Hunkeler und die goldene Hand von Hansjörg Schneider

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2008 bei Ammann.
Ort & Zeit der Handlung: Schweiz, 1990 - 2009.
Folge 7 der Peter-Hunkeler-Serie.

  • Zürich: Ammann, 2008. 256 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 2010. ISBN: 978-3-404-16424-0. 235 Seiten.
  • Zürich: Diogenes, 2013. 232 Seiten.

'Hunkeler und die goldene Hand' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Der neue Hunkeler beginnt damit, dass Kommissär Hunkeler im Außenbecken des Solbades Marina in Rheinfelden liegt und Rückenbeschwerden kuriert. Er sieht einen seltsamen Taucher vorbeitreiben. Es ist die Leiche eines alten, schwulen Kunsthändlers aus Basel. Da Rheinfelden zum Aargau gehört, ermittelt die Aargauer Kantonspolizei. Sie verhaftet einen Strichjungen, der ebenfalls im Marina gebadet hat. Der Fall scheint gelöst. Doch Hunkeler glaubt das nicht. Da er krankgeschrieben ist, hält er sich vorerst zurück. In den folgenden Tagen werden aus verschiedenen Museen der Umgebung Kunstwerke gestohlen, und im Rheinfelder Bahnhof fliegt ein Schließfach in die Luft. Hunkeler fährt an die Tatorte, fragt sich durch, ermittelt. Er findet eine Spur, die zur goldenen Hand Rudolfs von Rheinfelden führt, die von Kunsträubern in Sachsen-Anhalt gestohlen und nach Basel gebracht worden ist, um hier an einen Basler Kunsthändler verkauft zu werden. Es gibt aber auch andere Leute, die sich für die goldene Hand interessieren.

Das meint Krimi-Couch.de: »Kein goldenes Händchen – für Spannung und Witz« 50°

Krimi-Rezension von Stefan Heidsiek

Der Basler Schriftsteller Hansjörg Schneider ist ein alter Hase der Kriminalliteratur. Seit 1993 schreibt er bereits an seiner Reihe um den Kommissär Peter Hunkeler, der mittlerweile in der Schweiz schon Kultstatus erreicht hat. In Deutschland sind Bekanntheitsgrad und Verkaufszahlen bei weitem nicht so hoch, was nicht zuletzt daran liegen dürfte, dass sich Schneider sehr heimatverbunden zeigt und in seinen Büchern nur selten über den regionalen Tellerrand blickt. So auch in Hunkeler und die goldene Hand, dem siebten Band der Serie, der, von der langjährigen Fangemeinde heiß erwartet, rechtzeitig zum 70. Geburtstag Schneiders auf den Markt gekommen ist. Eines vorneweg: Viele neue Anhänger dürfte sich der Autor mit seinem Werk nicht verschaffen, denn für diese äußerst süffisant-zähe und unspektakuläre Geschichte muss das Lesepublikum wohl entsprechend mitgealtert sein.

Hunkeler, der seit einiger Zeit unter starken Rückenschmerzen leidet, hat sich krankschreiben lassen und im Solebad Marina in Rheinfelden Quartier bezogen. Dort sucht er nach der nötigen Entspannung, um wieder auf die Beine zu kommen. Ärgerlich nur, dass im herrlich warmen Wasserbecken zwei ältere Damen die von ihm so favorisierten Massagedüsen unverschämt lang besetzt halten. Um sich die Zeit bis zu deren (hoffentlich baldigen) Aufbruch zu vertreiben, beginnt er mit der Beobachtung der anderen Badegäste und wird, kurz nachdem ein Schrei über die neblige Wasseroberfläche gehallt ist, auf einen äußerst ausdauernden Taucher aufmerksam. Als dieser schließlich an ihm vorbei treibt, entpuppt sich der »Taucher« als Leiche mit aufgeschlitzter Kehle. Das war´s mit dem Badespaß. Bei dem Toten handelt es sich um den stadtbekannten homosexuellen Kunsthändler Roger Ris. Und als möglicher Mörder steht dessen Liebhaber Rebsamen unter Mordverdacht. Der hatte, ein Messer ans Bein geschnallt, noch kurz zuvor seine Runden durchs Becken gezogen.

Während Baseler und Rheinfeldener Polizei in Kompetenz- und Verantwortlichkeitsstreitigkeiten ausbrechen, schaut sich Hunkeler in aller Seelenruhe unter den Gästen des Hotels um. Er glaubt nicht, dass es sich bei Rebsamen um den Täter handelt. Seine Nachforschungen führen ihn stattdessen in die Künstlerszene des Dreiländerecks Schweiz-Elsass-Schwarzwald und auf die Spuren der sagenumwobenen goldenen Hand Rudolfs von Rheinfelden. Dieses Relikt ist vor einiger Zeit von Kunsträubern gestohlen und nach Basel transportiert worden, um hier an einen Kunsthändler verkauft zu werden … vielleicht an Roger Ris?

Hunkeler und die goldene Hand ein Krimi? Anscheinend war sich der herausgebende Bastei Lübbe-Verlag selbst nicht ganz sicher und hat das Buch deshalb auf dem Cover lediglich als »Roman« tituliert. Er hat daran gut getan, denn Freunde der spannenden Unterhaltung werden hier wenig bis überhaupt nicht auf ihre Kosten kommen. Und auch die große Beliebtheit dieser Reihe in der Schweiz lässt sich für Neueinsteiger angesichts des fade zusammengemischten Plots wohl nur schwer nachvollziehen. Der dient von Beginn an eigentlich nur als stützendes Korsett, um in anschaulichen Bildern die kulturellen und gastronomischen Vorzüge der Dreiländereck-Region hervorzuheben und deren Bewohnern einen Spiegel vor das Gesicht zu halten. Da wird in der Natur gewandert, in Lokalen ein Bier gezischt und dem Plätschern eines Baches gelauscht, während man zwischendurch den allerneuesten Klatsch mit den Nachbarn oder dem Wirt um die Ecke austauscht, in der Hoffnung zwischen all dem Gerede den ein oder anderen Hinweis zu finden, der eventuell Licht in die trübe Ermittlungssuppe bringen könnte. Spannungsbogen? Überraschungen? Unvorhersehbare Wendungen? Absolute Fehlanzeige.

Nun gut, das lässt sich ja mit einer interessanten und amüsanten Hauptfigur wie Peter Hunkeler vielleicht wettmachen … wenn er denn so eine wäre. Stattdessen schaut man einem trägen und gelangweilten alten Mann über die Schulter, dem jeglicher Witz und Charme abgeht, und von dem sich der Leser, auch dank mangelnder Beschreibungen, einfach kein Bild machen kann. Stellvertretend darf hier jedoch gern Ottfried Fischers Verkörperung des »Bullen von Tölz« als Vergleich herangezogen werden, dessen schauspielerisches Repertoire in Gestik, Mimik und Sprache dem Hunkelers in etwa gleichzusetzen ist. Schneiders Humor erweist sich als erschreckend stupide und konstruiert; Kurzweil will so gar nicht aufkommen. Gut möglich, dass man im Alter und in der Lebenseinstellung dem Hunkeler ähnlicher sein muss, um mit dem schwerfälligen Ermittler warm zu werden, der sich mit seiner Liebe zu Alleingängen auch nicht wirklich aus dem Mainstream-Allerlei hervorhebt,.

Wer also nun bei »Hunki« eine mögliche »Klufti«-Alternative erwartet, soll gleich gewarnt sein, denn Ersterer ist weder so lustig noch so spannend. Stattdessen bedient Schneider vor allem Freunde des Lokalkolorits und Liebhaber von Heimatfilmen, Bauernhofidyll und ländlicher Gesellschaftskritik, für die zu große Aufregung vor allem eine Minderung des gesundheitlichen Lebensstandards bedeutet. Schriftstellerisches Können kann man dem Baseler Schriftsteller indes nicht absprechen. Die Landschaftsbeschreibungen sind gelungen, streckenweise sogar recht malerisch. Und auch der Stil ist flüssig und gut lesbar. Darüber hinaus lässt die Handlung aber jegliche Dynamik vermissen, zumal die zwei Parallelgeschichten, welche auf gerade mal knapp 240 Seiten den Leser in die Irre führen sollen, letztlich ohne wirklichen Abschluss ins Leere laufen und zum eigentlichen Mordfall nichts beitragen. Den hat der aufmerksame Leser, allein schon mangels einer Vielzahl von Verdächtigen, bereits zur Mitte hin gelöst.

Insgesamt ist Hunkeler und die goldene Hand ein spannungsarmer und langatmiger Regionalroman, der mit seiner, leider wenig individuellen Hauptfigur, steht und fällt. Die eingeschworene Fangemeinde wird ihm sicherlich weiter die Treue halten. Der potenziell interessierte Quereinsteiger darf sich getrost (auch weil Schneider enorm viel Wissen einfach voraussetzt und wenig erklärt) besseren Werken zuwenden.

Stefan Heidsiek, Januar 2011

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Dame aus dem Fricktal zu »Hansjörg Schneider: Hunkeler und die goldene Hand« 16.10.2015
Liebe Frau Kaufmann

Gerne bin ich Ihnen behilflich:
Herr Schneider spricht wohl vom "Jura" als Gebirgszug. Dieser beginnt in Frankreich und zieht sich bis in den Kanton Zürich... Im Fricktal dann im Speziellen spricht man von Tafeljura...

Grüsse nach Magden!

... die Sache mit den 300 Zeichen... ach...
Brunhild Kaufmann, Magden zu »Hansjörg Schneider: Hunkeler und die goldene Hand« 15.10.2015
Hunkeler und die goldene Hand:

Ich verstehe nicht, warum Herr Schneider Magden als Juradorf beschreibt und auf der Fahrt nach Buus und zur Farnsburg von einem Juratal berichtet. Magden gehört zum Fricktal und alles andere ist Baselland! Ich lebe in Magden seit 1981. Ansonsten geniesse ich die "Hunkeler Krimis", die Art wie Herr Schneider sie schreibt, auch wenn es manchmal etwas langatmig ist oder nichts mit dem Mord direkt zu tun hat.

Danke jedem, der mir auf die obige Bemerkung antworten kann!!
Fabula zu »Hansjörg Schneider: Hunkeler und die goldene Hand« 18.02.2013
Leider habe ich diese wunderbaren Krimis erst jetzt entdeckt.

Ich habe mich in den Kommisär Hunkeler glatt verliebt.
Ein knorziger, querer Mensch, der seine Arbeit ganz eigen(sinnig) angeht, zu cholerischen Ausbrüchen neigt, das Herz trotzdem am rechten Fleck hat und den sinnlichen Genüssen keineswegs abhold ist. Ein echter Mensch halt.
Krimis, geschrieben wie ein Theaterstücke, anders, sehr gut zu lesen und sehr amüsant. Man sollte eine Reise auf den Spuren von Peter Hunkeler machen, die Gasthöfe finden, essen, trinken.
Luna zu »Hansjörg Schneider: Hunkeler und die goldene Hand« 08.06.2011
Ich finde diesen Roman nicht spannend. Vieleicht ist es nur dieses Buch von Schneider, vieleicht aber auch sein Schreibstil der mir nicht gefällt. Meist sitzt er nur so da und trinkt ein Glas Wein, was ich nicht gerade sehr spektakulär finde. Klar ist es gut wenn es auch in einem Krimi mal einen ruhigen Moment gibt, wo sich der Kommissar Gedaken über seinen Fall macht. Aber ich finde in diesem Buch hat es fast keine spannenden Szenen, dass man, wie bei anderen Büchern, einfach weiterlesen muss. Ich denke es gibt bessere Krimis als diesen.
Pinocchio zu »Hansjörg Schneider: Hunkeler und die goldene Hand« 11.04.2011
Lese ich ein Buch von Hunkelers Fälle komme ich nicht umhin weitere zu lesen. Leider ist die Anzahl der Geschichten beschränkt, so dass ich mir noch alle Verfilmungen reinziehe. Dabei ist Matthias Gnädiger die ideale Besetzung, beim Lesen habe ich ihn immer vor Augen. Im Sommer suche ich meinem Leben nicht mehr italianitá zu geben, sondern vielmehr etwas von Hunkelers-Lebensstils zu kopieren. Im Rhein schwimmen, ein Plättli essen, Wein, Bier und zwischendurch mit Hedwig ins Elsass.
Hannibâle zu »Hansjörg Schneider: Hunkeler und die goldene Hand« 15.09.2008
Ich liebe die Krimis von Hansjörg Schneider. Auch weil sie zum Fernsehen eine verzaubernde Alternative darstellen. Ich lese mich in meine Umgebung. Ich möchte bei Edi ein Schinkenplättchen essen, im Waaghof der Pförtnerin einen guten Kaffee bringen. Und dann beneide ich Hunkeler um seine wunderbare Frau. Ich nehme den Zug nach Rheinfelden und wandle auf Hunkis Spuren.
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