Nasses Grab von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2008
bei Blanvalet.
Ort & Zeit der Handlung: Tschechien / Prag, 1990 - 2009.
-
München: Blanvalet, 2008.
ISBN:
978-3-442-37038-2. 380 Seiten.
'Nasses Grab' ist erschienen als
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In Kürze:
Sommer 2002. Das Jahrhunderthochwasser hat ganz Prag überflutet. Als der Pegel der Moldau allmählich wieder sinkt, schwimmen der Feuerwehr im Fußgängergeschoss der Metro unter dem Wenzelsplatz Särge entgegen. Gibt es etwa einen Friedhof unter der Altstadt? Nein, denn die Särge sind leer – bis auf einen: darin ruht eine Mumie. Kriminalkommissar David Andel, die Pathologin Magdalena Axamit und die Reporterin Larissa Khek haben alle Hände voll zu tun, um die Identität der rätselhaften Leiche zu entschlüsseln, die 25 Jahre zuvor eines gewaltsamen Todes gestorben ist …
Das meint Krimi-Couch.de: »Dem langen Schweigen folgen viele Zufälle«
Krimi-Rezension von Eva Bergschneider überspringen
Nasses Grab ist das erste Buch der gebürtigen Tschechin Helena Reich. In dem Interview am Ende des Romans erfährt man, dass die Jahrtausendflut in Prag, die 2002 auch in Deutschland verheerende Schäden angerichtet hat, tatsächlich Särge aus der U-Bahn geschwemmt hat. Die damalige Journalistin der »Prague Post« deckte durch Recherchen das Geheimnis auf, was sich dahinter verbarg. Da sich allerdings keiner der Befragten zitieren lassen wollte, verarbeitete Helena Reich die Geschichte nicht zu einem Artikel, sondern zu einem Kriminalroman.
Ein morbider Fund
Mitten im Zentrum der »goldenen Stadt« spült die überlaufende Moldau einen morbiden Fund an die Oberfläche, der die Prager Feuerwehr verunsichert; Särge. Sie sind leer, bis auf einen, der eine mumifizierte Leiche beherbergt. Wer ist der Tote und wann ist er gestorben? Wie kommt er in einen Sarg, der in der Metro verborgen war?
Der Polizeichef Oberst Kohout hat schon genug Probleme mit dieser Überschwemmung und keine Lust, sich auch noch um eine mysteriöse Leiche zu kümmern. Also leitet er sie an das archäologische Institut weiter.
Die Archäologin Xenia Bondy bezweifelt, dass die Leiche antik ist und bittet ihre Freundin, die Pathologin Magda Axamit um Hilfe. Die Untersuchung bestätigt Xenias Verdacht, die Leiche trägt nämlich Nagellack. Magda findet außerdem ein Stück Finger im Hals der Toten und am Kopf eindeutige Spuren vehementer Gewalteinwirkung. Die Frau wurde erschlagen und ihr Gesicht bis zur Unkenntlichkeit traktiert. Magda und Xenia wenden sich an David Andĕl, Kommissar bei der Mordparta.
Die Reporterin Larissa Khek hat von einem der Feuerwehrmänner von der Leiche erfahren und wittert eine Titelgeschichte für die »Prague Post«. Nach der Veröffentlichung ihrer Story, meldet sich ein anonymer Anrufer und behauptet, die Tote sei die Schauspielerin Dana Volna, die eigentlich 1977 bei einem Autounfall ums Leben kam.
Lauter schöne talentierte Menschen
Helena Reichs Protagonisten fallen zunächst einmal durch Äußerlichkeiten auf; fast alle haben im Ausland studiert, in mehr als einer Sparte Karriere gemacht und sind mit einem makellosen Aussehen gesegnet. Erfrischend natürlich wirkt dagegen die nicht ganz so perfekte, weil naive und übereifrige Reporterin Larissa. Mit diesen hochtalentierten, schönen Menschen kann man sich nicht identifizieren. Das ist schade und wäre nicht nötig gewesen, denn ein Typ wie der besonne Ermittler Andĕl, der im Auto zur Cholerik neigt, wirkt sympathisch. Warum er unbedingt auch noch eine Laufbahn als Mathematiker am MIT geschmissen haben muss, weil nicht er, sondern Andrew Wiles Fermats letzten Satz beweisen konnte, weiß allein die Autorin. Helena Reichs Pathologin wirkt außerdem ein wenig wie die tschechische Ausgabe von Kay Scarpetta (Patricia Cornwell) oder Tempe Brennan (Kathy Reichs). Auch Magda Axamit passt in das schlau-hübsch-selbstbewusst Schema der amerikanischen Ermittler im Kittel hinein. Hier wurde leider die Chance vertan, mal einen Pathologentyp, der von der Ostblock Historie geprägt wurde, zu entwickeln.
Werbung für die tschechische Hauptstadt
Nasses Grab ist einer der Krimis, bei dem der Klappentext eine interessante Handlung verspricht. Man erwartet einen mysteriösen Kriminalfall mit historischen Bezügen, die in die Zeit des Kalten Krieges zurück reichen. Die Idee mit der Mumie in einem Sarg, der aus einem unterirdischen Hospital auftaucht, wird zunächst schlüssig aufgebaut. Je weiter die Handlung allerdings voran schreitet, desto mehr logische Patzer schleichen sich ein. Aus guten Ansätzen macht die Autorin eine Ansammlung von Zufälligkeiten in einer bemüht konstruierten Geschichte.
Jahrelanges Schweigen einer Mutter gegenüber ihrer fast vierzig jährigen Tochter über ihre wahre Herkunft ist nur eines der fragwürdigen Fundamente der Handlung. Nur gut, dass sie wenigstens einer Studienfreundin alles anvertraut hat, die ihr Wissen zum genau passenden Zeitpunkt preis geben kann. Weitere noch gravierendere Unstimmigkeiten sorgen dafür, dass der Autorin der Plot gründlich misslingt und man sich als Leser ein wenig verschaukelt fühlt.
Gelungen ist allerdings die atmosphärische Dichte des Romans mit besonderem Prager Flair. Liebevoll und detailreich beschreibt die Autorin die Gassen, Geräusche und den Puls der Moldau-Metropole. Es macht einfach Spaß, die Protagonisten durch den Prager Stadtverkehr, durch die alten Viertel oder die lauschigen Cafés und Restaurants zu begleiten. Dafür, dass der Roman Lust auf die goldene Stadt macht und zumindest ein wenig Geschichtsbezug zu bieten hat , gibt es ein paar Bonuspunkte am Barometer.
Eva Bergschneider, September 2008
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