die in diesem Buch vorgekommen sind. Wenn man im Rheinland aufgewachsen ist, dann kann man sich mehr als bildlich die Geschehnisse vorstellen. Als Beispiel sei nur die Verfolgungsjagd von Hagenberg erwähnt.

Mir hat dieser Thriller sehr gut gefallen und ich denke eine Fortsetzung ist mehr als angebracht, denn das Verhältnis von Vincent zu seiner Mutter und sein Liebesleben geben wohl genügend Stoff für einen neuen Band.
Baerbel82 zu »Horst Eckert: Schattenboxer« 23.03.2015
Tatort Düsseldorf

Um es gleich vorwegzunehmen, „Schattenboxer“ ist bereits der zweite Fall für den Düsseldorfer Hauptkommissar Vincent Veih. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Worum geht es?
1.4.1991: Detlev Rohwedder alias Rolf-Werner Winneken, der Präsident der Treuhandanstalt, wird in seinem Haus von einem Scharfschützen ermordet. Am Tatort wird das Bekennerschreiben eines RAF-Kommandos gefunden. Der oder die Täter konnten jedoch damals nicht ermittelt werden. Erst durch eine im Jahre 2001 durchgeführte DNA-Analyse konnten Haarspuren vom Tatort zweifelsfrei dem RAF-Terroristen Wolfgang Grams zugeordnet werden, der aber bereits 1993 in Bad Kleinen Suizid beging. Dies öffnet natürlich Tor und Tür für Spekulationen beziehungsweise krude Verschwörungstheorien.
23 Jahre später, am 10.3.2014: Vincent Che Veih, den wir bereits aus dem Vorgängerroman „Schwarzlicht“ kennen, leitet inzwischen das Düsseldorfer KK11. Er ist unterwegs zu einer Beerdigung. Pia Ziegler hat Selbstmord begangen, nachdem sie Zeugin eines Mordes wurde. Der mutmaßliche Täter war ihr damaliger Freund, Thabo Götz. Angeblich hatte er Julian Pollesch im Streit erschossen. Aber nun kommen Zweifel auf und der Fall soll erneut vor Gericht. Stefan Ziegler, Pias Onkel, ist selbst Polizist und war seinerzeit zuerst am Tatort. Möglicherweise wurde einiges vertuscht und Spuren manipuliert.
Vincent und seine Kollegen Anna und Dominik sowie Praktikantin Sofia ermitteln…
Vincent ist der Sohn einer RAF-Terroristin. Brigitte ist inzwischen Fotografin und hat grad ihre Memoiren veröffentlicht. Ihr Verhältnis ist schlecht. Denn sie hatte Vincent im Alter von sieben Jahren weggeben und so ist er bei seinem Großvater aufgewachsen, der ebenfalls Polizist war, aber auch ein Nazi.
Kurze Zeit später wird auf Pias Grab die Leiche einer jungen Frau gefunden. Wie sich bald herausstellt, handelt es sich um Alina Linke. Sie wurde vor ihrem Tod brutal misshandelt und gefoltert. Gibt es eine Verbindung? Angeblich kannten sich die Mädchen nicht. Schnell ist klar, dass es sich um einen Serientäter handeln muss…
Ein bekannter Liedermacher, ein skurriler Kunststudent, Alinas Freundin Franziska und auch Vincents Freundin Saskia, eine Journalistin, die ein Buch über Winneken schreiben soll, werden ebenfalls in den Fall verwickelt. Es handelt sich um eine fiktive Geschichte, die auf Tatsachen beruht, aber auch Verschwörungstheorien enthält.
Ein gut recherchiertes Buch, mit einem ganz intensiven Spannungsbogen und einem überraschenden Finale. Viele Ebenen des organisierten Verbrechens und des Ermittlungsapparates werden berührt. Geheimdienstliche Aktivitäten sind im Spiel. Der einzelne Mensch wird oftmals hart getroffen von den Handlungen der Mächtigen und ihrer brutalen Handlanger.
Zitat: „Rasch trank Vincent die Tasse leer. Keine Zeit für ein Frühstück. Er steckte einen Apfel ein. Ein weiterer turbulenter Tag stand ihm bevor, die nächste Runde im Schattenboxen.“

Fazit: Ein äußerst lesens- und empfehlenswerter Thriller!
Igelmanu66 zu »Horst Eckert: Schattenboxer« 21.03.2015
»Linker Hand näherten sich die frischen Reihengräber für die Sargbestattung. Das jüngste von ihnen war noch ohne Grabstein oder Kreuz. Eine Gymnasiastin lag seit gestern dort, sie hatte sich umgebracht, wie er gehört hatte. … Wie immer hatten die Kollegen sämtliche Kränze und Blumengebinde auf der zugeschütteten Grube angerichtet, in diesem Fall ein wahrer Blütenberg. … Etwas schimmerte dort obenauf. Torsten stoppte das Bokimobil und stieg aus, um sich die Sache anzusehen. Hatte sich jemand einen bösen Scherz erlaubt? Nach wenigen Schritten wurden ihm die Knie weich. Seine Eingeweide verkrampften sich. Er hielt die Luft an.
Nein. Bitte nicht.
Mit zitternden Fingern rief Torsten die Chefin auf dem Handy an. „Herr Heise?“, kam ihre Stimme aus dem Apparat – offenbar hatte sie seine Nummer auf ihrem Display richtig gedeutet. Die Worte verweigerten sich ihm. Er kämpfte mit dem Brechreiz.
„Was gibt’s, Herr Heise?“
„Das ist keine Puppe“, antwortete er.
„Was meinen Sie?“
Torsten krümmte sich, würgte und hustete ausgiebig. Der Magensaft brannte sauer im Rachen. Er wischte sich mit dem Ärmel der Arbeitsjacke über den Mund und nahm das Handy wieder ans Ohr. „Hallo, sind Sie noch dran?“
„Herr Heise, was ist los?“
Hastig beschrieb Torsten, was vor ihm in den Blumen lag.«

Ein toter Mensch kann einen Friedhofsangestellten normalerweise nicht aus der Ruhe bringen. Doch der Körper der jungen Frau, der auf dem frischen Grab einer anderen jungen Frau abgelegt wurde, ist über und über mit Wunden übersät. Ganz eindeutig wurde sie vor ihrer Ermordung grausam gefoltert.

Vincent Veih, der Leiter des Düsseldorfer KK11, weiß schon bald nicht, wo ihm der Kopf steht. Am Vortag noch war er dabei, als Stefan Ziegler, einer seiner Kollegen, seine 17jährige Nichte Pia zu Grabe tragen musste und nun liegt auf dem frischen Grab der Körper eines anderen – ermordeten – Mädchens. Die beiden hatten scheinbar nichts miteinander zu tun – oder vielleicht doch?
Zeitgleich gerät Vincents Behörde unter Beschuss: Bei den Ermittlungen gegen einen jungen Farbigen soll unsauber gearbeitet worden sein. Wurde ihm tatsächlich ein Mord in die Schuhe geschoben? Vincent, der an diesen Ermittlungen nicht beteiligt war, muss nun die Aktivitäten seiner eigenen Kollegen hinterfragen.

Und auch privat ist einiges los. Seine Freundin Saskia – eine Journalistin - möchte nicht nur mit ihm zusammenziehen, sondern sie arbeitet zudem an einem Buchprojekt, bei dem sie den 1991 erfolgten Mord an dem Präsidenten der Treuhandanstalt wieder aufrollen möchte. Der Todesschütze konnte nie ermittelt werden, aber Saskia sieht nun neue Ansatzpunkte und vielleicht kann ja auch Vincent mithelfen und einen Kontakt zu seiner Mutter vermitteln…?

Wer „Schwarzlicht“, den ersten Fall für Vincent Veih gelesen hat, der ahnt schon, wie das Treffen zwischen Vincent und seiner Mutter Brigitte ablaufen wird. Brigitte war aktives Mitglied der RAF, ist nun nach Verbüßung ihrer Haftstrafe auf freiem Fuß und alles andere als glücklich darüber, dass ihr Sohn „ausgerechnet“ Polizist geworden ist. Das Verhältnis der beiden kann man vorsichtig formuliert als angespannt bezeichnen. Trotzdem stellt Vincent den Kontakt zwischen Saskia und seiner Mutter her, allerdings hat er zu diesem Zeitpunkt noch keine Vorstellung davon, was das Wühlen in der Vergangenheit in der Gegenwart für Auswirkungen haben kann. (Anmerkung noch an dieser Stelle: Wer „Schwarzlicht“ nicht gelesen hat, muss keine Verständnisprobleme befürchten.)

Das war mal wieder ein großartiger Krimi! Vincent ist mir als Charakter sehr sympathisch, zudem finde ich seinen persönlichen Hintergrund faszinierend. Er ist ein Mann, der als Junge von seinem Nazi-Großvater aufgezogen wurde, weil sich seine linksextreme Mutter zwischen ihren Terrorakten nicht um ihn kümmern konnte oder wollte. Der erwachsene Vincent ist nicht immer einfach im Umgang, aber ein guter Polizist ist er auf jeden Fall. Daher konnte ich miterleben, wie er sich Stückchen für Stückchen die anstehenden Probleme vornimmt.

Der Schreibstil gefiel mir sehr und lud mich ein, durch das Buch zu fliegen ;-) Dabei war es trotz der teilweise komplexen Zusammenhänge nicht schwierig, diese nachzuvollziehen.
Im Verlauf der Handlung gibt es immer wieder Rückblenden, bei denen der Leser ebenfalls stückchenweise Informationen erhält. So kann man wunderbar mitraten und versuchen, irgendwelche Zusammenhänge zwischen den einzelnen Vorfällen herzustellen. Eins kann ich verraten: Es wird richtig spannend!

Fazit: Spannend, verstrickt, überraschend. Ein Krimi, wie er sein muss.
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