Münsters Fall von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 1998
unter dem Titel Münsters fall ,
deutsche Ausgabe erstmals 2000
bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: Fiktiv: Maardam, 1990 - 2009.
Folge 6 der Van-Veeteren-Serie.
- Stockholm: Bonnier, 1998 unter dem Titel Münsters fall . 322 Seiten.
-
München: Goldmann, 2000.
Übersetzt von Christel Hildebrandt.
ISBN:
3-442-75043-1. 316 Seiten. -
München: Goldmann, 2002.
Übersetzt von Christel Hildebrandt.
ISBN:
3-442-72557-7. 316 Seiten. - Augsburg: Weltbild, 2004. Übersetzt von Christel Hildebrandt. 316 Seiten.
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[Hörbuch] Köln: Random House Audio, 2007.
Gesprochen von Dieter Moor.
ISBN:
386604528X. 6 CDs.
'Münsters Fall' ist erschienen als
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In Kürze:
Vier Rentner feiern in einer Kneipe ihren Lottogewinn. Wenige Stunden später ist einer von ihnen tot – durch zahlreiche Messerstiche in seiner eigenen Wohnung ermordet. Kommissar Münster übernimmt den Fall., doch die Ermittlungen gehen nur schleppend voran, die ganze Geschichte wird von Tag zu Tag undurchsichtiger: ein Toter, zwei Verschwundene und eine Ehefrau, die einen Mord gesteht, den sie gar nicht begangen hat. Hilfesuchend wendet sich Münster an seinen Kollegen Van Veeteren, der eigentlich für ein Jahr vom Dienst beurlaubt ist. Doch bei diesem Fall sind der Spürsinn und die Intuition des eigenwilligen Ermittlers Van Veeteren gefordert …
Welchen Grund mag es geben, einen harmlosen alten Mann umzubringen? Doch der Rentner Waldemar Leverkuhn, 72, wurde in der Nacht mit 28 wilden Messerstichen förmlich hingerichtet.
Kommissar Münster von der Kriminalpolizei Maardam übernimmt den Fall – und läuft gegen eine Mauer des Schweigens. Die offensichtliche Raserei des Mörders ist irritierend, denn Münster und seine Leute finden weder in der Familie noch unter den wenigen Bekannten Leverkuhns jemanden, dem oder der eine solche Tat zuzutrauen wäre. Tatsächlich ist sogar die absolute Gleichgültigkeit der Angehörigen untereinander das einzige hervorstechende Merkmal der Familie Leverkuhn.
Gern hätte Münster ein wenig Hilfe – von seinem Vorgesetzten, Hauptkommissar Van Veeteren zum Beispiel. Doch der hat sich, ausgebrannt nach langen, deprimierenden Berufsjahren, vor über einem Jahr unbefristeten Urlaub geben lassen, führt nun ein Antiquariat und zeigt wenig Neigung, den Dienst wieder anzutreten. Ganz ist der alte Spürhund in ihm allerdings noch nicht gestorben. Als Münster ihm über den Fall Leverkuhn berichtet, erklärt er sich bereit, dem Kollegen im Hintergrund beratend zur Seite zu stehen.
In den undurchsichtigen Fall kommt Bewegung, als im Mordhaus die Frau des Hausmeisters verschwindet. Noch versucht Münster zu klären, wie dies in das Kriminalpuzzle passt, da gesteht Frau Leverkuhn plötzlich den Mord an ihrem Mann. Sie wird verhaftet und vor Gericht gestellt. Noch bevor das Urteil gesprochen wird, nimmt sie sich in ihrer Zelle das Leben. Die Welt scheint für die Polizei wieder in Ordnung zu sein, aber Münster und Van Veeteren spüren, dass sie das eigentliche Verbrechen längst nicht geklärt oder überhaupt entdeckt haben …
Wenn man zum ersten Mal einen Van Veeteren-Roman des schwedischen Schriftstellers Håkan Nesser liest, stellt man sich schon nach wenigen Seiten die Frage, wieso man sein Buch nicht zuklappt und beiseite stellt. Es geschieht praktisch gar nichts, die Protagonisten – die »Guten« wie die »Bösen« – sind müde und traurige Männer und Frauen, und die Lösung eines Falles erfolgt meist eher zufällig, nachdem die Polizei in ständig neue Sackgassen hinein gestolpert ist. Doch obwohl bisher jeder der fünf in Deutschland erschienenen Nesser-Krimis diesem Schema folgte, ist da Etwas, das den Leser einfach fesselt. Es mag an eben dieser Alltäglichkeit liegen, die eher untypisch für einen »modernen« Thriller ist, in dem Helden & Bösewichter sich normalerweise um den halben Erdball jagen und dabei Leichenberge von der Höhe des Himalajas produzieren. Womöglich sind es die langen, dunklen Winter, die besonders die Skandinavier befähigen, Melancholie und Ereignislosigkeit geradezu poetisch in Worte zu kleiden. Bei Nesser kommt ein ausgeprägtes Talent dazu, den »Fall« nie aus den Augen zu verlieren, obwohl die Figuren scheinbar auf der Stelle treten und hauptsächlich mit ihren persönlichen Problemen beschäftigt scheinen. Auch »Münsters Fall« entrollt sich unmerklich, doch mit der Unerbittlichkeit eines antiken Dramas. Der Vergleich liegt nahe, entpuppt sich der grausame, aber unverständliche Mord an einem arglosen, aber keineswegs unschuldigen alten Mann als Höhepunkt einer düsteren Familientragödie um Inzest und Wahnsinn.
Alles wie gehabt also im seltsam unbestimmten Kosmos der Van Veeteren-Welt? (»Maardam« ist eine fiktive Stadt irgendwo an der Nordseeküste, von der Nesser niemals sagt, in welchem Land sie eigentlich liegt. In »Münsters Fall« erwähnt er als Landeswährung den Gulden, womit er sich nunmehr auf die Niederlande festzulegen scheint.) Nicht unbedingt – Nesser geht durchaus neue Wege. Das gilt natürlich in erster Linie für seinen ungewöhnlichen Entschluss, den eigentlichen Helden quasi aus der Handlung zu nehmen. Van Veeteren tritt nur als Gast in seiner eigenen Serie auf. Statt dessen rückt sein Stellvertreter Kommissar Münster in den Vordergrund. Es spricht für Nessers schriftstellerisches Talent, dass »Münsters Fall« genauso spannend ist wie ein »reguläres« Van Veeteren-Abenteuer.
In den eingangs angesprochenen, zeitweise wahrlich depressiven Grundton von »Münsters Fall« mischt sich immer wieder ein trockener, oft rabenschwarzer Humor. Das ist für einen Nesser-Krimi ein Novum. Der Autor spielt hier sichtlich mit den Möglichkeiten, die graue Welt seiner Figuren ein wenig aufzulockern. Er schreckt sogar vor milden Slapstick-Szenen (die im Thriller gern im Seziersaal des Pathologen spielen) nicht zurück – und siehe da: Es funktioniert! Wenn man Klischees liebt, könnte man philosophieren, dass die Skandinavier zwar ständig trübsinnig sind, darüber hinaus jedoch auch eine Ader für lakonischen, »kaurismäkiesken« Witz besitzen. (Lars von Triers »Geister«-Serie kommt einem ebenfalls in den Sinn.)
Die Vertracktheit des letztlich zwar einleuchtenden, aber eben nur vorgeblich einfachen Kriminalfalls unterstreichen die gleich drei Auflösungen, mit denen Nesser »Münsters Fall« enden lässt. Wie sich herausstellt, ist der Buchtitel mehrdeutig; Kommissar Münster löst seinen Fall, aber er fällt auch fast einem Mordanschlag zum Opfer und geht schließlich – wenn auch ahnungslos – als Kriminalist zu Boden, der den wahren Täter entkommen lässt.
Mit »Münsters Fall« liegt (nach »Die Frau mit dem Muttermal«, »Das grobmaschige Netz«, »Das falsche Urteil«, und »Das vierte Opfer«) der fünfte Van Veeteren-Roman auf Deutsch vor. Ähnlich wie die ungleich erfolgreicheren Wallander-Geschichten Henning Mankells erscheinen sie nicht in chronologischer Reihenfolge. Erst nach und nach werden einige ältere Abenteuer folgen, denn der fleißige Nesser hat in seiner Heimat bereits neun Van Veeteren-Krimis veröffentlicht. Den Verzicht auf die Hauptperson pflegt er offensichtlich auch weiterhin, wie man seiner Bibliografie entnehmen kann: Mit »Ewa Morenos fall« widmet Nesser der Polizistin mit dem chaotischen Privatleben, die auch an »Münsters Fall« mitarbeitet, eine eigene »Hauptrolle«.
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| Anjita zu »Håkan Nesser: Münsters Fall« | 06.03.2011 |
|---|---|
| Mark Matuszewski zu »Håkan Nesser: Münsters Fall« | 05.06.2008 |
| Rolf.P zu »Håkan Nesser: Münsters Fall« | 20.02.2008 |
| Svenja zu »Håkan Nesser: Münsters Fall« | 17.02.2008 |
| SukRam zu »Håkan Nesser: Münsters Fall« | 24.12.2007 |
| Herbert Petersen zu »Håkan Nesser: Münsters Fall« | 21.11.2007 |
| Luca zu »Håkan Nesser: Münsters Fall« | 28.06.2007 |
| mase zu »Håkan Nesser: Münsters Fall« | 07.11.2005 |
| Arne zu »Håkan Nesser: Münsters Fall« | 06.09.2004 |
| Stephan zu »Håkan Nesser: Münsters Fall« | 04.07.2004 |
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