Die Stimme des Dämons von Grant McKenzie

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel Switch, deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei Heyne.

  • London: Bantam Books, 2008 unter dem Titel Switch. 426 Seiten.
  • München: Heyne, 2009. Übersetzt von Norbert Jakober. ISBN: 978-3-453-40679-7. 381 Seiten.

'Die Stimme des Dämons' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Der schlimmste Albtraum eines Mannes wird Wirklichkeit: Eine anonyme, elektronisch verzerrte Stimme teilt ihm per Handy mit, seine Frau und Tochter entführt zu haben. Um sie lebend wiederzusehen, muss er neben einem Lösegeld von einer Million Dollar mehrere brutale Verbrechen begehen. Als er schließlich am Haus, in dem sich seine gekidnappte Familie angeblich befindet, eintrifft, fliegt es vor seinen Augen in die Luft. Dies ist der Auftakt zu einem gnadenlosen Katz-und-Maus-Spiel.

Das meint Krimi-Couch.de: »Schnell, stimmig, spannend und professionell « 84°

Krimi-Rezension von Jochen König

Wer erinnert sich nicht an Lesenächte, in denen man ein bestimmtes Buch nicht weglegen konnte, weil man einfach wissen MUSSTE, wie es weitergeht und vor allem wie es endet. Nächte unter der Bettdecke oder bei fahlem Licht mit zusammen gekniffenen Augen, immer bereit dem Schlaf von der Schippe zu springen. Dabei übersah man gerne (kleinere) Logikfehler oder größere Unwahrscheinlichkeiten, Hauptsache die Geschichte war stimmig und man konnte mit den Figuren fiebern, erlebte einen emotionalen Spießrutenlauf, bei dem es schon mal derber zur Sache gehen konnte. Wichtig nur, dass am Ende lädierter Held oder Heldin, dem hinterlassenen Trümmerhaufen entstiegen und irgend jemand Liebenswertes in die Arme schließen konnte.

Später, im reiferen Alter – also jenseits der fünfzehn etwa – begann man auch Bücher mit der gezielten Verweigerung eines Happy Ends zu würdigen. Der verbleibende Kloß im Hals oder Bauch ließ diese Geschichten teilweise noch länger nachwirken und sorgte mitunter dafür, das man selbst ein alternatives Ende entwarf. Spannend war es allemal und jederzeit den Preis eines Tages im Tran, mit verquollenen Augen und bleischweren Lasten auf den Schultern wert.

Grant McKenzies Die Stimme des Dämons lässt diese Gefühle wieder aufleben.
Wobei die erste Bemerkung dem deutschen Titel gilt; im Gegensatz zur Stimme kommt im gesamten Roman kein Dämon vor. Der Originaltitel »Switch« ist zwar unspektakulärer, aber wesentlich treffender.

Eventuell wollte man die Verwechslung mit einer mäßig komischen deutschen Mediensatire vermeiden und wandte sich komplett vom Original ab. Obwohl sich als mögliche Übersetzung »Spießrute«, in welcher Kombination auch immer, angeboten hätte, beschwor man lieber sensationsheischende Gruselatmosphäre. Doch merke: nicht jeder rachsüchtige Geist ist gleich ein Dämon. Wir sind schließlich nicht in Sunnydale.

Der »Dämon«, der den Schauspieler und als Wachmann arbeitenden Sam White auffordert, in seinem Auftrag Verbrechen zu begehen, ist höchst irdischen Ursprungs. Aber er hat ein zwingendes Druckmittel: sind doch Sams Ehefrau und Tochter in seiner Gewalt. So präpariert, schickt er Sam durch die Gegend, um zu sehen wie weit dieser bereit ist, den Weg des (erzwungenen) Verbrechens zu gehen. Während die beiden Polizisten Hogan und Preston den augenscheinlich durchgedrehten Amokläufer Sam White neutralisieren wollen, erhält er mögliche Unterstützung im Kampf gegen seinen erpresserischen Widersacher durch den Arzt Zack Parker. Jeder weitere Auftrag führt Sam an seine moralischen Grenzen, doch gegen alle Widerstände kommen die beiden den Hintergründen der Wahnsinnstaten näher. Wie kaum anders zu erwarten, liegen sie tief in der Vergangenheit begraben.

Die Stimme des Dämons ist eine klug konzipierte Mischung aus »Die Hard« – vor allem der dritte Teil stand Pate – und »SAW«; allerdings ohne allzu explizite Gewaltdarstellungen, die der Roman aber auch nicht nötig hat. Stattdessen geht es um die Rache der Unterprivilegierten, die im vorliegenden Fall auch nicht viel gerechtfertigter ist, als der Amoklauf eines leicht überdurchschnittlich intelligenten Schülers, der sich in seiner Eitelkeit verletzt sieht.

McKenzies Stärke ist es, seine Figuren, trotz aller handlungsbedingter Übertreibungen, nachvollziehbar darzustellen und agieren zu lassen. Seien Hauptcharaktere Sam White und Zack Parker sind Durchschnittsbürger, die über sich hinauswachsen, weil sie das retten wollen, was sie lieben. Und dabei möglicherweise Grenzen überschreiten, die die Rückkehr in ein »normales« Leben nahezu unmöglich machen. Trotz aller Over-The-Top-Action bleiben Dunkelheit und Verzweiflung, die hinter dem Feldzug der Akteure stehen, jederzeit wahrnehmbar.

Gelungen auch die Zeichnung der beiden ermittelnden Cops Hogan & Preston, die zwar dem typischen Buddy-Klischee entsprechen, deren Fähigkeit zum Mitfühlen, gepaart mit Nachdenklichkeit (von miesen Autoren allzu oft vernachlässigt) und der gern genommenen Prise sarkastischen Humors nicht nur für Bodenhaftung sorgt, sondern sie auch für zukünftige Aufgaben empfiehlt. McKenzie spielt hier geschickt mit Klischees, benutzt und bricht sie, in dem er etwas ganz simples macht: er legt seine Figuren nicht als Karikaturen an, ebenso wenig überhöht er sie ins Fantastische. Mag die Welt aus den Fugen geraten, zum explodierenden Spektakel werden, die vier positiv besetzten Hauptfiguren könnten wir uns auch beim heimeligen Doppelkopfabend vorstellen.

Am Ende wartet zwar eine Überraschung auf das gebeutelte Duo Schauspieler und Arzt, aber das hat der aufmerksame Leser bereits geahnt. Tut gut, einerseits zu erleben, dass der Autor mit Erwartungen spielen kann und sie lässig erfüllt, andererseits seine Leser nicht unterschätzt, um ihnen den größten Humbug oder emotionale Verquickungen der ausufernden Art vorzusetzen.

Die Stimme des Dämons ist ein schneller, stimmiger, spannender und professionell entwickelter Leckerbissen. Natürlich sehen wir die Verfilmung schon vor uns, natürlich strömt jede Seite des Buches Kalkül und berechnende Fingerfertigkeit aus. Aber böse sein deswegen? Nein, dafür wird uns die Medizin viel zu schmackhaft verabreicht.

Sicher kennen wir gehaltvolleres, literarisch anspruchsvolleres, nachdenkenswerteres und sogar das eigene Leben beeinflussenderes. Aber wir lieben durchwachte Nächte, forcierte Touren durch imaginäre Herausforderungen und wilde, bedrohliche Abenteuer. Wenn sie so geschickt und mit Hochdruck vorgetragen werden wie im vorliegenden Fall – und gleichzeitig ihre Leser ernst nehmen, um so mehr.

Jochen König, August 2009

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icebox zu »Grant McKenzie: Die Stimme des Dämons« 27.06.2010
Es ist schon lange her, das ich ein Buch in einem Rutsch so verschlungen habe wie dieses. Super spannend, super schnell ( wie Harlan Coben auf Speed) hat ein schlauer Mensch auf dem Umschlag gesagt und damit auch nicht zuviel versprochen ! Für alle Coben-Fans, den auch ich sehr schätze, wärmstens zu empfehlen. Ein glatter Fehltritt ist meiner Meinung nach der Titel und die Gestaltung des Covers, das könnte mitunter falsche Erwartungen wecken. Es hat im entferntesten nichts mit Dämonen oder gar Horror zu tun und auch das Blut tropft hier nicht aus den Seiten. Kein Schlachten, kein Foltern und der Vergleich zu den SAW-Filmen ist schon etwas übertreiben. Da kommt dieses Debüt von McKenzie schon regelrecht zahm daher.
Die Grundidee ist sicherlich nicht neu und das Ende vorhersehbar, aber die Spannung und die Gechwindigkeit ,mit der McKenzie den Leser durch die 380 Seiten jagt macht dies auf jeden Fall wett.Die Figuren sind klar umrissen und beschrieben und die typisch amerikanischen Detektives "guter Bulle böser Bulle" geizen auch nicht am Kinoklischee. Was mir gefehlt hat und dafür gibts jetzt einen Stern weniger, das ist so ein AHA-Erlebnis am Ende oder eine überraschende Wendung.das Buch endet so, wie man es schon etwa nach der Hälfte erwartet wie es endet...
Trotzdem ein toller, actiongeladener, spannender und schneller Lesegenuß für Thriller-Fans !

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morus64 zu »Grant McKenzie: Die Stimme des Dämons« 25.11.2009
O-Ton Rezension Jochen König:
...
"Sicher kennen wir gehaltvolleres, literarisch anspruchsvolleres, nachdenkenswerteres und sogar das eigene Leben beeinflussenderes. Aber wir lieben durchwachte Nächte, forcierte Touren durch imaginäre Herausforderungen und wilde, bedrohliche Abenteuer. Wenn sie so geschickt und mit Hochdruck vorgetragen werden wie im vorliegenden Fall – und gleichzeitig ihre Leser ernst nehmen, um so mehr."

Damit ist es genau und ohne zerredende Ergänzungen auf den Punkt gebracht!

Ein spannendes Erstlingswerk zu einem am besten gleich wieder zu verdrängenden Thema. Zum Glück ist es in unserer (wie wir meinen) zivilisierten Welt Mitteleuropas sehr unwahrscheinlich, vor solche gravierenden, ja unmenschlichen Entscheidungen gestellt zu werden, aber aus dieser Fiktion einen packenden Pageturner zu schreiben ist anerkennenderweise eine beeindruckende Idee.

77 GRAD, für mehr fehlt's am literarischen Anspruch, s. o. J.König-Resümee.
Frank zu »Grant McKenzie: Die Stimme des Dämons« 23.11.2009
Die Welt des Gelegneheitsschauspielers und Wachmannes Sam White gerät aus den Fugen. Seine Familie wird entführt. Um diese zu retten hat er eine Million Dollar zu beschaffen sowie einige telefonisch vermittelte "Aufgaben" zu erledigen, die ihn über die Grenzen seiner eigenen Moralvorstellungen führen.
Nachdem er kurz darauf den ebenfalls betroffenen Arzt Zack Parker kennenlernt und man nach und nach erste Gemeinsamkeiten erkennt, macht man sich zusammen auf die Lösung in der Vergangenheit zu suchen.
Doch die Zeit läuft, der Entführer scheint immer einen Schritt voraus zu sein.

Einen verteufelt spannenden Erstling liefert McKenzie hier ab, der dem Leser kaum mal eine Atempause gönnt. Natürlich wird auch hier keine wirklich innovative Geschichte erzählt, alles wirkt wie bereits einmal in einem anderen Buch gelesen. Dem Lesevergnügen hat das (bei mir) aber keinen Abbruch getan, dafür war es bei aller Abkupferei zu gut ertählt.
Lediglich das Ende war mir etwas zu arg abrupt und in seiner Auflösung nicht konsequent genug. Wobei es wahrscheinlich auch häufig kaum mehr Anlass braucht um zum Psychopathen zu werden - aber das sollte man dann für sich selber entscheiden (wie das Ende gefällt - nicht wie leicht man zum Psychopathen werden kann).
80%.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
schnuppe zu »Grant McKenzie: Die Stimme des Dämons« 02.10.2009
Das war mal wieder ein sehr spannendes Buch. Ich konnte es fast nicht weglegen und hat es in kürzester Zeit ausgelesen. Ich finde es sehr gut, dass die Kapitel sich nicht so in die Länge ziehen und so die Spannung fast ins Unerträgliche führen..."noch ein Kapitel - dann hör ich auf für heute...ach komm, noch eins..." und so verging die Zeit im Flug. Wirklich sehr empfehlenswert!
Schreibprojekt.at zu »Grant McKenzie: Die Stimme des Dämons« 08.09.2009
Mit Tatorten von Verbrechen muss sich der kanadische Autor Grant McKenzie auskennen, hat er doch als „Deadbody-Beat“- Journalist gearbeitet. Die Aufgabe solcher Journalisten ist es, als erster am Tatort eines Verbrechens einzutreffen. Und so wimmelt es auch im Debütroman des gebürtigen Schotten von Tatorten.

Der Sicherheitswachmann Sam White kommt nach der Arbeit nach Hause und findet anstatt seines Heimes neben Einsatzwägen der Polizei nur einen abgebrannten Krater und zwei Leichensäcke vor. Doch der Alptraum hat für ihn gerade erst begonnen: Seine Familie lebt noch und er müsse alles dafür tun, das dies auch so bleibt. Und dies schließt auch einen Mord nicht aus.
Zack Parker teilt das Schicksal von Sam und so schließen sich die beiden, anfangs unfreiwillig, zusammen und suchen nach dem Täter. Im Laufe der Handlung wird klar, dass sie alle eine Gemeinsamkeit haben: die Schulzeit. Doch wer der ehemaligen Schüler kommt für so eine Wahnsinnstat in Frage?

DIE STIMME DES DÄMONS ist eine plotorientierte Geschichte, auch wenn es von Figuren wimmelt, die eines gemeinsam haben: ihre Vergangenheit. Leider gibt es auch im Plot einige Ungereimtheiten und manche Szenen sind unglaubwürdig. Dennoch sieht man als Leser über diese kleinen Fehler hinweg, weil die Szenen spannend sind und man unbedingt weiterlesen möchte.

Schade ist allerdings, dass die Geschichte eigentlich sehr charakterstark sein könnte, hätte der Autor die Figuren nicht so flach gezeichnet. Die Charaktere sind nicht mehr als Marionetten, die das ausführen, was der Plot verlangt. Und das ist schade, denn das Potential dazu wäre vorhanden: Ein ganz normaler Bürger (sozusagen der Mann von nebenan) gerät in einen Konflikt. Um seine Familie lebend wiederzusehen, muss er Verbrechen begehen, die gegen seine innere Einstellung, seine Moral, stehen. Wenn das nicht ein Leckerbissen für Charakterisierung ist?
Doch leider legt der Autor zuwenig Wert auf dreidimensionale Charaktere. Der Leser erfährt zwar etwas von der Vergangenheit der einzelnen Figuren, ein bisschen was von den Jugendträumen, doch eine wirkliche Identifikation ist nur durch die Tragik des psychopathischen Wahnsinns möglich. Natürlich empfindet man Mitleid mit jemanden, der Verbrechen begehen muss, um seine Familie zu retten. Aber wirkliche Empathie kann man nur für Figuren empfinden, die einem am Herzen liegen, von denen man glaubt, man kennt sie oder erkennt sich selbst in ihnen wieder. Und das ist dem Autor leider nicht gelungen.

Dennoch ist das Buch eine Empfehlung wert. Wenn man über die kleinen Plotschlampigkeiten hinwegsieht, kann man es zur Unterhaltung sehr genießen.

Fazit: Eine schnell zu lesende anspruchslose Lektüre für verregnete Abende.
sue82 zu »Grant McKenzie: Die Stimme des Dämons« 05.08.2009
Wie weit würde man gehen um seine Familie zu retten? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Autor in seinem Debütroman und er macht das richtig gut.
Ein erfolgloser Schauspieler und ein Schönheitschirurg werden dazu angehalten diverse Verbrechen zu tätigen um Frau und Tochter zu retten... Auch zwei Polizisten setzen sich auf die Spur des Schauspielers. So nach und nach kommt heraus, wer hinter der verzerrten Stimme am Telefon steckt.
Kurze Kapitel und ein permanenter Wechsel zwischen den Protagonisten machen das Buch aus, dabei ist das Buch spannend und das bis zur letzten Seite. Was auch ein Pluspunkt ist, das es keinen "unnötigen" Nebenfiguren gibt.
Klare Weiterempfehlung meinerseits.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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