Der Tote vom Strand von Håkan Nesser

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2000 unter dem Titel Ewa Morenos Fall, deutsche Ausgabe erstmals 2002 bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: Fiktiv / Maardam, 1990 - 2009.
Folge 8 der Van-Veeteren-Serie.

  • Stockholm: Bonnier, 2000 unter dem Titel Ewa Morenos Fall. 344 Seiten.
  • München: Goldmann, 2002. Übersetzt von Gabriele Haefs. ISBN: 3-442-75060-1. 350 Seiten.
  • München: Goldmann, 2004. Übersetzt von Gabriele Haefs. ISBN: 3-442-73217-4. 350 Seiten.
  • [Hörbuch] Köln: Random House Audio, 2003. Gesprochen von Dietmar Bär. gekürzt. ISBN: 3898304779. 5 CDs.

'Der Tote vom Strand' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Was geschah mit Mikaela Lijphart? Was mit ihrem Vater? Beide sind wie vom Erdboden verschluckt – kurz nach ihrem ersten Treffen seit sechzehn Jahren. Und wer ist der Tote vom Strand? Zwei Verschwundene und ein ungelöster Mord: Ewa Morenos Urlaub läuft nicht ganz so wie geplant. Statt zwei Wochen entspannt in der Sonne zu liegen, wird die Polizeinspektorin aus Van Veeterens Truppe in Maardam mit einer Menge mysteriöser Vorfälle, zahlreichen Ungereimtheiten und zwielichtigen Kollegen konfrontiert. Bis sie dahinter kommt, dass die Lösung für alle Rätsel in der Vergangenheit bei einem ungesühnten Verbrechen liegt – und dass Van Veeteren Recht hat, wenn er die Schuldfrage philosophisch sieht …

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein erstklassiger Schwedenkrimi«

Krimi-Rezension von Michael Matzer

Zwei Menschen verschwinden, am Strand findet man einen Toten, doch die Wahrheit scheint in einem 16 Jahre zurückliegenden Mord zu suchen zu sein. Inspektorin Ewa Moreno wollte eigentlich Urlaub machen, doch nun hat sie alle Hände voll zu tun. Diesmal spielt weder Kommissar van Veeteren die Hauptrolle, noch spielt das Geschehen in Maardam, dem fiktiven Ort in Nessers fiktivem Europa.

Kurz gesagt: Dieser Krimi ist vom Feinsten und jedem Thrillerfreund zu empfehlen, dem es nicht auf Leichenberge und Blutfontänen ankommt.

Auch Polizisten müssen mal Urlaub machen. Das hat auch Kriminalinspektorin Ewa Moreno vor, die in Maardam in der Station Dienst tut, vor bis vor wenigen Jahren auch »Der Kommissar« Van Veeteren arbeitete, bevor er sich als Betreiber eines Buchantiquariats selbständig gemacht hat.

Moreno freut sich auf vier Wochen Auszeit, die vor allem mit dem Psychologen Mikael bau in dessen Ferienhaus an der Küste verbringen will. Aber mal ehrlich: Kann das der Mann fürs Leben sein, wenn er noch einen Trabbi fährt? Aus dem Test, ob das mehr wird als ein Flirt, dürfte kein positives Ergebnis herauskommen.

Zum Abschied von der Maardam-Wache erhält sie noch den Auftrag, einen Verbrecher in Lejnice zu befragen, um Namen von unentdeckten Verbrechern zu erfahren. Na toll, sie freut sich schon auf das Verhör mit »dem Schleimscheißer«. Aber das ist Nebensache.

Im Zug nach Lejnice lernt Ewa nämlich eine weinende junge Frau namens Mikaela Lijphart kennen, die ihren Vater besuchen will. Sie habe erst zu ihrem 18. Geburtstag von ihrer Mutter erzählt bekommen, dass ihr Ziehvater nicht ihr leiblicher Vater sei. Letzterer lebe vielmehr seit 16 Jahren in einer Heilanstalt für Geisteskranke. Doch nachdem Mikaela diesen Arnold Maager besuchte, verschwindet sie, wie Ewa verblüfft herausfindet. Der örtliche Polizeichef Vrommel reagiert jedoch seltsam desinteressiert. Werden in Lejnice keine Vermissten mehr gesucht?

Da scheint es vor 16 Jahren ein ungesühntes Verbrechen gegeben zu haben, für das man den Lehrer und Familienvater Arnold Maager verurteilen wollte. Er hatte eine seiner Schülerinnen namens Winnie Maas angeblich zuerst geschwängert und dann von einer Brücke gestürzt. Diese Vorgeschichte wird am Anfang jedes Buchteils weiter enthüllt, was doch für einige Spannung sorgt.

Nun verschwindet Arnold Maager wenige Tage nach seiner Tochter, und keinen scheint es zu kümmern. Dann stoßen am Strand zwei »Schätzgräber« spielende Jungen auf die Leiche eines Mannes. Es handelt sich um einen gewissen Tim van Rippe.

Durch Hinzuziehen ortsfremder Untersuchungsbeamten zur Aufklärung dieses Mordes deckt Ewa eine Verbindung von van Rippe zu Polizeichef Vrommel auf. Zu blöd. Nun bleibt ihr nur ein Weg offen: Sie muss die lokale Presse einschalten, um tiefer in der Vergangenheit zu graben und die Vermisstenanzeigen für Mikaela und ihren Vater zu veröffentlichen.

Doch am Schluss steht wie so oft die Frage, wie man mit der aufgedeckten Wahrheit umgeht. Wie soll Gerechtigkeit aussehen? Da hilft ihr die philosophische Weisheit van Veeterens, den geistigen Übervater der Maardam-Polizisten.

»Der Tote vom Strand« hat mir noch besser gefallen als Der unglückliche Mörder. Die Handlung ist vielschichtiger und bereit zu jedem Zeitpunkt einiges Kopfzerbrechen, zumal die wichtigen Fakten nur scheibchenweise enthüllt werden. Zum anderen spielt mit Ewa Moreno zur Abwechslung mal eine (für eine Polizistin) recht einfühlsame Frau die Hauptfigur. Eigentlich wollte sie ja Urlaub machen, nicht zwei Mörder jagen. Sie ist eine recht sympathische Figur, ohne dabei ihre Schwächen zu verdecken.

Nesser wird immer besser. Er charakterisiert selbst seine Nebenfiguren, dass man sie sich bildlich vorstellen. Mikael Bau fährt einen Trabbi, Winnie Maas´ Mutter lebt in einem Saustall, Arnold Maager vegetiert, wiewohl unschuldig, vor sich hin, und Polizeichef Vrommel stählt sich als Single mit Liegestützen statt auf Verbrecherhatz zu gehen.

Natürlich muss man eine Weile über die im Buch mitgeteilten Fakten grübeln und sie erst einmal zusammensetzen. Der leser ist von Anfang zur Mitarbeit aufgefordert. Denn Nesser hebt anders als Mankell nie den mahnenden Zeigefinger, führt uns aber weiter in das Labyrinth menschlicher Leidenschaft und Schuldverstrickung.

Am Schluss, wenn man sich vom Schrecken halbwegs erholt hat, wartet kein Richterspruch. Niemand enthebt uns der Verantwortung, selbst Gerechtigkeit walten zu lassen. Und diese Aufgabe stellt sich als schwieriger heraus als erwartet. Allenfalls gibt es so etwas wie »poetische Gerechtigkeit«. Man kann froh sein, wenn es die »richtigen« trifft und nicht die »Guten«. Der Übergang ist eh fließend.

Diese Offenheit und Wahlfreiheit hat mich weit mehr für Nessers Buch eingenommen als alle deutlichen Zeigefinger und Anklagen.

»Der Tote am Strand« ist ein von Anfang bis Ende überzeugender Krimi von einem Könner. Eine Ermittlerin ist vielleicht nicht jeder Manns Sache, sorgt aber für eine neue Würze und eine erhöhte Sensibilität bei der Aufdeckung der begangenen Verbrechen. Nesser erzählt ganz anders als seine amerikanischen Kollegen, erklärt nicht alles haarklein und findet eine Zone des (Un-) Rechts, wo die Antwort nicht offensichtlich und vorgefertigt ist.

Ihre Meinung zu »Håkan Nesser: Der Tote vom Strand«

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Yukiko zu »Håkan Nesser: Der Tote vom Strand« 19.01.2010
eine meine ersten Bücher von vV (Hâkan Nesser) es war schicksal gewesen, das ich das Buch gefunden habe. Kurz vor mein Urlaub bevor es an fing, fand ich das Buch interessant... Ich konnte es nicht weglegen.
Das Buch an sich hat mich angesprochen und mich mitgeteilt >Kauf mich!<
Es war sehr gut zu lesen. Nachdem Buch konnte ich mich selbst nicht bremsen, ich wollte unbedingt die nächsten..
Ich fand das Buch sehr gut, meine Meinung ist das wirklich ein Buch zum Verlieben. Naja, viele andere Leser finden es anders oder finden es doch schon gut. Ich finde es sollten viele Meinungen vertreten werden, so denkt man, ob man das Buch kaufen soll oder nicht. Ich fand es interessant, wie die anderen Leser das Buch beurteilten...
Rolf.P zu »Håkan Nesser: Der Tote vom Strand« 09.03.2008
Auch in diesem Buch schreibt Nesser wieder auf seine präzise, knappe ja manchmal fast karge Art. Und obwohl die Geschichte von den Abgründen, der menschlichen Seele und auch oft vom Rand unserer Gesellschaft erzählt, ist es dem Autor gelungen einen spannenden Kriminalroman zu schreiben, der nicht andauernd an das soziale Gewissen des Lesers appellieren muss, um interessant zu bleiben.
Was mir an diesem Buch gut gefällt, ist die Idee und auch die Umsetzung mit Rückblicken in die Vergangenheit, die dem Leser immer wieder neue Einblicke ins Dunkel gewähren.
Starke Charaktere, psychologische Raffinesse und ein wirklich gekonnter Spannungsaufbau lassen mich dieses Buch wärmstens weiterempfehlen.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
DoG zu »Håkan Nesser: Der Tote vom Strand« 20.01.2008
Habe das Buch von der Schule zugeteilt bekommen. Muss aber sagen, dass es mir überhaupt nich gefallen hat. Es war nie richtig spannend, ging meistens um ESSEN! naja, da kauf ich mir ein Kochbuch- das ist genau so Spannend!








es soll sich aber jeder ein eigenes Bild über das Buch machen.
Anja zu »Håkan Nesser: Der Tote vom Strand« 17.01.2008
Ich fands nicht so ganz arg toll - doch spannend war es wirklich.
Allerdings finde ich das Ende (also wie das Mädchen mitten in einem Lokal ihre krasse Geschichte so fast nebenbei erzählt) doch recht banalisiert.
Und diese alten ewig langen Verhör-Aufzeichnungen zu lesen, nur um ein oder zwei aufschlussreiche Sätze rauszuziehen, fand ich ziemlich langweilig. Ich meine, nur weil die Ermittler das tun müssen, muss ich es doch nicht auch tun, oder?
timothyK zu »Håkan Nesser: Der Tote vom Strand« 23.05.2007
"Ein erstklassiger Schwedenkrimi" - Der Rezension ist eigentlich nichts hinzuzufügen. War mein zweiter Nesser nach "Das grobmaschige Netz", das mir nicht so gut gefallen hatte.
schwatzi zu »Håkan Nesser: Der Tote vom Strand« 11.03.2006
"Der Tote vom Strand" war mein erstes Nesser Buch. Und ich bin begeistert. Konnte es keine Minute weglegen und war richtig traurig als ich es schon nach 3 Tagen durch hatte. Habe das Buch mpfohlen bekommen und bin sehr dankbar. Mir gefällt der Stil Nessers. Im Moment lese ich "Der unglückliche Mörder". Hoffentlich genauso gut wie "Der Tote vom Strand".
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Marie zu »Håkan Nesser: Der Tote vom Strand« 17.02.2006
Der Fall, in den Ewa während ihres Urlaubs verstrickt wird, ist gut aufgebaut und liest sich locker, auch wenn etwas mehr Spannung nicht schaden würde.
Merkwürdig dagegen die Verknüpfung mit dem Fall zuhause, den eigentlich Münster bearbeitet und für den Ewa ein Verhör führen muss. Es sieht aus, als wäre dieser Erzählstrang nur ins Buch genommen worden, um Van Veeteren zum Schluss noch einmal aus dem Hut zu zaubern.
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Frieda zu »Håkan Nesser: Der Tote vom Strand« 27.09.2005
Mein erster "Nesser" hat mir persönlich gut gefallen, der Schreibstil erinnert mich kaum an Mankell! Okay, ich wusste auch schon relativ früh, wer den Toten vom Strand auf dem Gewissen hatte... Und dass sich ein männlicher Autor nicht in eine Frau versetzten kann....ist doch egal, man kann auch alles überbewerten und sich grundlos aufregen!!! Und gutes Buch! Das Nächste ist auch schon zur Hälte durch! Weitere werden sich noch folgen!
Florian zu »Håkan Nesser: Der Tote vom Strand« 03.01.2005
Nesser scheint die atypische Situation zu lieben, kennt man doch sonst nur Ermittler, die aufgrund eines Mordes ihren Urlaub verschieben. Nein hier ist Urlaub und die Kommissarin verzichtet darauf um währendessen zu ermitteln.
Rein von der Story her ist es relativ mäßig gelöst, es scheint als ob beim Ende die Luft ausgegangen ist um weit auszuholen. Leider ist auch die Darstellung des Hauptcharakters über weite Strecken nicht befriedigend, man sitzt davor und wundert sich über weibliche Intuition und die Gefühlswelt, wie sie der Autor seiner Heldin auf den Körper schneidert. Leider wirkt das ganze Relativ weit hergeholt und passt so rein gar nicht in das Genre.
Aber dennoch baut das Buch eine gewisse Spannung auf - man kann sich ihr nicht entziehen und wird danach noch einige Zeit über das ein oder andere Detail nachdenken, da in verschiedene Richtungen Fälle gelöst werden.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
maffia zu »Håkan Nesser: Der Tote vom Strand« 08.07.2004
nur eine frage zu einem detail: wieso bestellt ewa im gasthaus wein, wenn vorher erwähnt wird, dass sie wein nicht ausstehen kann?

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