Eismord von Giles Blunt

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 unter dem Titel Crime machine, deutsche Ausgabe erstmals 2011 bei Droemer Knaur.
Ort & Zeit der Handlung: Kanada / Ontario, 1990 - 2009.
Folge 5 der John-Cardinal-Serie.

  • Toronto: Random House Canada, 2010 unter dem Titel Crime machine. 294 Seiten.
  • München: Droemer Knaur, 2011. Übersetzt von Eberhard Kreutzer. ISBN: 978-3-426-19914-5. 480 Seiten.
  • [Hörbuch] Köln: Bastei Lübbe, 2011. Gesprochen von Olaf Pessler. ISBN: 3-7857-4581-8. 6 CDs.

'Eismord' ist erschienen als Hardcover Hörbuch

In Kürze:

Algonquin Bay, eisiger Winter: Detective John Cardinal trauert um seine Frau Catherine und lenkt sich mit »cold cases« von seinem tiefen Schmerz ab. Zu seiner Kollegin Lise Delorme pflegt er weiterhin ein platonisches Verhältnis. Doch mit der winterlichen Ruhe ist es vorbei, als in einem Ferienhaus am zugefrorenen Trout Lake zwei Leichen gefunden werden, beide enthauptet. Kurz darauf werden die dazugehörigen Köpfe gefunden, auffällig drapiert an einer Schiffsanlegestelle. Als weitere mysteriöse Verbrechen geschehen, muss Cardinal feststellen, dass er es mit einem äußerst verzwickten Fall zu tun hat. Nichts ist, wie es scheint. Aber die Morde lassen ihn nicht los, sein alter Ehrgeiz ist erwacht.

Das meint Krimi-Couch.de: »Kopflose Leichen und blindwütige Killer« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Samantha hat mit ihrem Lover, dem blasierten und verheirateten Makler Randall – ein Schäferstündchen in einem leer stehenden Haus an einem See in der Nähe von Algonquin Bay. Wie immer verschwindet Randall zuerst, und Sam wartet noch etwas, damit beide nicht zusammen gesehen werden. Plötzlich sind Leute im Haus, Sam versteckt sich, es fallen Schüsse. Mit knapper Not kann sie dem Killer entkommen, aber Randall beschwört die Angehörige der First Nations, nicht zur Polizei zu gehen, um einen privaten und gesellschaftlichen Skandal zu vermeiden. Als die kopflosen Leichen entdeckt werden, stochern Detective John Cardinal und seine Kollegen bei ihren Ermittlungen zunächst im Nebel. Erst als ihnen ein FBI-Kollege aus den USA zu Hilfe kommt, können die Ermittler wichtige Fakten miteinander verknüpfen. Aber es gibt weitere Morde, und der durch den Tod seiner Frau traumatisierte Cardinal muss sein ganzes Können aufbieten, um den Killern das Handwerk zu legen.

 Giles Blunt ist auch mit seinem neuen Roman um den eigenwilligen Ermittler John Cardinal ein überaus spannender Thriller gelungen. Eismord beginnt mit einem von vielen Autoren gern gewählten Stilmittel. Die junge Samantha, Angehörige der in Kanada »First Nations« genannten Nachfahren der Ureinwohner, belauscht einen Doppel-Mord. Sam entkommt nur mit knapper Not, den Killer im Nacken. Mit diesem rasanten Einstieg sorgt der Autor für viel Spannung, und es werden auch gleich einige spezielle Rollen verteilt. Während Sam für den Leser so etwas wie »Everybodys Darling« ist, belegt ihr Lover Randall den Platz des ignoranten Egoisten. Beide spielen in Cardinals Ermittlungen wichtige Rollen, aber die komplizierte Sachlage wird von Giles Blunt noch erheblich verschärft, denn er legt etliche falsche Spuren aus und lässt auch den Leser lange im Unklaren über Täter und Motive.

 Die brutalen Morde in der kanadischen Kleinstadt sind für ein »Provinz-Verbrechen« im Grunde viel zu monströs. Und so wird zunächst die vermeintliche Verbindung zur russischen Mafia untersucht, und der Leser erhält darüber hinaus interessante Einblicke in die Gepflogenheiten im Pelzgeschäft. Der knorrige Detective John Cardinal hat derweil so seine ganz eigenen Probleme, denn er versucht, den Tod seiner geliebten Ehefrau zu überwinden. Eine interessante Nebengeschichte ergibt sich,als unter den Mitarbeitern der Polizeidienststelle einige ungelöste Fälle zur Neubearbeitung vergeben werden. Dieser Zweig der Handlung wird von Giles Blunt dramaturgisch sehr geschickt genutzt und später in die Haupthandlung integriert.

 Eine aufgeregte, junge Journalistin wird als Kontrastfigur zum abgeklärten Ermittler in die Geschichte eingeführt. Geradezu unvermeidlich scheint hier einmal mehr der Griff in den Honigtopf – Cardinal landet mit der Reporterin im Bett. Ich will nicht zu viel verraten, aber dieser dramaturgische Kunstgriff des Autors ist überaus verzeihlich, denn die junge Journalistin wird später noch eine gewichtige Rolle für die Lösung des Falles spielen. Der erneute Gewaltausbruch am Black Lake sorgt für neue Dynamik – während die Ermittler überaus mühsam ihr Puzzle an Erkenntnissen zusammen tragen. Die offensichtlich aus unterschiedlichen Motiven begangenen Morde sorgen in diesem hoch spannenden Thriller auch beim Leser für komplette Verwirrung. Die Notizen des getöteten FBI-Agenten für neue Schlussfolgerungen und Verknüpfungen ins Spiel zu bringen, ist ein hervorragender Kniff des Autors.

 John Cardinal ist ein Protagonist, den man als Leser schnell schätzen lernt. Er hat die Methoden der guten, alten Polizeiarbeit voll drauf, verbeißt sich – auch aus privaten und psychischen Gründen – immens in seine Fälle, und ist doch kein unnahbarer Super-Cop. Der Detective ist so etwas wie die ruhende Konstante in einem wirklich turbulenten Roman. Giles Blunt hat zudem einen gut lesbaren, eher einfachen Stil. Komplizierte Schachtelsätze und elaborierte Formulierungen sucht man vergebens. Der sich stets steigernde Spannungsbogen fesselt dafür den Leser auf ganz direkte Weise. Die unterhaltsame Geschichte hat mir jedenfalls gezeigt, dass die Reihe um John Cadinal noch einiges Potenzial hat.

Andreas Kurth, Juni 2012

Ihre Meinung zu »Giles Blunt: Eismord«

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Tilpele zu »Giles Blunt: Eismord« 08.11.2016
Ich empfinde das Buch als zweigeteilt. In der ersten Hälfte ist die Story noch nachvollziehbar, auch die Charaktere der Protagonisten wirken authentisch. In der zweiten Hälfte jedoch überschlagen sich die Ereignisse und die Geschehnisse erscheinen zunehmend unglaubwürdiger und konstruierter. Das Zusammentreffen der für die Ereignisse wichtigsten Personen im Finale erinnert an den "Showdown" im Western. Dass das ganze dann auch noch in einem Wintersturm passiert, ist eine Nummer zu viel. Schon erwähnt wurde von den "Vorrednern", die reichlich unglaubwürdige vErknüpfung mit dem "Cold Case", den der Emittler zu bearbeiten hat und der sich wunderbarerweise gleich auch noch löst.
Insgesamt ist das Buch jedoch spannend geschrieben, wenn man an einem kalten Wintertag nichts anderes zu tun hat, kann man es ganz gut lesen.
Yven zu »Giles Blunt: Eismord« 27.11.2014
Selten habe ich schlechter konstruiertes Buch als dieses gelesen. Die Handlung ist völlig aus der Luft gegriffen und einfach unrealistisch.
Ein 40 Jahre alter "Cold Case" der total zufällig von Cardinal gelöst werden soll und plötzlich passt er mit seinem aktuellen Fall zusammen.
Hinzu kommt in genau diesem Moment noch eine weitere Person, die den Täter jagt.
Alles total konstruiert und mit Gewalt in eine passende Korsage zusammen gepresst. Zudem erinnert die Geschichte der „Familie“ an das vierte Band der Cardinal-Reihe „Kalter Mond“, in der sich auch ein Anführer eine Gruppe Handlanger um sich schart.
Der sechste Fall von John Cardinal wird definitiv mein letzter gewesen sein. Konnte Blunt am Anfang noch ein wenig faszinieren, fällt ihm nichts besonderes mehr ein – Schade.
HeJe zu »Giles Blunt: Eismord« 08.07.2012
Ich verstehe die gute Kritik für dieses Buch nicht. Mir hat es gar nicht gefallen. Es fehlte der Schwung, die Story plätschert nur langsam und zäh vor sich hin, die Charaktere sind lange nicht so stark wie in den vorherigen Werken. Leider eine sehr große Enttäuschung...
Vielleicht gebe ich aus Höflichkeit noch 50 Grad.
Klobelesen zu »Giles Blunt: Eismord« 27.04.2012
Ach ja, die Erwartungen...und dann die Enttäuschung. Das Buch passt einfach in die Peripherie des John Cardinal. Das dieses Buch gemächlicher abgeht ist nachvollziehbar bei den vorherigen Geschehnissen. Die John-Cardinal-Reihe ist für mich eine der authentischsten in der Krimiliteratur. Da hatte sich Jo Nesbo mit Harry Hole und Rotkehlchen einen schlimmeren Verriss geleistet. Vielleicht sollte man mal zum Vergleich die deutschen Pendants lesen oder Dan Brown...boah nee,
wer da so alles unter Bestseller läuft?
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