Der Proband von Guido Kniesel

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2012 bei KBV.

  • Hillesheim: KBV, 2012. ISBN: 978-3942446297. 272 Seiten.

'Der Proband' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Paul Amon ist am Ende angekommen. Er ist dorthin abgerutscht, wo man keinen Boden mehr unter den Füßen zu spüren glaubt. Seine Alkoholsucht hat ihn fest in ihrem erbarmungslosen Griff, er hat seine Familie und seine sozialen Verbindungen verloren. Als er eines Morgens, von Erinnerungslücken gequält, glaubt, am Vorabend ein junges Mädchen brutal vergewaltigt zu haben, weiß er, dass er unrettbar verloren ist. Eine Zeitungsannonce erscheint ihm wie ein letzter rettender Strohhalm, und er lässt sich auf ein Treffen mit der attraktiven Psychiaterin Dr. Ramona Gallio ein. Diese arbeitet zusammen mit einer Gruppe Berliner Hirnforscher an einer bahnbrechenden Suchttherapie und sucht im Rahmen einer Versuchsreihe nach einem Probanden. Angesichts seiner ausweglosen Situation lässt sich Amon auf das vielversprechende Experiment ein. Die Folgen sind verblüffend. Sein Körper erneuert sich regelrecht, und er scheint tatsächlich seine alte Vitalität wiederzuerlangen. Doch die Schatten kriechen langsam wieder auf ihn zu. Und ihre Gestalten sind schrecklicher als alles, was Paul Amon je gesehen hat.

Das meint Krimi-Couch.de: »Für die Wissenschaft, die Wissen schafft.« 90°Treffer

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Mit Der Proband stellt sich bei KBV ein neuer Autor vor, der auf 270 Seiten in die tiefen Abgründe der menschlichen Psyche und der Zusammenhänge menschlichen Tuns aufgrund von Vorgängen im Gehirn eine schaurige Geschichte erzählt, die genau so durchaus realistisch sein könnte.

Paul Amon ist vom Alkohol schwer gezeichnet. Sein Leben läuft sukzessive den Bach hinunter, und als er im Suff versucht eine junge Frau zu vergewaltigen, wird es sogar ihm zu viel. Der letzte Selbsterhaltungstrieb treibt ihn dazu, sich einer Therapie zu suchen, die ihn von seiner Sucht befreien könnte, damit er vielleicht irgendwann wieder mit Frau und Kind sein Leben in Griff bekäme.

Nichtsahnend begibt er sich in die Klauen von Wissenschaftlern, die unbedingt ein Versuchskaninchen benötigen, weil die Laboraffen unter schrecklichen Qualen brutal Suizid begangen haben. Um diese Nebenwirkungen an einem noch nicht zugelassenen Medikament zu erforschen und ausschalten zu können, ist es unerlässlich, menschliche Probanden damit zu konfrontieren, wohlwissend, dass auch diese denselben qualvollen Tod sterben werden.

Amon wird mit allen Mitteln zur Teilnahme am Experiment überredet, denn er hat nichts mehr zu verlieren. Damit er ständig unter Beobachtung steht, umgarnt ihn die hübsche Psychiaterin Dr. Ramona Gallio, allerdings war vorab nicht geplant, dass diese sich in Paul tatsächlich verliebt und das schreckliche Ende nun gar nicht mehr in Kauf nehmen möchte …

Der Proband ist eine beinharte Lektüre, die so oder in ähnlicher Form durchaus Wirklichkeit sein oder werden könnte. Das Buch bezieht seine Spannung eben aus diesem so realitätsnah geschilderten Vorgang, wie Wissenschaftler auf Teufel komm raus Teufel spielen, nur um medizinische Forschung fernab von legalen Mitteln zu betreiben, um damit die finanziellen Ressourcen zu bekommen, die sie für ihre Arbeit benötigen. Gedrängt von der Pharmaindustrie im ewigen Wettlauf um Profite werden die Damen und Herren in den Labors immer skrupelloser und auch in diesem Buch haben wir es mit Männern in weißen Mänteln zu tun, die ohne Rücksicht auf Verluste den Tod von Mensch und Tier in Kauf nehmen, nur um Geld und Ruhm einzuheimsen.

Dass der Proband Paul Amon im Endeffekt in seiner Verzweiflung zu allem bereit ist, kommt den Ärzten sehr gelegen. Amon wird von seinem Schöpfer sehr intensiv gezeichnet. Die Stadien, die der vom Alkohol Gezeichnete durchlebt und die er, so er bei halbwegs klarem Verstand ist, noch mühsam analysieren kann, geben das Bild eines Versagers wieder, der unaufhörlich tiefer in den Kreislauf aus Sucht und menschlicher Suche nach Glücksgefühlen verstrickt und hinunter gezerrt wird.

Guido Kniesel hat mit diesem Thriller eine spannende und beklemmende Milieustudie abgelegt, die umso beängstigender wird, je weiter die Handlung fortschreitet. Dass es in dieser Situation kein Happy End für niemanden geben kann, ist fast schon vorhersehbar, obwohl man es dem Probanden, der sich mit allen noch zur Verfügung stehenden Mitteln wehren will, ein schöneres Ende gewünscht hätte, aber hier bleibt der Autor bei der unvermeidlichen logischen Schlussfolgerung und setzt diese auch schriftstellerisch in harten und fast kargen Worten bestens um.

Der Proband ist mit Sicherheit keine Lektüre, die man zur Entspannung vor dem Einschlafen lesen möchte, denn dazu ist sie viel zu intensiv und ohne Schonung geschrieben. Eine fesselnde und bedrückende Lektüre, die Einblicke in Suchtverhalten und gewissenlose, menschenverachtende Forschung bietet, ohne dabei aber mit dem erhobenen Zeigefinger zu drohen. Empfehlenswert!

Wolfgang Weninger, April 2012

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Gerhard Stähle zu »Guido Kniesel: Der Proband« 10.04.2013
Bis auf ein Kapitel, in dem es um medizinische Fachbegriffe geht, habe ich das Buch als Nichtleser gerne gelesen. Wenn es auch brutal anfängt, so ist es sonst spannend geschrieben, besonders der Schluss, in dem es um die Rache des Probanden an den Ärzten geht. Klar, es ist kein Unterhaltungsroman für die abendliche Kaminzeit, aber ich fand es gut!
Ulrike zu »Guido Kniesel: Der Proband« 04.06.2012
Ich kann nicht verstehen, wie man dieses Buch als Treffer bezeichnen kann. Ich finde, es ist ein absoluter Schund und habe es gleich im Papierabfall entsorgt. Leider diesmal keine gute Rezension durch Krimicouch.
Es ist in keiner Weise empfehlenswert, sich mit dieser abgedrehten Fantasie des autors zu beschäftigen.
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