Schwarze Kanäle von Guido Eekhaut

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2009 unter dem Titel Absint, deutsche Ausgabe erstmals 2011 bei Rowohlt.
Ort & Zeit der Handlung: Niederlande / Amsterdam, 1990 - 2009.

  • Amsterdam: Mynx, 2009 unter dem Titel Absint. 336 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2011. Übersetzt von Stefanie Schäfer. ISBN: 978-3-499-25567-0. 431 Seiten.

'Schwarze Kanäle' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

«Parnow sprach kein Niederländisch. Das war auch nicht nötig. Die Pistole mit dem großen schwarzen Schalldämpfer sprach ihre eigene, klare Sprache.» Der investigative Journalist Pieter van Boer hat sich in die rechtspopulistische PDN eingeschleust. Als er eine heikle Liste mit Parteispendern entwendet, ist er offensichtlich zu weit gegangen: Am nächsten Tag bekommt er Besuch von einem russischen Killer. In Brüssel ist Hoofdinspecteur Walter Eekhaut bei seinen Vorgesetzten so sehr angeeckt, dass sie ihn nur zu gern nach Amsterdam verabschieden. Dort soll er mit seiner toughen jungen Chefin Alexandra Dewaal in Sachen internationale Verbrechensbekämpfung zusammenarbeiten.

Das meint Krimi-Couch.de: »Vielversprechende Ansätze, nicht voll ausgereizt« 73°

Krimi-Rezension von Tim König

Mal etwas anderes: Ein flämischer Krimi. Frisch aus dem regierungslosen Belgien, mit dem Hercule-Poirot-Preis ausgezeichnet und unterstützt vom flämischen Literaturfonds, erscheint der Roman aus dem Jahr 2009 jetzt in Deutschland; spielt aber in den Niederlanden, genauer: In Amsterdam. Dort muss sich der belgische Querulant, Kommissar Walter Eekhaut mit russischen Neo-Kapitalisten, Auftragsmördern und bestechlichen Politikern herumschlagen. Glück für seine neue Vorgesetzte Dewaal, die sich mit Korruption in den eigenen Reihen auseinandersetzen muss. Der unangepasste und renitente flämische Kommissar im unfreiwilligen Exil kommt ihr gerade recht, als einer der wenigen Vertrauenspersonen in der AIVD.

AIVD, die niederländische Staatschutzbehörde, hat ein Auge auf verfassungs- und demokratiefeindliche Gruppierungen und deren Geldgeber, wie dem organisierten Verbrechen oder mindestens ebenso gefährlichen internationalen Investoren. Doch wie soll das in einem Land wie den Niederlanden funktionieren, das bevorzugt als Umschlagplatz für russische, chinesische und sonstige Magnaten dient, die in einem Jahr das Doppelte des niederländischen Bruttoinlandsprodukts umsetzen?

So ist es kaum verwunderlich, dass die Handlungsunfähigkeit der AIVD immer wieder spürbar wird. Trotz gut gemeinter Ansätze Dewaals, die laufend von käuflichen Mitarbeitern, Staatsanwälten, Richtern und nicht zuletzt Ministern, die keine Investoren vergraulen wollen, ausgebremst wird. Hier ist Walter Eekhaut ein kleiner Lichtblick, da er sich weder persönlich noch offiziell um Contenance bemüht. Vom belgischen Staat ausgeliehen, muss er sich nicht niederländischen Machthabern unterordnen. Endlich können die Beiden zurückschlagen.

Unaufgeregt. Schwarze Kanäle bietet ein interessantes Thema, kommt gut in Schwung, drosselt sich allerdings schnell selbst, bis es eine eigene Dynamik entwickelt. Oft werden die Geschichten kaum handlungstragender Personen ausführlich erläutert, egal ob von Verbrechern, die nicht unbedingt kriminell sind, Polizisten, die nicht schützen oder Zivilisten, die meist wie eine Schafherde durch die Stadt getrieben oder von Wölfen gejagt werden. Das ist glaubwürdig und nett, da Guido Eekhaut es schafft, jede kleine Nebenrolle mit Leben und Charakter zu füllen. Jedoch auf Kosten der Spannung.

Zwischen den sehr menschlichen Nebenfiguren und der nebulösen Kriminalität müssen sich die Protagonisten Dewaal und Eekhaut zurechtfinden, die sich nahezu desillusioniert für Gerechtigkeit einsetzen. Private Probleme haben sie auch, nur dass sie in der Schusslinie zwischen russichen Gangstern/Investoren, Politikern und Journalisten befinden – und die Schusslinie ist durchaus wörtlich zu verstehen. Doch dann, schneller als einem lieb ist, endet das Buch auch schon.

Es bleiben viele Ansätze, an denen die Geschichte weiterlaufen könnte, lose Fäden, die teilweise so weit gespannt werden, dass der eigentliche Plot fast außer Sicht gerät. Im Prinzip ist es ganz einfach: Guido Eekhaut kreiert eine Welt, in der alles zusammengehört – Finanzinvestoren und Absinth trinkende Damen in rauchgeschwängerten Jazzkneipen, planlose Journalisten und von Informationsfluten überwältigte Polizisten, selbst wenn es die Geschichte nicht immer vorantreibt. Und am Ende ist das Bild stimmig, obwohl man nicht alle Hintergründe kennt. Das ist keine schlechte Leistung. Ist aber noch steigerungsfähig, weil es manchmal haarscharf an der Belanglosigkeit vorbeischrappt. Wir erwarten mehr!

Tim König, Oktober 2011

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Dirk Wagner zu »Guido Eekhaut: Schwarze Kanäle« 26.12.2015
Ein für mich sehr gelungener Auftakt zu einer, gewünscht, etwas längeren Serie. Wenn die lockere, aber nie das Ziel aus den Augen verlierenden Art des Schreibens beibehalten wird. Auch Wunsch.
Da sich Eekhaut die Mühe macht, so viele Erzahlstränge zu spinnen und sie in doch etlichen Fällen offen läst, keimt bei mir die Hoffnung, das auch er diesen Wunsch hegt.
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