Das Gesicht der Schuld von Graham Hurley

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2001 unter dem Titel The take, deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei Lübbe.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 2 der Joe-Faraday-&-Paul-Winter-Serie.

  • London: Orion, 2001 unter dem Titel The take. 289 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: Lübbe, 2009. Übersetzt von Marion Sohns. 432 Seiten.

'Das Gesicht der Schuld' ist erschienen als

In Kürze:

Ein regnerischer Sommertag in Portsmouth. In einem Hotelzimmer findet die Polizei Blutspuren – der Bewohner, ein berühmter Gynäkologe, wird vermisst. Von dem Mann fehlt jede Spur. Als DC Winter herausfindet, dass er seinem Ruf als Arzt alles andere als Ehre gemacht hat, beginnt eine atemlose Jagd nach dem Verschwundenen – oder seiner Leiche. Hat sich womöglich eine seiner Patientinnen an dem skrupellosen Arzt gerächt?

Das meint Krimi-Couch.de: »Drei in eins« 60°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Ab und zu lohnt es sich, ein Buch von hinten zu beginnen. Nein, nicht das Ende des Romans, ganz hinten, der Klappentext auf dem Einband. Da steht bei Hurleys Das Gesicht der Schuld ein Zitat von Harlan Coben, der vom besten Polizeiroman des Jahres spricht. Nach der Inhaltsangabe ein weiteres, undatiertes Zitat: »Eine der derzeit besten Krimiserien – für alle Fans von Ian Rankin.« (Bookseller)

Berechtigte Vorschusslorbeeren oder schwere Hypothek? Für einen Roman, der immerhin gut acht Jahre warten musste, bis er in Deutschland im Frühjahr 2009 zum ersten mal in deutscher Sprache verlegt wurde, allemal ein probates Mittel, um Aufmerksamkeit zu erlangen.

Polizei in Portsmouth ermittelt

Hurley konnte die deutsche Leserschaft erst im Sommer 2008 mit Die Saat des Zweifels kennen lernen. Die Serie des Autors spielt im südenglischen Portsmouth und beschreibt den Arbeitsalltag von DI Faraday, DC Winter und deren Kollegen bei den verschiedenen Dienststellen der örtlichen Polizei. Schwer zu sagen, wer hier der eigentliche Protagonist sein soll, denn Faraday, der den meisten anderen Ermittlern ein Vorgesetzter ist, hält sich mit eigenen Ermittlungen eher im Hintergrund. Winter hingegen ist eher ein Anti-Hero, nachlässig in seiner Arbeit und gerne mal die Grenze zur Illegalität überschreitend. Rechtschaffen ist da eigentlich eher Dawn Ellis, die sich eine Rivalität mit Faraday leistet, was sie aber auch nicht als Hauptfigur tauglich erscheinen lässt.

Schwamm drüber, Hauptsache der Kriminalfall ist spannend. Aber ist er das wirklich? Oder anders gefragt: welcher der Fälle in diesem Roman hat das Zeug dazu? Da ist einmal der Fall eines nächtlichen Voyeurs, der sich in stillen Parkanlagen entblößt. Ellis kümmert sich darum und kommt einem Pornofilmer auf die Spur. Dann ist da noch der Fall, um den sich Winter intensiv kümmert: Ein verschwundener Arzt, der seinen Patientinnen Schmerz und körperlichen Schaden zugefügt hat. Da Winters Frau soeben eine Krebsdiagnose erhalten hat, ein Fall der ihn persönlich stark aufwühlt. Und Faraday? Der will wissen, wer Schuld an dem Autounfall hatte, bei dem eine Kollegin umkam.

Eine Extraportion Weichspüler

Wer nun zu Luftsprüngen ansetzen will (getreu dem Motto: das sind ja gleich drei Dinge in einem) der wird schon bald auf dem harten Boden der Krimirealität aufprallen. Denn zwar findet der Autor stellenweise den Schwung für wirklich gute Unterhaltung, aber leider insgesamt doch deutlich zu selten.

Die drei Fälle haben freundlich gesagt sehr wenig miteinander zu tun (nämlich dass die Ermittler alle zusammen arbeiten), weswegen der Roman nicht nur einen, sondern gleich drei rote Fäden hat. Was dazwischen stattfindet, hat leider eine Überportion Weichspüler abbekommen, denn die Charaktere der Ermittler bleiben – wie schon in Band eins der Reihe – unscharf und zu glatt. Faraday bekommt in Sachen Privatleben vom Autor noch am meisten ab, dafür ist das, was er an Arbeit leistet, ein Witz gegenüber allen anderen Ermittlern.

Traue keinem Zitat! Traue nicht Harlan Coben, denn wer will heute wissen, wie schlecht alle anderen Polizeikrimis 2001 waren. Und traue nicht dem Bookseller, denn der hat kaum nach zwei betont durchwachsenen Romanen schon 2001 behauptet, dass Hurley etwas für Rankin-Fans sein und überdies eine der besten Krimiserien schreibe. Gönnen wir vielmehr dieser Serie die Zeit, die sie braucht um wirklich gut zu werden. Das Gesicht der Schuld jedenfalls konnte nicht so recht überzeugen.

Thomas Kürten, April 2009

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