Ariel. Tod der Spinnenfrau von Harri Nykänen

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 unter dem Titel Ariel ja Hämähäkkinainen, deutsche Ausgabe erstmals 2011 bei Grafit.
Ort & Zeit der Handlung: Finnland, 1990 - 2009.

  • Helsinki: WSOY, 2005 unter dem Titel Ariel ja Hämähäkkinainen. 298 Seiten.
  • Dortmund: Grafit, 2011. Übersetzt von Regine Pirschel. ISBN: 978-3-89425-664-7. 288 Seiten.
  • Dortmund: Grafit, 2013. Übersetzt von Regine Pirschel. ISBN: 978-3-89425-569-5. 288 Seiten.

'Ariel. Tod der Spinnenfrau' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Als zwei Tote erstochen aufgefunden werden, ist Ariel Kafkas Verwirrung perfekt: Ein Opfer ist die polizeibekannte Maija Erkkilä, genannt die Spinnenfrau, bei dem zweiten handelt es sich um keinen Geringeren als Aimo Ikonen, Kafkas ehemaligen Vorgesetzten. Was jedoch hatte der honorige Kriminalbeamte im Haus der Spinnenfrau zu suchen? Kafkas Nachforschungen bringen das ehrsame Bild seines früheren Chefs ins Wanken. Denn Ikonen hatte in jüngeren Jahren nicht nur ein Verhältnis mit Maija Erkkilä, sondern war zur Überraschung aller ein vermögender Mann. Es kommt der Verdacht auf, dass er einst an einem großen Banküberfall beteiligt war und sich bei Ermittlungen, die er leitete, illegal bereicherte. Als eine weitere Leiche im Haus der Spinnenfrau gefunden wird erschossen mit Ikonens Waffe und plötzlich dessen Nachbar und ehemaliger Partner Salo ein auffälliges Interesse an Kafkas Untersuchungen zeigt, wird die Sache immer mysteriöser.

Das meint Krimi-Couch.de: »Eine Schlaftablette übt den Dialog« 35°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Ach wie gut, dass Harri Nykänen seinem zweiten Roman um den jüdischstämmigen Ermittler Ariel Kafka, der in Helsinki amtiert, eine zweieinhalb seitige Personenliste vorangestellt hat, damit sich der Leser wenigstens halbwegs im Geschehen orientieren kann, denn diese verflixten finnischen Namen sind in dieser Vielzahl so schwer zu merken, dass man des Öfteren während der Lektüre des 280 Seiten dicken Kriminalromans aus dem GRAFIT Verlag zurück blättern muss, um sich bei der verworrenen Geschichte die Gestalten wieder richtig in Erinnerung zu rufen.

Harri Nykänen, in Finnland ein Star unten den (Drehbuch-)Autoren, vergisst leider während der gesamten Handlung das Erzählen. Er ruft im Gehirn des Lesers keine Bilder und keine Geschichten ab, sondern hängt die gesamte Story an dialoggeschwängerten Ermittlungsversuchen auf, die der farblose Kriminalkommissar Ariel Kafka mehr oder weniger planlos, aber im Endeffekt erfolgreich kombinierend, ohne jegliche Spannung absolviert.

Dabei könnte der Tod der Spinnenfrau schon durch die Ausgangslage ein heißer Polizeiplot sein. Maija Orvokki Erkkilä, die Spinnenfrau, liegt erstochen an der Treppe im Flur ihrer Wohnung. Sie, die mehrfach mit Unterweltlern verheiratet war, hat sich ihre Brötchen mit Erpressung, Betrug, sexuellen Kontakten und zu guter Letzt mit Wahrsagerei verdient. Einer ihrer potentiellen Liebhaber, Ariels nunmehriger Ex-Chef Aimo Ikonen, mit dem die Erkkilä angeblich einen Sohn hatte, wird ebenfalls erstochen in der Küche aufgefunden.

Ariels Ermittlungen bringen die kriminelle Verbindung der Beiden ans Licht und offensichtlich gibt es aus einem weit zurückliegenden Verbrechen Mitwisser und Mittäter, die nun ihren Anteil vom Kuchen haben wollen, oder wollte jemand den langjährigen Erpressungsversuchen der Toten ein Ende setzen? Und in Kafkas Untersuchungen kommt auch ans Tageslicht, dass nicht nur Aimo Ikonen ein korrupter Bulle war, sondern auch andere Beamte auf Weisung von oben die Augen zudrücken mussten.

Sehr behäbig geht Nykänens Ermittler ans Werk, interviewt sich durch die Vielzahl möglicher Beteiligter und hat nebenbei noch Probleme mit seinem Bruder, der nach ehelichem Krach bei ihm eingezogen ist. Kleine zwischenmenschliche Fünkchen können aber nicht darüber hinweg täuschen, dass der einsame Wolf Ariel Kafka eine viel zu brave Schlaftablette ist, der jeder Versuchung ein bisschen Leben in sein Leben zu bringen, gezielt aus dem Wege geht, um es nachher auch noch zu bedauern.

Der Autor vergisst völlig darauf, seinen Figuren Leben einzuhauchen. Sie sind alle platt und farblos und selbst die Verbrecher, so sie noch leben, können nicht eine Spur von Spannung ins Geschehen bringen. Wenn man diese langweilige Geschichte liest, kann man beim besten Willen nicht verstehen, warum Nykänen in Finnland als Starautor gehandelt wird. Seine Art zu schreiben ist genauso umständlich, wie der Originaltitel Ariel ja hämähäkkinaien, den Regine Pirschel aus dem Finnischen übersetzt hat. Warum man den nunmehr sechs Jahre alten Titel 2011 überhaupt auf den deutschsprachigen Buchmarkt gebracht hat, weiß wohl nur der Verlag, der mit Ariel – Tod der Spinnenfrau absolut keinen guten Griff getan hat.

Wolfgang Weninger, November 2011

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