Horace McCoy

Eine biographische Skizze von Guido Billstein

Horace McCoy wurde 1897 in Pegram bei Nashville im US Bundestaat Tennessee geboren. Im Alter von 12 Jahren begann er sein Erwerbsleben als Zeitungsausträger; später arbeitete er als Handelsreisender und als Taxifahrer in New Orleans. Im Ersten Weltkrieg war McCoy als Luftwaffenhelfer in Frankreich stationiert, wurde mit einem Orden dekoriert und erlitt eine Kriegsverwundung. Nach Heimkehr und Kriegsende begann er 1922 eine journalistische Laufbahn als Sportredakteur und Kolumnist für die texanische Zeitung The Dallasite. Zwar verlor McCoy diesen Job während der Großen Depression; es gelang ihm jedoch 1927, seine erste Story The Devil Man an Black Mask, das seinerzeit führende US Krimi Magazin, zu verkaufen. Bald hatte er sich als Verfasser von Kriminalkurzgeschichten bei diversen Magazinen etabliert.

1931 ging McCoy nach Hollywood und wurde Drehbuchautor. Er verfasste Drehbücher zu Filmen wie Texas (1941 von George Marshall mit William Holdon und Glenn Ford), Gentleman Jim (1942 von Raul Walsh mit Errol Flynn) oder The Lusty Men (1952 dt. Die Draufgänger von Nicholas Ray mit Susan Hayward und Robert Mitchum). Berichten zufolge soll McCoy an über 100 Filmen mitgearbeitet haben, obwohl er nur bei 37 namentlich in den »Credits« erwähnt wurde. McCoys große Ambitionen wurden von Hollywood herbe enttäuscht, und diese Verbitterung über das Showbiz spiegelte sich in einigen seiner Romane wider.

McCoys bekanntestes Werk ist They Shoot Horses, Dont They? (1935, dt. Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss), eine existentialistisch anmutende Novelle über einen Mord, begangen als Akt einer Art aktiver Sterbehilfe während eines gnadenlosen Tanzmarathon zur Zeit der Großen Depression. Der Roman wurde 1969 unter gleichem Titel von Sidney Pollack mit Jane Fonda verfilmt und für acht Oscars nominiert. McCoys zweiter Roman No Pockets in a Shroud (dt. Das Totenhemd hat keine Löcher) erschien 1937; er erzählt die Geschichte eines jungen ambitionierten Journalisten, der sich im Kampf gegen die Korruption in Politik, Wirtschaft und Presse mit dem organisierten Verbrechen anlegt. I Should Have Stayed Home (1938, in Deutschland bislang unveröffentlicht) ist McCoys Abrechnung mit Hollywood: Ein glückloses Schauspielerpaar auf dem verzweifelten Versuch, den Weg zu Ruhm und Glanz zu schaffen. Hoffnungslos  Denn Hollywood, das ist eben big business, aber nur für einige, gebrochene Versprechen für den ganzen Rest. 1948, also zehn Jahre später, erschien mit Kiss Tomorrow Goodbye (dt. Schatten der Vergangenheit) ein klassischer Gangster-Roman, in dem der Protagonist Ralph Cotter, ein ausgebrochener Sträfling, durch ebenso geniale wie skrupellose und zynische Manipulation und Korruption von Polizei und Regierungsbehörden zum Top-League Gangster aufsteigt.

In den fünfziger Jahren erschienen noch zwei weniger bedeutende Werke McCoys, bevor er verbittert und gezeichnet von seiner Alkoholabhängigkeit 1955 in Beverly Hills an den Folgen eines Herzinfarktes starb.

McCoys Texte haben einen nihilistischen Ton. Sie sind deutlich antikapitalistisch und lassen eine gewisse Sympathie zum Kommunismus erkennen. Seine Protagonisten sind entweder Opfer von Weltwirtschaftskrise, Korruption, menschenverachtender Scheinheiligkeit und Geschäftemacherei oder, wie in Kiss Tomorrow Goodbye, nützen diese im Sinne des organisierten Verbrechens skrupellos aus. Sein Stil ist temporeich, geprägt durch kurze Szenen, aufeinanderfolgend wie in einem Filmdrehbuch. Die allgegenwärtige Gewalt dieser Gesellschaft ohne Moral äußert sich nicht in detaillierter Schilderung physischer Gemetzel sondern in schnellen Dialogen, die oft schärfer treffen als Bleikugeln dies könnten.

Bücher von Horace McCoy

Drehbücher:

  • (1936) Kampf in den Bergen
    The trail of lonesome pine
  • (1938) Gefährliche Mitwisser
    Dangerous to know
  • (1941) Flucht nach Texas
    Texas
  • (1942) Der freche Kavalier
    Gentleman Jim
  • (1942) Tal des Todes
    Valley of the sun
  • (1948) Brennende Grenze
    The fabulous Texan
  • (1950) Rollschuh-Fieber
    The Fireball
  • (1952) Bronco Buster
  • (1952) Die Schönste von Montana
    Montana Belle
  • (1952) Sturmfahrt nach Alaska
    The world in his arms
  • (1952) The Lusty Men
  • (1954) Blut im Schnee
    Dangerous Mission
  • (1955) Des Teufels rechte Hand
    Texas Lady
  • (1955) Die Stadt der toten Seelen
    Rage at Dawn
  • (1955) Postraub in Central City
    Road to Denver

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