Im Namen des Mörders von Giorgio Faletti

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 unter dem Titel Fuori da un evidente destino, deutsche Ausgabe erstmals 2008 bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Arizona, 1990 - 2009.

  • Mailand: Baldini Castoldi Dalai, 2006 unter dem Titel Fuori da un evidente destino. 560 Seiten.
  • München: Goldmann, 2008. Übersetzt von Helmut Splinter. ISBN: 978-3-442-46651-1. 560 Seiten.

'Im Namen des Mörders' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Flagstaff, Arizona: Jim Mackenzie, ein Halbindianer, kehrt in seine Heimatstadt zurück, um seinen Großvater zu beerdigen. Dort wird er jedoch auch mit dem Tod seines Freundes Caleb konfrontiert. Caleb hatte ein altes indianisches Opfergefäß entdeckt und war kurze Zeit später auf mysteriöse Weise zu Tode gekommen. Als noch zwei weitere Menschen sterben, wird Jim klar, dass all diese Morde mit seiner eigenen und der Vergangenheit seines Stammes zusammenhängen. Er muss eine folgenschwere Entscheidung treffen, um eine Katastrophe zu verhindern …

Das meint Krimi-Couch.de: »Eine zahnlose Urlaubslektüre« 60°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Nach den Topwertungen, die Giorgio Falettis Debütroman Ich töte und der Nachfolger Im Augenblick des Todes auf der Krimi-Couch eingeheimst haben, ist die Erwartungshaltung auf den neuen Roman aus der Feder des italienischen Multitalentes natürlich sehr hoch. Helmut Splinter hat zu Fuori da un evidente destino die gelungene Übersetzung geliefert, die bei Goldmann auf 500 Seiten zu Im Namen des Mörders mutiert ist.

Faletti schickt seine Leser nach Arizona. Genauer gesagt in ein kleines Nest namens Flagstaff, am Rande eines Navajo-Reservates. Dort trudelt der Hubschrauberpilot Jim Mackenzie ein, um seinem indianischen Großvater die letzte Ehre zu erweisen. Die Vita, die der Autor seinem Protagonisten spendiert, ist alles andere als sympathisch. Ein Windhund mit zwei unterschiedlichen Augenfarben, der seinen Chef mit dessen Frau betrügt, der Jahre zuvor seine Freundin für Geld mit der Flamme seines besten Freundes beschissen hat, damit er aus dem Kaff Flagstaff verschwinden konnte und alles im allem ein richtiger Loser, der seine Wurzeln verleugnet und nirgendwo Ruhe findet.

Aber nicht nur der Großvater geht in die Ewigen Jagdgründe ein, sondern auch sein alter Freund Caleb. Diesem wird nach dem Fund einer religiösen Opferschale der Navajo auf brutalste Weise das Lebenslicht ausgeblasen und zurück bleiben ein Rätsel um diesen Mord und ein Hund, mit dem eigenartigen Namen Silent Joe, der nie bellt und sich seine Herrchen selbst aussucht. Wenig überraschend, dass ausgerechnet Jim Mackenzie der neue Auserwählte des Tieres ist. Und immer wenn der Hund die Nackenhaare aufstellt und den Schwanz einzieht, passiert in Jim Mackenzies Umgebung ein neuer Mord.

Der Autor konfrontiert das Halbblut Mackenzie nicht nur mit seiner indianischen Vergangenheit, sondern auch mit seiner früheren Liebe April, einer Zeitungsreporterin, die als alleinerziehende Mutter einen zehnjährigen Sohn großzieht, der, wie unschwer zu erraten ist, bei ihrer damaligen Beziehung mit Jim gezeugt wurde. Und zu allem Überdruss hat auch noch Mackenzies Freund aus alten Zeiten an diesen die Frau und im Krieg beide Beine verloren. So muss sich Jim entscheiden, ob er die Jagd nach dem Mörder aufnimmt und sich den Wunden der Vergangenheit stellt, oder seinen Hubschrauber nimmt und einfach abhaut …

Auch wenn Faletti versucht, dem Leser die Kultur der Navajo näher zu bringen und eine komplizierte Dreiecksgeschichte mit Folgen mit mysteriösen Morden verbindet, kommt über weite Strecken nicht so recht die Spannung auf. Sein Antiheld ist zu sehr mit Nebensächlichkeiten beschäftigt und die extrem stark konstruierte Handlung leidet unter den zahlreichen, manchmal mystisch angehauchten Schilderungen. Dabei bleibt die Geschichte, die ziemlich langsam anläuft, nur mäßig spannend und zu einem guten Teil vorhersehbar ab, wobei man oftmals das Gefühl hat, Ähnliches schon in den Anasazi-Romanen von Douglas Preston und Lincoln Child gelesen zu haben oder Michael W. Gear & Kathleen O’Neal-Gear in besserer Weise gelesen zu haben.

Faletti reiht sich mit diesem brauchbaren Durchschnittsthriller nahtlos in die Riege der oben genannten Erfolgsautoren ein, die auf Teufel komm raus jedes Jahr einen neuen Schmöker unter das Volk bringen, wobei die sprachliche Qualität handwerklich zwar nicht zu bekritteln ist, die Intensität der Handlung, die Originalität und das gewisse Etwas leider zu kurz kommen.

Im Namen des Mörders ist eine zahnlose Urlaubslektüre ohne den Biss der beiden Vorgänger. Mehr als ein leicht überdurchschnittlicher Sommerkrimi ist dem Autor in diesem Fall nicht gelungen, den man lesen kann, aber nicht gelesen haben muss.

Wolfgang Weninger, Juni 2008

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Beaz zu »Giorgio Faletti: Im Namen des Mörders« 02.08.2009
Ich bin enttäuscht.

Enttäuscht nicht unbedingt aufgrund einer langweiligen Story oder mangelnder Spannung, sondern vor allem weil "Im Namen des Mörders" den Vorgängerromanen von Faletti in keinen Bereichen das Wasser reichen kann. Wäre dies mein erstes Buch von ihm, so würde mein Urteil wohl weniger vernichtend ausfallen, aber da ich nunmal "Ich töte" bereits gelesen hatte und ich von diesem Roman schlichtweg begeistert wurde, war die Erwartungshaltung natürlich sehr hoch.

Zunächst einmal gibt es sprachlich nichts auszusetzen, Faletti schreibt flüssig und weiß wie man den Leser fesseln kann.
Inhaltlich hapert es allerdings - und zwar gewaltig. Ich kann einfach nicht glauben wie der Autor hier die mysteriösen Morde letztendlich erklärt. Das ganze wirkt nicht nur extrem unlogisch und absurd, es ist fast schon eine Zumutung. Ich habe mich auf ein fulminantes Ende gefreut und was hab ich bekommen? Eine an den Haaren herbeigezogene Bloßlegung von einem jahrhundertalten Indianer-ritual/schwachsinn.

Fazit: Als einzelnes Buch gesehen guter Durchschnitt, im Vergleich zu internationalen Topthrillerautoren, wie es das Cover so schön anpreist, desaströs.
Tut mir Leid Herr Faletti, ich hoffe sie können mit ihrem nächsten Buch wieder an ihre beiden Debütromane anknüpfen.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Thomas71 zu »Giorgio Faletti: Im Namen des Mörders« 14.05.2008
Nach "Ich töte" und "Im Augenblick des Todes" ist "Im Namen des Mörders" der dritte Krimi von Giorgio Faletti, dien ich gelesen habe. Der Roman liest sich gut, die Geschichte um geheimnisvolle Morde in Flagstaff, Arizona und ein Massaker an einem Indianerdorf hundert Jahre zuvor liest sich flüssig und ist routiniert geschrieben. Leider bietet der Roman wenig Überraschungen und wirkt wie amerikanische Konfektionsware, mit der Faletti scheinbar konkurrieren möchte. Alles in allem ein solider Thriller, aber leider etwas beliebig. Deshalb reicht es bei mir nur zu einer 70°-Wertung...
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