Die Robinson-Morde von Gretelise Holm

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2003 unter dem Titel Robinson-Mordene, deutsche Ausgabe erstmals 2004 bei List.

  • Kopenhagen: Aschehoug, 2003 unter dem Titel Robinson-Mordene. 294 Seiten.
  • München: List, 2004. Übersetzt von Hanne Hammer. ISBN: 3-471-79485-9. 432 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2005. Übersetzt von Hanne Hammer. ISBN: 3-548-26272-4. 431 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2007. Übersetzt von Hanne Hammer. ISBN: 978-3-548-26755-5. 431 Seiten.

'Die Robinson-Morde' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Auf einer kleinen dänischen Insel geht in einem Seniorenheim offenbar ein "Sterbehelfer” um. Eine zufällig anwesende Journalistin wird in das Geschehen gezogen. Während die Polizei im Dunkeln tappt, kommt sie einem alten und ungesühnten Verbrechen auf die Spur, in das indirekt die meisten Inselbewohner verwickelt sind …

Das meint Krimi-Couch.de: »Kleine Insel mit hoher Sterblichkeitsrate« 70°

Krimi-Rezension von Michael Drewniok

Die Insel Skejø vor der dänischen Küste misst nur 16 qkm. 600 Einwohnern ist sie Heimat, wobei die permanente »Inselflucht« der Jugend durch den Zuzug pflegebedürftiger Senioren vom Festland ausgeglichen wird: Das »Seniorenservicecenter«, von den Anwohnern weiterhin hartnäckig »Altenheim« genannt, stellt den größten Arbeitgeber auf Skejø dar. Inger-Margarethe Jörgensen, die Leiterin, ist gleichzeitig Vorsitzende des einflussreichen Inselvereins, der auf Skejø das Sagen hat. Dies ist praktisch, denn so kann mit der im 21. Jahrhundert stets wirksamen Drohung der Personalreduzierung unschönen Gerüchten entgegenwirken: In der letzten Zeit sind auffällig viele Bewohner des »Centers« verstorben. Zuletzt hat es den Lehrer Gustav Kwium getroffen. 86 Jahre war er alt und krank, aber er hing am Leben und konnte es dank der modernen Medizin gut aushalten. Stimmt es, was die Alten munkeln? Wurde Kwium wie so viele andere »vom Inselverein abgewählt«, d. h. hat man bei seinem Tod nachgeholfen? »Heute kommt die Strafe«, lautet der mysteriöse letzte Eintrag in seinem Tagebuch.

Mord auf der Insel der Alten & Seltsamen

Eigentlich hält sich die Journalistin Karin Sommer auf Skejø auf, um ein Buch über historische Hexenverfolgungen zu schreiben. Dem rätselhaften Geschehen quasi unter ihrer Nase kann sie nicht widerstehen. Viele Seltsamkeiten gibt es zu klären. Wieso schlich sich Pfarrerin Anna Skov nachts in die Leichenhalle, wo Gustav Kwium aufgebahrt steht? Warum weisen in letzter Zeit die Hälse verstorbener Heimbewohner seltsame Einstichmale auf, wie Totengräber Einar Nielsen Sommer wissen lässt? Treiben dort Mikael »Wolf« und Lone »Belia«, Skejøs verfemtes Satanistenpaar, ihr Unwesen? Hat der »Naturheiler” und Geisterbeschwörer «Heiler-Franz», ein entschiedener Vertreter der Vielweiberei, die Hand im Spiel? Was verbirgt die verbitterte, medikamentensüchtige Pflegehelferin Britta Olsen? Hat sich der weichherzige Arzt Jörgen Wad als Sterbehelfer betätigt? Das wäre fatal, da Sommer eine intensive Liebesbeziehung mit ihm begonnen hat …

Vom Festland angereist, tappen Kriminalinspektor Halfdan Thor und Kriminalassistent Magnus Kohlberg lange im Dunkeln. Verdächtige gibt es viele, bald erfolgt sogar eine Verhaftung, doch es ist Karin Sommer, welche die richtige Spur verfolgt: Die scheinbare Idylle des Insellebens ist nur eine Selbsttäuschung ist. Die alten Leute wurden nicht wahllos umgebracht.

Altes Unrecht gerät in der kleinen Gemeinschaft nicht in Vergessenheit, und so entpuppt sich das Drama von Skejø als schmutzige aber sehr moderne Hexenhatz …

Morddrama aus der Deutschen liebsten Krimiland

Der Abriss der Handlung charakterisiert dieses Buch bereits ausreichend: Wir haben es hier mit einem jener «Nordlicht-Krimis» zu tun, die hierzulande in diesen Tagen aus manchmal unerfindlichen Gründen so beliebt sind. Verbrechen finden prompt ihre deutschen Leser, spielen sie sich nur in Skandinavien ab. Ob es die Mischung aus Sozialkritik und schlechtem Wetter ist, die so anziehend wirkt?

An der herausragenden Schriftstellerkunst der dänischen, schwedischen, norwegischen, finnischen Autoren kann es eigentlich nicht liegen; gute Krimis wurden und werden auch anderswo – sogar in Deutschland – geschrieben. Doch der Prophet gilt wenig im eigenen Land, das angelsächsische Krimi-Kernland ist zu unübersichtlich, deshalb lockt der Zauber des kleinen, feinen Nordens.

Dieser Bonus ist wichtig, möchte man das vorliegende Buch beurteilen. Man kann dies betont subjektiv oder objektiv tun. Ist das nicht immer so? Schon, doch selten klafft die Lücke deutlicher. Faktisch ist «Die Robinson-Morde» schlicht und ergreifend ein gut geschriebener, lesbarer, unterhaltsamer Krimi mit vorsichtig versuchtem Tiefgang und sacht belehrender Moral.

Kriminalistisch kocht die Verfasserin auf Sparflamme. Statt dessen lässt sie die Zeitbombe der «gesellschaftlichen Vergreisung» und der daraus erwachsenden Probleme ticken. Ansonsten geht es um den skurrilen Mikrokosmos der Insel Skejø.

Ein wenig aufdringlich wirkt die forcierte Parallelstellung historischer Hexenjagden mit den Phänomenen moderner sozialer Ausgrenzung; hier gibt es zweifellos gemeinsame Wurzeln, aber es ist nicht zulässig, das eine mit dem anderen quasi gleichzusetzen. Um der Story willen kann dieser Kritikpunkt indes relativiert werden.

Inselluft ist gut für komische Käuze

Hier wird nicht die Welt gerettet, es stehen keine rasanten Verfolgungsjagden oder Schusswechsel an. Ein Hau-drauf-und-Schluss-Held ist folglich als Hauptfigur nicht erforderlich, es genügt ein «normaler» Mensch – die schwierigste schriftstellerische Herausforderung also. Holm hat sie gemeistert. Selten findet man eine glaubwürdige Figur wie Karin Sommer. Sie ist nicht mehr die Jüngste und beschäftigt sich mit den Problemen ihrer mittleren Jahre, ohne dass dies allzu oft in schmalziger Breite ausgewalzt würde.

Skejø ist ansonsten ein Reservat für allerlei merkwürdige Zeitgenossen. Der «Landhauskrimi» – und zu diesem Genre ist dieses Buch trotz seiner nicht-englischen Herkunft zu zählen – lebt von schrulligen Gestalten, was die gemächliche Handlung auszugleichen pflegt. Wiederum beherrscht Holm ihr Handwerk besser als die meisten ihrer Kolleg(inn)en. Skejøs kauzige Bewohner werden mit trockenem, nie aufdringlichem Humor in Szene gesetzt, wofür die Einführung des Satanistenpärchens «Wolf» und «Belia» ein schönes Beispiel ist: «Mikael mit dem satanischen Namen `Wolf’ baute gerade das alte Hühnerhaus im Hintergarten der Galerie zu einem Tempel für Luzifer um, während seine Freundin Lone mit dem satanischen Namen `Belia’ ihm von einem Gartenstuhl aus, auf dem sie saß und der vier Monate alten Lucy die Brust gab, verliebt ansah" (S. 55)

Darüber hinaus treffen wir eine Gottesfrau mit vampirischen Neigungen, einen frauenmagnetischen Quacksalber, einen Grab schändenden Irren, einen nach Internetpornos süchtigen Hauptermittler und einen heiratssüchtigen Inselarzt – kein Wunder, dass der Seniorenmeuchler so lange unentdeckt bleiben kann!

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Himbeertee zu »Gretelise Holm: Die Robinson-Morde« 22.09.2011
Karin Sommer ist auf Besuch bei Tante Agate auf der dänischen Insel Skejo. Sie will ein Buch schreiben, über Hexenverfolgung: Damals wie auch heute. Doch dann ist sie auf einmal selbst mittendrin in einer neuzeitlichen Hexen-Verfolgung und findet dabei auch eine neue Liebe.
Insel Idyll-Herz-Schmerz-Spannung-Humor
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