617 Grad Celsius von Horst Eckert

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 bei Grafit.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.

  • Dortmund: Grafit, 2005. ISBN: 3-89425-297-9. 317 Seiten.
  • [Hörbuch] Daun: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch, 2008. Gesprochen von Horst Eckert. ISBN: 3836802465. 9 CDs.

'617 Grad Celsius' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Der Mord an dem jungen Maler Daniel, der wie ein Bruder für sie war, bringt die Welt der Kripobeamtin Anna Winkler ins Wanken. Zwar gelingt es ihr, zur Verurteilung des Täters beizutragen, doch danach meldet sie sich für einen Einsatz in Bosnien, um Abstand zu gewinnen. Ein Jahr später kehrt Anna nach Düsseldorf zurück und bekommt sofort einen neuen Fall: In der Innenstadt explodiert ein Wohnhaus, es gibt Tote. Bald finden sich Hinweise, dass an der Gasleitung manipuliert worden ist. Als die Identität der Opfer feststeht, erkennt Anna, dass sie den Mord an Daniel neu überdenken muss: Die beiden Fälle hängen zusammen und ihr eigenes Vorgehen bei den damaligen Ermittlungen erscheint nun in neuem Licht. Um den Fehler wieder gutzumachen, stürzt sich die Kripofrau in die Arbeit. Doch bald deutet eine Spur nicht nur auf ihren Onkel Uwe Strom, der als Ministerpräsident vor der Wiederwahl steht. Auch Annas eigener Vater, früher selbst bei der Polizei und jetzt Landtagsabgeordneter, scheint ein düsteres Geheimnis zu hüten.

Das meint Krimi-Couch.de: »Brisant: Korruption in Politikerkreisen« 81°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Man kennt das ja schon von Horst Eckert, dass er seine Leser von verschiedenen Seiten an das Geschehen heranführt. Diesmal nutzt er zum Aufbau seines komplexen Plots gleich drei Zeitebenen.

Obwohl das Düsseldorfer Kommissariat KK11 in Eckerts Krimis die zentrale Rolle spielt, kann man seine Bücher nicht im gebräuchlichen Sinne als Serienkrimis bezeichnen, denn trotz Wiederauftauchens einzelner Charaktere fehlt ein fester Protagonist. Gar nicht so ungeschickt, denn wechselnde Hauptpersonen bieten Gelegenheit, dem Leser immer wieder Neues zu bieten. Andererseits ist durch das Auftauchen bekannter Figuren ein gewisser Wiedererkennungseffekt vorhanden, der den Leser bei der Stange hält.

Verschiedene Zeitebenen führen zum zentralen Geschehen

Teilten sich gelegentlich verschiedene Ermittler die Protagonistenrolle, so fällt diese hier einzig der Kommissarin Anna-Luna Winkler zu. Im in der Gegenwart spielenden Handlungsstrang – der Autor hat hier mit Mai 2005 leicht vorgegriffen – kehrt sie von einem zweijährigen EU-Einsatz aus Bosnien aufgrund der Erkrankung ihres Vaters vorzeitig zurück.

Annas Vater ist Bernd Winkler, mit dem der Roman im September 1976 – noch vor Annas Geburt – startet. Damals war Winkler auch noch Polizeibeamter und mit seinem Freund Michael Lohse auf Streifendienst. Seine Freundin hat ihn sitzenlassen und sich mit dem gemeinsamen Sohn dem Bhagwan angeschlossen, während Kollege Lohse mit seiner Karin glücklich verheiratet ist. Deren Sohn Daniel schließlich spielt die Hauptrolle im dritten Zeitstrang im Januar 2003.

Dies nämlich war der Zeitpunkt, an dem Daniel, aufstrebender Maler und homosexuell, bestialisch ermordet wurde. Der Täter war zwar schnell gefunden, doch sein Mitbewohner gab ihm ein Alibi, das er erst auf Nötigung von Anna widerrief. Dadurch und mit Hilfe einer Falschaussage von Daniels Mutter kam es zur Verurteilung eines Mannes, der – wie sich durch aktuelle Ereignisse herausstellt – vermutlich unschuldig war.

Der Fall führt in höchste Landespolitik

Anna hätte nach ihrer Rückkehr gerne noch ein paar Tage frei genommen, doch die Explosion eines Wohnhauses in der Düsseldorfer Innenstadt fordert ihren sofortigen Einsatz. Acht illegale Arbeiter aus der Ukraine kamen bei der Explosion des offiziell als leerstehend geltenden Hauses ums Leben. Im Keller am Zentrum der Explosion wird schließlich noch die Leiche des Videokünstlers Peter Uhlig entdeckt. Und dieser wiederum liefert eine Verbindung zum Mord an Daniel Lohse.

Bald entdeckt Anna, dass sie der Fall mitten in höchste Landespolitik führt und dass nicht nur ihr Vater, der mittlerweile Landtagsabgeordneter ist, sondern auch ihr Onkel, der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, ganz tief in die Geschehnisse verwickelt sind. Selbstverständlich sind Ähnlichkeiten mit lebenden Personen rein zufällig. Ich denke auch nicht, dass Eckert hier einzelne Politiker aufs Korn nehmen will, sondern allgemein die Bestechlichkeit und Rücksichtslosigkeit von öffentlichen Persönlichkeiten anprangert. Doch angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen kann man dem Roman eine gewisse Brisanz nicht absprechen.

Vollgepackte Story fesselt den Leser

Langweilig wird es einem bei Horst Eckert ganz sicher nicht. Seine Stories sind so vollgepackt, dass man da mit oberflächlich drüberlesen nicht weit kommt. Ist auch gar nicht notwendig, denn spätestens nach Erkennen der ersten Zusammenhänge ist man vom Geschehen voll eingenommen. Eckert hat bereits härtere Krimis geschrieben. dass er es diesmal vergleichsweise ruhiger angehen lässt, tut dem Lesevergnügen keinen Abbruch, zumal das Buch vollgestopft mit Emotionen ist.

Bei seinen Figuren gibt es keine sauberen Helden. Fast jeder hat Dreck am Stecken und persönliche Probleme. Das mag zwar realistisch wirken, doch scheint es ein wenig übertrieben. Wer glaubt, bei der Polizei oder in der Politik gäbe es keine schwarzen Schafe, der verschließt sich der Wirklichkeit, doch ob Korruption und illegales Handeln in diesen Kreisen so verbreitet ist, wie es uns der Autor glauben machen will, sei jetzt mal dahingestellt. Zumindest ist seine Erzählweise, die aktuelles Geschehen mit dem Privatleben seiner Ermittler verknüpft, angenehm zu lesen.

Ihre Meinung zu »Horst Eckert: 617 Grad Celsius«

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Detective_Scotty zu »Horst Eckert: 617 Grad Celsius« 07.04.2011
Dies war bereits mein 6. Roman von Horst Eckert, leider aber auch sein schwächster. Bei den meisten Eckert Romanen gefällt mir besonders die Schilderung der zentralen Figuren. Mit all ihren Schwächen. Mit all ihren Fehlern. Aber auch mit all ihren pfiffigen Ideen. Immer war mindestens eine Figur so interessant, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte. Die Figur der Anna Winkler hingegen hat mich irgendwie nicht berührt. Leider.
Außerdem fand ich die Auflösung etwas plötzlich aus dem Hut gezaubert. Die Motive des Mörders wurden nicht richtig durchdrungen. Einige Fäden wurden nicht zuende gesponnen. Es wurde ein großes Szenario aufgebaut und dann recht lieblos zuende gebracht. Dafür gibt es (immer noch) 70 Points, da trotz der Kritik Horst Eckert einen sehr flüssigen, angenehm zu lesenden Schreistil hat.
Emil zu »Horst Eckert: 617 Grad Celsius« 24.08.2010
Da ich beruflich viel unterwegs bin, habe ich mir 617 Grad als Hörbuch gekauft.
Die Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Sie war flüssig, die verschiedenen Zeitsprünge nachvollziehbar und trotz der zunehmenden Komplexität gut verständlich. Die Charakteren erhielten mit der Zeit die nötige Tiefe und wurden gut greifbar.
Einziger Schwachpunkt ist die unsäglich schwache Leistung des Sprechers. Da ist weder Feuer, noch Modulation, noch irgendein Unterschied bei den einzelnen Personen spürbar. Es kam mir teilweise vor, als ob ein Schüler der 4. Klasse zur Strafe ein Buch laut vorzulesen hatte. Pausen, wo es keine brauchte, Staccati reihten sich in schöner Folge aneinander. Es war echt mühsam und gegen Ende war das Zuhören eine echte Tortur.
Von Hörbüchern bin ich für eine Weile geheilt, stattdessen werde ich mir den nächsten Roman in Papierform zu Gemüte führen.
Conny66 zu »Horst Eckert: 617 Grad Celsius« 10.08.2009
Ein sehr komplexer Kriminalroman, der auf drei Zeitebenen, 1976, 2003 und 2005 (Gegenwart), spielt.
Von der Künstler-, Homo-, Drogenszene über Politik-, Polizeimachenschaften und verworrenen Familienverhältnissen, Mord, Korruption usw. spielt der Roman im Taschenbuchformat im Mai 2005 in Düsseldorf.
Mir hat das Lokalkolorit sehr gut gefallen, „brauche“ ich doch ab und zu einen Roman, der in heimischen Gefilden spielt und von einem deutschen Autor geschrieben wurde.
Trotz der verschiedenen Zeitebenen, die das Ganze noch komplexer erscheinen lassen, kommt man sehr gut ins Geschehen und kann auch gut zwischen den Zeiten „springen“.

Der Roman ist sehr flüssig und auch erklärend, z. B. wie kommt der Titel zustande, geschrieben.
Während der letzten beiden Teilabschnitte konnte ich das Buch nicht mehr aus den Händen legen! Es hat sich eine Dramatik und Schnelligkeit entwickelt, die sich immer weiter bis zum Showdown gesteigert hat!
Die Auflösung der verworrenen Verhältnisse beinhaltet auch einen gewissen Aha-Effekt. Zufrieden und ohne offene Fragen konnte ich das Buch zuklappen.
Für mich steht fest, dass ich die weiteren Nachfolgeromane von Horst Eckert auf jeden Fall haben und lesen muss!
Puppetta zu »Horst Eckert: 617 Grad Celsius« 23.07.2008
Super Lektüre, toll zu lesen!
Meine Heimatstadt ist doch nicht so wie man dachte .. ;-)
Horst Eckert ist ein sehr sympathischer Autor, ich durfte ihn beoi einer Vorlesung mal kurz kennenlernen.
booktiger zu »Horst Eckert: 617 Grad Celsius« 13.07.2006
Dieses Buch hat mich zum "Horst Eckert" Fan gemacht. Es fehlen mir nur noch zwei "Ausgezählt" und "purpurland". Habe herausgefunden, das es mehr Spaß macht sie der "Reihenfolge" nach zu lesen. Und wundere mich jedesmal wieder, welcher Ermittler diesmal wegen Korruption "rausfliegt" oder wie die am Anfang gesponnen Nebenschauplätze am Ende alle wieder zusammenfinden. Ein Grinsen ist dann schon mal dabei - aber kein Buch ist eine Verschwendung. Frei nach Donna Leon "it´s just a story, only entertainment" - laßt Euch spannend unterhalten !
DrWatson zu »Horst Eckert: 617 Grad Celsius« 04.05.2005
Ich habe den Roman mit sehr großer Spannung verschlungen. Die verschiedenen Handlungsstränge und Zeitebenen sind sehr gut miteinander verknüpft, auch das Serienmörder-Motiv, welches im letzten Drittel auftaucht, fügt sich nahtlos in den Ablauf der verschachtelten Handlung ein. Mit der bevorstehenden Wahl in NRW gewinnt der Roman sicher noch eine stärkere Brisanz, aber Eckart schafft es , die Protagonisten so weit weg von den realen Vorbildern zu gestalten, daß man leicht Realität und Roman voneinander zu trennen vermag.
Mit "617 ° Celsius" hat Horst eckart einen der spannendsten und glaubwürdigsten Polizeikrimis der letzten Jahre abgeliefert!
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
kue zu »Horst Eckert: 617 Grad Celsius« 02.05.2005
Hat mir gefallen, der neue Eckert.
Zwar wird mir Angst und Bang, wenn die Polizei in Düsseldorf auch nur annähernd so anfällig für Verbrechen, Korruption und Manipulation in den eigenen Reihen ist, wie hier beschrieben und die Frage, ob sich im Freundeskreis des Autors noch ein Polizist befindet, der ihn so gut über die internen Abläufe auf der Behörde unterrichtet. Aber es macht auf der anderen Seite einfach Spaß, über Menschen und ihre Schwächen und Fehler zu lesen, weil sie so greifbarer und lebensechter werden. Wer will schon einen Superhelden?
Mit "617°C" knüpft Eckert an die Qualität seiner "Zwillingsfalle" an. Verzwickte Familienbande und ein aktuelles Thema aus dem öffentlichen Leben werden gekonnt miteinander verknüpft. Zudem kommt eine Gasexplosion, die an anderem Ort in Düsseldorf wirklich vor ein paar Jahren passiert ist und die hier wohl Ideengeber und Pate war. Recherche wieder einmal gründlichst.
Beim nächsten mal darf es wieder mehr Engel sein, von mir aus auch Wegmann, Becker oder Bach. Der Charakter Anna Winkler scheint mir mit diesem einen Roman aufgrund ihrer besonderen familiären Situation schon ziemlich ausgeschöpft.
Hat viel Spaß gemacht. Von mir keine 617°, sondern "nur" 86°.
Gruß,
kue
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