Die Rückkehr des Tanzlehrers von Henning Mankell

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2000 unter dem Titel Danslärarens återkomst, deutsche Ausgabe erstmals 2002 bei Zsolnay.
Ort & Zeit der Handlung: Schweden / Norrland, 1990 - 2009.

  • Stockholm: Ordfront, 2000 unter dem Titel Danslärarens återkomst. 505 Seiten.
  • Wien: Zsolnay, 2002. Übersetzt von Wolfgang Butt. ISBN: 3-552-05205-4. 505 Seiten.
  • Wien: Zsolnay, 2004. Übersetzt von Wolfgang Butt. ISBN: 3-552-05308-5. 505 Seiten.
  • München: dtv, 2004. Übersetzt von Wolfgang Butt. ISBN: 3423207507. 505 Seiten.
  • München: dtv, 2009. Übersetzt von Wolfgang Butt. ISBN: 978-3423211710. 505 Seiten.

'Die Rückkehr des Tanzlehrers' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Um auf andere Gedanken zu kommen, fährt Stefan Lindmann, 37 Jahre, Polizeikommissar in Südschweden, hinauf nach Norrland. Dort hat sein ehemaliger Kollege Herbert Molin nach seiner Pensionierung gelebt, bis er Opfer eines Gewaltverbrechens wurde. Lindmann entdeckt, dass Herbert Molin ein ehemaliger SS-Mann war, der 1942 als Freiwilliger auf seiten Hitlers in den Krieg zog. Wenig später findet Linmann ein weiteres, schlimm zugerichtetes Mordopfer vor, Molins Nachbar, einen pensionierten Geiger. War hier zweimal derselbe Täter am Werk?

Das meint Krimi-Couch.de: »Der Roman ist von Anfang bis Ende spannend und fesselnd« 84°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Vorangestellt ist dem Roman ein Prolog, der im Jahr 1945 spielt, über 50 Jahre vor der eigentlichen Handlung. Der englische Henker Davenport wird nach Deutschland geflogen, wo er innerhalb von zwei Stunden zwölf deutsche Kriegsgefangene hinzurichten hat. Schon hier wird klar, dass die Ursprünge des Verbrechens, das im Jahr 1999 in Schweden geschah bis weit in die Vergangenheit hineinreichen.

Doch zunächst wollen wir Mankells neuen Protagonisten Stefan Lindman kennenlernen. Lindman ist 37 Jahre alt und ist Polizeibeamter in Borås. Lindman hat zwar eine feste Freundin, die Polin Elena, doch leben beide in getrennten Wohnungen. Sein einziges Hobby ist der heimische Fußballclub Elfsborg. Für Lindman beginnt das Buch gleich mit einem Schicksalsschlag. Im Krankenhaus bekommt er die Diagnose gestellt, dass er an Zungenkrebs leidet. Noch gar nicht fähig, einen klaren Gedanken fassen zu können, wartet in der Cafeteria des Krankenhauses beim Blättern in einer Zeitung gleich der nächste Schock: Herbert Molin wurde ermordet.

mit einer Peitsche das Fleisch vom Körper gezogen

Herbert Molin war ein ehemaliger Kollege, längst pensioniert und inzwischen fast 80 Jahre alt. Er zog, nachdem er aus dem Polizeidienst ausschied, in den hohen Norden nach Härjedalen und lebte dort zurückgezogen alleine in einem entlegenen Haus im Wald. Und nun war er bestialisch ermordet worden. Ihm wurde solange mit einer Peitsche das Fleisch vom Körper gezogen, bis er tot war. Da hatte wohl jemand einen besonders starken Hass auf Molin gehabt.

In drei Wochen soll Lindmans Behandlung beginnen. Bis dahin ist er krank geschrieben. Auf der Flucht vor der Krankheit und der eigenen Angst will er zunächst Urlaub auf Mallorca machen, entschließt sich dann jedoch spontan, nach Norrland zu fahren, um zu sehen, wie und wo Molin gelebt hat und sich nach dem Stand der Ermittlungen zu erkundigen.

Mit dem zuständigen Beamten, der den typisch schwedischen Namen Giuseppe Larsen trägt, versteht er sich auf Anhieb sehr gut, so dass er auch sofort Einblick in die laufenden Ermittlungen bekommt, obwohl er nur als Privatperson anwesend ist. Im Haus hat der Täter mit Molins blutigen Füssen Abdrücke nach dem Schema von Tangoschritten hinterlassen. Molin war zwar begeisterter Tänzer, doch bleibt dieser Hinweis ein Rätsel.

ein überzeugter Nazi

Auf der Suche nach dem Motiv in Molins Vergangenheit findet Lindman durch Zufall heraus, dass sein ehemaliger Kollege im zweiten Weltkrieg der Waffen-SS angehörte und bis zuletzt ein überzeugter Nazi war. Im Zuge der Ermittlungen stellt sich heraus, dass der Nationalsozialismus im Krieg in Schweden stark verbreitet war und auch heute noch stärker organisiert ist, als das der Bevölkerung bewusst ist. Auf einer Mitgliederliste entdeckt Lindman dabei sogar den Namen seines verstorbenen Vaters.

Gespannt sein durfte man auf Mankells neuen Kriminalroman, den ersten der Nach-Wallander-Zeit. Es ist auf jeden Fall wieder ein unverkennbarer Mankell geworden. Nur fragt man sich, warum der Protagonist hier nicht mehr Kurt Wallander heißen darf, sondern Stefan Lindman. Vom Charakter her könnte Lindman fast Wallanders Zwillingsbruder sein. Ein Eigenbrötler mit Beziehungsproblemen, Zukunftsängsten, voller Selbstzweifel, psychisch labil und mit recht eigenwilligen Methoden. Ich hatte ob des abrupten Serienendes einen radikalen Einschnitt, vielleicht etwas von der Stilrichtung her anderes erwartet. Doch hätte man diesen Fall durch kleine Änderungen ebenso auf Wallander zuschneiden können.

Dies mag jetzt einerseits eine kleine Enttäuschung sein, weil der Autor eben absolut nichts Neues gebracht hat, zum anderen aber hat man die bekannte Mankell-Qualität und Wallander-Fans werden dieses Buch mit Begeisterung verschlingen. Nicht mehr in Schonen spielt der neue Roman, sondern Mankell hat die Handlung nach Härjedalen in Norrland verlegt, dort wo er selber geboren wurde. Doch hat er trotzdem einen kleinen Bezug zu den Wallander-Krimis geschaffen: Die Figur des Porträtmalers Wetterstedt ist der Bruder des Justizministers Wetterstedt, der in »Die falsche Fährte« eines der Mordopfer gewesen ist.

Wallanders Schreibstil ist auch wieder unverkennbar. Mit seiner unverblümten und sehr einfachen Sprache bringt er die Dinge auf den Punkt. Durch seine zahlreichen Wiederholungen sorgt Mankell dafür, dass der Stoff auch für ungeübte Krimileser leicht eingängig ist, ohne dass es aufdringlich oder langweilig wird. Einzig störend war für mich beim Lesen, dass der Autor seine männlichen Charaktere ständig »pissen« lässt. Es mag ja durchaus einmal angebracht sein, zu beschreiben, dass Lindman auf seiner langen Autofahrt zum Wasserlassen anhalten muß, doch ist es für die Handlung wirklich nicht von Belang, ständig zu erfahren, dass der eine oder andere in einer beliebigen Situation gerade mal »pissen« muss. Auch wirkt der ständige Gebrauch des doch leicht ordinären Wortes »pissen« unangebracht im Vergleich zur sonstigen Sprache des Autors, wenigstens einmal wird auch »gepinkelt«.

Überraschend: Die Stärke des deutschen Einfluss während des Zweiten Weltkriegs in Schweden

Mit dem Nationalsozialismus hat sich Mankell diesmal von einer anderen Seite her seinem Grundthema, der zunehmenden Kriminalität in Schweden, genähert. Dabei ist es schon überraschend zu erfahrend, wie stark die deutschen Einflüsse im nach außen hin so überaus neutral erscheinenden Schweden zu Zeiten des zweiten Weltkriegs gewesen sein müssen. Die Gefahren für die Gesellschaft des Landes durch die organisierte Unterwanderung mit rechtsradikalen Einflüssen stellt der Autor in bewährter Manier dar. Die Bedrohung von Lindmans Leben durch die heimtückische Krankheit darf dabei durchaus als Metapher des zentralen Themas gesehen werden.

Der Wechsel der Erzählperspektiven ist ebenfalls eine typische Eigenart des Autors. So wird das erste Kapitel aus Sicht des Mordopfers geschildert, später verfolgt der Leser weitgehend den Protagonisten, doch immer wieder mit Einblicken in die Sicht des Mörders, der keineswegs als die Bestie dargestellt wird, die man aufgrund der Durchführung des Verbrechens erwarten konnte, sondern eigentlich als Mensch mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Auch das Opfer Herbert Molin ist nicht der von Grund auf böse Nazi, sondern man erfährt auch etwas über die Motive, die ihn dazu gemacht haben.

Auch wenn dem Leser die Figur von Molins Mörder bereits nach 150 Seiten offenbart wird, bleibt der Roman doch von Anfang bis Ende spannend und fesselnd. Denn noch bleibt genügend auch für den Leser, der der Polizei immer schon ein paar Schritte voraus ist, aufzuklären.

Ich hab eigentlich nur noch auf einen Showdown mit großer Verfolgungsjagd gewartet, bei der der Täter entkommt, weil der Polizist pissen muss.

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josepha bamba zu »Henning Mankell: Die Rückkehr des Tanzlehrers« 05.03.2015
ich habe den roman sehr spannend gefunden und seine sprache ist einfach zu verstehen.ich mochte wissen ib den thema des buch ein aktuel thema der deutschen literatur ist.
was hatmir in diesem buch gefallt die richtige historische informationen.Dank diesem Roman habe ich viel uber den nazismus gelernt.
Traudel zu »Henning Mankell: Die Rückkehr des Tanzlehrers« 21.05.2013
Ich kann dem Rezensenten Peter Kümmel nur zustimmen. Das Buch ist spannend und gut geschrieben wie alle Bücher von Mankell, die ich bisher gelesen habe -aber das häufige "pissen" ist mir ebenfalls negativ aufgefallen (und dass einmal auch gepinkelt wurde).Vielleicht hat's mit der Übersetzung zu tun, vielleicht ist das schwedische Wort dafür nicht so stark wie im deutschen. Im französischen scheint mir das Wort "pisser" auch nicht ganz so stark wie im deutschen.Ich habe noch ca. 30 Seiten zu lesen bis ich mit dem Buch fertig bin und schwanke zwischen schnell weiterlesen und sich den Schluss noch ein bisschen aufheben. Nichts ist so traurig wie ein soeben ausgelesenes Buch !
H. Mezger zu »Henning Mankell: Die Rückkehr des Tanzlehrers« 08.11.2012
Also ich hab erst Achtzig Seiten gelesen, und kann jetzt schon sagen, dass Mankells Schreibstil der bisher beste und spannenste ist ,den ich jemals präsentiert bekommen habe. Die Story rollt echt gut an, also Mankell hat Rankin in meiner persönlichen Lieblingsautoren-Liste abgelöst!
Also kaufen, leihen und einfach abschalten.
95°
PHU zu »Henning Mankell: Die Rückkehr des Tanzlehrers« 25.08.2010
Meiner Meinung nach der fast spannenste und interessantes der Mankell-Krimis. Sehr informativ. So wird auch eine Seite Schwedens dargestellt über die man/frau sich bewusst werden sollte. Der Rechtsextremismus - ein europäisches Problem, das wir alle angehen sollen!
Ein auch heute noch immer lesenswertes Buch!!
HALLOOO zu »Henning Mankell: Die Rückkehr des Tanzlehrers« 08.03.2010
wie hieß nochmal die frau von molin?
i-was mit EDie Nazis hatten in Schweden nicht unerheblich viele Anhänger, deren Ideologie sich auch nach dem 2.Weltkrieg etablieren konnte, dies nicht in Gestalt prolliger Skinheads, sondern als Netzwerk innerhalb einer bürgerlich wirkenden Gesellschaft.
Mitten in den Ermittlungen geschieht ein zweiter Mord.Opfer ist der weit von Herbert Molin entfernt lebende Nachbar, ein Musiker, der für Herrenmenschenideologien überhaupt nicht zugänglich war.Besteht ein Zusammenhang zwischen den beiden Morden?
circlesquare zu »Henning Mankell: Die Rückkehr des Tanzlehrers« 03.01.2010
obwohl es nicht so spannend ist wie manche andere bücher die ich bis jez gelesen habe, hat es mich so sehr in den bann gezogen, dass mir beim lesen wirklich nie langweilig wurde. mankells art zu erzählen ist einfach nur geil (mir fällt irgendwie kein anderes wort ein... )
das war mein erstes buch von mankell und es ist wirklich empfelenswert und ich werde bestimmt noch mehr von ihm lesen.
peter maag zu »Henning Mankell: Die Rückkehr des Tanzlehrers« 25.11.2009
Das buch habe ich bis zur hälfte gelesen und finde es ungemein spannend. Aber auch bedrückend weil soviel von der wirklichkeit mit hineinspielt. Damit meine ich den vermehrt umsich greifenden rechtsextremismus.
Über einige der kommentare wundere ich mich. Flach,schlechtestes buch? das verstehe ich nicht.
Mathias Lietz zu »Henning Mankell: Die Rückkehr des Tanzlehrers« 26.06.2009
Figuren super gezeichnet, Set wurde super gewählt, Storyfundament beweist historische Kompetenz, Spannung durch glaubwürdige Darstellung der Ermittlungsarbeit, Verschiebung der Grenzen zwischen Gut und Böse...

All das fällt mir ein, wenn ich an den Tanzlehrer denke, aber sicher nicht "fad" oder "langatmig". Menschen, die sich keine Zeit für einen Mankell nehmen können, sollten es lassen, über ihn zu schreiben. Es gibt keinen Mankell-Krimi der nicht einmal ganz bewusst Längen enkehren lässt, damit der Leser die schwere und kraftzerrende Ermittlungsarbeit versteht. So hat der Autor selber auch mehr Zeit, sich mit seinen Figuren zu beschäftigen.

Empfehlenswert und besser als ein Großteil seiner Wallander-Geschichten, die sich irgendwann alle gleich gelesen haben, wo es letztlich nicht mal eine richtige abschließende Auseinandersetzung mit Wallanders Sellenzustand gab.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Stephie zu »Henning Mankell: Die Rückkehr des Tanzlehrers« 17.06.2009
Ich bin erstaunt, wie unterschiedlich doch Geschmäcker sind. "Die Rückkehr des Tanzlehrers" war mit Abstand eines der schlechtesten Bücher die ich gelesen habe. Story flach, langweilig ohne jegliche Spannung geschrieben und dann noch diese Charakter...einfach nur ätzend. Es ist mir immernoch ein Rätsel, wie ich es schaffen konnte dieses Buch zuende zu lesen, liegt wohl an dem Autor, von dem ich bis zur letzten Seite erwartet habe, dass er noch die Kurve kriegt. Rausgeschmissenes Geld und Zeit!
LotteLiest zu »Henning Mankell: Die Rückkehr des Tanzlehrers« 04.06.2009
Ich weiß noch nicht so genau, wie ich dieses Buch für mich bewerte.

In Erinnerung bleiben mir die vielen Gänge im Buch - Piss- und Spazier...

Die Wut und der Hass, die aus der Tat sprechen, haben meiner Meinung nach nicht ganz zum Motiv gespasst. Da hätte ich mehr erwartet. Oder weniger Hass nach so vielen Jahren.

Die Ermittlungsarbeit und die Handlung, die sich schön Schritt für Schritt aufbaut, haben mir gefallen.
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.

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