Kein Lebenszeichen von Harlan Coben

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2002 unter dem Titel Gone For Good, deutsche Ausgabe erstmals 2005 bei Goldmann.

  • New York: Delacorte Press, 2002 unter dem Titel Gone For Good. 340 Seiten.
  • München: Goldmann, 2005. Übersetzt von Gunnar Kwisinski. ISBN: 3-442-45688-6. 448 Seiten.

'Kein Lebenszeichen' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Als Junge gab es für Will Klein nur einen Helden: seinen älteren Bruder Ken. Als Ken verdächtigt wird, eine junge Frau vergewaltigt und ermordet zu haben, bricht für Will eine Welt zusammen. Ken flieht, taucht unter und wird schließlich für tot erklärt. Doch dann erfährt Will, dass Ken noch lebt. Gleichzeitig verschwindet Sheila, Wills Freundin, spurlos. Die Vergangenheit scheint sich auf alptraumhafte Weise zu wiederholen, und Will muss seinen Bruder um jeden Preis finden, da nur dieser die Wahrheit kennt …

Das meint Krimi-Couch.de: »Vom Umgang der Lebenden mit den Toten« 82°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Will Klein hat sich mit seinem Schicksal arrangiert, sein New Yorker Stadtleben scheint in geordneten und glücklichen Bahnen zu verlaufen. Allerdings ist da ein Ereignis, das inzwischen schon elf Jahre zurück liegt und immer noch schwere Schatten auf seine Seele wirft. Damals wurde seine Freundin Julie ermordet und sein großer Bruder Ken war unter drückender Beweislast der Hauptverdächtige. Allerdings ward Ken seit jener Nacht nicht mehr gesehen und blieb trotz Großfahndung des FBI verschwunden. Die Kleins fanden sich schließlich damit ab, dass auch Ken damals ums Leben gekommen sein musste und seine Leiche wohl nie mehr aufgefunden werden würde.

Nun, elf Jahre später, flüstert Wills Mutter auf dem Sterbebett ihrem jüngeren Sohn ins Ohr, dass sein Bruder Ken noch am Leben sei und dass er zurückkommen werde, sobald er seine Unschuld beweisen kann. Und tatsächlich, als seine Mutter kurz darauf stirbt, entdeckt er in ihrem Nachlass ein erst zwei Jahre altes Foto seines geliebten Bruders. Die Freude über den zurück gewonnenen Bruder währt für Will aber nur sehr kurz, denn seine Lebensgefährtin Sheila verschwindet in der folgenden Nacht. Und dann geht es erst richtig los. Will hat kaum mit der Suche nach seinem vermissten Bruder angefangen, als das FBI bei ihm auftaucht. Sheilas Fingerabdrücke sind an einem Tatort in New Mexico, Tausende Kilometer von New York entfernt, gefunden worden. Sie ist Verdächtige in einem Doppelmordfall. Kurz darauf wird die grob geschändete Leiche von Sheila gefunden. Die Antwort darauf, wie dieses furchtbare Drama passieren konnte, erhofft sich Will von seinem vermissten Bruder, den er fortan fieberhaft sucht.

Erstklassiger Psychothriller …

Der Autor versteht es wie momentan kaum ein anderer, seine Leser von der ersten Zeile an zu fesseln. Die äußerst interessante Psyche Will Kleins wird von ihm umfassend und glaubwürdig dargestellt. Sein Verhalten, sein Umgang mit den auftretenden Schicksalssituationen ist ein Schwerpunkt in der Erzählung, wobei seine Motivation zu handeln für den Leser zu jeder Zeit nachvollziehbar ist. Der Umgang mit Trauer, mit dem Verlust von nahe stehenden Menschen wird facettenreich geschildert; das reicht von der absolut lähmenden Erschütterung bei dem einen bis hin zur (komödiantisch anmutenden) Anbetung von Lady Di bei jemand anderem.

In der ersten Hälfte der Handlung arbeitet Harlan Coben mit einigen Einschüben, bei denen er die Perspektive des Ich-Erzählers verlässt. Früh wird dem Leser dadurch deutlich, dass es in der Figur der Sheila einige Inkonsistenzen gibt. Ebenso werden bei diesen Einschüben sehr bald die beiden Bösewichter (und McGuane und »der Ghost« sind literarische Schurken übelster Kajüte) eingeführt. Der offene Kampf der beiden gegen Will auf der einen sowie dem FBI auf der anderen Seite ist Schlüsselelement im Spannungsaufbau bei Coben. Ferner liebt er es, mit dem Leser zu spielen, indem er durch die Behauptung seines Protagonisten, gewisse Dinge seien ganz logisch, die kritische Hinterfragung des Lesers ausschaltet. Wer sich hier vom Autor manipulieren lässt, verpasst Schlüsselstellen.

...mit einem enttäuschenden amerikanischen 08/15-Finale

Auf der Kehrseite der Medaille sorgt dieser Kampf Gut gegen Böse aber auch für den Genickbruch bei diesem Roman. Sowohl die Agenten des FBI (egoistische Fahndungsgeier) als auch die Verbrecher (skrupellose Massenmörder) erfüllen alle gängigen Klischees. Dadurch verdirbt Coben den Anspruch auf Alleinstellungsmerkmale. Außer Will Klein hat er irgendwie keinen interessanten wie originellen Charakter anzubieten.

Und dann das Finale …350 Seiten treibt er ganz solide die Spannungskurve in die Höhe, bringt dabei durchaus gute Ideen ein. Und dann kommt auf den letzten 90 Seiten irgendwie nichts Neues mehr. Alles schon mal da gewesen und in diversesten Hollywoodstreifen verwurstet worden. Macht den Eindruck von solidem Handwerk, Innovationskomponenten sind jedoch hier nicht mehr zu erkennen.

»Kein Lebenszeichen« ist ein sehr guter, begeisternder sowie fesselnder Psychothriller. Beifall verdient sich der Autor dabei in erster Linie für die Erarbeitung des Charakters seines Protagonisten. Die weithin spürbare Trauer geht teilweise unter die Haut. Schade, dass der sehr gute Gesamteindruck durch ein Standardfinale verdorben wird. Harlan Coben ist nicht weit davon entfernt, den Rang eines Spitzenautors zu erreichen …nur ungefähr 90 Seiten fehlten ihm hier.

 

Ihre Meinung zu »Harlan Coben: Kein Lebenszeichen«

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Blue zu »Harlan Coben: Kein Lebenszeichen« 23.08.2009
'Kein Lebenszeichen' war mein erster Coben und ich bin begeistert. Was für ein Hammer-Krimi!
Von der ersten Zeile weg hat mich Will Klein, der Hauptprotagonist abgeholt und auf eine Reise mitgenommen. Eine Reise, die an sich elf Jahre zuvor dramatisch beginnt. Und dann verschwindet auch noch Will's geliebte Freundin...
Es ist lange her, seit ich das letzte Mal ein Buch in der Ich-Form gelesen habe. Schon früher mochte ich solche. Und auch hier erlaubte mir diese Art der Erzählung eine atemberaubende Nähe zum Geschehen. Vom ersten Wort an empfand ich diesen Thriller als höchst spannend und diese Spannung hat sich für mich bis zum Schluss gehalten. Ich fand das Buch auf angenehme Art nicht klischeehaft und kann auch mit der Einschätzung eines 08.15 Endes nicht viel anfangen. Für mich war die Auflösung der Geschichte weder vorhersehbar, noch langweilig oder üblich.
Ich hoffe, weitere Coben Krimis werden mich so fesseln...
Henriette zu »Harlan Coben: Kein Lebenszeichen« 30.05.2009
Will Klein erfährt von seiner Mutter auf dem Sterbebett, dass sein Bruder Ken noch lebt. Ken wird als Mörder gesucht und ist seit elf Jahren auf der Flucht. Will ist neugierig und begibt sich auf die Suche. Plötzlich verschwindet seine Lebensgefährtin spurlos. Die Ereignisse überschlagen sich. Und Will und seine Familie werden von der Vergangenheit eingeholt.
Das Buch ist bis zum Ende sehr spannend. Immer wieder gibt es Geschehnisse und Wendungen, mit denen man nicht rechnet.
Der Schreibstil ist toll, fesselnd. Was mich persönlich stört, das die Geschichte in der Ich-Form geschrieben ist.
Der Thriller ist nur zu empfehlen.
hankhauser zu »Harlan Coben: Kein Lebenszeichen« 14.02.2009
Muss mich unbedingt Kollege/-in Kinskiera anschliessen. Coben ist kein Autor, den man in einer Tour lesen sollte. Angefangen mit dem ersten Bolitar-Roman, geht ihnen spätestens bei kein "Kein Lebenszeichen" die Luft aus. Man hat das Gefühl alles schon mal gelesen zu haben. Allerdings hab ich jetzt viereinhalb Cobens in Serie gelesen, also warum beschwer ich mich eigentlich. Denke nicht dass das Buch im Vergleich mit seinen Vorängern abfällt, brauch halt nur mal ne Pause. Viel Spass damit.
shaun zu »Harlan Coben: Kein Lebenszeichen« 08.12.2008
Der beste Coben, den ich bisher gelesen habe!!

Man denkt, man ist selbst auf der richtigen Spur...und dann ist doch alles wieder ganz anders!!

Das Ende war für mich definitiv nicht 08/15 und auch nicht vorhersehbar.
Das Buch strotzt gerade zu vor überraschenden Wendungen. Ich finde es wirklich fesselnd.
Gegen Ende hab ich das Buch nich mehr aus den Händen gelegt (und ein paar Tränen gabs ehrlich gesagt am Ende auch)

Shaun

(Ich würde das Buch auch nicht als Einstieg für Harlan Coben nehmen, sondern erst die "Bolitar-Reihe" empfehlen.)
NickSch zu »Harlan Coben: Kein Lebenszeichen« 11.10.2008
Es war mein erstes Buch von diesem Autor und mit Sicherheit nicht das letzte.
Es ist von Anfang an ein Temporeicher Thriller mit so vielen Geheimnissen die aber alle restlos im Laufe des Buches bzw am Ende aufgedeckt werden. Und auch die Protagonisten sind sehr lebhaft und glaubwürdig dargestellt, das man sich vorkommt man wäre einer von ihnen. Am Ende war ich doch sehr überrascht ich hatte mit einigem gerechnet doch auf diesen Ausgang war ich nicht gefasst.
Mein Herz klopfte auf den Letzten Seiten immer mehr und mein Adrenalinausstoß war so hoch , als die ganzen Geheimnisse gelüftet wurden ,das ich mir wie ein Spitzensportler vorkam der den Wettbewerb seines Lebens gewann. Und nicht wie jemand der gerade ein Buch zu Ende gelesen hatte. Auf jeden Fall mehr als nur empfehlenswert.
Kinskiera zu »Harlan Coben: Kein Lebenszeichen« 06.04.2008
Nun,da ich "Kein Sterbenswort" und" Kein Lebenszeichen" direkt hintereinander weg gelesen habe,muß ich sagen das "Kein Lebenszeichen" mir im direkten Vergleich nicht so gut gefallen hat ,..einige Sätze sind fast gleich und er benutzt auch ein Zitat welches er in "Kein Sterbenswort" genauso verwendet,
..Kein Zweifel ist es jedoch eine spannende Lektüre mit- wie immer vielen Wendungen.
Ich mag Coben möchte aber sagen das es besser ist zwischen den Büchern ein paar Tage vergehen zu lassen.

MfG
Kinskiera
snoozer zu »Harlan Coben: Kein Lebenszeichen« 13.01.2008
Ich fand die Geschichte ehrlich gesagt etwas sehr weit hergeholt und abstrus.
Aber egal, es ist schliesslich ein Roman und keine Doku.

Spannend und klug aufgebaut ist Kein Lebenszeichen sicherlich, allerdings auch relativ kompliziert, wer mit wem zu welcher Zeit und mit welcher Identität welche Art von Beziehung hatte.
Ich hatte jedenfalls Schwierigkeiten dem zu folgen und fand es aussergewöhnlich anstrengend.
Der 3x gewundene Schluss hat es kaum besser gemacht, allerdings wird am Ende wirklich alles aufgelöst - immerhin.

Mir haben die anderen Cobens besser gefallen, dieses hier ist ok.
Ich würde es allerdings nicht für den Einstieg zu Harlan Coben empfehlen
Alokasie zu »Harlan Coben: Kein Lebenszeichen« 07.01.2008
Es war glaube ich das vierte Buch von Coben das ich gelesen habe und ich fand dieses wie die anderen einfach spitze!!
Es ist spannend und sehr gut geschrieben.
Ich kann es auf jeden Fall weiterempfehlen!
Chris. zu »Harlan Coben: Kein Lebenszeichen« 06.10.2007
Hier meine Meinung zu Harlan Cobens "Kein Lebenszeichen"
Kurz gesagt: Schlecht, Finger weg, absolut nicht empfehlenswert!
Es ist weder spannend noch besonders originell oder interessant.
Will macht sich auf, die Rätsel seiner Vergangenheit zu lösen, natürlich gelingt es ihm.
Kaum Überraschungen, seicht, vorhersehbar.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Dok Furz zu »Harlan Coben: Kein Lebenszeichen« 13.11.2006
Kann die Meinung zu den letzten 90 Seiten auch nicht teilen.

"Kein Lebenszeichen" hatte ich in wenigen Tagen durch, mehrfach bis 3 Uhr morgens gelesen, da ich nicht erwarten konnte wie es weiter geht.

Passiert mir sonst eher selten.

Einer der besten Thriller, die ich bislang gelesen hab.

Dok Furz
www.saarfreun.de
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.

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