Mord ist nur ein Spiel von Gordon Ferris

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel Truth dare kill, deutsche Ausgabe erstmals 2013 bei Festa.
Ort & Zeit der Handlung: , 1930 - 1949.
Folge 1 der Danny-McRae-Serie.

  • Chesterfield: Crème de la crime, 2007 unter dem Titel Truth dare kill. 257 Seiten.
  • Leipzig: Festa, 2013. Übersetzt von ?. ISBN: 978-3865522283. 448 Seiten.

'Mord ist nur ein Spiel' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

London, 1945. In den Ruinen der zerbombten Stadt treibt ein brutaler Killer sein Unwesen. Er tötet immer mehr Prostituierte. Der private Ermittler Danny McRae soll eigentlich für eine reiche Klientin nach ihrem verschwundenen Ehemann suchen, doch schon bald stößt er auf rätselhafte Verbindungen zu den Hurenmorden. Danny macht zudem seine eigene Vergangenheit und Erinnerungslücken zu schaffen: Hat er als Soldat in Paris tatsächlich eine junge Widerstandskämpferin getötet? Er zweifelt selbst an seiner Unschuld. Und deshalb verfolgt ihn auch Inspector Wilson: Er glaubt, dass Danny der Serienkiller ist.

Das meint Krimi-Couch.de: »Wahrheit oder Pflicht: Der Tod vergisst dich nicht« 87°Treffer

Krimi-Rezension von Jochen König

Wir haben im Laufe der letzten Jahrzehnte viele dieser Kerle kennengelernt. Aufrechte, Gebrochene, solche, die Beides in sich vereinen; Drogenfreaks, Alkoholiker und Abstinenzler, Nachdenkliche und Ungestüme, Atheisten und Gläubige, mit Gott oder dem Teufel im Bunde, Todkranke, Versehrte, Faule und Fleißige, Killer, Klowns und Kuscheltiere. Privatdetektive halt.

Gordon Ferris präsentiert den absoluten Klassiker: Jenen abgerissenen Typen mit Geldnöten, in seinem schäbigen Büro sitzend, mit der angebrochenen Whiskyflasche im Schreibtisch liebäugelnd, während die atemberaubende Blondine in sein Leben tritt, um es kräftig durcheinander zu wirbeln.

Ferris kostet diesen Moment aus, lässt seinen Protagonisten Danny McRae räsonieren, den Ex-Bullen und Ex-Soldaten, seit Kriegsende ständig klamm und bemüht, seiner attraktiven Klientin wohlgefällig zu sein. Doch es dauert nur wenige Seiten und der klischeehafte Schrein wird dekonstruiert, offenbart ein gänzlich anderes Bild hinter dem sorgsam geweckten Eindruck.

McRae wird tätig in der privatesten aller Ermittlungen: Sein eigenes Leben zu entschlüsseln. Denn seit seiner Kriegsgefangenschaft, begleitet von Folter und psychischen Misshandlungen, im Konzentrationslager Dachau, wird er von Erinnerungslücken geplagt, die sein Leben tagtäglich mit starken Kopfschmerzen begleiten und seine jüngere Vergangenheit im letzten Kriegsjahr zu einem unheilvollen Nebel werden lassen. Der sich dringend lüften müsste, denn in London geht ein Prostituiertenmörder um, ein neuer Ripper. Und dank des untersuchenden Inspektors Wilson, jenem Ekelpaket ersten Ranges, gehört Danny bald zu den Hauptverdächtigen. Dummerweise auch für sich selbst, denn ein letzter Erinnerungsflash, bevor ihn die Gestapo verhaftete, handelt von einem blutigen Bajonett und einer toten, französischen Widerstandkämpferin.

Mord ist nur ein Spiel beginnt wie ein wandelndes Cliché, wiegt seine Leser mit einer vertrauten Situation in scheinbarer Sicherheit, um ihnen – und vor allem dem Protagonisten – peu a peu den Boden unter den Füßen wegzureißen. Die Welt gerät aus den Fugen und Danny McRae befindet sich mitten in einem Strudel, in dem auf nichts mehr Verlass ist, schon gar nicht auf die eigene Erinnerung. Als ob es nicht reichte, als Kriegsheimkehrer in einer Umgebung zu leben, die knapp der Zerstörung entronnen ist, geplagt von der Erinnerung an Grausamkeit, Wahnsinn und Tod, in einer Zeit, die von Entbehrungen geprägt ist.

Gordon Ferris lässt die Zeit der letzten Kriegswirren und des beginnenden Wiederaufbaus nach dem zweiten Weltkrieg wie durch einen düsteren Spiegel betrachtet, wiederauferstehen. Er betreibt keine plakative Zurschaustellung historischer Tableaus, sondern nutzt das Zeitgeschehen geschickt zur Entwicklung einer vielschichtigen, außerordentlich spannenden Erzählung. Die Hauptfigur steht mit dem Rücken zur Wand, zur ganzen Welt, pendelt zwischen Jäger und Gejagtem mit nur einer sicheren Erkenntnis: Sicherheit existiert nicht.

Zwischen Wahn und Wirklichkeit pendelnd, zwischen realen Gräueln und fiktiven Morden, ist die Welt in der sich Privatdetektiv Danny McRae bewegt, eine finstere. Politische und private Obsessionen als Fundament manischer Zerstörungswut. Ferris erzählt davon, leidenschaftlich und mit dramatischer Wucht, mit einer Präzision, der geschwätzige Übertreibung fremd ist. Im Fokus immer die Opfer der (realen) Gewalt, nahegebracht durch einen Erzähler, der selbst eines ist. Und sich vehement gegen diesen Umstand wehrt.

Mord ist nur ein Spiel beherrscht die klassischen Vorgaben des Hardboiled, nutzt sie mit einem Zwinkern, um die kommende Schwärze erträglicher zu machen, durch die der Protagonist nahezu ohne Atempause und unter stetig steigender Anspannung taumelt. Ergibt einen fein austarierten Roman: Hochspannend und nachdenkenswert zugleich. Ein weiterer Treffer der insgesamt äußerst lobenswerten Festa-Crime-Reihe.

Jochen König, August 2013

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