Runengrab von Hannes Sprado

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 bei rororo.
Ort & Zeit der Handlung: Island, 1990 - 2009.

  • Reinbek bei Hamburg: rororo, 2010. ISBN: 978-3-499-24934-1. 317 Seiten.

'Runengrab' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

Ausgelassen feiern Schauspieler und Regisseur des Films «Eiskrieger» das Ende der Dreharbeiten. Am nächsten Morgen liegt die Hauptdarstellerin tot im Schnee Reykjavíks. Mit ihrem Körper hat der Mörder eine Rune nachgebildet. Die isländische Polizei ist ratlos und bittet Judith von Matt und ihr Ermittlerteam, Experten für Verbrechen mit okkultem Hintergrund, um Hilfe. In Island wird ihnen schnell klar, dass die Schauspielerin nicht das einzige Opfer des Runenmörders bleiben wird.

Das meint Krimi-Couch.de: »Kompakt und gefällig, aber das Finale enttäuscht« 70°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Die Dreharbeiten zu dem Film »Eiskrieger« sind weitgehend abgeschlossen. In einem Hotel in Reykjavik trifft sich deshalb die gesamte Crew zu einer Feier, darunter die deutsche Schauspielerin Julia Mestrom, der Star des Ensembles. Plötzlich wird die Feier unterbrochen als Sigurpall Einarsson, der sich selber als Großmeister einer radikalen Heidengruppe sieht, mit einigen Getreuen den Saal betritt und die Anwesenden auffordert, sich vom Gletscher Langjökull fernzuhalten, da dieser geweihtes Land sei. Nach der Störung geht die Party weiter, die Lage entspannt sich. Allerdings nur bis zum nächsten Morgen, wo am Tjörnin, dem großen Teich im Stadtzentrum, die enthauptete Leiche von Julia Mestrom gefunden wird. Umgeben ist die nackte Leiche von 13 Steinen, deren Buchstaben – entliehen aus dem Futhark, dem Runenalphabet – den Satz »Gelobt sei Odin« bilden.

Hauptkommissar Olafur Hinriksson wittert bei dem Verbrechen einen okkulten Hintergrund und bittet daher seine deutsche Kollegin Judith von Matt ihm bei den Ermittlungen zu helfen. Diese arbeitet im Deutschen Innenministerium und ist spezialisiert auf okkulte Verbrechen. Gemeinsam mit ihren Kollegen Gossmann und Tannen fliegt sie umgehend nach Island, wo es von Verdächtigen nur so wimmelt. Einarsson und seine Gefolgsleute geben sich gegenseitig Alibis, während nahezu alle Mitglieder der Filmcrew offenbar nach der Feier allein auf ihr Hotelzimmer gegangen sind. Bleiben noch zwei Mitglieder der Bloodhounds, einer Heavy-Metal-Band, zu denen die Ermordete in ihrer letzten Nacht offenbar engeren Kontakt hatte.

Probleme am Filmset, an dem die exzentrische und lebenslustige Julia Mestrom nicht nur Freunde hatte. Dazu eine Sekte die heidnischen Ritualen frönt und eine Hand voll schlagkräftiger Rocker, die gerne diversen Rauschmitteln zusprechen. An tatverdächtigen Personen herrscht in Runengrab von Hannes Sprado kein Mangel. Die einzelnen Ermittler arbeiten zeitweise unabhängig voneinander, so dass es zu häufigen Szenenwechseln kommt, was Spannung und Lesetempo positiv beeinflusst. Das Ganze wird mit einer ordentlichen Mixtur aus Runologie, Esoterik und vergleichbaren Themenfeldern angereichert.

Zunächst erscheint der Inhalt etwas schwierig, denn wo sonst ermitteln schon Beamte des Dezernates für okkulte Verbrechen? Hinzu kommt erschwerend, dass weitgehend unklar bleibt, was Judith von Matt und ihre beiden Kollegen für die Untersuchung derartiger Verbrechen eigentlich qualifiziert. Hinweise und Hintergründe zu dem »Runenkult« kommen nahezu ausschließlich von einem isländischen Professor für nordische Mythologie, der seines Zeichens auch Anführer des Asutra-Ordens ist. »Fachwissen« über Okkultismus durch von Matt und ihre Kollegen findet man hingegen kaum.

Es herrscht jede Menge Verwirrung, zahlreiche Verdächtige tauchen auf, einige von ihnen verschwinden alsbald wieder von der Liste und weitere Verbrechen sind nicht auszuschließen. Insgesamt gelingt Hannes Sprado ein kurzweiliger Roman, der auf nicht einmal 320 Seiten die Handlung, die Figurenzeichnung und die »okkulte Thematik« sehr kompakt und dennoch ausführlich genug rüberbringt. So bleibt sogar noch Zeit für einen Ausflug in eine ganz andere Epoche der Geschichte. Dieser führt in das Jahr 1935, in dem Heinrich Himmler die Historikerin Renate Griese mit einer Expedition nach Island schickt, um dort am Gletscher Langjökull den Leichnam von Thumelicus zu suchen. Dieser war ein Sohn von Hermann dem Cherusker, der bekanntlich die Römer im Teutoburger Wald vernichtend schlug.

Bis zum Finale, dessen Auflösung enttäuscht und zudem etwas unerwartet (will sagen zufällig) geschieht, kommt auch das Thema Liebe nicht zu kurz. Na ja, sagen wir lieber, man erhält dezente Einblicke in das nicht ganz unkomplizierte Gefühlsleben der Protagonistin Judith von Matt. Fortsetzung folgt. Wetten?

Jörg Kijanski, Juli 2010

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