Blutiges Eis von Giles Blunt

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2003 unter dem Titel The Delicate Storm, deutsche Ausgabe erstmals 2005 bei Droemer Knaur.
Ort & Zeit der Handlung: Kanada / Ontario, 1990 - 2009.
Folge 2 der John-Cardinal-Serie.

  • New York: G. P. Putnam’s Sons, 2003 unter dem Titel The Delicate Storm. 301 Seiten.
  • München: Droemer Knaur, 2005. Übersetzt von Anke Kreutzer. 396 Seiten.
  • Augsburg: Weltbild, 2006. Übersetzt von Anke Kreutzer. ISBN: 978-3828977433. 395 Seiten.
  • München: Knaur, 2006. Übersetzt von Anke Kreutzer. 395 Seiten.
  • München: Knaur, 2010. Übersetzt von Anke Kreutzer. 395 Seiten.
  • [Hörbuch] Berg: AME hören, 2009. Gesprochen von Olaf Pessler. gekürzt. 6 CDs.

'Blutiges Eis' ist erschienen als Hardcover HörbuchE-Book

In Kürze:

Die kanadische Wildnis gibt zwei grausam zugerichtete Leichen preis. In ihrem zweiten Fall nach Forty Words For Sorrow werden Delorme und Cardinal nicht nur mit den Naturgewalten eines Jahrhundert-Eissturms konfrontiert, sondern auch mit einem eiskalten Killer. Eines Morgens, mitten im dichten Januarnebel, verschlägt es Ivan Bergeron die Sprache: Sein Hund legt ihm einen abgerissenen Arm vor die Füße. Zunächst glaubt Detective John Cardinal von der Polizei in Algonquin Bay, dass der Mann von Bären zerrissen wurde …Doch schon bald entdeckt Cardinal in einer abgelegenen Hütte weitere Leichenteile, und wenig später wird im Wald die nackte Leiche der Ärztin Winter Cates gefunden. Als sich herausstellt, dass das erste Opfer amerikanischer Staatsbürger war, wird das Bild noch verworrener. Offensichtlich sind der CIA und auch der kanadische Geheimdienst mit im Spiel. Cardinal stößt auf ein gefährliches Geflecht von Spitzeln und Informanten, das bis in die höchsten Kreise von Algonquin Bay reicht.

Das meint Krimi-Couch.de: "Toter Mann + hungriger Bär = viel Arbeit für die Polizei» 85°Treffer

Krimi-Rezension von Michael Drewniok

In Algonquin Bay, einer Kleinstadt in der kanadischen Provinz Ontario, staunt man über einen ungewöhnlich milden Januar. Für einen US-amerikanischen Urlauber war dies fatal; man findet seine von hungrigen, vorzeitig aus dem Winterschlaf gerissenen Bären zerfetzte Leiche. Detective John Cardinal und seine Kollegin Lise Delorme ermitteln allerdings rasch, dass der Pechvogel schon tot war, als ihn sein Schicksal ereilte; tatsächlich ist er ermordet worden.

Mischt die Mafia mit?

Die Polizisten verdächtigen einen Trapper, dem sie Verbindungen zur örtlichen Unterwelt nachsagen. Die Mafia hat ihre Tentakel längst bis Kanada ausgestreckt. Allerdings gibt es noch eine weitere Spur: Der inzwischen identifizierte Tote erweist sich als ehemaliges Mitglied der CIA, das vor vielen Jahren unrühmlich mit dem «Canadian Security Intelligence Service» (CSIS) zusammenarbeitete. Der Geheimdienst gedenkt sich keineswegs von zwei «Außerstehenden» in die Karten schauen zu lassen und bemüht sich nach Kräften Cardinal und Delorme in die Irre zu führen. Dabei scheint es um die Vertuschung eines Skandals aus den frühen 1970er Jahren zu gehen, als diverse kanadische Separatistengruppen systematisch infiltriert und provoziert wurden. Cardinal und Delorme lassen es auf einen Konflikt mit den Schlapphüten ankommen, als eine zweite Leiche gefunden wird. Wer hat die junge Ärztin Winter Cates ermordet? Gibt es eine Verbindung zwischen beiden Verbrechen? Harte Zeiten brechen vor allem für Cardinal an, den zusätzlich ein dunkles Geheimnis quält: Vor Jahren ließ er bei einer Razzia Geld eines Drogenbosses verschwinden. Inzwischen hat er sein Gewissen erleichtert und es zurückgezahlt. Leider imponiert dies dem eigentlichen «Besitzer» wenig. Der wird bald aus dem Gefängnis entlassen und hat bereits seinen Besuch in Algonquin Bay angekündigt …

«Idyllisch» bedeutet längst nicht «friedlich»

Viel Ungemach also im scheinbar so idyllischen kanadischen Norden. Dabei hat die Zivilisation auch das Land der endlosen Wälder und Eisfelder längst erreicht. Die Realität sieht nicht nur was das Wetter angeht trübe aus: Skrupellose politische Blender und ihre Hintermänner nutzen ihre Ämter zur persönlichen Bereicherung. Ihre Macht setzen sie ein, um ihnen Unerfreuliches unter den Tisch kehren zu lassen. Separatistischen führen einen absurden Kampf um die Teilung Kanadas in einen «englischen» und einen «französischen» Teilstaat. Der Geheimdienst spioniert nicht mehr den Russen, sondern Terroristen hinterher, die Nordamerika über den Pol angreifen könnten. Drogenbarone schmuggeln ihre «Ware» in großem Stil via Kanada ein. Die Grenze zum Nachbarn USA ist zumindest für das organisierte Verbrechen durchlässig geworden. Zwischen den kanadischen Ordnungshütern herrschen Misstrauen und Konkurrenz. Besonders die einst so glorreiche «Royal Canadian Mounted Police" wird von immer neuen internen Skandalen erschüttert. Dieses Chaos bildet die viel versprechende Kulisse für das zweite Abenteuer der Detectives Cardinal & Delorme. Seit sie ihr geistiger Vater Giles Blunt in Gefrorene Seelen zum ersten Mal auf Mörderfang schickte, haben sie bzw. er viel gelernt. »Blutiges Eis« – den blöden deutschen Titel wollen wir gnädig ignorieren – bietet nichts wirklich Neues. Wir lesen »nur« einen sauber geplotteten, mit glaubhaften Figuren besetzten Thriller, der sich geschickt des kanadischen Schauplatzes bedient. Der ist noch nicht so bekannt, die politischen Verhältnisse und Gesellschaftsstrukturen sind andere als in den USA. Kanada ist britisch und französisch, aber auch amerikanisch: eine interessante Mischung, welche deutlich die Handlung beeinflusst.

Krimi-Spannung & Humor – eine gelungene Synthese

Enorme Fortschritte hat Verfasser Blunt als Schriftsteller gemacht. Kam »Gefrorene Seelen« dem tristen Thema entsprechend bierernst daher, fällt nunmehr ein humorvoller Unterton positiv auf. Blunt verfügt über einen trockenen Humor, den er gut dosiert einzusetzen vermag (und der die Übersetzung gut überstanden hat). Obwohl die Geschichte wiederum recht düster ausfällt, büßt sie ihre Spannung und innere Dramatik dadurch keineswegs ein. Der Autor stellt bizarre Typen, Tücken des Objekts und kuriose Episoden vor, setzt auf originelle Wortspiele und Situationskomik, was er verblüffend gut beherrscht Die eigentliche Kriminalhandlung wird trefflich ergänzt durch Cardinals Privatprobleme. In »Gefrorene Seelen« machten ihm die psychisch labile Gattin und ein kapriziöses Töchterlein sowie sein schlechtes Gewissen zu schaffen; noch mehr galt das freilich für den Leser, den diese seifenoperlichen Zwischenmenschlichkeiten irgendwann langweilten. Dieses Mal geht Blunt geschickter vor. Er knüpft an Cardinals keineswegs gelöstes Problem mit unterschlagenem Gangstergeld an und führt dies plausibel weiter, indem er ihn in das kriminalistische Geschehen integriert: Der bestohlene Schurke will sein Geld zurück und bedroht Cardinal und vor allem dessen Familie. Ein ungewöhnliches Finale, das mit sattsam bekannten Klischees spielt, um sie dann sämtlich zu ignorieren, vollendet den Eindruck eines gelungenen Thrillers.

Figuren wie aus dem Leben gegriffen

In Sachen Figurenzeichnung hat Verfasser Blunt einige behutsame Veränderungen vorgenommen. Cardinal wird nicht mehr so arg von seinen Seelennöten gepeinigt. Seiner Gattin geht es gut, die Tochter taucht überhaupt nicht auf. Dieses Mal verursacht der störrische Vater die familiären Probleme, doch auch diese Wendung ist Teil der eigentlichen Handlung, denn es ist ausgerechnet die behandelnde Ärztin des alten Mannes, die eine der Leichen dieser Geschichte repräsentiert. Ansonsten kann sich Cardinal auf die aktuellen Ermittlungen konzentrieren, was dem Roman sehr zu Gute kommt. Lise Delorme verzehrt sich nicht mehr in unausgesprochener Sehnsucht nach ihrem Kollegen. Das Duo tritt hier als Kollegen und Freunde auf – auch dies eine uneingeschränkt positiv zu bewertende Blunt-Entscheidung. Delorme profiliert sich dieses Mal als erfahrene Ermittlerin, die hervorragend mit Cardinal zusammenarbeitet, aber oft auch im Alleingang tätig wird. Um die beiden Hauptpersonen gruppieren sich Kollegen, Konkurrenten, Verdächtige und Opfer. Es ist erstaunlich, welche Dynamik Blunt den genretypischen Kompetenzstreitigkeiten, Verhören oder Laborgesprächen abgewinnen kann. Man kennt diese Szenen alle, aber sie lesen sich trotzdem frisch und flott. Außerdem ist Blunt souverän genug geworden, die Darstellerschar durch echte Originale zu bereichern. Da liefert ausgerechnet Wudky, der »Welt dümmster Krimineller«, den entscheidenden Tipp, der die Handlung erst in Gang setzt. Ein skurriler Trapper im bodenlangen Pelzmantel entpuppt sich als örtlicher Vollstrecker eines Mafiabosses, der sich nur schriftlich verständigen kann, weil ihm nach exzessivem Zigarrengenuss der Kehlkopf entfernt wurde. Ehemalige Terroristen leiten einen Kinderhort. Die Kette solcher und anderer Einfälle ist erfreulich viel länger, auch sie fügen sich nahtlos in die Story ein. Auf den nächsten Fall von Cardinal & Delorme kann man sich nur freuen!

Ihre Meinung zu »Giles Blunt: Blutiges Eis«

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Rita zu »Giles Blunt: Blutiges Eis« 06.07.2014
Ich fand das Buch im großen und ganzen recht flüssig geschrieben. Der Schluss war ungewöhnlich, doch nachvollziehbar. Ein unterhaltsames Buch für Otto Normalverbraucher. Die Personen sind gut beschrieben, ohne ins Klischee abzurutschen. Die Interessenkonflikte (auch auf politischer Ebene) wurden glaubwürdig beschrieben.
xxx zu »Giles Blunt: Blutiges Eis« 04.03.2014
Der positiven Rezension kann ich mich überhaupt nicht anschließen. Das Buch hat Längen, man kann all den internen Streitigkeiten zwischen den verschiedenen Polizei-Organen überhaupt nicht folgen. Den Humor finde ich auch nur an einer Stelle, da wo es um das Original Wudky geht. Insgesamt ein sehr unbefriedigendes Buch.
Chrisu zu »Giles Blunt: Blutiges Eis« 11.11.2010
Detective John Cardinal und seine Kollegin Lise Delorme müssen in einem Leichenfund ermitteln, der sie zurück ins Jahr 1970 führt. Dabei stoßen sie auf eine Foto, auf dem eine Person spurlos verschwunden ist. Und durch Zufall entdecken sie, dass diese Person sich politisch engagiert in in Algonquin Bay lebt. Ein interessantes Buch, die Hauptprotagonisten sind gut dargestellt, auch die privaten Verhältnisse sind gut beschrieben. Manchmal waren die Ereignisse zu umfangreich beschrieben. Das hat mir nicht so gefallen. Und der Schluß läßt alles offen.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Jenny zu »Giles Blunt: Blutiges Eis« 06.06.2010
Ich habe das Buch anfangs als recht langweilig und langatmig empfunden. ab mitte der buches wird es immer spannender und ich hatte auch mehr lust, es zu lesen.Allerdings ist es sehr politisch gehalten (Oktoberkrise etc.), was mich persönlich zu tode gelangweilt hat. Der Klappentext verspricht wirklich mehr, als es dann letztendlich ist. Hin und wieder konnte man auch Seiten überspringen, ohne dass einem etwas von der handlung abhanden gekommen ist.
Rainer aus Bremen zu »Giles Blunt: Blutiges Eis« 30.12.2009
Spannung? Hhm, bei mir nicht. Der Text auf der Rückseite. der Spannung verspricht, muss zu einem anderen Roman gehören.

Ansonsten nett geschrieben, glaubwürdige Leute, zumindest überwiegend... Stärke des Romans sind eher die Nebenhandlungen und die Entwicklung der Hauptdarsteller.

Deshalb gerade noch 60° von mir
FyaShanna zu »Giles Blunt: Blutiges Eis« 23.02.2009
Ich habe im Buch 'Die Anstalt' hinten eine Empfehlung zu diesem Buch gelesen, und als ich es dann zufällig im Geschäft sah, hab ich es mir auch direkt mitgenommen. War für 3 Euro ja recht günstig zu haben!
Aber leider war ich auch alles andere als begeistert von dem Buch und mir ging es absolut genauso...! Ich habs auch nur fertig gebracht um die Hundert seiten zu lesen und jetzt staubt das Buch schon seid Monaten in meinem Regal rum.

Normalerweise verschlinge ich Bücher meist in 2 Tagen egal wie dick sie sind, aber dieses Buch war so ermüdend das ich es einfach nicht weiter lesen mochte!!
Villeicht kann ich mich in Zeiten großer langeweile und ohne neue Bücher doch mal dazu durchringen weiter zu lesen. Wäre ja möglich das es gen Ende noch ein wehnig Spannung aufbringt...

Ich hoffe das seine anderen Bücher besser sind wie 'Blutiges Eis' da ich mir nicht anmaßen möchte Giles Blunt als schlechten Autor zu bezeichnen weil ich selbst absolut nicht das Talent dazu habe Bücher zu schreiben. :)

Lg,

Shanna.
Christl zu »Giles Blunt: Blutiges Eis« 24.11.2008
Mich hat das Buch nicht so sehr angesprochen. Leider habe ich es nach den ersten 100 Seiten weggelegt und seit dem liegt es auch im Schrank.
Eventuell werde ich mich in meinem nächsten Urlaub nocheinmal aufrappeln und es erneut versuchen.
Aber es war mit Sicherheit das erste und letzte Buch von Giles Blunt dass ich glesen habe.
D.v.D. zu »Giles Blunt: Blutiges Eis« 12.11.2008
Dieses Buch konnte mich leider nicht wirklich überzeugen. Die Story bewegt sich mehr in der Politik, der 70ger Jahre Kanadas als in Richtung der eigentlichen Morde. Einige Fragen zu den Tathergängen bleiben meineserachtens unbaentwortet, allerdings werden die Landschaft und das Wetter sind sehr anschaulich dargestellt. Alles in allem gute kurzweilige Unterhaltung ...
sabrina13582 zu »Giles Blunt: Blutiges Eis« 02.10.2008
Also ich fand das Buch nicht so toll, die Vorgänger waren eindeutig besser!!!
Mir gefiel dieses politische Wirr-Warr nicht, und ich hatte echt Probleme mir die ganzen Namen und die dazu passenden Personen zu merken und zu behalten!!! Musste mich zwingen dass Buch zu Ende zu lesen!!! Das positivste an diesem Buch war, (wie auch bei den Vorgängern), dass Giles Blunt die Natur und das Wetter mal wieder klasse beschreiben konnte... Man hatte wirklich das Gefühl man wäre im tiefsten verschneiten und kalten Kanada !
naddi593 zu »Giles Blunt: Blutiges Eis« 03.08.2008
Meine Meinung zu diesem Buch ist, dass mich der ganze FRQ- Kram ein wenig genervt hat
und ich fand es auch nicht sooo wirklich spannend ,weil es mehr oder weniger etwas langweilig geschrieben wurde... ok die Geschmecker sind verschieden ...

Ich persönlich, hätte mir mehr Spannung beim Lesen erhofft. Über den Schluss kann leider noch nicht reden, da ich noch 100 Seiten vor mir habe...

Liebe Grüße eure Naddi :)

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