Sein letzter Tresor von Horst Bieber

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 bei Grafit.

  • Dortmund: Grafit, 2006. ISBN: 978-3-89425-328-8. 192 Seiten.

'Sein letzter Tresor' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Der Tresorknacker Arthur Pullrich, genannt ›Pulle‹, wird auf Bewährung entlassen. Draußen wartet schon Kriminalhauptmeister Aloys Schulte auf ihn, denn der möchte Pulle zu gern einen weiteren Bruch anhängen: Vor einigen Jahren wurde der Tresor des Briefmarkenhändlers Karl Benniger geknackt und der Polizist vermutet, dass eine große Summe illegales Geld gestohlen wurde. Benniger bestreitet dies, aber Pulle könnte – so Schultes Meinung – seinen Verdacht bestätigen. Für Pulle, der bald ein geregeltes Leben zu führen scheint, wird Schulte äußerst lästig. Noch lästiger wird ihm die Polizei allerdings, als sein Nachbar tot aufgefunden wird. Pulles Pläne geraten ins Wanken. Ihm bleibt nur eins: die Hintergründe für den Tod seines Nachbarn aufzuklären, damit er wieder in Ruhe gelassen wird.

Das meint krimi-couch.de: »Tresorknacker als Detektiv« 74°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

»Pulle fuhr erschrocken zusammen, als die beiden Türflügel hinter ihm ins Schloss donnerten, drehte sich aber nicht um, weil das Unglück bringen sollte, sondern wartete darauf, dass sich das Tor vor ihm öffnete.«t

So eröffnet Horst Bieber seinen Roman »Sein letzter Tresor«. Pulle? Pulle! Es dürfte in weiter Ferne liegen, diese Eröffnung als brillant zu bezeichnen. Aber wenigstens beugt Horst Bieber damit schon im ersten Satz dem Klischee vor, der ehemalige Chefredakteur der ZEIT schreibe nur für literarisch anspruchsvolle Klientel. Pulle – das ist der Spitzname des ehemaligen Tresorknackers Arthur Pullrich, der gerade auf Bewährung aus dem Knast entlassen wird und unvermittelt auf einen alten Feind trifft: Hauptkommissar Aloys Schulte, der noch immer versuchen will, Pulle die Schuld an ungeklärten Einbrüchen nachzuweisen.

Ein geläuterter Tresorknacker?

Aber Pulle ist schlau genug, sich zunächst einmal nichts zuschulden kommen zu lassen. Er hat eine Bleibe, noch einige Geldreserven und findet auch einen 410-Euro-Job, mit dem er sich halbwegs durchschlagen kann. Schulte verfolgt ihn bei all seinen Schritten, kann ihm aber nichts anhängen. Plötzlich liegt aber Pulles Nachbar tot vor der Nachtspeicherheizung. Dumm, dass auf dem Dachspeicher des Nachbarhauses ein Karton mit 300.000,- Euro gefunden wird. Pulle, der nichts mit dem Mord zu tun hat, vermutet, dass ihm etwas angehängt werden soll. Er muss aktiv werden.

Die Unterteilung der 190 Seiten dieses Romans in gerade mal 4 Kapitel mag den Eindruck erwecken, dass man sich schwer tun wird, Sinnabschnitte zu finden. Schnell aber wird der Leser feststellen, dass er so etwas überhaupt nicht braucht. »Sein letzter Tresor« ist ein Roman von der Sorte, die sich schnell, flüssig und in einem Rutsch lesen lassen und dabei durchweg gut unterhalten. Sprachlich ist die Kompetenz Biebers durchaus zu erkennen, wenngleich er einen betont einfachen Stil verwendet. Der Autor findet genau den richtigen Ton; er prahlt nicht mit seinen Möglichkeiten, verkauft sich aber auch nicht unter Wert.

Krimi ohne Lokalkolorit und Serienheld

Den Romanen von Bieber wäre ein wenig mehr Aufmerksamkeit zu wünschen. Warum das bislang nicht der Fall ist, darüber lässt sich streiten. Vielleicht muss hier wieder die alte Fabel vom »Regionalkrimi« herausgeholt werden: Krimis mit Lokalkolorit haben einen Identifikationsvorteil. Hierin werden real existierende Schauplätze in die Erzählung eingeflochten. Biebers Krimis spielen in »Terborn«, einer Phantasiestadt. Ein anderer Erklärungsansatz: Bieber hat keinen Serienhelden. Seine Geschichten sind in sich abgeschlossen. Auch in dieser Hinsicht fehlt es den Romanen Biebers also an möglicher Wiedererkennung.

Bieber bietet seinen Lesern aber auch mit diesem Roman eine runde Geschichte mit griffigen Charakteren. Bis in die letzte Nebenrolle sind alle Figuren stimmig skizziert. Auch der manchmal nervige Schulte bekommt vom Autor eine plausible Rechtfertigung dafür, dass er so viel Zeit in einen hoffnungslosen Fall wie Pulle investieren kann. Pulles Rückkehr in ein geregeltes Leben ist ein gut geschriebener Unterhaltungsroman, der sozialkritische Aspekte elegant außen vor lässt, obwohl sich zahlreiche Gelegenheiten dafür geboten hätten. Aber das will Bieber offenbar nicht. Sein Ziel ist in erster Linie die Unterhaltung. Kompliment, Ziel erreicht.

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norbert daum zu »Horst Bieber: Sein letzter Tresor« 21.09.2008
Da ich inzwischen alle Kriminalromane von Horst Bieber (spannend auch die alten, bei rororo veröffentlichten-), gelesen habe, freue ich mich auf jeden neuen Roman, da ich immer von gut konstruierten Plots ausgehen kann.
Zusätzlich freue ich mich über gelungene Beschreibungen von gesellschaftlichen Verhältnissen und Beschreibungen über politische Aktionen,
Aktionen im Umfeld unserer unmittelbaren Zeitgeschichte.
Ich würde mich über die erneute Veröffentlichung der älteren Bücher freuen, ich meine, auch diese würden ihre Leser finden.
Erwin Wieser zu »Horst Bieber: Sein letzter Tresor« 10.01.2007
Was die Geschichten von Horst Bieber immer wieder auszeichnet, ist die klare, prägnante Erzählweise. Trotz der vielen Volten in der Handlung "braucht" Bieber nur 190 Seiten. Andere Autoren hätten die Lerschaft mit mindestens dem Doppelten aufgewartet. Sehr gut lesbar, unterhaltsam, nachvollziehbar, spannend.
Sebastian zu »Horst Bieber: Sein letzter Tresor« 18.12.2006
Prinzipiell gefällt mir das Buch ganz gut. Gut zu lesen und unterhaltsam. Ich bevorzuge aber Krimis mit lokalem Bezug, und "Serientäter" gefallen mir grundsätzlich auch besser. Aber trotzdem wars nicht das letzte Horst Bieber-Buch was ich gelesen habe.
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