Blackmail von Greg Iles

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 unter dem Titel Turning Angel, deutsche Ausgabe erstmals 2007 bei Bastei Lübbe.

  • New York: Scribner, 2005 unter dem Titel Turning Angel. 640 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 2007. Übersetzt von Axel Merz. ISBN: 978-3-404-15802-7. 640 Seiten.
  • Köln: Bastei Lübbe, 2011. Übersetzt von Axel Merz. ISBN: 978-3-404-27043-9. 621 Seiten.
  • [Hörbuch] Bergisch Gladbach: Lübbe Audio, 2007. Gesprochen von Tobias Kluckert. ISBN: 3-7857-3398-4. 6 CDs.

'Blackmail' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Als im Mississippi die nackte Leiche eines Mädchens gefunden wird, ist die ganze Gemeinde von Natchez geschockt – am meisten aber der Anwalt Penn Cage. Denn er muss erfahren, dass sein bester Freund, der Arzt Drew Elliott, der ihm als Junge einmal das Leben gerettet hat, ein Verhältnis mit der Schülerin hatte und somit unter Mordverdacht steht. Wider Willen übernimmt Penn den Fall und wird hineingerissen in einen Sog von Erpressung, Rassenpolitik und sexuellen Begierden. Seine einzige Chance, den Freund zu retten, ist die Wahrheit zu finden. Eine Wahrheit, die keiner wissen will …

Das meint Krimi-Couch.de: »Sex und Crime, Arm und Reich, Schwarz und Weiß« 70°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Natchez, Mississippi, knappe 18.000 Einwohner, etwas weniger als die Hälfte gutbürgerliche Weiße, etwas mehr als die Hälfte weniger bürgerliche Farbige. Und genau dort hat der Autor Greg Iles seinen Wohnsitz, und genau dort lässt er auch den Anwalt Penn Cage zur Ehrenrettung seines besten Freundes, des Arztes Drew Elliott, in »Turning Angel« antreten, dass im Bastei Lübbe Verlag in der Übersetzung von Axel Merz zu Black Mail eingedeutscht wurde.

In der St. Stephen´s School, einer Privatschule für begüterte Weiße, die allerdings auch gelegentlich wegen der Political Correctness den einen oder anderen Afroamerikaner mit besonders guten Noten mitschleppt, sitzen im Vorstand lauter ältere Damen und Herren, die offensichtlich besonders gut mit ihren Scheuklappen leben, denn sie ignorieren geflissentlich alle Untugenden, die in den Gängen und Klassenzimmern einer Schule auftreten können. Aber diesmal wird es ernst für den Schulrat, denn (mindestens) einer ihrer Honoratioren hat Dreck am Stecken. Sein Name ist Doktor Drew Elliott und er ist mit Penn Cage seit Kindergartentagen befreundet.

Der allseits geschätzte Arzt hat sich mit dem minderjährigen Babysitter seiner Tochter vergnügt. Und nicht nur das. Der von der Midlife Crisis geschüttelte Akademiker, dessen Frau medikamentensüchtig ist, entbrannte in heißer Liebe zu der bildhübschen Siebzehnjährigen und möchte mit ihr in einer anderen Stadt ein neues Leben beginnen. Doch der Tod macht ihm einen Strich durch die Rechnung, denn Kate Townsend, das hübscheste Mädchen der ganzen Stadt, wird brutal vergewaltigt, erschlagen, erwürgt und in den Mississippi geworfen.

Natchez steht vor den Nominierungen zur Wahl des neuen Bürgermeisters. Im Sog der hoffentlich siegreichen Kandidaten, zu denen sich auch Penn Cage gesellen will, hoffen auch die höheren Beamten der Exekutive auf einen Aufstieg in die neu zu bestellenden Planposten und so legen sich Polizei und Staatsanwaltschaft ordentlich bei der Aufklärung des Verbrechens in die Riemen, ohne dabei jedoch in die selbe Richtung zu rudern. Schnell wird somit auch Dr. Elliott dingfest gemacht, dessen Spermaspuren eindeutig auf sexuellen Kontakt kurz vor dem gewaltsamen Ableben hindeuten könnten, und als Hauptverdächtiger landet er prompt im Untersuchungsgefängnis, ohne Aussicht auf Kaution entlassen zu werden. Penn Cage, der eigentlich wegen Befangenheit die Verteidigung seines Freundes nicht übernehmen will, organisiert einen hochqualifizierten Rechtsverdreher, kümmert sich aber im weiteren Verlauf der Handlung, gemeinsam mit einer Schulkollegin der Ermordeten, um die Beschaffung von Beweisen, die seinen Freund entlasten sollten.

Denn Kate Townsend war alles Andere als ein Kind von Traurigkeit. Umfassende sexuelle Praktiken mit Drogendealern, Schülern und jedem anderen potenten Kerl scheinen bei ihr an der Tagesordnung gewesen zu sein. Mia Burke, die bei Penn Cage die Tochter hütet, weiß mit Sicherheit mehr über Liebesleben und Leidenschaften der heutigen Schuljugend und gemeinsam mit dem Anwalt, in den sie natürlich total verliebt ist, geht sie auf die Jagd nach dem wirklichen Mörder …

Selbst für einen amerikanischen Thriller ist die Ansammlung an Vorurteilen und Plattitüden, die hier die sechshundert Seiten füllen, mehr als nur umfassend. Was Greg Iles hier dem amerikanischen Leser an Sex und Crime bietet, reicht vom körperlichen Kontakt mit Minderjährigen bis zum Analverkehr, von der alles überschwemmenden Drogenszene an einer reichen Privatschule bis zum peinlichen Lobbyismus und verstecktem Rassismus in amerikanischen Wahlkämpfen. Bei so vielen brisanten Ansätzen zu einer Story, die der Autor in Black Mail eingebaut hat, müsste eigentlich für jeden Leser etwas dabei sein, oder es wird daraus ein Schrotthaufen von verkaufswirksamen Werbestrategien.

Greg Iles schafft die Gratwanderung, in dieser Geschichte trotz haarsträubenden Szenarios einen durchgehenden Handlungsstrang zu knüpfen, der zwar nicht für hochgeistige Literatur sorgt, aber gelungene und spannende Lesemomente bietet. Auf Grund der flüssigen Sprache und des sehr ordentlich durchorganisierten Ablaufs baut sich die Spannung stetig auf und lässt durch einige unerwartete Wendungen auch nicht nach. Wer leichte amerikanische Kost mag, die thematisch knapp über dem Anspruch eines Schulmädchenreports liegt, wem es egal ist, ob hier Arm und Reich und Schwarz und Weiß so ziemlich dasselbe sind, wen amerikanisches Wahlsystem und Korruption nicht am Einschlafen hindern, dem kann man Black Mail vorbehaltslos empfehlen. Das ist anspruchslose Unterhaltung pur, wenn man nicht über die Kulissen nachdenkt.

Wolfgang Weninger, Februar 2008

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Krimi-Tina zu »Greg Iles: Blackmail« 08.05.2009
Ich bin eigentlich mit recht hohen Erwartungen an dieses Buch herangegangen. Die es leider nicht so richtig erfüllt hat.
Spannend ist die Geschichte durchaus. Der ehemalige Staatsanwalt Penn Cage wird von seinem Freund um Hilfe gebeten. Eine Highschool-Schülerin wurde vergewaltigt und ermordet aufgefunden und besagter Freund hat sie nicht nur gefunden sondern hatte prekärerweise auch ein Verhältnis mit ihr. Cage fängt zu ermitteln an und sofort überstürzen sich die Ereignisse. Er wird in ein ungeheuer bösartiges politisches Ränkespiel sowie in einen Drogenkrieg verwickelt.
Das klingt jetzt etwas wild kombiniert und weit her geholt? Genau der Eindruck ist es denn das Buch auch hinterlässt. Es gibt auch andere Autoren, bei denen verhältnismäßig kleine Ursachen große Auswirkungen nach sich ziehen,. Aber hier ist die Kausalität nicht wirklich erkennbar, Es wirkt zusammen gestückelt .
Ähnlich ist es mit den Reaktionen und Handlungen der Personen, die sind häufig nicht nachvollziehbar. Zuguterletzt hat mich dieser Kniff die Geschichte größtenteils im Präsens zu schreiben, eher irritiert als, wie vermutlich beabsichtigt, mich näher an den Schauplatz heranzuführen.
Der Spannungsbogen wird dafür gut gehalten und an Action mangelt es auch nicht, es passiert andauernd etwas. Langeweile kommt nicht auf, nur wie gesagt immer wieder Irritation.
Recht seichter und durchschnittlicher No-Brainer für zwischendurch. 69°
Kain zu »Greg Iles: Blackmail« 07.05.2009
Das Buch war super und ich habe es wirklich genossen es zu lesen das Iles einen sehr ans Geschehen fesseln kann und man sich selber richtig gut in den Protagonisten hineinversetzt fühlt. Nur eines stößt mir auf. Ich laß zuerst Blackmail und danach Unter Verschluss. In Black Mail taucht ja Kelly wieder auf aber man erfährt nicht wie es mit ihm in "Unter Verschluss" geendet ist nur das er Penn die Leute vom Hals hält. Ich habe versucht so wenig wie möglich zu verraten sorry aber vielleicht weiss hier ja jemand rat.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Frank zu »Greg Iles: Blackmail« 27.09.2008
Greg Iles enttäuscht mal wieder nicht. Eigentlich schreibt der Autor hier nicht (nur) einen Krimi, sondern er zeichnet das Panorama einer von Rassismus,Doppelmoral und Engstirnigkeit geprägten Kleinstadt in den amerikanischen Südstaaten.
In diesem Roman ist niemand nur "gut" - niemand nur "böse". Vielmehr bewegen sich die Protagonisten innerhalb ihrer gesellschaftlichen und/oder privaten Grenzen - und handeln dementsprechend.
Vielleicht ist es gelegentlich etwas "zu viel" was uns Iles da "zumutet". Drogen, Sex, Rassismus,Männerfreundschaft, Loyalität und auch eine Prise des damaligen Krieges in Yugoslawien bzw seine Auswirkung auf Betroffene/Überlebende. Spannend und gut geschrieben ist es allerdings allemal.
Den Vorgänger "Unter Verschluss" habe ich nicht gelesen, hat mich aber auch nicht weiter gestört. Satte 85%.
Keera zu »Greg Iles: Blackmail« 20.09.2008
Es handelt sich um einen schlüssigen und spannenden Krimi. Das Verständnis für die Rassenprobleme im Süden der USA, die genaue Kenntnis der Stadt Natchez, und die sorgfältige und mehrdimensionale Darstellung der Charaktere sorgen für eine spannende Geschichte, die nicht nur von der Darstellung eines Kriminalfalles leben muss.
Besonders ansprechend finde ich, dass die Charaktere nicht so eindimensional sind, wie es leider so oft in Krimis der Fall ist. Die ermordete Highschool Queen Kate entpuppt sich als "heißer Feger", Drew Elliot, bislang eine "Stütze der Gesellschaft" von Natchez stürzt ganz tief, als seine sexuelle Eskapade bekannt wird, und der charmante Liebling der Schulgirls entpuppt sich als völlig gestörter und gewalttätiger junger Mann.
Ich habe das Buch bis zum Schluss spannend und unterhaltend gefunden und die "Kulissen" fand ich auch nicht gar so Schulmädchen-Report-mäßig wie der Rezensent.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
queenodt zu »Greg Iles: Blackmail« 04.09.2008
Die Thematik des Buchs hat mich gleich angesprochen, doch die Umsetzung fand' ich dann nicht mehr soo überzeugend, da ihr doch jeglicher Realismus abgeht. Es passiert einfach zu viel in zu kurzer Zeit und die unglaublichen Tricks des Protagonisten in schier auswegslosen Situation, da kam dann doch die typische Vorlage für einen amerikanischen Blockbuster durch...
Richtig gefesselt hat es mich dann im Laufe des Buchs irgendwie nicht mehr... Es ist sicher ein Buch was man gut im Urlaub lesen kann und auch ganz gut unterhalten wird, aber ein Geheimtipp sicher nicht.
Es war mein erstes Buch von Greg Iles, bis ich ein weiteres ausprobieren werde, vergeht sicher noch etwas Zeit...
Jessi21 zu »Greg Iles: Blackmail« 11.08.2008
Das war mein erstes buch das ich von G.I. gelesen habe und es war einfach super.
Am anfang hatte ich schon angst es könnte langweilig werden aber ganz im gegenteil es ist von anfang bis ende spannend, selbst für leute die selten lesen so wie ich mal war aber mittlerweile hab ich in kürzester Zeit schon vier bücher von ihm.
es ist einfach so fesselnd
Claudia zu »Greg Iles: Blackmail« 04.06.2008
Ich finde das Buch einfach spitze. Ich hatte einen Büchergutschein und war dann im Laden. Irgendwie hat mich das Buch sofort angesprochen. Ich las den Klappentext und entschied mich, dieses Buch zu kaufen. Zuhause begann ich zu lesen, es war so spannend, dass ich gar nicht mehr aufhören wollte.
ABER: Höre dann auf, wenn es am schönsten oder spannensten ist.

Laut diesem Spruch hätte ich dauernd aufhören müssen-denn es war immer spannend.

NUR ZU EMPFEHLEN !
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missmarple1510 zu »Greg Iles: Blackmail« 20.05.2008
Das Buch ist echt der Hammer! Das war das erste Buch, das ich von Greg Iles gelesen hab, aber mit Sicherheit nicht das letzte.

Total spannend, konnte gar nicht mehr aufhören, zu lesen. Super geschrieben. Also alles in allem: Eins der besten Bücher, die ich gelesen habe.
Schrodo zu »Greg Iles: Blackmail« 04.05.2008
Hut ab Herr Iles, Sie haben einen Thriller zu Papier gebracht, der an Spannung mal wieder nichts zu wünschen übrig lässt. Erst hab ich ja gedacht, nee nicht ne Fortsetzung von „Unter Verschluss“, aber das hat er wirklich prima hinbekommen!
Die Story ist in sich stimmig und steigert die Spannung bis zum Schluss. Sie handelt (mal wieder) in Mississippi, ein Mord an einem 17- jährigen Mädchen, ein älterer Doktor wird verdächtigt und der Held der Geschichte Penn Cage muß allerlei übler Dinge über sich ergehen lassen, bis er am Ende natürlich alles aufklären kann. Das Ganze ist eine Mischung aus Rassenproblemen, sexuellen Erfahrungsberichten, Drogengeschichten und der Jugendfreundschaft zweier Männer.
Meiner Meinung nach ist dieses Buch absolut lesenswert, auch wenn man das erste Buch (unter Verschluss) nicht vorher gelesen haben muss. Weiter so Herr Iles
bluebay zu »Greg Iles: Blackmail« 27.01.2008
Eine wahre Freude, dieses Buch zu lesen! Besonders gefreut hat mich, dass Penn Cage zum wiederholten Male der Protagonist ist. Ein Buch für Leser, die aufmerksam viele Thriller lesen und schon oft enttäuscht wurden, da viel zu früh offensichtlich war, wer Mörder oder Drahtzieher war. Durch viele Wendungen und vielseitige Charaktere bleibt die Spannung sehr lange erhalten. Allerdings ist meiner Meinung nach der "deutsche" Titel völlig irreführend und der Originaltitel "Turning angel" viel passender und hätte beibehalten werden sollen. Das ändert jedoch nichts am Inhalt des Buches, der so fesselnd ist, dass ein aus-der-Hand-legen schwierig wird! Ein großes Lob an Greg Iles mit der Hoffnung, dass dies nicht das letzte Buch war, in dem wir mit Penn Cage mitfiebern können!

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