Letzter Weg von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2007
unter dem Titel Last Run,
deutsche Ausgabe erstmals 2008
bei Lübbe.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Florida, 1990 - 2009.
Folge 2 der Sam-Becket-Serie.
- Sutton: Severn House, 2007 unter dem Titel Last Run. 410 Seiten.
-
Bergisch Gladbach: Lübbe, 2008.
Übersetzt von Rainer Schumacher.
ISBN:
978-3-404-15902-4. 410 Seiten.
'Letzter Weg' ist erschienen als
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In Kürze:
Blutüberströmt lag Cathy zwischen ihren toten Eltern. Manchmal träumt sie noch davon. – »Du rennst«, sagt ihre Freundin Key, »als wolltest du vor etwas davonlaufen.« Cathy Robbins läuft für ihr Leben gern. Als Key Flanagan, die beste Läuferin der Highschool, Cathy fragt, ob sie mit ihr trainieren will, ist Cathy im siebten Himmel. Doch am Strand von Miami ist ein Läufer brutal ermordet worden. Und bald wird auch Cathy um ihr Leben rennen.
Das meint Krimi-Couch.de: »Seelenpein und Mörderherzen«
Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger überspringen
Was 1999 in Florida als Grausames Spiel geendet hat (2002 bei Bastei Lübbe), findet nun seine Fortsetzung. Die Engländerin Hilary Norman schiebt mit Letzter Weg (Last Run) einen Nachfolger rund um den Detective Sam Becket vom Miami Beach Police Department und seine Frau, die Psychologin Grace Lucca ebenfalls bei Bastei Lübbe in der Übersetzung von Rainer Schumacher auf den deutschsprachigen Buchmarkt.
Für das Verständnis dieses Thrillers kann es nicht schaden, wenn man Grausames Spiel kennt, aber der Verlag versteht das Buch als abgeschlossene Fortsetzung …was nun? Abgeschlossen oder doch Fortsetzung? Auf jeden Fall wird der Leser lange brauchen, um die verzwickten Familienverhältnisse innerhalb des Polizistenhaushalts halbwegs klar zu verstehen, aber diese verworrene Konstruktion hier auszubreiten, würde den Rahmen einer Rezension bei Weitem sprengen.
Fakt ist, das am Strand bislang drei Menschen mit stumpfen Gegenständen erschlagen wurden. Berstende Gesichtsknochen und irre Schreie sind Markenzeichen des Killers. Aber ein Junge, der bei Grace in psychologischer Behandlung ist, hat den Mörder gesehen, worauf er gleich noch mehr psychologische Behandlung braucht. Das nützt aber gar nichts, der Bursche überlebt die nächsten Tage nicht, worauf auch die Psychologin eigentlich psychologische Behandlung braucht.
Dafür ist aber keine Zeit, denn Sams Bruder hat eine bildhübsche Freundin, die Polizistin ist und gerne ins Morddezernat aufsteigen möchte und sich jetzt intensiv, gegen den Willen von Sam, um die Morde kümmert. Nach einem Streit mit Sams Bruder geht dieser am Strand spazieren und wird Opfer des Killers, überlebt den Anschlag aber mit viel Glück und kann nach tagelangem künstlichen Schlafkoma den Täter identifizieren.
Inzwischen hat Cathy das Lauftraining mit der lesbischen Highschoollaufmaschine Kez begonnen und diese verdreht ihr gehörig den Kopf. Bis auch Cathy heraus findet, wer der Totschläger vom Strand ist. Das bringt auch sie in Gefahr und Sam und dessen zukünftige Schwägerin haben alle Hände voll zu tun, die Kartoffeln aus dem Feuer zu holen …
Eigentlich reicht es jetzt schon. 300 Seiten verzwicktester Familiengeschichte sind um, der Fall ist geklärt und plötzlich legt die Autorin für weitere 100 Seiten los, weil offenbar ein Mörder im grausigen Spiel nicht reicht und noch nicht alle handelnden Personen ihre Schuldgefühle ausgelebt haben. In einem Schreibstil, der an die Reportagen von »Goldenes Blatt« und Co. erinnert, wälzt die Autorin munter weiter Seelenpein und Mörderherzen aus, so dass man den Aufkleber »Spannung pur« auf dem Titel nur genervt entfernen kann.
Das Konstrukt der Autorin und ihre Schilderung der seelischen Nöte aller Beteiligten quält sich über die Seiten wie eine Mischung aus Rosamunde Pilcher und Elizabeth George, ohne jedoch auch nur annähernd die Qualität der Vorgenannten zu erreichen. Jeder Groschenroman aus dem Bastei-Verlag bringt mehr Lesevergnügen als dieser Letzte Weg, der für mich mit Sicherheit auch das letzte Buch der Schriftstellerin war. Mehr an platten und stereotypen Seifenopernfiguren findet man höchstens in den diversen Telenovelas auf den Privatsendern, so dass man diese Lektüre mit gutem Gewissen nur einer dementsprechenden Zielgruppe zu lesen geben kann. Allen anderen sei eindringlich davon abgeraten, mit diesem wirren Geschreibe die Zeit tot zu schlagen.
Wolfgang Weninger, September 2008
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