Canard Saigon von Harald Friesenhahn

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2012 bei Leykam.
Ort & Zeit der Handlung: , 2010 - heute.

  • Graz: Leykam, 2012. ISBN: 978-3701177899. 450 Seiten.

'Canard Saigon' ist erschienen als Hardcover

In Kürze:

Eine Serie von Sexualmorden erschüttert Wien. Die Opfer, alle Ausländerinnen, werden entführt und mit durchschnittener Kehle aufgefunden. Polizeioberst Marc Vanhagen und sein Ermittlungsteam stoßen, trotz modernster Ermittlungsmethoden, an ihre Grenzen. Weder die Nachforschungen in der rechtsextremen Szene noch die Überprüfung eines verdächtigen Chirurgen bringen konkrete Ergebnisse. Und der Täter mordet weiter. Bis sich Charles Wegner, ein einundachtzigjähriger ehemaliger Fremdenlegionär, der im Indochinakrieg gekämpft hat, meldet und die Verantwortung für die Mordserie übernimmt. Die Lebensgeschichte des alten Mannes ist eine Geschichte von Gratwanderungen zwischen Gut und Böse, zwischen Ekstase und Entsetzen. Und eine Geschichte, die verstörende Parallelen zu den Serienmorden ans Licht bringt …

Das meint Krimi-Couch.de: »Dieses Entlein ist ein prächtiger Schwan!« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Ein Neuling bekam im renommierten steirischen Leykam-Verlag die Chance mit Canard Saigon den »Schocker aus Österreich« in einer Hardcover-Version von über 500 Seiten zu veröffentlichen. Harald Friesenhahn hat jahrelang recherchiert, um seinen Thriller authentisch wirken zu lassen.

In Wien und Umgebung werden die Leichen von Frauen gefunden, zum Teil schwer misshandelt, gefoltert und bestialisch zur Schau gestellt. Das österreichische Innenministerium setzt eine Sonderkommission ein, der Polizeioberst Marc Vanhagen vorsteht und er sucht sich sein Team aus routinierten Fachkräften, die aber zum Teil nicht ganz beamtenkonform sind.

Es ist schnell klar, dass hier ein irrer Serienmörder sein Unwesen treibt, aber alle Ermittlung führen ins Leere, bis sich Charles Wegner meldet, ein ehemaliger Fremdenlegionär. Und er weiß Details, die eigentlich nur der Mörder wissen kann und er kann auch erklären, warum dieses Buch Canard Saigon heißt. Wegners Lebensgeschichte ist der Schlüssel zur Aufklärung, auch wenn bis dahin noch andere Frauen ihr Leben lassen müssen.

Wenn man nur die reine polizeiliche Ermittlungsarbeit nimmt, dann könnte der Erstling von Harald Friesenhahn bei Weitem keine so hohe Wertung erhalten. Obwohl der Autor einer der wenigen Krimischriftsteller Österreichs ist, der die korrekten militärischen Dienstgrade verwendet und auch bei der Arbeit am Tatort und in den Büros mit Akribie versucht, den Alltag der Ermittler authentisch zu schildern, sowohl bei Misserfolgen als auch bei Erfolgen, so kann er speziell seinem Chefermittler Marc Vanhagen nicht das Leben einhauchen, damit der Leser sympathisieren kann. Vanhagen bleibt weitgehend farblos und seine Haupttätigkeit scheint darin zu bestehen, sein Team zu leiten und permanent im Pausenraum Kaffee zu trinken und zu rauchen.

Dass ihm dann dennoch der entscheidende Glücksgriff gelingt und er den Hinweisen Charles Wegners folgt, macht die »Ente aus Saigon« erst zu einem Highlight. Denn wie ein Buch im Buch entwickelt sich die Lebensgeschichte des alten Mannes und hier hat Harald Friesenhahn all seine Recherchen und sein schreiberisches Vermögen eingebracht und eine Story entwickelt, wie sie packender nicht sein kann. Hier lebt der Leser mit, hier blüht das Leben in Südostasien auf und hier wird die traurige Wirklichkeit der Indochinakriege ohne Schnörkel beschrieben, so dass man sich der Faszination der Geschichte nicht entziehen kann.

Erst nach dieser packenden Lektüre nimmt auch die Krimihandlung rundum Fahrt auf, ohne dass hier zu viel davon verraten werden soll. Dass auch in Österreich in einen Kriminalfall und bis zu dessen Klärung Druck von oben und außerhalb gemacht wird, rundet zwar das Bild echter Ermittlungsarbeit ab und gibt der Handlung noch mal ein wenig Tempo bis zum Shoot-Out, aber die Brisanz aus dem Mittelteil wird dabei nicht erreicht.

Friesenhahns Arbeit ist logisch aufgebaut und auch in klaren Worten dargestellt. Auch die Dialoge sind nicht übertrieben, aber wirkliche Bilder erzeugt er nur im Mittelteil. Davor und danach liefert er gut brauchbare Spannungsliteratur, die den Leser bei der Stange hält, aber man vermisst ein wenig mehr Charakter im Ermittlerteam. Die wenigen privaten Sequenzen aus Marc Vanhagens Familienleben sind Alltag und auch aus dem restlichen Team sticht keiner hervor, wenn man vielleicht mal vom nicht ganz legalen IT-Spezialisten absieht. Grundlegend bleiben die Personen aber neutral und vielleicht kann gerade deswegen der Lebenslauf von Charles Wegner so intensiv wirken und für eine absolute Empfehlung von Canard Saigon sorgen.

Wolfgang Weninger, März 2012

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Sarajlic zu »Harald Friesenhahn: Canard Saigon« 15.04.2014
Um es vorab auf den Punkt zu bringen: Ich kann mich den überschwänglichen Kommentaren nicht anschließen. Friesenhahns „Saigoner Ente“ ist Durchschnittware - mit 50° auf der Krimi-Couch-Skala unter-, mit 85° aber definitiv überbewertet.

Dieses lauwarme Urteil liegt einerseits in der unglaubwürdigen Figur des Oberst Marc Vanhagen begründet. Ein hervorragender Ermittler, ein makelloser Familienvater, und Allround-Genie: Nicht nur liegt er in allem richtig (von der Teamzusammensetzung bis zur Spurenverfolgung am Ende), er ist auch Dyslexie-Experte, Schulrechtssachverständiger, American-Football-Enthusiast und schafft es, seiner liebenden Ehefrau mitten in einer Mordermittlung Blumen zu schenken. Tatsache: Seine beiden größten Probleme sind, von Deppen umgeben zu sein (die Lehrerin seines Sohnes, die politisch agierenden Vorgesetzten, die konservative Presse), und dass er es nicht zum Fußballspiel seines Sohnes schafft. Ein Übermensch, dieser Oberst... Ja nee, is' klar!

Andererseits aber hat mir Friesenhahns Schreibstil nicht gefallen; abseits der Dialoge findet sich bleischwere Parataxe. Ein Beispiel: „Marc Vanhagen saß im Konferenzraum und bereitete die Sitzung vor. Er fühlte sich wie die Spinne in der Mitte ihres Netzes. Dieser Fall hatte etwas Besonderes. Er hatte keinen Tatort. Marc dachte an seine bisherigen Fälle. Da hatte er seine Stärken ausspielen können. Und die lagen in der Tatortanalyse.“ – Lieber Herr Autor: Die deutsche Sprache kennt etwas, das sich Nebensätze nennt! Ferner traut Harald Friesenhahn seinen Lesern auch die banalsten Schlussfolgerungen nicht zu. Immer wieder wird ERST erzählt, dass Oberst Vanhagen erkannte, dass es sich um den perfekten Tatort handelte, DANACH wird erläutert, was die Stelle so perfekt macht; es wird ERST beschrieben, wie die Schlussfolgerungen sind, DANACH kommen die Begründungen. Mitdenken, Mitfiebern: Fehlanzeige.

Sterne verdient sich Friesenhahn durch die Darstellung der Geschehnisse in Indochina; man mag darüber streiten, ob fünf Seiten (S. 255-261 in der eBook-Version) explizit sexuelle Darstellung nicht ein wenig zu pornös sind, aber immerhin nimmt die Geschichte hier Farbe an und wirkt glaubwürdig. Auch am Ende liest sich das Buch flüssiger, wenngleich das Finale nicht übermäßig zu überraschen weiß.
AgathaC zu »Harald Friesenhahn: Canard Saigon« 16.10.2012
Ich habe das Buch sehr spannend gefunden, vor allem ab der Mitte. Die Schilderungen aus Indochina waren für mich teilweise hart an der Grenze des Verkraftbaren. Andererseits haben die außergewöhnlichen Vorkommnisse dort, das Buch erst aus der breiten Masse anderer Krimis herausgehoben.
Als Wienerin war es sehr für mich sehr interessant von den Schauplätzen und Lokalen zu lesen, die ich tatsächlich kenne. Die Geschichte wurde dadurch viel authentischer und im Vergleich zu den englischen Krimis, die ich sonst lese und wo mir die Schauplätze naturgemäß nicht so vertraut sind, war die Geschichte "echter".
Insgesamt ein tolles Buch.
boadicea zu »Harald Friesenhahn: Canard Saigon« 12.07.2012
der perfekte Ermittler, von Vorgesetzten, Mitarbeitern und Untergebenen gleichermaßen geliebt - nebenbei auch noch ein perfekter Ehemann und vorbildlicher Vater - muß ein ekelerregendes Verbrechen aufklären, wobei dem Wiener gleichrangige Kriminalisten aus Niederösterreich widerspruchslos und mit großem Enthusiasmus als Leiter der Ermittlungen akzeptieren und ihm jede Arbeit abnehmen!
Nebenschauplatz bzw. zweiter Handlungsstrang ist Indochina in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts mit noch grausigeren Vorkommnissen - ekelerregend. Also zum einen der perfekte unwiderstehliche Strahlemann und zum anderen die ekelerregenden Verbrechen - gar nicht mein Fal
Baerwurz zu »Harald Friesenhahn: Canard Saigon« 24.03.2012
@uwilein: wer ein Buch nach mühsam geschafften 65 Seiten endgültig beurteilt, der ist zumindest ansatzweise nicht der Zielgruppe zuzuordnen, die der Autor mit seinen 500 Seiten ansprechen wollte. Da wäre es vielleicht klüger gewesen, am Bahnhofkiosk einen Jerry Cotton zu kaufen, in dem es a.) mehr Leichen und b.) nur 68 Seiten Lesestoff gibt. Das in der Rezension darüber hinaus nicht nur lobende Worte, sondern auch deutliche Kritik enthalten sind, wäre jedem aufgefallen, der nicht nur des Lesens mächtig ist, sondern auch versteht, was er gelesen hat ...
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
uwilein zu »Harald Friesenhahn: Canard Saigon« 23.03.2012
was für Lobeshymnen für diesen unterdurchschnittlichen Thriller - bei dem ich nach dem ersten Mord und Seite 65 kampflos aufgegeben habe. Ich werde nie verstehen warum Krimi-Autoren sich nach spannenden Zeilen verfangen im ewig gleichen Cop-Kauderwelsch und seichten Dialogen - Ich bin enttäuscht und bereue, das Buch gekauft zu haben -
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Krimiline zu »Harald Friesenhahn: Canard Saigon« 28.02.2012
Ein ausgesprochen spannender Thriller – sehr fesselnd, teilweise so plastisch, dass es fast weh tut. Sehr interessante Erzählstränge: Teil der Story ist eine spannende Reise in die Vergangenheit mit erschreckenden, auf wahren Begebenheiten beruhenden Vorkommnissen. Die Personen werden sehr lebendig dargestellt und man fühlt sich bald wie ein Teil des Ermittlungsteams. Absolute Suchtgefahr!
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