Zugvögel von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2002 bei --.
-
Graz: --, 2002.
ISBN:
3831137099. 227 Seiten.
'Zugvögel' ist erschienen als
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In Kürze:
Bumm! Ein Sandsack fällt auf die Bühne und begräbt Serge Bessov unter sich. Serge, der Sohn des berühmten Burgtheatermimen Hanns Bessov, ist tot. Sein Ableben bleibt nicht das einzige unter jungen Nachwuchstalenten. Ihnen gemeinsam ist, dass sie alle aus Familien stammen, die Fernseh- und Schauspielrollen für sich gepachtet haben. Ihr Talent haben sie angeblich von Großeltern oder Eltern geerbt. Ihr wirkliches Können hält sich in Grenzen. Mittendrin eine Talkqueen, die sich fast an ihrer Quotengeilheit verschluckt und ein Manager, der, statt groß aufzutrumpfen, nur mit Müh und Not dem Strafvollzug entkommt. Major Benjamin Kold von der Grazer Kriminalpolizei sieht sich unvermittelt mit dieser Unglücksserie konfrontiert. Um sein Kulturdefizit zu verringern, besucht er das Musical »Falco meets Amadeus« im Grazer Opernhaus. Marcel Hennig, Enkel der vergötterten Schauspielerin Hertha von Hennig, greift in die Saiten seiner Stromgitarre und lebt auf der Bühne qualvoll ab. Gemeinsam mit seinem Assistenten Varschinski begibt sich Kold in die Welt des Showbiz, wo er einige sehr verwunderliche Entdeckungen macht.
Das meint Krimi-Couch.de: »Bei diesem Buch überwiegen Schmäh und Szenedarstellungen«
Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger überspringen
Tatort Schauspielhaus Hamburg: Der Vorhang fällt und mit ihm ein Sandsack, der Serge Bessov trifft und tötet. Serge war zwar eine mimische Niete, aber für seinen Vater, den Burgtheaterliebling Hanns Bessov, war er der vergötterte, legitime Nachfolger.
Alle zeigen ihre falsche Trauer, auch der Manager von Hanns Bessov, Bernard Stone, der eigentlich Stanic heißt und unter der despotischen Fuchtel des Mimen leidet.
Tatortwechsel: Wien, Schloss Schönbrunn. Bei Dreharbeiten auf einem Gerüst im Freien stürzt die Jungschauspielerin Sissy Habinger von selbigem. Der Spross einer bekannten Schauspielerdynastie stirbt noch auf dem Vorplatz.
Auf der Autobahn Richtung München fährt Kevin Bauer, Sohn einer bekannten Filmproduzentin, angeblich vollgedröhnt mit Rauschgift, mit seinem Porsche ungespitzt unter einen LKW und haucht sein Leben im Wrack aus.
All das interessiert Major Benjamin Kold von der Grazer Polizei reichlich wenig. Er sonnt sich in den Keys von Florida und verbringt seine letzten Urlaubstage. Bei seiner Rückkehr erkennt er, dass auch das Verbrechen in Graz offensichtlich Urlaub macht, denn es herrscht tote Hose und auch sein Freund Mike Köhn, soeben zum Chefredakteur des »Express« befördert, sehnt sich händeringend um eine Schlagzeile.
Diese bietet ihm Ben Kold, als im Opernhaus in Graz während einer Aufführung des Musicals »Falco« der untalentierte Hauptdarsteller an den Folgen eines Stromschlags durch eine manipulierte E-Gitarre das Zeitliche segnet.
Nicht nur Ben Kold fällt auf, dass zwischen diesen Morden ein Zusammenhang stehen könnte . …
Helmut Gekle hat in seinem zweiten Krimi rund um den Grazer Ermittler Benjamin Kold die Schicki-Micki-Szene ordentlich auf der Schaufel. In etlichen Sequenzen sieht man das Gesicht einiger Prominenter förmlich vor sich, und wenn die TV-Quoten-Queen Nora sich mittels ihrer prallen Rundungen quer durch die Senderleitung in der Horizontalen bewegt, dann könnte der Vergleich …aber nein, Helmut Gekle hat alles nur erfunden und eventuelle Ähnlichkeiten mit Lebenden sind reiner Zufall.
Wie schon in seinem ersten Krimi »Drosselkönig« bemerkt man bei Helmut Gekle, dass seine Leidenschaft eigentlich dem Schreiben satirischer Stoffe gehört, denn auch in den »Zugvögeln« wimmelt es von zum Teil derbem Humor und Seitenhieben auf das, was sich Leser gewisser Paparazzi-Journale mit Genuss auf der Zunge zergehen lassen.
Im Endeffekt überwiegen bei diesem Buch auf 224 Seiten Schmäh und Szenedarstellungen deutlich über das kriminalistische Element. Auch wenn man gerne wissen möchte, wen Major Benjamin Kold des Mordes zu überführen hat, bleibt die Lösung reichlich offen und ist nicht unbedingt befriedigend.
Helmut Gekle hat einen locker zu lesenden Ausflug ins Kriminalistische gemacht, bei dem gelegentlich die steirische Syntax Oberhand über das Hochdeutsche behält. Genau daraus ergeben sich aber die Lacheffekte, wenn er selbst aus seinen Werken liest, denn Gekle leugnet seine obersteirischen Wurzeln nicht. »Zugvögel« muss man deutlich unter den Begriff Regiokrimi einordnen, aber vielleicht ist er gerade deswegen auch für andere deutschsprachige Leserkreise von Reiz.
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