Eisiges Herz von Giles Blunt

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 unter dem Titel By the Time You Read This, deutsche Ausgabe erstmals 2007 bei Droemer.
Ort & Zeit der Handlung: Kanada / Ontario, 1990 - 2009.
Folge 4 der John-Cardinal-Serie.

  • Toronto: Random House Canada, 2006 unter dem Titel By the Time You Read This. 432 Seiten.
  • London: HarperCollins, 2006. 432 Seiten.
  • New York: Henry Holt, 2007. 432 Seiten.
  • München: Droemer, 2007. Übersetzt von Charlotte Breuer & Norbert Möllemann. 432 Seiten.
  • München: Knaur, 2008. Übersetzt von Charlotte Breuer & Norbert Möllemann. 432 Seiten.
  • [Hörbuch] Berg, Starnberger See: AME hören, 2007. Gesprochen von Olaf Pessler. 6 CDs.

'Eisiges Herz' ist erschienen als Hörbuch

In Kürze:

Als seine Frau Catherine mit einem Abschiedsbrief in der Hand tot aufgefunden wird, bricht für Detective John Cardinal die Welt zusammen. Für seine Kollegen von der Polizei in Algonquin Bay ist der Fall klar: Selbstmord. Doch der vom Dienst suspendierte Cardinal kann und will nicht an dieses Urteil glauben und beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln. Den Tod von Cardinals Frau Catherine umgeben einige Ungereimtheiten. Schon bald kann ein befreundeter Forensiker einen fremden Daumenabdruck auf dem Abschiedsbrief nachweisen, und seit einiger Zeit erhält der Witwer von einem Unbekannten hämische Beileidskarten. Doch damit nicht genug: Der Fall von Kinderpornographie, in dem seine Kollegin Lise Delorme ermittelt, bringt Cardinal auf die Spur des Psychiaters Dr. Bell, den auch seine Frau Catherine in ihren depressiven Phasen aufgesucht hatte. Ihm fällt auf, dass ungewöhnlich viele Patienten sterben, während sie bei Dr. Bell in Behandlung sind. Ist hier ein geschickter Manipulator am Werk, der sich nicht die Finger schmutzig machen möchte? Und schwebt deshalb auch die achtzehnjährige Studentin Melanie in Gefahr? Cardinal muss handeln, bevor es zu spät ist!

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein aus der Feder gerutschtes Meisterwerk« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Es ist ein schöner Herbst in Algonquin Bay. Der Indian Summer färbt die Landschaft rund um die Kleinstadt in Nord Ontario zwischen Trout Lake und Lake Nipissing. Aber für Detective John Cardinal wird es der schwärzeste Tag seines Lebens, denn seine Frau Catherine stürzt sich vom Dach des einzigen Hochhauses der Stadt in die Tiefe.

Catherine war schon mehrmals wegen manischer Depressionen in klinischer Behandlung und stand unter ständiger Betreuung des Psychiaters Dr. Bell. Zur Zeit ging es ihr allerdings blendend und sie freute sich darauf, vom Dach des Hochhauses eine Fotoserie über die Stadt schießen zu könne. Warum sollte sie also jetzt den plötzlichen Freitod gewählt haben? Und der Abschiedsbrief, der am Tatort gefunden wurde, gibt zusätzlich Rätsel auf.

Doch John Cardinal, der unglücklicherweise der erste Ermittler vor Ort war, darf natürlich nicht an den Untersuchungen zum Tod seiner Frau mitarbeiten. Um seine Trauer bewältigen zu können, wird er kurzfristig vom Dienst freigestellt. Und obwohl seine Kollegen eindeutig Suizid und kein Fremdverschulden feststellen mussten, kann John Cardinal dem Obduktionsergebnis und der forensischen Auswertung der Tatortspuren keinen Glauben schenken. Ohne offizielle Erlaubnis beginnt er all jene zu befragen, die in letzter Zeit mit Catherine zu tun hatten …

Gleichzeitig ermittelt Cardinals Kollegin Delorme, um einen Kinderschänder dingfest zu machen, der über Jahre hinweg Fotos eines minderjährigen Mädchens im Internet verbreitet hat. Polizeiliche Ermittlungen haben ergeben, dass auf einem der Fotos eindeutige Hinweise zu erkennen sind, dass diese nur in Algonquin Bay fotografiert sein können.

Auch Delormes Hauptverdächtiger entzieht sich dem Gesetz durch Selbstmord. In einer Wäscherei erschießt sich ein junger Mann. Eine junge Studentin verschwindet spurlos. Und Cardinal findet heraus, dass alle diese Menschen bei Dr. Bell in Behandlung standen und dieser aus England auswandern musste, weil an der Klinik, in der er tätig war, die Anzahl der Suizidfälle weit über dem Durchschnitt lag ...

Charlotte Breuer und Norbert Möllemann haben By The Time You Read This von Giles Blunt aus dem Englischen übersetzt und im Droemer Verlag wurde daraus Eisiges Herz. Auf 428 Seiten lässt der momentan gefragteste kanadische Krimiautor seine Protagonisten John Cardinal und Lisa Delorme zum vierten Mal ermitteln und gemäß Werbeaussage des Verlags ist es »Cardinals härtester Fall«.

Für die Figur des sympathischen Ermittlers ist der Tod seiner Frau natürlich der härteste Fall. Für den Leser ist der Fall allerdings längst nicht so hart, wie zum Beispiel im Debütthriller Gefrorene Seelen. Auch die Jagd Lisa Delormes nach dem pädophilen Verbrecher wird nicht sonderlich reißerisch ausgewertet, was der Spannung allerdings keinen Abbruch tut. Eisiges Herz lebt nicht von detailliert beschriebenen Grausamkeiten, sondern von psychologisch durchgezeichneten Charakteren und ihren Handlungsweisen.

Im vorliegenden Werk hat Giles Blunt, wie nie zuvor, die speziellen psychologischen Elemente hervorgehoben, tut dies aber nie in der bedrückenden Melancholie seiner skandinavischen Autorenkollegen, was dem Leseerlebnis durchaus gut tut, weil der Roman dadurch von der ersten bis zur letzten Seite flüssig und stimmig abläuft. Auch wenn die gesamte Handlung sehr stark konstruiert ist und der Täter schon ab der Mitte des Buches dem Leser bekannt gemacht wird, bleibt die Spannung ständig aufrecht und die Jagd auf die Übeltäter und deren Versuch sich der Gerichtsbarkeit zu entziehen, sind ein Paradebeispiel schreiberischen Vermögens.

Im Endeffekt ist hier Giles Blunt ein Meisterwerk aus der Feder gerutscht, das seinem Erstling um nichts nachsteht. Blunt hat seine Charaktere konsequent weiter entwickelt und wenn es in dieser Machart weiter geht, darf man sich schon auf einen künftigen fünften Band freuen. Nachdem Blunts erstes Buch Cold Eyes in Frankreich bereits verfilmt wurde, wird es hoffentlich auch nicht zu lange dauern, bis die Cardinal-Delorme-Serie ebenfalls filmisch ausgeschlachtet wird.

Wolfgang Weninger, Mai 2007

Ihre Meinung zu »Giles Blunt: Eisiges Herz«

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Sanni zu »Giles Blunt: Eisiges Herz« 22.04.2016
Ich habe das Buch seit langem im Bücherregal stehen, konnte mich aber nicht aufringen, mit dem Lesen zu beginnen, da bekannte Schriftsteller sich immer in den Vordergrund gestellt haben...nun konnte ich allerdings in den Genuss des Hörbuches kommen und fand es wirklich gut! Ich fand es nicht schlimm, dass der Täter bereits in der Mitte enttarnt wurde, außerdem ist die Nebenstory ebenso spannend...von mir 8 von 10 Punkten :-)
OmaInge zu »Giles Blunt: Eisiges Herz« 15.08.2013
Während mir der Kommentar von @HeJe etwas zu euphorisch erscheint, so kommt mir der, der @Krimi-Tante völlig verfehlt vor!

Die Lösung liegt für mich in der Mitte.Das aktuelle KC- Ranking mit 82 aus 64 Stimmen,liegt genau auf meiner Wellenlänge. So habe ich für mich das Buch ebenfalls bewertet.

Gerne lese ich vom Autor noch mehr.

Meine Wertung: 82 Grad
Kom_Ombo zu »Giles Blunt: Eisiges Herz« 08.12.2010
Hochspannung! Wo bitte erlebte man in diesem Buch Hochspannung?

Der Täter war schon frühzeitig bekannt - ist okay, gefällt mir aber überhaupt nicht und den Nebenfall hat er sehr eindrucksvoll geschildert. Aber das ist zu wenig, um von einem Meisterwerk zu sprechen!

Ich konnte mich mit diesem Buch überhaupt nicht anfreunden!
HeJe zu »Giles Blunt: Eisiges Herz« 12.06.2010
Eines der besten Bücher, die Blunt geschrieben hat. Auch wenn man ab Mitte des Buches erfährt, wer der Täter ist, ist es dennoch nicht weniger spannend. Der ahnungslose Detective Cardinal versucht verzweifelt zu beweisen, dass der Selbstmord seiner Frau nicht das war, wonach es aussah. Und eben diese zunächst sehr hilflose Suche trägt dazu bei, dass die Spannung, trotz des Wissens um den Täter, nicht nachlässt. Das Motiv des Täters wird zudem erst gegen Ende immer klarer, sodass man sich als Leser immer wieder fragt: Warum tut er das?

Blunt geht mit seinen Beschreibungen ziemlich stark in den psychologischen Bereich, was ich persönlich super finde. Seine Charaktere beschreiben ihr Leben so ergreifend und real, dass man als Leser schnell Sympathien entwickelt.

Auch die Nebenhandlung mit Cardinals Kollegin Delorme ist gelungen und trägt der Gänsehaut des Lesers bei. Gänsehaut im Sinne von spannend, dramatisch und interessant, nicht im Sinne von gruselig, blutrünstig und abartig.

Allerdings sollte man bevor man dieses Buch liest - meiner Meinung nach - die vorherigen Bücher um Cardinal lesen; zumindest das Erste, damit man einen konkreten Einblick in die Charaktere und GEschichte bekommt, da dies in den nachfolgenden Büchern von Blunt etwas untergeht.

NUR ZU EMPFEHLEN!
Smoky zu »Giles Blunt: Eisiges Herz« 15.06.2009
Aber ja, recht schnell klärt sich, wer der Täter sein mag - das tut aber meiner Meinung nach der Spannung keinen Abbruch. Der Weg bis zur Aufklärung durch Cardinal ist einzigartig, und Gefühle wie Trauer, Hoffnungslosigkeit und Wut sind sehr authentisch dargestellt. Es war mein erster Roman von Giles Blunt, den ich las, aber gewiss nicht der Letzte. :-)
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Matthias zu »Giles Blunt: Eisiges Herz« 25.12.2008
Das war auch nicht ganz mein Fall, die ersten Bücher von ihm haben mir besser gefallen.
Der Nebenfall war fast spannender als der Hauptplot.
Der Versuch die Motivation von Selbstmördern wiederzugeben war etwas qualend, die Auflösung nicht sehr originell.
Das Thema ist aber sich auch nicht einfach in einen Krimi zu fassen.
Eher schwach.
Matthias
Krimi-Tante zu »Giles Blunt: Eisiges Herz« 19.10.2007
Treffer? Nein, sorry, aber wirklich nicht! Ich wusste bereits auf Seite 50, wer der Täter war... Sowas ärgert mich. Die Sprache hat mir nicht gefallen, war mir bisweilen zu banal (die Art, wie Frauen beschrieben werden, so was a la "man sah ihre festen Brüsten unter der Bluse") - grauenhaft!
Für mich ein echter Blindgänger!!
0 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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